Aufschieberitis - Die Magie des nächsten Schritt.

Wie viele Aufgaben setzen schon Grünspan an auf deiner Todo-Liste? Was schiebst du immer wieder vor dir her? Wir alle wissen wohl nur zu gut, wie sehr Unerledigtes lähmen kann. Wieviel Energie es kostet und was es uns an Kraft rauben kann.

Das ist eigentlich total verrückt, dass wir uns von etwas, das wir noch nicht erledigt haben und auch aktuell nicht tun, dermaßen die innere Ruhe rauben lassen.

Es ist wiederum ein großes Signal dafür, dass unsere Gedanken darüber bestimmen, wie es uns geht.

Doch bei Dingen, Aufgaben und Projekten die wir vor uns herschieben, ist das besonders fatal, weil wir immer wieder darüber stolpern und jeden Tag etwas von unserer Energie hergeben. Es ist wie ein kaputter Schirm, durch den es hindurch regnet und wir immer wieder nass werden.

Schon ziemlich gaga, oder? Die Aufschieberitis oder Prokrastination, wie sie ja inzwischen gern genannt wird, hat uns ja schon öfter beschäftigt. Lustig ist auch, dass alles einen neuen Namen bekommt und damit fast schon salonfähig wird. Ich schiebe nicht auf, ich prokrastiniere, das hört sich doch gleich viel wichtiger und weniger ätzend an…

Der Effekt bleibt derselbe, die Aufgaben wird nicht nicht gemacht. Heute wollen wir mal nicht darauf fokussieren, warum wir prokrastinieren sondern uns ganz konkret die Lösung dafür anschauen. Was dich dazu bringt, diesem Aufschieben ein Ende zu setzen.

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Die simple Lösung

Es ist im Prinzip ziemlich banal, doch genau deswegen, weil es so oft unterschätzt wird, führt es zu andauerndem Aufschieben.

Dein Weg zur Erledigung führt über den nächsten Schritt.

Ein Konzept das David Allen in seinen Büchern lang und breit ausgewalzt hat. Zu recht. Denn dieser Faktor “der nächste Schritt” ist genau das fehlende Bindeglied das uns vom Aufschieben zum Erledigen bringen kann.

Um die Definition eines nächsten Schrittes nochmal ganz klar zu haben:

Der nächste Schritt ist immer etwas, das ich mir konkret vorstellen kann (Vorstellung) und der handelbar ist von mir, also ich ihn tun kann (Handlung). Und hinter genau diesen beiden Begriffen steckt die Lösung.

Ein nächster Schritt muss immer etwas sein, dass ich mich tun sehen kann in meinem Kopf. Ich muss mich diese Handlung ausführen sehen können. Nur wenn das der Fall ist, dann kann habe ich tatsächlich den nächsten Schritt gefunden und kann ihn ausführen.

Das mag sich jetzt ein wenig nach Übertreibung und Wortklauberei anhören, doch du darfst mir glauben, wenn ihr dir sage, dass die wenigsten Menschen sich die Zeit nehmen, sich genau darüber Klarheit zu verschaffen und wundern sich dann, dass sie mit ihrem Kram nicht vorwärts kommen.

Denn wenn ich überfragt bin, was denn nun der nächste Schritt sein soll, dann ist der nächste Schritt ebenso klar wie logisch: Gedanken darüber machen, was der nächste Schritt sein muss.

Hört sich banal an? Ist es auch und wird fast nie gemacht. Wenn keine klare Vorstellung von der nächsten Handlung in meinem Kopf da ist, dann steigen die Chancen immens, dass ich die Sache schiebe. Daher MUSS in solchen Fällen der nächste Schritt sein: nachdenken, was der nächste Schritt sein muss.

Nachdenken ist ein nächster Schritt

Nehmen wir an, wir machen diesen nächsten Schritt und denken nach, was die nächsten Schritte sein sollen und wir kommen einfach auf keinen grünen Zweig, dann kann der nächste Schritt sein: überlegen, wen man ansprechen kann um Hilfe zu bekommen oder wie man eine Lösung online finden kann. Doch meistens ist es tatsächlich der Fall in diesen Situationen, dass wir am besten jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt.

Oder auch einfach um Rat bitten, wenn es um ein persönliches Thema geht. Wir müssen nicht alles wissen und können. Doch wenn wir feststecken und alles schon probiert haben, dann ist der nächste Schritt um Hilfe zu bitten.

Das fällt vielen gar nicht so leicht und ist daher eine Fähigkeit die es sich zu lernen lohnt. Denn wir Menschen existieren nun mal immer in Verbindung mit anderen und sind früher oder später auf Hilfe angewiesen.

Um Hilfe zu bitten heißt auch nicht, dass ich doof bin, es einfach nicht drauf habe oder nicht geeignet bin, es heißt einfach nur, dass ich im Moment nicht weiß, wie es an dieser Stelle weitergehen soll.

Das sagt nichts über meinen Wert als Mensch aus und nichts über meine Intelligenz. Im Gegenteil, jemand der in der Lage ist um etwas zu bitten, hat oft eine klar Vorstellung seiner persönlichen Grenzen und weiß wann es sinnvoll ist nicht mehr gegen Wände zu laufen.

Schau genau

Wie sich bis hierher schon zeigt, ist es unabdingbar, dass man sich die Zeit nimmt wirklich hin zuschauen, was passiert, wenn man Aufgaben aufschiebt.

Oft reichen nur wenige Minuten um sich Klarheit zu verschaffen und den nächsten Schritt zu erkennen.

Lass uns nochmal genauer auf diesen nächsten Schritt schauen. Viele machen den Fehler und machen diesen Schritt zu groß. Er ist wie ein Siebenmeilenschritt und das führt genauso zum Aufschieben als wenn er gar nicht festgelegt worden wäre.

Ein guter nächster Schritt ist immer klein genug, dass er bewältigbar ist und trotzdem in die gewünschte Richtung führt.

In meinen Seminaren frage ich die TeilnehmerInnen gern, was sie denn so aufschieben. Da gibt es eine Gruppe von Aufgaben die immer wieder genannt werden: schwierige Gespräche führen

Sei es beruflich oder privat. Das ist verständlich, da Kommunikation eines der größten Minenfelder ist, die man nur betreten kann.

Schwierige Gespräche vor dir?

Doch auch dafür kann man sich nächste Schritte überlegen. Die erste Frage ist in diesen Fällen immer: Was ist das Ziel des Gesprächs? Was soll dabei heraus kommen? Was genau ist meine Vorstellung von einem guten Ergebnis?

Der Trick hierbei ist, sich nicht nur Gedanken darüber zu machen, was für einen selbst ein guter Ausgang sein könnte sondern auch für den anderen. In Gehaltsgesprächen z.B. muss es für beide Seiten passen und das Gefühl vorhanden sein, dass man etwas gewonnen hat. Wenn nur einer gewinnt, dann ist das nicht als gelungen zu bezeichnen.

Was wünsche ich mir und was wird sich der/die andere möglicherweise wünschen. Klar können wir das nicht bis ins letzte Detail wissen, doch wir liegen mit unserer Einschätzung oft sehr nah an der Wirklichkeit. Wir haben oft das richtige Gespür, was unsere Gegenüber sich vorstellen.

Wenn ich mir darüber Gedanken gemacht habe aus der Sicht beider Seiten, dann könnte der nächste Schritt sein Überlegungen anzustellen, was das Übergeordnete ist, das wir beide erreichen wollen.

Wenn es um ein Kritikgespräch mit einem Mitarbeiter geht, dann könnte das oben Drüberliegende etwas sein, dass für beiden einen Nutzen hat, das Wohlergehen der Firma z.B. Denn nur eine gesunde Firma kann für MitarbeiterInnen und KundInnen gleichermaßen da sein.

Diese Überlegungen aus beiden Seiten lassen mich auch manches mal erkennen, was ich leicht ändern kann, damit der andere zufriedener ist. Vorwürfe sind schlecht formulierte Wünsche heißt es in einem Zitat von Martin Haberzettl.

Daher lohnt es sich herauszufinden, was beide Seiten brauchen und dann laufen Gespräche in einer anderen Qualität ab.

Gut, also wir haben uns Gedanken gemacht, was für uns und den anderen am Ende herauskommen soll. Dabei heißt das auch nicht, dass ich mich unterbuttern lassen muss und immer nachgeben. Diese Gedanken sich vorher zu machen beinhaltet auch seine eigenen Grenzen festzulegen.

Auch wann man ein Gespräch verlassen wird, wenn es zu unangenehm wird. Diesen Rahmen vorher schon für sich klar zu haben, führt alles dazu, dass es leichter wird bei der Sache und konstruktiv zu bleiben.

Selbst unangenehme Situationen gehen zu Ende. Sie haben einen Anfang, einen Schluss und einen Mittelteil. Wer Berichte immer wieder vor sich her schiebt oder ähnliches, was mit längerem Aufwand verbunden ist, sollte sich darüber klar werden, dass es umso länger dauern wird – dieses unangenehme Gefühl – je länger man zögert.

Gute nächste Schritte sind klein

Kehren wir also zu unserem nächsten Schritt zurück. Er sollte vorstellbar sein, von uns durchführbar sein und nicht zu groß sein.

Das mit dem “nicht zu groß sein” lässt sich leichter lösen als manche denken. Um das an einem Beispiel zu erklären: in unserer Fastenchallenge misten wir unser Zuhause aus. Doch zu sagen, heute mach ich mal in der Küche so richtig klar Schiff, ist kein nächster Schritt. Es hört sich zwar so an, doch er ist viel zu groß.

Daher brechen wir das herunter und fangen immer ganz klassisch in der Besteckschublade an. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist ein überschaubarer Bereich, klar abgegrenzt, man kann es selbst machen und man hat eine Vorstellung wie es bereinigt aussieht.

Genau diese Art von Schritten suchen wir, wenn wir über den nächsten Schritt reden. Für das Projekt endlich mal neue Bücherregale anzuschaffen, ist der erste kleine nächste Schritt, den vorhandenen und geplanten Platz dafür auszumessen. Das ist in wenigen Minuten passiert. Wunderbar. Dann kann ich mir Gedanken über den nächsten kleinen Schritt machen.

Simpel heißt nicht, dass es gemacht wird

Das ist alles nichts Neues und es ist banal. Doch wie immer lautet die Frage: Wird es auch gemacht? Meiner Erfahrung nach wird der nächste Schritt “nachdenken über den nächsten Schritt” am seltensten wirklich gemacht.

Wir hetzen alle durch die Gegend, dabei wäre der beste Produktivitätsschub einfach mal sitzen bleiben und sich über das Projekt Gedanken zu machen. Von allen Seiten zu beleuchten, sich über das gewünschte Ergebnis eine Vorstellung zu machen und dann die nächsten Schritte ganz glasklar benennen.

Ein weiterer Grund warum wir Aufgaben oft vor uns her schieben, ist weniger die Aufgabe selber, als die damit verbundenen Gefühle. Ein schwieriges Gespräch führen zu müssen impliziert schon durch die Beschreibung “schwierig”, dass ich mich nicht superhappy dabei fühlen werde. Wir schieben also die Gefühle vor uns her, die wir erwarten zu erleben.

Was sie durch das Aufschieben erstmal verhindert, doch spätestens wenn es eine Terminsache wird, dann müssen wir trotzdem durch. Leider führt das dann oft zu Gehudel und jetzt muss es aber schnell gehen, was die Qualität des Aufgaben erledigen meist in den Keller rauschen lässt.

Was schiebst du wirklich? Die Aufgabe oder das Gefühl?

Mach dir also als nächstes Gedanken darüber, ob du wirklich die Aufgabe an sich vor dir herschiebst oder ob du fürchtest, verschiedensten Emotionen ausgesetzt zu sein, die du nicht so gern hast.

Es hilft, sich darüber ebenso klar Gedanken zu machen, denn was uns fehlt, wenn wir das nicht tun, sind klare Ideen, wie wir uns verhalten oder handeln können, wenn wir mitten drin stecken.

Wenn mir klar ist, dass mein Gegenüber mich vielleicht angreifen wird in einem Gespräch und ich mir vorher darüber Gedanken gemacht habe, wie es mir dabei gehen könnte, dann kann ich mir auch klar machen, wie ich reagieren könnte und das üben.

Das mag nicht in allen Fällen gelingen, doch wenn es schon mal in 1 von 10 Fällen hilft, ist das ein Erfolg und ein Fortschritt. Doch wenn ich mir davor nicht Gedanken darüber mache und das in nächste Schritte verwandle, werde ich immer wieder gleiche Situationen erleben.

Zauberei ;)

Die Magie des nächsten Schrittes ist wirklich nicht zu unterschätzen. Das Konzept kommt so leicht daher “mach einfach den nächsten Schritt” doch es steckt wirklich mehr dahinter.

Wenn du merkst, dass du feststeckst und Dinge ewig vor dir herschiebst, dann nimm dir die Zeit und denke darüber nach, was dein Ziel dabei ist und welche Schritte dich dorthin führen werden. Dann überlege den ganz konkreten nächsten kleinen Schritt. Denke vor allem an das ‘klein’ und mach dir eine Vorstellung davon wie du diesen Schritt erledigst. Das alles wird dir helfen endlich deinen aufgeschobenen Berg anzupacken.

Wenn du weitere Hilfe brauchst, dann schau dir meine kleine Serie an, wie du offene Projekte endlich erledigt bekommst.

Und jetzt, such dir den nächsten Schritt!

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