Wahrheit über die Infoflut

Es gibt kaum jemanden der nicht von der Infoflut überrollt wird. In der einen oder anderen Weise betrifft sie alle von uns.

Am vertrautesten ist wohl die digitale Infoflut. Wir werden überrollt von emails, von Nachrichten, von Benachrichtigungen, von Klingeln, Vibrieren und anderen Signalen.

Doch was ist das tatsächlich, diese Infoflut? Gibt es sie wirklich? Das ist die Frage, die ich mir oft stelle.

Gibt es diese Infoflut wirklich?

Fakt ist, dass wir heute in Internetzeiten mehr Wissen produzieren als das noch in einem ganzen Jahr in der Tageszeitung Anfang des Jahrhunderts der Fall war.

Die Geschwindigkeit mit der wir Nachrichten konsumieren hat sich im gleichen Maß gesteigert. Daher ist eigentlich gar nicht unbedingt die Menge an Daten die auf uns einströmen das Problem, sondern unsere Unfähigkeit damit umzugehen. Denn nur weil die Daten da sind, brauchen wir uns ja nicht davon überfluten lassen.

Das wäre sonst genauso wie in einer Bibliothek zu stehen und allein die Menge der Bücher um einen herum würde uns überfluten. Das tun sie aber nicht. Da Bücher nicht von allein zu uns kommen. Was ist daher anders?

Bildquelle: pixabay | wickedgood

Wie gehen wir mit Informationen um?

Anders ist der Umgang den wir mit Daten und Informationen pflegen oder sollte man besser sagen nicht pflegen? Denn gepflegt ist daran so gut wie nichts mehr.

Das Smartphone scheint manchen direkt an der Hand angewachsen zu sein und der Daumen wie von selbst ständig über den Screen zu streichen. Immer wieder von unten nach oben. Immer die nächsten Seite an Daten und Informationen aufrufend.

Was ebenfalls zugenommen hat ist die email-Flut. Wir sichern uns ab und schicken daher eine Mail lieber gleich an mehrere Leute in CC und das auch bei kleinsten Nachrichten und Informationen, damit auch niemand sagen kann, er hätte diese Info nicht bekommen.

Der Posteingang von manchen Menschen füllt sich stündlich neu, wie ein Eimer der unter einem Leck im Dach steht. Pling, pling, pling… und die nächste Mail kommt herein.

Onlineportale streiten sich um die Rankings in den Suchmaschinen und versuchen sich ständig mit noch neueren Nachrichten zu überbieten. Der Wahrheitsgehalt und vor allem der Wichtigkeitsgehalt rückt da gerne mal in den Hintergrund. Weil immer alles ganz aktuell sein soll, können sich keine Verzögerungen geleistet werden. Verzögerungen die durch Recherche oder Auswahl bremsen würden.

Wir selbst leiten Nachrichten weiter ohne mehr als die Überschrift gelesen zu haben. Wir nehmen teil und fördern die Infoflut durch unser Mit-tun.

Die Infoflut besteht nicht nur aus Text, sondern inzwischen auch aus visuellen Elementen. Wir lassen uns berieseln durch Videos, Stories, Gifs und Bildern.

Das Fernsehen hat sich ins Netz verlagert. Youtube wächst jeden Tag um unendlich viele Videos. Inhalte wie Stories bei Instagram und Facebook und Snapchat verschwinden nach 24 Stunden. Wir produzieren also Inhalte schon mit dem Wissen, dass sie nicht bleiben werden.

Das wiederum führt dazu, dass Stories am besten immer gleich angesehen werden, denn wer weiß, wie lange sie schon online sind und wann sie verschwinden könnten.

Fear of missing out (FOMO) ist ein neues Schlagwort, das sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir fürchten uns immer mehr davor, etwas zu verpassen. Und daher konsumieren, scrollen und konsumieren wir.

Infoflut ins Leben lassen = Passives Konsumieren

Ein großer Treiber hinter diesem Thema Infoflut ist die Technik und ihre rasante Entwicklung. Es ist großartig, was inzwischen alles möglich ist. Doch wie so oft, kommen wir nicht hinterher damit einen guten Umgang zu finden.

Die Geschwindigkeit mit der Inhalte weltweit prompt verfügbar sind, ist wie ein Zauber und bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Doch es scheint als ob hier das Sammlergen des Menschen durchschlägt und wir uns auf das Sammeln der Informationen beschränken ohne etwas mit ihnen zu machen.

Wir konsumieren und nichts bleibt hängen. Hunderte von Videos, Bildern, Texten nehmen wir täglich in uns auf und das Wenigste davon hat irgendeinen Widerhall in unserem Leben, um nicht zu sagen, es ist oft absolut sinnfreies Zeug, was unsere kostbare Lebenszeit verbraucht.

Die Infoflut gibt es auch in anderen Bereichen. Es gibt unendlich viele Kurse die inzwischen online zur Verfügung stehen. Das ist im Prinzip ein großartige Sache. Wir können uns weiterbilden ohne das Haus verlassen zu müssen.

Wie viele Kurse schlummern auf deiner Festplatte oder hast du bei Lernplattformen liegen? Was hat sich toll angehört und wolltest du unbedingt machen? Nur um dann nach der zweiten Lektion zu vergessen was da alles in den Tiefen deines PCs an Wissen zu finden ist?

Das ist ähnlich wie die Mitgliedschaften bei Fitnessstudios. Der relativ günstige Mitgliedschaftspreis lässt sich dadurch realisieren, dass der größte Teil der Mitglieder reine Karteileichen sind und und nicht im Studio erscheint.

Gleichzeitig plagt uns dann das schlechte Gewissen, weil wir doch so wertvolle Inhalte gekauft haben, aber nichts damit machen.

Wie die digitale Flut unser Leben und Denken steuert

Die Infoflut ist ein reales Phänomen, das uns sehr viel mehr beeinflusst als wir denken. Wir nehmen uns nicht mehr die Zeit zu hinterfragen, was wir da lesen und sehen. Es ist daher auch ein leichtes uns über diese Flut zu beeinflussen.

Die Algorithmen der Plattformen registrieren genau was uns gefällt und was wir bevorzugen und so wird nach und nach eine einzigartige Blase um uns herum geschaffen, die vorgefiltert ist und keineswegs mehr die Welt in all ihren Facetten enthält.

Im Gegenteil die Welt wird dadurch kleiner, weil wir nur noch einen bestimmten Ausschnitt davon zu sehen bekommen.

Dadurch werden Meinungen gefestigt auf Grund von Nachrichten, die dieses Wort nicht mal verdienen. Wir werden gelenkt durch Algorithmen und merken es nicht einmal.

Was sind die Ursachen der Infoflut?

Die Technik allein stellt sie uns nur bereit, das Konsumieren machen wir jedoch selbst.

Das bereits erwähnte fear of missing out, diese Angst etwas zu verpassen muss ja irgendwo seine Grundlage haben. Wieso fürchten wir uns davor?

Wenn man beginnt sich den Antworten zu dieser Frage zu nähern, landet man bei generellen Verhaltensweisen, die uns Menschen erfassen, wenn wir in einen Strom von Schnelligkeit geraten.

Damit beschleunigt sich unser Denken und wir tun uns schwer damit innezuhalten, Dinge zu bewerten und uns tiefere Gedanken über etwas zu machen. Wir entscheiden nicht mehr bewusst und lassen einfach nur noch alles herein.

Natürlich ist diese Schnelligkeit getrieben durch die Technik, doch das ist es eben nicht allein.

Wann haben wir Angst etwas zu verpassen? Wenn wir befürchten abgehängt zu werden? Von wem? Von anderen in unserer Umgebung? Dass wir etwas nicht bekommen könnten, zu wenig wissen, blöd dastehen, Chancen nicht nutzen zu können?

Uns nahezu tot recherchieren, weil es ja immer noch etwas gibt, das wir noch nicht wissen. Und das was wir wissen nicht genügt. Das denken wir zumindest, weil wir uns nicht die Zeit nehmen das was wir bereits recherchiert haben zu bewerten.

Mach dir bewusst darüber Gedanken, was dein FOMO ist. Aus was für Gründen befürchtet du etwas zu verpassen?

Immer wieder von vorne

Ständiges Konsumieren ist ein ständiges Beginnen. Wir haben immer wieder einen Neuanfang, ständig Neues führt dazu, dass wir weniger beenden. Oftmals auch fast gar nichts mehr beenden, weil wir ja nur noch am Anfangen sind.

Anfangen, neu beginnen, neues hat immer schon eine magische Anziehungskraft auf uns gehabt. Es macht viel mehr Spaß Neues zu sehen als Bekanntes weiter zu bearbeiten.

Doch letztlich ist alles eine Entscheidung. Wir entscheiden uns lieber dafür, jeden Tag wieder alles Neue zu uns herein zulassen, als an Projekten weiter zu arbeiten, mit denen wir eigentlich fertig werden wollen.

Je öfter wir uns dazu entscheiden zu konsumieren, umso stärker wird das unsere Gewohnheit. Wir trainieren unser Gehirn auf Ablenkung. Je größer und geprägter die Gewohnheit, umso weniger fällt es uns überhaupt noch auf, dass wir uns der Infoflut nahezu ohne Widerstand ergeben.

Das ist das Heimtückische daran. Wir nehmen es nicht mehr wahr, was wir da eigentlich tun. In unseren Zeiten ist die Infoflut an Geräte gekoppelt. Es sind nicht die Bücher die uns in diese negativen Auswirkungen der Infoflut stürzen, sondern digitale Geräte und unser digitaler Konsum.

Unser Umgang mit der Technik und der damit hereinströmenden Infoflut verändert unser gesamtes Leben. Nicht nur unser eigenes, sondern auch das Leben all derjenigen mit denen wir in Berührung kommen.

Wir registrieren nicht mehr, was wir da eigentlich machen, sind oft genug ein schlechtes Vorbild für unsere Kindern und sind mit unserer Aufmerksamkeit immer weniger im jetzigen Moment bei den Menschen die uns umgeben.

Ja keine Langeweile aufkommen lassen

Bleiben wir nochmal einen Moment bei den Gründen für die Infoflut. Das eine ist die Angst etwas zu verpassen, das andere ist oft ein Füllen von Leere.

Wir gehen unangenehmen Gefühlen gern aus dem Weg. Und nichts zu tun zu haben, Langeweile zu spüren, Leere zu erleben ist etwas mit dem sich nicht mehr viele Menschen konfrontieren wollen.

Da steht man in der Warteschlange doch lieber mit dem Handy in der Hand und scrollt sich einen Wolf, als sich dem Gefühl des Wartens auszusetzen. Da wird ein einsames Gefühl, dass sich daheim im Wohnzimmer einstellt durch massives Scrollen mit dem Handy ausgemerzt.

Wir wollen uns ständig gut fühlen, nicht einen Moment der Langeweile oder des Unwohlfühlens aushalten müssen. Nicht in Kontakt mit anderen treten zu müssen, weil man ja durch sein Smartphone beschäftigt erscheint.

Muße scheint damit ausgestorben zu sein. Kennt das noch jemand? Mußestunden? Zeit in der man nichts tat und einfach nur da saß um über etwas nachzusinnen. Im Garten zu sitzen und Bienen zu beobachten. Sich dessen bewusst zu sein, was man fühlt.

Sich nicht mehr seinen Gefühlen bewusst zu sein, ist eine Folge des ständigen Konsums. Blöderweise entstehen durch den digitalen Dauerkonsum ganz andere Gefühle in uns, die wir ohne das stetige Scrollen überhaupt nicht hätten. Dazu gehören Einsamkeit, Neid, Depressionen.

Es gibt keinen Leerlauf mehr in unserem Leben. Ständig muss unsere Zeit mit etwas gefüllt sein. Muße ist schlecht. Keine Zeit haben ist gut. Die Wertigkeit in unserer Gesellschaft hat sich hier auf eine sehr schiefe Bahn verschoben.

Was ist erstrebenswert?

Wir erheben den gestressten, dauerbeschäftigten Menschen zu einer Ikone und es scheint erstrebenswert, da wertvoll, wenn die Tage dermaßen ausgefüllt sind.

Doch sind sie wirklich ausgefüllt? Mit etwas was uns Sinn gibt und ein gutes Gefühl? Das ist immer weniger der Fall. Da das Konsumieren etwas passives ist, das nichts hinterlässt.

Wir fühlen uns also leer und versuchen diese Leere mit Nichts zu füllen. Digitales Junkfood ist unsere Antwort auf ein Leben das uns nicht ausfüllt.

Wer daran etwas ändern möchte, sollte sich dessen bewusst werden, was hier in seinem Leben passiert. Unter Garantie wird niemand in seinen letzten Lebensjahren oder auf dem Sterbebett denken, ach hätte ich nur mehr Zeit mit meinem Handy verbracht.

Es ist kein leichter Prozess, sein Leben von der Infoflut wieder auf ein anderes Level zu bringen, doch jede Anstrengung die du dafür unternimmst, wird dich mit Zufriedenheit belohnen.

Lass dir dein Leben nicht wegschwemmen durch leere Informationen. Entziehe dich der Infoflut aktiv und brich mit Gewohnheiten, die dich immer wieder hineinziehen würden.

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