Lebst du noch oder bist du schon süchtig_Das, was da in der Überschrift steht, hast du mit Sicherheit schon mal gehört: Nicht mit eMails in den Tag starten.

Wenn ich diesen Satz in meinen Seminaren an die Tafel schreibe, merke ich schon beim Umdrehen, dass ich in viele unwillige Gesichter schauen werde und das Gegrummel zugenommen hat.

Wie war das eigentlich vor dem Smartphone?

Eine Frage dazu: Denkst du, dass Menschen früher produktiver waren? Also in Zeiten vor diesem ganzen Handy und Online-Gedöns? Denkst du, dass da in Büros der Anteil des Zeitraums den jemand dort täglich verbracht hat, tendenziell produktiver war?

Bildquelle: pixabay

Darauf kannst du aber wetten. Weißt du auch wieso? Die Antwort ist einfach und doch ist vielen nicht klar, was für eine immense Bedeutung darin liegt: Die Produktivität war deswegen höher, weil es nicht so viel Ablenkungen gab.

Natürlich gab es auch zu früheren Zeiten schon Ablenkungen. Schon allein Kollegen sind eine natürliche Ablenkungsquelle. Auch das Telefon war es schon immer gern.

Doch überlege mal, wie sich das heute potenziert hat. Früher kam die Post einmal am Tag. Das waren die Briefe, die zu bearbeiten, zu beantworten und abzulegen waren.

Heute hat die eMail in vielerlei Hinsicht die Briefpost ersetzt. Und wie oft kommt diese elektronische Post? Genau, sie kommt ständig. 24/7 zu jeder Tages- und Nachtzeit kann uns diese Form der Post erreichen.

Es klingelt und brummt den ganzen Tag…

Wenn der Postbote kommt, werden wir EINMAL unterbrochen. Wenn wir bei eMails Benachrichtigungen aktiviert haben, dann kann es passieren, dass alle paar Minuten eine Meldung kommt und wir unterbrochen werden.

Was passiert wohl in so einem aufmerksamkeitszerstückelten Alltag mit der Produktivität? Tja, die geht in den Keller, da es faktisch nicht möglich ist, gedanklich genauso an einer Sache dran zubleiben, als wenn man nicht unterbrochen würde.

Gut, als nächstes Argument höre ich an dieser Stelle häufig: Ja, aber in den eMails sind wichtige Informationen, ohne die ich nicht weiterarbeiten kann.

Oder auch gern genommen: Ja, aber wenn ich meine eMails nicht gleich in der Früh anschaue, dann übersehe ich vielleicht etwas vom Chef oder Kollegen und bekomme dann Ärger oder sitz in der Bredouille.

OK, das hab ich verstanden. Das kann natürlich blöd ausgehen. Allerdings ist das noch kein Grund, sich von eMails ständig unterbrechen zu lassen und mit ihnen als erstes am Morgen zu starten. Zumindest nicht in jedem Fall und schon gar nicht als wichtigster Vorgang der gleich die erste Stunde des Tages umfasst.

Ist dir eigentlich klar, was du dir da antust?

Ich merk schon, du bist immer noch skeptisch. Lass uns noch genauer hinschauen, was eigentlich mit uns passiert, wenn wir eMails so hohen Wert beimessen, dass sie gleich als erstes dran sein und uns auch noch ständig unterbrechen dürfen. (Du kannst auch statt eMail jeden beliebigen Social Media Kanal deiner Wahl einsetzen…)

Was passiert mit deiner Aufmerksamkeitsspanne? Wird sie zunehmen, gleich bleiben oder abnehmen? Wenn du ehrlich mit dir selbst bist, dann musst du zugeben, dass deine Fähigkeit sich auf eine Sache zu konzentrieren und dran zu bleiben auch schon mal besser war.

Tröste dich, das geht fast jedem so in unseren Zeiten. Die Frage ist nur, womit hat das zu tun?

Was passiert da genau?

Klar durch die technischen Möglichkeiten hat sich der Ablauf von Arbeiten in vielerlei Hinsicht beschleunigt. Es dauert jetzt nur noch den Bruchteil einer Sekunde bis eine eMail verschickt ist und nicht mehr 5 Tage, bis ein Brief ankommt.

Das bedeutet, dass auch die Erwartungshaltung gestiegen ist, sich dann sofort um eine Antwort zu kümmern. Ohne jedoch dabei in Frage zu stellen, ob das nun tatsächlich grad unsere wichtigste Aufgabe ist, die es zu erledigen gilt.

Kannst du dich noch an die Sache mit der Priorität erinnern?

Selten gehört eMails lesen und beantworten zu den wichtigsten Aufgaben. Im Gegenteil das Bearbeiten von eMails nimmt immer mehr Zeit in Anspruch und frisst damit einen guten Teil unserer täglichen Produktivität auf.

Mit einem Ergebnis, an dem sich sehr selten eine Steigerung der Produktivität ablesen lässt.

Gut, behalten wir die Fakten im Kopf:

  • Durch eMail sinkt unsere Aufmerksamkeitsspanne und die damit verbundene Konzentration
  • wir verschwenden einen kostbaren Teil unserer Arbeitszeit mit eMails ohne die Produktivität damit zu steigern
  • wir lassen uns ständig ablenken von dem was wir gerade tun, durch eingehende neue eMails.

Wenn wir uns nur allein diese drei Fakten ansehen, dann ist es doch mehr als offensichtlich lohnenswert sich näher damit zu beschäftigen und andere Wege zu beschreiten.

Vor allem der letzte Punkt mit dem Ablenken ist ein gefährlicher Prozess, der schleichend vor sich geht und dessen negative Auswirkungen den meisten überhaupt nicht bewusst sind.

Du trainierst dich darauf unaufmerksam zu sein

Dadurch, dass wir uns durch die Benachrichtigungen (und das gilt beileibe nicht nur für Mails) immer wieder ablenken lassen, trainieren wir uns darauf, uns immer weniger konzentrieren zu können.

Unserem Hirn fällt es immer schwerer bei einer Sache zu bleiben, vor allem, wenn es gerade etwas kompliziert wird. Da fällt uns doch – zum Glück… – ein, dass wir ja auch mal schnell wieder in unser Mails schauen können. Und schwupps sind wir aus dem Thema draußen, das wir gerade bearbeiten.

Das Fatale ist, dass das bereits im Kindesalter inzwischen eintrainiert wird. Da geht es weniger um Mails, als um alle möglichen Benachrichtigungen die auf den Handy so eintrudeln. Je jünger das Hirn ist und diesem “Training” unterliegt, umso schwerer ist es später, auf einen anderen Modus umzuschalten.

Und noch eine Schippe drauf…

Lass uns von einem weiteren Punkt sprechen: der hohe Suchtfaktor. Ja, ich übertreibe nicht, wenn ich das als hohen Suchtfaktor beschreibe.

Die wenigsten Menschen haben tatsächlich noch einen Überblick darüber, wie viel Zeit sie mit ihrem Smartphone in der Hand verbringen. Es hat unbemerkt einen immer größeren werdenden Teil unserer täglichen Wachphase übernommen.

Mach dir mal den Spaß und beobachte die Menschen um dich herum. Wenn du gerade in einem Café sitzt, an der Bushaltestelle stehst, im Restaurant oder in einer Bar sitzt, im Wartezimmer beim Arzt oder auch daheim bei deiner Familie.

Nimm bewusst wahr, wie häufig Menschen ihr Handy zur Hand nehmen. Egal was sie dann damit machen, einfach nur die Häufigkeit beobachten. Das ist inzwischen ein eingespielter Reflex, immer wieder auf’s Handy zuschauen. Ohne besonderen Grund, einfach nur, weil man es bei sich hat…

Wie selbstverständlich dieses elektronische Gerät ganz nah am Körper getragen wird. Ist das nicht erstaunlich?

Die Bequemlichkeit und der Suchtfaktor verhindern förmlich, dass wir darüber länger nachdenken, ob das etwas Gutes ist, was wir da machen.

Geben wir unser Leben her?

Versteh mich richtig, ich finde Smartphones sind eine der genialsten Erfindungen unserer Zeit und ich möchte sie nicht in meinem Leben missen, da sie wertvolle Dienste für mich leisten.

Doch trotz alledem ist es wichtig immer wieder zu verstehen, dass es eine technische Sache ist, der wir unglaublich viel Raum in unserem Leben einräumen.

Für mich sind die regelmäßigen Offline-Vormittage jeden Montag eine sehr wertvolle Unterbrechung dieser steten Verbindung. Denn das sind wir. Wir sind ständig mit diesem elektronischen Meisterwerk verbunden.

Das tut uns nicht gut. Es ist keine Verlängerung unserer selbst. Es sollte nicht zum Selbstzweck und Füller jeglicher freien Minuten werden. Denn so züchten wir uns einen Diktator im eigenen Leben heran, dem wir hörig sind.

Das mag sich übertrieben anhören, doch das ist es nicht. Das gilt für fast jeden Screen. Denn jemanden anzubieten seinen Fernseher für eine Woche aus seiner Reichweite zu entfernen, würde in den meisten Fällen zutiefste Entrüstungsstürme auslösen bis hin zu, “ich brauche das zum Leben”.

Hm, diese Aussagen zeigen klar auf, wo wir in Sachen Technik stehen. Wir haben sie so in unser Leben integriert, dass sie mit der Zeit immer mehr Raum einnimmt und unser Leben in der Nutzung damit vergeht.

  • Wieso ist es eigentlich so abwegig, mal eine Woche auf den Fernseher zu verzichten?
  • Wieso ist es so abwegig, einen Tag kein Smartphone anzumachen?
  • Was ist denn das Katastrophale daran?

Und der Ausdruck “katastrophal” ist bewusst gewählt, denn wenn du diesen Vorschlag jemandem machst, musst du dich auf einen Ausbruch von stark artikuliertem Unverständnis gefasst machen.

Und so schließt sich der Kreis zum Suchtfaktor. Wollen wir wirklich den elektronischen Dienern in unserem Leben derart viel Macht überlassen?

Ist es das, was uns am Ende des Lebens glücklich machen wird? Werden wir auf dem Sterbebett sagen, „ach hätte ich doch mehr Zeit mit dem Smartphone, dem Computer und dem Fernseher verbracht?“

Das kann ich mir kaum vorstellen.

Und ich kann mir auch kaum vorstellen,

  • dass es unser Wunsch ist, uns immer schlechter konzentrieren zu können,
  • dass es unser Wunsch ist, immer mehr Schwierigkeiten zu haben, an einer Sache dran zu bleiben und
  • dass es unser Wunsch ist, Ablenkungen immer mehr Raum in unserem Leben zu geben.

Wollten wir nicht Meister unseres Los sein?

Wollen wir die Diener nicht wieder als das verwenden, was sie sind? Helfer die uns in unserem Alltag unterstützen können, die jedoch keinem Selbstzweck dienen?

Was du tun kannst

Falls du nach diesem Text etwas aufgerüttelt bist und denkst, ja da ist wirklich was dran, dann habe ich ein praktisches Trainingslager für dich, das uns an den Anfang unseres Textes zurückführt:

1. Stell alle Benachrichtigungen auf deinem Smartphone ab. Wenn dich jemand dringend benötigt, dann kann er oder sie die Ursprungsfunktion dieses Geräts nutzen und dich anrufen. Doch die Benachrichtigungen sind einer der wichtigsten Faktoren, dass du immer wieder abgelenkt bist und deine Aufmerksamkeitsspanne weniger und weniger wird.

2. Starte nicht mit eMail in den Tag. Das ist garantiert nicht deine wichtigste Tätigkeit des Tages. Vielleicht kann das tatsächlich bedeuten, dass du nicht schon in der Früh mitbekommst, dass dein Chef etwas geschrieben hat.

Das kann möglicherweise nicht ganz einfach sein, doch wenn du wieder mehr über deine Zeit bestimmen willst, dann wirst du nicht drumherum kommen.

Auf was ich hinaus will? Nun, solange du nicht als Chirurg auf der Notfallstation arbeitest oder sonst einen Job hast, der absolut von sofortiger Reaktion abhängt wie ein Lotse im Flugverkehr, dann wird die Welt nicht zusammenbrechen, weil du eine Stunde später als bisher deine eMails anschaust.

Glaub mir, die Welt wird tatsächlich nicht untergehen. Was passieren kann, ist, dass es bei manchen Menschen auf Unwillen stößt, wenn sie nicht sofort und adhoc eine Rückmeldung bekommen. Doch auch sie sind das Produkt der ständig voran getriebenen schneller-schneller-schneller-Welt.

Wieso wollen wir nochmal den Unwillen anderer auf uns ziehen, wenn wir nicht mit eMails in den Tag starten? Weil WIR dann wieder entscheiden über das was mit unserer Zeit passiert.

Wenn du das mit der Abendplanung gemacht hast und genau weißt, was deine momentane Prioritätsaufgabe ist, dann nutz diese erste Stunde des Tages um genau an dieser Aufgabe zu arbeiten.

Nimm dein Leben und nicht dein Smartphone in die Hand

Du wirst ein ganz anderes Gefühl erleben, wenn du selbstbestimmt und genau geplant in deinen Tag startest.

Damit bringst du deine Sachen voran, du steigerst deine Produktivität und deine Zufriedenheit. Das – am Anfang des Tages eingebaut – gibt dem gesamten Tag einen anderen Schub.

Du wirst ein besseres Gefühl am Abend haben, auch wenn du vom restlichen Tag überrollt worden sein magst. Du hast den Anfang des Tages, mit deiner besten Energie, an der von dir bestimmten wichtigen Aufgaben gearbeitet.

Und wenn du ehrlich bist, stimmst du mir wahrscheinlich zu, dass eMails nun mal höchst selten zu den wichtigsten Aufgaben des Tages gehören.

Probiere es aus und starte eine Woche nicht mehr mit eMails in den Tag. Und stell um Himmelswillen diese ganzen Benachrichtigungen ab!

Mach den technischen Tyrann wieder zu dem was er ist: zu einem Diener und nicht zu einem Instrument, das dein Leben vergehen lässt, währenddessen du deinen Kopf gebeugt über diese knäckebrotgroße Scheibe hältst.

Führe ein erfolgreiches Geschäft ohne auszubrennen!

 

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