Wenn du jetzt nicht Zeit mit deinen Eltern verbringst, wirst du es später bitter bereuenWie alt sind deine Eltern? Was denkst du, wie lange du noch Zeit mit ihnen haben wirst?

Meine Mama wird dieses Jahr an Silvester 85. Ein hohes Alter und eine lange Zeit. Sie ist noch eine Kriegsgeneration und hat als Kind den Krieg miterlebt. Wir haben nicht mehr viele dieser Zeitzeugen.

Mein Großvater hatte noch ein Geburtsjahr mit 1800 vorne dran. Ich hab ihn leider nicht mehr wirklich kennen gelernt, da ich noch ein kleines Mädchen war, als er von uns uns ging.

Mir geht es heute um einen wichtigen Punkt für dich. Auch wenn wir wissen, dass das Leben endlich ist, leben wir trotzdem oft in der Illusion, dass wir noch ganz viel Zeit haben. Und da wir selbst ja häufig wenig Zeit haben (so scheint es zumindest…) nehmen wir uns die Zeit auch nicht für unsere Eltern.

Frage nach den Geschichten deiner Eltern

Mein Vater ist kurz vor seinem 83. Geburtstag verstorben. Er war als junger Mann im Krieg. Er hat Grauen erlebt, das ich mir nicht einmal vorzustellen vermag. Er war Kriegsgefangener und ist erst Jahre nach Kriegsende heimgekehrt.

Die Erlebnisse haben ihn geprägt und verändert. Für mich war es als Kind nicht immer einfach mit ihm. Er war schon fast 50 als ich auf die Welt kam und ihm fiel es schwer mit all den “spinnerten” Sachen mitzuhalten, die man als Teenager halt so macht.

Doch auch wenn wir unsere Differenzen hatten, hab ich immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht über seine Vergangenheit. Ich wollte wissen, was ihn zu dem gemacht hat, was er heute war und er hat mir erzählt. Vor allem von den schlimmen Jahren hat er erzählt. Er hat seine Erinnerungen aufgeschrieben.

Nicht mit dem Computer. Nein, er hat getippt auf seiner Schreibmaschine auf der ich später auch das Tippen gelernt hab.

Er hat mich gebeten, ob ich diese Erlebnisse für ihn im Computer abtippen könnte, damit sie nicht verloren gehen. Und das hab ich gemacht. Er konnte nicht wirklich darüber reden, doch ich konnte es lesen.

Für mich ist das so wichtig, zu wissen, was Menschen ausmacht. Wo sie herkommen, was sie erlebt haben, welche Träume sie hatten, wie es früher war. Daher frage ich Menschen immer danach.

Die Zeit vor unserer Zeit

Vor kurzem saß ich im Wartezimmer beim Arzt und ein älterer Herr sprach mich an und erzählte mir von seiner Frau, die Alzheimer hat und im Heim sei. Eine Bäckerei hätten sie früher gehabt und gemeinsam geführt. Ich hab ihn gefragt, ob es immer das war, was er machen wollte und er erzählte mir ein wenig von seiner Geschichte.

Die Zeiten in denen diese alten Menschen jung und dynamisch waren, waren vollkommen andere Zeiten. Es gab die ganze digitale Technik nicht, nicht diese unfassbare Beschleunigung. Ganz andere Zeiten.

Mich fasziniert das. Es macht die Menschen viel mehr greifbar, wenn sie dir von ihrem Leben erzählen. Und das ist umso wichtiger, weil ihre Geschichten niemand mehr erzählen wird, wenn sie tot sind.

Du wirst nie mehr erfahren was dein Vater eigentlich mal werden wollte, wenn du nicht ihm darüber sprichst. Du wirst nie mehr erfahren, wie die Anfangsjahre der Liebe deiner Eltern waren, wenn du sie nicht fragst.

Es geht soviel verloren, wenn wir diese Geschichten nicht hören. Diese Geschichten haben unser Leben viel mehr beeinflusst, als wir denken, denn unter deren Einfluss sind wir erzogen worden.

Meine Mama vergisst zwar immer mehr die aktuellen Daten und Termine, doch wie die meisten älteren Menschen kann sie sich sehr genau an ihre Kindheit, Jugend und Zeit als junge Erwachsene erinnern.

Wir sitzen oft nach dem Essen noch am Tisch oder im Wohnzimmer und ich frage sie nach diesen Jahren. Wir vergessen oft, dass unsere Eltern schon vor uns ein Leben hatten. Sie sind nicht erst seit dem da, seit dem es uns gibt. Sie waren schon viel früher da ohne ihre Rolle als Mutter und Vater.

Wenn wir über diese Zeit nichts wissen, entgeht uns soviel. Denn das ist die Zeit, die noch nichts mit uns zu tun hatte. Sie waren andere Menschen, weil sie noch keine Kinder hatten. Sie waren noch frei in ihren Entscheidungen und haben sich ihr Leben in bestimmten Farben ausgemalt.

Das Leben deiner Eltern hat dich geprägt

Wenn deine Mutter oder dein Vater nicht mehr leben werden, kannst du sie das alles nicht mehr fragen. Du wirst nie wissen, was deine Eltern als Kinder angestellt haben, was sie gern gespielt haben und von was sie geträumt haben.

Doch das ist ein Teil unseres Erbes. Wir leben nur, weil es unsere Eltern gab und diese leben nur, weil es unsere Großeltern gab. Wenn wir diese Spiel weiter nach oben spielen und einen Stammbaum aufzeichnen, kann einem bald schwindlig werden, wenn man sieht wie viele Menschen es brauchte, bis man selbst auf die Welt kam.

Daher nimm dir Zeit für Gespräch mit deinen Eltern. Vor allem wenn sie schon älter sind und schon lange Zeit auf Erden verweilen. Ich weiß ganz sicher für mich selbst, dass ich es zutiefst bedauern würde, wenn es zu spät wäre und ich hätte immer gedacht, ach, da ist ja noch Zeit dafür.

Wir wissen nicht, wann es passieren wird und aus meiner Sicht ist da auch gut so. Wir sollten nur bedenken, dass es jederzeit sein kann und daher jeder Moment zählt.

Auch wenn ich Stunden jede Woche auf der Autobahn deswegen verbringe, um meine Mama zu besuchen, ist das keine verschwendete Zeit für mich. Wir unterhalten uns, wir schweigen miteinander, wir gehen spazieren, wir holen uns ein Eis im Sommer und sind einfach zusammen. Wir erzählen uns Dinge und ich frage meine Mama immer wieder nach verschiedenen Lebensabschnitten.

Ich will ein möglichst buntes und vollständiges Bild – soweit das überhaupt geht – von meiner Mama haben. Durch sie bin ins Leben gekommen und ich werde sie begleiten so lange wie es dauert.

Ihre Geschichte sind deine Wurzeln

Was ich immer wieder besonders spannend finde, ist die Chance auch noch etwas über meine Großeltern erfahren zu können. Diese Generation die Ende 1800 geboren wurde und den letzten Jahrhundertwechsel und oft genug zwei Weltkriege miterlebt hat.

Es war wie ein Geschenk zu erfahren, dass mein Großvater schon Lehrer war, genauso wie mein Urgroßvater. Meine Mutter hatte ja ebenfalls Großeltern und so kann ich immer wieder noch einen weiteren Blick in meine Vergangenheit werfen.

Auch wenn ich früher nie wirklich wusste, was ich werden sollte beruflich, hab ich immer gern mit anderen gelernt, mit anderen Hausaufgaben gemacht, für andere Referate verfasst ;) oder heimlich Schulaufgaben vorkorrigiert, wenn wir sie geschrieben haben.

Und so ist es vielleicht kein Wunder, wenn ich mir mein Erbe ansehe, dass schon mehrere Generationen zurück Lehrer in meiner Familie zugange waren. Ich liebe es zu unterrichten und es ist für mich ein wunderbarer Gedanke, dass ich damit etwas aus der Familie meiner Mutter fortsetze. Das macht mich zum Teil eines größeren Verbundes, das verbindet mich im wahrsten Sinne mit meinen Ahnen und für mich ist das ein ganz wunderbares Gefühl.

Wenn du die Gelegenheit hast, lass dir erzählen wie der Alltag damals war, als deine Eltern klein waren. Was für Spiele sie mochten und mit was sie sich sonst so die Zeit vertrieben haben.

Die Erinnerungen meines Vaters die er mir zum Abtippen gab, sind mir soviel wert. Da ist ein Teil seiner Geschichte und ich kann sie weitergeben.

Nach 3 Generationen ist soviel vergessen

Wir beginnen zu vergessen. Das merkt man sehr an manchen politischen Strömungen. Wenn die dritte Generation in voller Blüte steht, ist das von der früheren vergessen heißt es.

Es wird nichts mehr daraus gelernt, weil es keine lebenden Zeitzeugen mehr gibt, die daran erinnern können durch ihre eigenen Erlebnisse. Doch was Geschichte lebendig erhalten kann, sind die Erinnerungen der eigenen Familienangehörigen.

Wir sind alle in einer Gesellschaft und in einer Welt groß geworden, die im Überfluss lebt. Wir alle kennen keinen Hunger und keine Angst vor Bomben. Wir leben sicher und für uns ist gesorgt. Damit das so bleibt, müssen wir uns erinnern. Wir müssen unsere Geschichte als etwas annehmen aus dem wir lernen müssen.

Unsere Eltern und Großeltern wollten immer Sicherheit für ihre Kinder und Enkelkinder. Frage sie danach wenn sie noch leben. Niemand wünscht sich Terror, Krieg und Verwüstung für die Menschen die er am meisten liebt.

Also beschäftige dich mit der Geschichte deiner Familie. Lass dir von diesen Zeiten erzählen, solange das noch möglich ist. Das ist etwas anders, als darüber in einem Geschichtsbuch zu lesen.

Nimm dir jetzt Zeit

Verschiebe das nicht auf später. Vielleicht gibt es kein später mehr. Mein Vater war Schneider und er hat mir vieles beigebracht. Ich hatte immer vor, noch mehr von ihm zu lernen. Wie man Schnitte entwickelt, wie man Stoffe beurteilt usw. Ich dachte oft, ach dafür ist ja noch Zeit.

Und dann war sie vorbei die Zeit. Auf einen Schlag. Ganz plötzlich. Und auch wenn wir ihn noch eine Weile bei uns hatten, ist diese Möglichkeit nie wieder gekehrt, weil es ihm nie wieder so gut ging, als dass er mir etwas hätte zeigen können.

So hektisch dein Leben auch sein mag, tu dir selbst den Gefallen und nimm dir die Zeit für deine Eltern, wenn sie schon älter sind. Du darfst mir glauben, wenn ich sage, dass du es garantiert bitter bereuen wirst, wenn es zu spät ist diese Gelegenheit zu ergreifen.

Sei aufmerksam auf die kleinen Details

Ich versuche mir auch möglichst viele Vorlieben meiner Mutter zu merken. Was für Obst sie gern mag, welche Marmelade, welches Brot, was für Schokolade sie gern isst, welche Farben sie mag. Was für Bücher sie gern liest oder welche Sendungen im Radio sie gern hört. Was für Musik sie gerne hört und welche Tiere sie gern hat.

All das erinnert mich in meinem Alltag immer wieder an sie und ich schicke ihr liebe Gedanken. Das ist oft nur ein Moment, doch für mich ein verbindender Moment. Ich bilde mir ein, dass es ihr gut tut. Ob das nun stimmt oder nicht, spielt gar nicht die große Rolle. Für mich ist es auf jeden Fall eine Wohltat und ich fühle mich mit ihr verbunden.

Und sollte es einmal sein, dass sie sich aufgrund von Demenz immer mehr verlieren sollte, kann ich damit immer wieder versuchen ihr eine Freude zu machen. Denn diese Kleinigkeiten verlieren sich als letztes. Die Vorlieben die man schon ganz lange hat, die bleiben einem meistens erhalten.

Diese kleine Dinge und Vorlieben sind es, was uns auf gewisse Weise ausmacht. Und ist es nicht wunderbar, wenn es jemandem in unserem Leben gibt, der so genau hinschaut und uns kennt, dass er diese Kleinigkeiten kennt, die wir mögen? Können wir uns selbst nicht unendlich darüber freuen, wenn uns damit jemand eine Freude macht?

Weil es bedeutet, dass wir jemandem so wichtig sind, dass er sich wirklich die Mühe gemacht hat, hin zuschauen und wahrzunehmen. Für mich ist es so schön, wenn ich das für Menschen machen kann.

Diese kleinen Dinge erhalten nicht nur die Freundschaft sondern sie erhalten die Verbindung. Diese so wertvolle Verbindung zu Menschen die wir lieben und die uns lieben.

Bewahre diese Verbindung so lange es nur geht. Nimm dir Zeit diese Verbindungen aufrechtzuerhalten und zu pflegen, wenn deine Eltern schon alt sind. Du wirst so froh sein über jede Minute die du mit ihnen verbracht hast, wenn sie einmal nicht mehr sein werden.

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