Gestalte dein Leben.

Wieso sollte jemand daheim Onlinezeiten definieren? Das macht man doch höchstens wenn man Kinder hat, oder? Dass ab einer gewissen Zeit das WLAN automatisch ausgeht und dann endlich Schlafenszeit ist.

Doch wieso sollten wir nicht darüber nachdenken, auch wenn wir keine Kinder haben?

Bei dieser Frage schaue ich oft in ratlose Gesichter. Wieso sollte man das machen? Tja, lass uns doch mal überlegen. Wie wir inzwischen zur Genüge gesehen haben, ist die Suchtgefahr enorm die mit dem Handy zusammen hängt. Das ist etwas Schleichendes und fällt uns gar nicht mehr auf, da es ja vollkommen normal ist und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert, ständig mit dem Handy in der Hand herumzulaufen.

Wenn du daheim bist, dann nimmt das oft noch zu. Denn jetzt bist du ja nicht in der Arbeit oder mit anderen unterwegs. Das ist Familien- und Privatzeit, da kannst du doch tun und lassen was du möchtest.

Doch schau dich doch mal bewusst um und nimm wahr wie die Onlinezeit unser Familienleben verändert hat.

Und bevor wir da einen genaueren Blick darauf werfen, gehen wir kurz noch einen weiteren Schritt zurück. Denn es geht mir um den Punkt, dass wir die Technik immer mehr darüber bestimmen lassen, wie wir unsere Tage verbringen.

Bildquelle: pixabay | leemelina08

Auf was ist dein Zuhause ausgerichtet?

Als der Fernseher seinen Siegeszug in unseren Haushalten gehalten hat und immer mehr zum Normalfall wurde, hat sich auch unser Verhalten daheim geändert.

Die Möbeleinrichtung hat sich nicht mehr so gestaltet, dass man Sofas und Sessel hatte, die zueinander ausgerichtet waren, so das man sich unterhalten konnte, sondern plötzlich war alles auf dieses Gerät ausgerichtet. So dass alle Platz haben und gut hinsehen können, sich aber nicht mehr unbedingt gegenseitig anschauen.

Wenn man sich das mal überlegt, ist das schon ein ziemlich verrückter Gedanke und eine ebenso verrückte Ausführung.

Daheim mit unseren Lieben gestalten wir den Wohnbereich rund um die Technik und nicht mehr um den Austausch.

Der einzige Haushalt an den ich mich erinnern kann, bei dem das anders war, war der von meiner Paten-Tante. Da ist es auch heute noch genauso anders wie früher.

Es gibt eine Couch und gegenüber zwei Sessel. Dazwischen der Couchtisch. Es gibt zwar einen Fernseher, doch der ist erstens ziemlich klein und steht rechts im Schrank mit meistens der Tür zu.

Es war immer klar, dass in diesem Haushalt nicht die Technik regiert und sich alles darum gruppiert, sondern der Austausch miteinander im Vordergrund steht und die Möbel darauf ausgerichtet sind.

Ich fand und finde das immer noch wunderbar und soviel angenehmer.

Wie würdest du einrichten?

Schau dich mal unter diesem Gesichtspunkt in Wohnungen um. Fang mit deiner an. Höchstwahrscheinlich ist auch dein Wohnzimmer auf dein Fernsehgerät ausgerichtet. Was du wahrscheinlich noch nie in Frage gestellt hast. Doch mach es jetzt.

Frag dich doch mal wie du dein Wohnzimmer einrichten und gestalten würdest, wenn es nicht um das Fernsehgerät als Ausrichtungspunkt gehen würde. Was wäre anders? Was würde sich verändern? Was wäre dadurch möglich?

Wenn du bei Freunden bist schau dich auch dort um, mit welcher Ausrichtung das Wohnzimmer gestaltet ist. Achte auch bei anderen Besuchen darauf und du wirst bemerken, dass es fast bei allen so ist. Vielleicht gibt es sogar überhaupt keine Ausnahme und in allen Wohnungen in die du kommst, richtet sich alles auf den Fernseher aus. Die Technik bestimmt wie unsere Möbel stehen.

Wie gestaltet dein Handy dein Leben daheim?

Gehen wir zu unserem Thema Onlinezeit und Handy zurück. Hier bestimmt das Handy nichts von der Einrichtung, aber wie du dich daheim verhältst.

Sitzen beim Essen alle mit dem Handy am Tisch? Oder nur die Kids? Oder du selbst? Das hat sich inzwischen bei vielen eingebürgert. Es wird zwar manchmal angemahnt, das Ding doch jetzt endlich mal aus der Hand zu legen. Doch mit einem gemeinsamen Essen hat das wenig zu tun.

Wenn wir solche Rituale wie gemeinsames Essen immer weniger werden lassen, dann verlieren wir einen ganz wichtigen Teil, der uns immer wieder zusammen bringt. Essen miteinander zu teilen hat etwas Verbindendes, wenn man es denn zulässt und darauf achtet, dass es überhaupt möglich ist.

Hast du nicht auch einige deiner schönsten Stunden beim Essen mit Freunden verbracht? Ist es nicht das, was man man gern mag? Was feines zu essen und sich mit lieben Menschen austauschen, miteinander lachen und einfach zusammen sein?

In Verbindung oder unterbrochen?

Diese Verbindungen werden durch das gemeinsame Essen und Erleben gestärkt. Wir beschäftigen uns mit unserem Gegenüber. Wir gehen ins Gespräch. Wir nehmen den anderen wahr, nehmen ihn wichtig und sind ganz Ohr.

Mit einem Handy dazwischen wird diese Verbindung immer wieder unterbrochen. Sobald mein Gegenüber sein Handy in die Hand nimmt, geht er aus dieser Verbindung. Es gibt eine Unterbrechung. Und das führt dazu, dass Bindungen auch immer schwächer werden. Denn sich miteinander verbinden braucht ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wenn man anfängt zu beobachten, bei welchen Gelegenheiten Menschen ihr Handy in der Hand haben, dann wird es wirklich zu einem total verrückten Bild. Mütter die ihren Kinderwagen schieben und dabei durch das Handy scrollen. Wenn man sich das aus der Perspektive des Kinderwagens überlegt, dann sieht das Kind seine Mama mit einem Kasten vor dem Gesicht.

Leute die mit ihrem Hund spazieren gehen und dabei ins Handy schauen. Leute die in der Stadt unterwegs sind und nur immer wieder kurz vom Handy aufschauen, um nicht an Laternen oder in andere Menschen zu laufen.

Radfahrer die während des Radelns auf ihr Handy schauen. Usw. Usw.

Schau dich um und nimm es wahr.

Handy immer parat?

Wie wollen wir daheim damit umgehen? Viele Menschen tragen ihr Handy generell in der Hosentasche. Ob in der hinteren oder vorderen, Hauptsache am Mann oder an der Frau. Auch wenn sie daheim sind, haben sie ständig das Gerät bei sich.

Wieso eigentlich? Wozu müssen wir ständig Zugriff haben? Damit wir irgendwelche Social Media Kanäle checken können? Weil uns langweilig sein könnte? Weil wir vielleicht nicht wissen, was wir gerade anfangen sollten?

Manche sind inzwischen soweit, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie ohne Handy anfangen sollen. Ja nur keine Leerzeit aufkommen lassen, keinen Hauch von Langeweile.

Daheim im WLAN wird gesurft und gescrollt was das Zeug hält. Stundenlang. Vielleicht nicht am Stück, doch zusammengerechnet, kommen diese Stunden heraus.

Onlinezeit in Minuten

Muss ich ständig was in der Hand haben?

Als ich zu rauchen aufhörte, wusste ich erst überhaupt nicht, was ich mit meinen Händen machen sollte. Ich hab ähm hust, ziemlich viel geraucht, eigentlich ständig und daher war ich da anfangs echt überfragt. Ich hab angefangen beim Weggehen andere Leute bewusst dabei zu beobachten, was sie mit ihren Händen machen.

Lustigerweise ist dann meiner besten Freundin und mir aufgefallen, dass sie eigentlich immer mit meinem Feuerzeug gespielt hat und ihr das jetzt abging, weil ich natürlich keins mehr dabei hatte ;)

Ich musste mir tatsächlich erst wieder angewöhnen, dass ich auch ohne etwas in den Fingern zu haben weggehen konnte. Dass ich nicht ständig mit irgendwas beschäftigt sein musste, sondern einfach mal sitzen bleiben und da sein konnte.

Das war anfangs gar nicht so einfach, hat mir jedoch gezeigt, wie sehr ich ein unruhiger Geist war und mich das Rauchen beschäftigt hat.

Ständig beschäftigt?

Gleiches gilt für unseren Handykonsum. Denn das ist es. Wir konsumieren hier etwas. Es beschäftigt uns. Wir sind beschäftigt.

Und klar ist daheim Surfen nett, doch willst du wirklich deine freie Zeit mit Handy und Haushalt verbringen? Willst du nicht auch in der Familie wieder wirkliche Verbindungen schaffen und nicht nur von einem Freizeit Termin zum nächsten kutschieren und dazwischen das Handy checken?

Sollten wir nicht wieder Gelegenheiten schaffen, in der wir alles zusammen offline sind?

Gemeinsam offline sein

Essenszeiten sind dabei eine erste Möglichkeit. Und wieso werden nicht wieder Abendgestaltungen wie Spieleabende eingeführt? Oder Sport machen? Oder Musik machen? Oder ein Hobby gemeinsam pflegen?

Natürlich entwickelt jedes Familienmitglied seine eigene Form der Freizeit Gestaltung und es geht auch nicht darum allen etwa aufzudrücken was ihnen widerstrebt.

Es geht darum, das wir nicht unser Leben, wie schon die Wohnzimmermöbel, um die Technik herum ausrichten. Die Technik sollte nicht das bestimmende Element in unserem Leben sein.

Das ist so schleichend und unerkannt passiert, dass wir es nicht als das wahrgenommen haben, was es ist. Wir werden gelebt, wir konsumieren, doch wir leben nicht mehr aktiv. Wir gestalten unser Leben damit nicht mehr.

Und doch ist dieses Gestalten das, was uns Freude bringt. Das was uns zufrieden macht. Das was uns glücklich macht.

Das Leben gestalten. Und nicht auf die Technik ausrichten.

Impulse für ein aktiv gestaltetes Leben

Daher hab ich einige Impulse für dich, wie du wieder beginnen kannst, deine Möbel, ähm dein Leben, wieder auf dich auszurichten.

1. Trag dein Handy nicht mit dir herum, wenn du daheim bist. Nimm es aus der Hosentasche und lege es an einen Ort den du dafür definierst.

Wenn du beginnst das zu tun, wirst du merken, wie oft du den Impuls hast zu deinem Handy zu greifen und wie du fast Verlustangst verspürst, wenn es nicht in deiner Tasche ist. Das ist ein guter Trennungsschmerz, glaub mir!

Allein dadurch, dass du einen bestimmten Weg machen musst, um dein Handy in die Hand zu nehmen, hast du die Chance zu reflektieren, aus welchen Gründen heraus du das jetzt eigentlich machen möchtest. Musst du tatsächlich jemanden anrufen oder willst du einfach nur daddeln?

Wenn du diesen festen Ort einmal definiert hast, wirst du bemerken, dass du ruhiger wirst und beginnen kannst, dich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Das mag eine Weile dauern, doch das ist es so sehr wert.

Mein Handy z.B. liegt daheim in der Küche. Wenn ich im Büro unten sitze, hab ich es nicht dabei. Es liegt oben in der Küche, denn wenn ich im Büro bin arbeite ich und dazu brauche ich kein Handy. Das braucht man tatsächlich nur ganz selten wirklich zum Arbeiten.

Außer wenn es das einzige Telefon ist und das ist für mich ein Grund, warum ich nie meinen Festnetzanschluss aufgeben würde. Denn ansonsten ist das wie Schokolade. Liegt sie in der Nähe ist die Chance sehr groß, dass sie auch gegessen wird. Liegt das Handy griffbereit ist auch hier die Chance sehr groß, dass man es ständig in der Hand hat.

2. Plane Offline-Zeiten. Dazu hab ich schon einiges geschrieben und kann es nur nochmal betonen wie wichtig es ist, sich tatsächlich regelmäßig komplett abzukoppeln von der Onlinewelt. Denn dort zu viel Zeit zu verbringen, schmälert unsere Zeit in der Welt die sich jetzt gerade um uns herum entfaltet.

3. Beim Essen kein Handy. Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, warum man beim Essen – ob nun allein oder in Gesellschaft – das Handy brauchen könnte. Nein, man muss keineswegs jedes Essen fotografieren. Ehrlich, das muss man nicht…

4. Plane mindestens einen Abend in der Woche ein, in der du einer Aktivität nachgehst, bei der du dein Handy nicht in der Nähe hast. Am besten sogar aus oder zumindest auf Flugmodus. Wenn du ganz stark bist, dann mach sogar mindestens einen fernsehfreien Abend daheim. Das gilt natürlich auch für den PC. Mach mindestens an einem Abend daheim etwas, was nichts mit Technik zu tun hat oder mit online sein.

Wenn du jetzt ein langes Gesicht machst und dir partout überhaupt nichts einfällt, dann ist es aber höchste Eisenbahn, dass du dir darüber Gedanken machst. Das ist wie der alte Spruch beim Meditieren: Wenn jemand keine Zeit zum Meditieren hat, sollte er doppelt so lang meditieren.

Und wenn du merkst, dass du keine Ahnung hast, was du ohne Technik mit dir anfangen sollst, dann überleg am besten so lange, bis dir etwas einfällt. (hint: man kann Bücher auch ohne Tablet lesen…)

Gestalte dein Leben und schaff dir Erinnerungen

Das ist nicht unbedingt eine leichte Übung ich weiß. Doch ich kann dir garantieren, dass es absolut wert ist, sich über die Gestaltung deines Lebens Gedanken zu machen.

Du wirst garantiert nicht am Ende deines Lebens sagen, ‚geil, dass ich soviel Zeit mit meinem Handy verbracht habe. Hätte ich noch mehr machen sollen.‘

Nein, denn du wirst dich an diese Zeiten nicht erinnern. Du kannst dich doch schon kaum an gestern erinnern, was du da in deinem Handy beim Scrollen und Gucken alles gesehen hast. Es rauscht immer mehr an uns vorbei und damit unsere Lebenszeit.

Also schaff dir Erinnerungen. Und Erinnerungen entstehen dann, wenn du Erlebnisse hast. Wenn du etwas schaffst mit deinen Händen, wenn du bewusst Zeit mit anderen verbringst. Wenn du dein Leben gestaltest.

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