Warum ständig Neues beginnen auf Dauer unglücklich macht.

Weißt du was UFOs sind? Nun manche meinen, dass es sich dabei um unbemannte Flugobjekte handelt. Vielleicht, doch viel wahrscheinlich hast du selbst auch einige UFOs daheim. Vielleicht sogar viele?

UFO steht nämlich für un-finished-objects ;) und damit wird klar, dass das nicht etwas ist was im Weltall rumsaust sondern direkt bei dir daheim.

Bildquelle: pixabay | Free-Photos

Arten von UFOs

Diese UFOs gibt es in verschiedenen Farben, Formen und Auswüchsen. Nehmen wir mal Hobbys. Wer strickt, hat unter Garantie in irgendeinem Schrank oder einer Schublade einige angefangene Stricksachen herumliegen, die einfach nicht fertig geworden sind. Weil die Wolle zu kratzig war, weil die Farben doch nicht so schön waren wie gedacht, weil das Muster zu kompliziert ist, weil das Modell nicht gefallen hat.

Dann fängt man doch lieber das nächste an und freut sich über den Neubeginn und die Euphorie ganz frisch ans Werk gehen zu können. Das alte, nicht Beendete stopft man einfach schnell in den Schrank zu den anderen, die dort bereits ihren Lebensabend fristen.

Oder nehmen wir sportliche Hobbys. Vielleicht hast du im Keller, Garage, Dachboden oder Abstellkammer auch noch ein paar Sachen stehen, bei denen du mal dachtest, ja das mach ich jetzt ewig. Das ist genau mein Ding.

Ein Trampolin, das voller Euphorie angeschafft wurde, oder ein Huula-Hoop-Reifen weil das grad so einfach und so hipp ist. Oder Joggingklamotten und Jogging Schuhe, weil man das ja immer machen kann und dazu sonst nichts braucht.

Oder in etwas größerer Ausführung den Stairmaster der jetzt im Schlafzimmer als Kleiderablage dient?

Vielleicht auch Tennisschläger mit Bällen und natürlich den passenden Klamotten dazu. Oder ein Rad, dass du ganz optimistisch vor Jahren erworben hast, um jetzt endlich mal richtig fit zu werden…

Wer gern bastelt und sich an Deko probiert hat, findet bestimmt auch noch unfertige Schätzchen daheim. Wie das große Fotobild, für das man schon mal den Rahmen parat hatte und die Fotos in einem Umschlag dafür auch noch irgendwo sein müssen.

Oder man wollte doch schon immer mal den schönen alten Stuhl abbeizen und in einer anderen Farbe streichen. Auch gern genommen die alte Kommode die im Keller steht und die man aufmöbeln wollte.

Eine weitere Alternative ist der SUB. Du weißt nicht was das ist? Nun wenn du gern liest, dann hast du auch unter Garantie diesen SUB daheim:

SUB = Stapel ungelesener Bücher ;)

Na, erwischt? Gibt es den Stapel auch bei dir? Die Bücher die du auf jeden Fall noch lesen möchtest und dann doch schon Staub ansetzen, weil immer wieder was dazwischen kommt.

Möglicherweise wolltest du auch schon lange mal dein Wohnzimmer umgestalten und hast dafür Möbelprospekte von überall mitgenommen und dann liegen sie nun auf einem Stapel und harren dem Lauf der Dinge.

Auch die Klamotten gehören unbedingt mal wieder aussortiert und dann zur Kleidersammlung gebracht.

Wolltest du nicht auch mal spanisch oder eine andere Sprache lernen? Hast dir Bücher und vielleicht auch hörbares Kursmaterial angeschafft, ein paar Stunden des VHS Kurses besucht und dann irgendwie keine Zeit mehr dafür gefunden?

Welche UFOs hast du so daheim?

Ich bin mir sicher, wenn du jetzt selbst anfängst zu überlegen, dass dir viele, viele Sachen einfallen, die du angefangen hast und dann doch nicht durchgezogen hast.

Die Lust war nicht mehr die gleiche wie am Anfang. Es wurde anstrengend, es kam was anderes dazwischen und dann geriet es in Vergessenheit.

Das passiert oft ganz schleichend und wenn wir die Sachen unerwartet mal wieder in die Hände kriegen fällt es uns erst wieder ein, das wir das ja auch mal angefangen hatten.

Mit der Zeit ergibt das einen Friedhof der lebenden Toten, wenn man so will. Denn sie sind unvollendet diese Projekte, Dinge und Sachen, die man mal voller Energie und Zuversicht gestartet hat.

Sie leben wie in einem Zwischenstadium und können diese Welt nicht verlassen wenn man so will ;)

Wir verlieren eine wichtige Fähigkeit

Auch wenn das alles mit einem Augenzwinkern gemeint ist, hat es tatsächlich einen ernsten Hintergrund.

Je mehr wir die Fähigkeit des Dranbleibens verlieren und verlernen, dass wir Dinge und Projekte durchziehen und nicht ständig wieder etwas neues anfangen, bevor Altes abgeschlossen ist, wird unsere Unzufriedenheit mit den Jahren immer größer.

Damit verbunden sinkt unser Glücksgefühl, denn die Euphorie die wir am Beginn einer Sache haben, ist immer nur eine kurzlebige Sache.

Die Befriedigung dagegen die sich einstellt, wenn man sich als jemand erlebt der wirklich an einer Sache dran bleibt, besser wird darin, etwa fertig stellt, ist eine nachhaltige Energie, die uns für unser ganzes Leben Wirkung bringt.

All diese unbeendeten Sachen sind wie offene Schubladen, an denen sich unser Geist immer wieder anhaut und blauen Flecken holt.

Je mehr von diesen offenen Schubladen in unseren geistigen Kommoden offen sind, um so mehr blaue Flecken haben wir, sprich umso mehr Energie ist gebunden, weil wir immer wieder im Kopf haben, dass etwas noch nicht erledigt ist.

Das muss nicht unbedingt bewusst sein, das kann auch im Hinterkopf wie eine leise Radiosendung vor sich hin dudeln, doch diese Energie fehlt uns für alles, was wir gerade versuchen zu bewältigen und zu erledigen.

Durchziehen fühlt sich großartig an!

Denken wir doch mal in die andere Richtung. Denke an etwas zurück, dass du fertig gemacht hast, ein Projekt das du beendet hast.

Das Gefühl das mit dem Beenden eines Projekts zu tun hat, kann bittersüß sein, wenn es etwas ist, was einem besonders Freude gemacht hat. Doch oft ist damit auch das Gefühl von Stolz verbunden, etwas geschafft zu haben.

Wenn es ein schwieriges Projekt war, dann ist damit eine wichtige Referenzerfahrung für uns damit verknüpft, dass wir uns selbst als jemand erleben, der Dinge schaffen kann, der es hinkriegt etwas zu beenden, der die Fähigkeit des Abschließen besitzt.

Das ist eine sehr unterschätzte und wichtige Fähigkeit, die leider immer mehr verloren geht.

Neue Ideen, neues ausprobieren, neues anfangen, das ist es was propagiert wird um Spaß zu haben, doch das ist sehr kurzfristig gedacht. Denn es füttert nur die kurzfristige Belohnungsmaschine.

Kurzfristige Belohnungen machen nicht zufrieden

Die Fähigkeit etwas beenden zu können, dran zubleiben, bedeutet auch die Fähigkeit sich selbst nicht von Unlustgefühlen draus bringen zu lassen, sondern im Gegenteil zu trainieren, sich über seine Emotionsmuster zu erheben und neue einzuüben.

Kurzfristige Belohnung ist wie Traubenzucker, den wir essen. Das gibt einen kurzen Energieschub und dann einen umso größeren Abfall. Wenn wir jedoch gesundes Essen zu uns nehmen, bei dem der Zucker nicht gleich verfügbar ist, sondern es länger dauert ihn zugänglich zu machen, dann bleibt uns die Energie auch länger.

Im übertragenen Sinne bedeutet das auch, dass wir von diesem Zug wieder abspringen müssen und uns nicht immer nur auf diese schnellen Belohnungen fixieren dürfen.

Denn dann wird das Leben schal. Darin steckt keine Zufriedenheit.

Wenn wir wirklich etwas durchziehen und beenden, dann stecken wir Kraft hinein, geben uns Mühe und strengen uns an. Genau das macht uns letztendlich zufrieden. Das Machen an sich, das Mühegeben, das Anstrengen, das Durchziehen, das ist es was uns zufrieden macht.

Wenn wir uns nur auf schnelle Ergebnisse konzentrieren, dann brauchen wir uns auch nicht viel Mühe zu geben. Die Ergebnisse schauen dementsprechend aus und genauso schnell vergeht auch das gute Gefühl.

Auf dem Weg zu sein bringt uns Zufriedenheit

Den Weg als das Ziel zu sehen ist ein uralter Spruch. Doch kaum jemand denkt für sich wirklich über die Bedeutung dessen nach.

Was ist der Weg? Der Weg ist das, was ich jetzt gerade tue, um das Projekt, die Sache, der Vollendung einen Schritt näher zu bringen.

Auch wenn ich gerade mit etwas scheitere, weil es nicht so klappen mag, ist das ein Schritt auf dem Weg. Dann gehe ich vielleicht etwas langsamer, doch ich bin immer noch auf der richtigen Route unterwegs.

Wie sehr wir als ganze Gesellschaft inzwischen auf schnelle Ergebnisse programmiert und erpicht sind, ist mir bei etwas ganz banalem aufgefallen.

Meine liebe Mama hat mir schon vor der Schule das Stricken und Häkeln beigebracht. Es war etwas, das ich immer schon lernen wollte, weil ich meine Mama immer handarbeiten gesehen habe.

So bin ich mit verschiedensten Strickzeitschriften großgeworden. In denen es Kindermodelle und natürlich auch Sachen für Erwachsene gab. Ich hab heute noch Hefte daheim aus den 80ern mit Fotomodellen die explodierende Toupierfrisuren hatten, Schulterpolster wie Rugbyspieler und breite Gürtel ;)

Doch ich wollte gar keinen Modevortrag halten, sondern auf etwas Bestimmtes hinaus. Die Muster und Anleitungen war damals immer variiert von leicht bishin zu schwierigeren Sachen. Normale Garne, besondere Garne, alles dabei.

Der Trend geht zur Ungeduld

Was sich allerdings in den letzten 10 Jahren in den Heften extrem gewandelt hat, ist die Stärke der Garne. Heute muss alles ganz schnell fertig sein. Also am besten Garne so dick wie ein kleiner Finger, dass ich nur noch ein Stündchen brauche um den Schal zu beenden oder den Pullover zu stricken. Und ähm hust genauso so sehen die Dinger dann auch aus.

Ich weiß, dass man über Geschmack streiten kann, doch was hier ganz deutlich zum Vorschein kommt: Die Zeitschriften wollen natürlich den Zeitgeschmack abbilden und sie wollen vor allem gekauft werden.

Anscheinend werden sie nur noch gekauft, wenn diese schnelle Belohnung eingebaut ist. Kaum jemand will sich mehr Zeit nehmen für komplizierte und anstrengende Muster. Etwas das Stunden dauert und nicht einfach ist.

Das scheinen nur noch alte Damen und ein kleinerer Kreis von Menschen zu sein. Diese Entwicklung war in den Heften so auffällig, dass es sich über alle verschiedenen Verlage durchgezogen hat.

Um was geht es in unserem Leben wirklich?

Mich hat das sehr zum Nachdenken gebracht. Ein Hobby ist eine schöne Sache. Doch muss es wirklich ständig einen Kick geben? Muss immer gleich alles fertig sein, damit die Belohnung da ist und sich die kurze Aufmerksamkeitsspanne nicht in die Länge ziehen muss?

Für mich ist das eine sehr traurige Entwicklung. Denn sich einem Projekt über längere Zeit mit Liebe und Energie zu widmen, ist ein äußerst zufrieden machendes Gefühl. Es hat mit Wertigkeit zu tun. Wert entsteht bei einer Sache auch dadurch, wie viel Zeit ich darin investiert habe.

Deine Liste an UFOs

Mach dir doch mal den Spaß und gehe durch deine Wohnung mit dem Blick des Unvollendeten. Was für Sachen gibt es die du angefangen und nicht beendet hast?

Nimm einen Stift und Zettel und schreib dir diese Projekte auf. Ob das jetzt Handarbeiten sind oder Sprachen die du lernen wolltest, sportliche Aktivitäten die du schleifen hast lassen usw.

Sei ehrlich zu dir bei dieser Bestandsaufnahme. Was hast du begonnen, jedoch nicht beendet? Welche Projekte sind in einem untoten Zustand und harren darauf, dass etwas mit ihnen geschieht?

Auch wenn deine Liste länger und länger werden mag und das damit verbundene Gefühl immer unangenehmer und unangenehmer, ist es eine gute Idee einmal richtig hinzuschauen und wahrzunehmen, was tatsächlich Stand der Dinge ist.

Nimm dir die nächsten Tage Zeit dafür und schau auch mal durch deinen Computer, welche Kurse du gekauft und angefangen hast, jedoch nicht beendet. Vielleicht gibt es auch Kurse die du gekauft und nicht einmal hinein geschaut hast? Welche Klamotten hängen noch ungetragen in deinem Schrank? Auch das sind nicht beendete Projekte.

Sammle alles auf deiner Liste zusammen, was sich an Angefangenem so aufgestaut hat. Wir werden beim nächsten Mal dann schauen, was wir jetzt damit machen. Denn alles ist besser, als deinen Friedhof der untoten Projekte immer noch größer werden zu lassen.

Der erste Schritt dazu ist diese Bestandsaufnahme. Ein ehrliches Wahrnehmen was ist. Schau hin und nimm wahr.

Was steht so auf deiner Liste? Schreib gern einen Kommentar und du wirst sehen, dass du nicht allein mit all den unbeendeten Projekten bist.


Hier findest du die anderen Teile der Challenge „Projekte beenden“

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