Wir müssen über Geduld reden.

Wusstest du, dass es zum Glück empfinden dazu gehört Geduld zu haben? Dass unsere beschleunigte Welt immer mehr dazu geführt hat, dass wir alle die Belohnung sofort haben wollen?

Sofortige Belohnung – Instant gratification – wie sich das neudeutsch nennt. Es darf nichts mehr lang dauern, es muss alles sofort und gleich geschehen. Einmal den Hebel gedrückt und sofort muss der Rubel rollen.

Wenn etwas länger dauert, dann werden wir grantig, verlieren die Lust und lassen es wieder. Unser Smartphone erzieht uns jeden Tag dazu, dass es möglich ist, sich sofort einen Dopaminschub zu holen. Wir müssen nicht warten bis etwas daher kommt, was uns glücklich macht, nein, es geht sofort und gleich auf Knopfdruck.

Bildquelle: pixabay | Efraimstochter

Die Illusion der sofortigen Belohnung

Natürlich funktioniert das nicht. Das ist alles nur eine Illusion. Das Gegenteil ist der Fall. Wir werden immer unglücklicher, wie sich immer mehr zeigt.

Wer nichts für seinen Erfolg tun muss, wird ihn nicht schätzen. Wer nicht für eine Liebe kämpfen musste, für den ist sie weniger wert, wer sich nicht anstrengen musste, weiß nicht wie es sich anfühlt etwas wirklich geschafft zu haben.

Das Glück des Erreichens hat nicht nur mit dem Ziel zu tun, sondern auch sehr viel mit dem Weg dorthin.

Kein Mensch würde sich einen Harry Potter Film oder einen James Bond Film anschauen, wenn dem Helden alles sofort in den Schoß fällt. Wenn die Prinzessin sich ihm gleich an den Hals wirft, wenn mit einem Zauberspruch die ganze Welt vom Bösen befreit ist. Das ist gähnend langweilig und interessiert niemanden.

Nein, wir lieben Geschichten, in denen sich der Held oder die Heldin Schwierigkeiten stellen muss, in denen sie scheitern, in denen es Rückschläge gibt und die Spannung, ob sie sie doch noch überwinden werden. Wir leiden und fühlen mit ihnen bei Rückschlägen, das macht sie für uns menschlich und das ist es was wir sehen wollen.

Wir wollen sehen, wie jemand sich in Schwierigkeiten verhält, wie jemanden seinen Weg trotz Hindernissen geht.

Doch was machen wir? Wir erwarten, dass gleich immer alles funktioniert.

Geduld ist Erziehungssache

Viele Eltern halten das auch bei ihren Kindern kaum aus. Wenn diese etwas probieren und es klappt nicht gleich, sind sie zur Stelle und helfen ihnen, damit es doch noch klappt.

Was lernen die kids daraus? Ich muss mich eh nie anstrengen, weil immer jemand kommt und es für mich macht. Und sie lernen dabei auch nicht mit der Frustration umzugehen, die ein Scheitern und nicht gleich gelingen nun mal so mit sich bringt.

Somit haben sie ganz schlechte Karten für ihr späteres Leben, denn garantiert wird nicht alles gelingen, was sie anfassen. Nur dann ist niemand mehr da, der gleich zu Hilfe eilt.

Wer in einem solchen Umfeld aufwächst, der wird später entweder Gott und der Welt die Schuld geben, wenn etwas nicht gleich gelingt und etwas scheitert oder im anderen Extrem sich selbst die Schuld geben und sich als unfähig und zu nichts zu gebrauchen empfinden.

Beides ist totaler Quatsch, um das mal ganz deutlich zu sagen. Scheitern hat viele Komponenten. Ein paar davon haben direkt mit mir zu tun und einige andere nicht.

Wenn ich nun schon früh gelernt habe, dass eben nicht alles gelingt und ich gefordert bin, es nochmal und nochmal und nochmal zu probieren, dann kann ich dabei lernen, dass jeder Fehlschlag eine Information ist, aber keine Wertung und nichts über mich und meine Persönlichkeit aussagt.

Fehler sind keine Wertung

Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn ich zurückdenke an die Zeit, als ich noch Vollzeit-Lehrerin war, dann war das sofort und in der ersten Stunde schon erkennbar, wer in welchem Einfluss aufgewachsen ist. Und ich hatte nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen zu tun.

Wer dieses Prinzip nie hinterfragt hat, wird auch im späteren Leben den Stift voll Frust auf den Tisch werfen, wenn beim ersten Versuch nicht gleich alles geklappt hat. Dieser Frust ist oft kaum auszuhalten für diese Personen. Eine wahre Hormonokaskade scheint da in ihnen ausgeschüttet zu werden, die sie völlig aus der Bahn wirft.

Wer dagegen diese Frustration schon früher kennen gelernt hat und mit Dranbleiben und Weitermachen und wieder probieren und Weiterüben Strategien gelernt hat, mit dieser Frustration umzugehen, der hat es viel leichter im Leben.

Denn wieso sollte ein falscher Buchungssatz etwas über mich als Mensch aussagen? Ja, ich hab einen Fehler gemacht und jetzt muss ich mir anschauen, wieso mir das passiert ist und was ich daraus lernen kann, damit es mir beim nächsten Mal gelingt.

Das ist lernen. Das ist lernen zu wachsen.

Überleg doch mal, wie das bei dir ist. Wie geht es dir mit gemachten Fehlern? Wie geht es dir, wenn nicht gleich alles gelingt? Gibst du schnell auf? Wirst du schnell grantig? Denkst du sofort über dich, dass du halt einfach ein Idiot bist und das einfach nicht kannst?

Falls das letztere der Fall sein sollte, dann kommt hier die gute Nachricht: Du kannst es immer noch lernen, nicht mehr auf diese instant gratification angewiesen zu sein für dein Wohlgefühl. Du kannst es lernen, mit deinem Frust anders umzugehen. Du kannst es lernen, dich in Geduld zu üben und beharrlich dran zu bleiben.

Geduld führt zu Lösungen

Wer diesen mindshift schafft, der wird belohnt durch ein weitaus gelasseneres Erleben von Situationen die nicht gleich gelingen mögen. Ein Hochgefühl das länger anhält, speist sich aus dem Gelingen, etwas geschafft zu haben. Und das wiederum erfordert die Geduld und die Beharrlichkeit über eine längere Zeit sich einem Thema zu widmen und es zum Erfolg zu bringen.

Es ist ein ganz anderes Denken über mich. Denn ein Fehler ist dann keine Rückmeldung mehr darüber, was für ein Trottel ich doch bin, sondern lediglich die sachliche Information, dass es auf diesem Weg nicht geklappt hat.

Wer diese Trennung zwischen Ereignis und Gefühl hin bekommt, der behält den klaren Kopf den es braucht um eine Lösung zu suchen. Emotionen die hier ungebremst zum Zuge kommen, der Frust den wir nicht zügeln, der schränkt unsere Denkfähigkeit enorm ein und wir werden noch schlechter werden.

All unsere digitalen Geräte fördern leider diesen Punkt der sofortigen Belohnung sehr. Mit einem Knopfdruck auf die Fernbedienung sehen wir uns einer unendlichen Auswahl von Fernsehkanälen gegenüber.

Das Smartphone bietet uns im Sekundentakt augenscheinlich sofortige Belohnungen an (die keine sind wohlgemerkt…)

Antwort auf eine eMail ist praktisch in der gleichen Minute möglich. Und wir erwarten, dass auch zackig geantwortet wird.

Sobald wir in Situationen geraten in denen wir warten müssen, ob im Wartezimmer beim Arzt, in der Schlange an der Kasse beim Supermarkt, im Stau beim Heimfahren, dann kocht unser System fasst über. Es ist schon erstaunlich, was Wartezeit aus normalerweise friedlichen Menschen für gefrustete Monster machen kann.

Geduld. Das ist eine Tugend, die kaum mehr gelehrt wird. Die Lieferung des Versandhauses soll morgen schon da sein. Das Golf Handicap soll sich in zwei Wochen massiv verbessern. Wir haben keine Zeit und keine Geduld mehr.

Wie schade.

Denn nur mit Geduld hängt auch Tiefe zusammen. Wer sich die Zeit nimmt und wirklich intensiv mit einem Thema beschäftigt, der wird weitaus mehr darin entdecken, weitaus mehr darüber verstehen lernen und weitaus zufriedener mit sich sein.

Oberflächlich bleiben oder in die Tiefe gehen?

Geduld ermöglicht uns genau hinzusehen und nicht zu hudeln. Geduld ermöglicht uns ganz andere Gespräche zu führen. Denn wenn mein Gegenüber merkt, dass ich mich ganz auf ihn einstelle, dann kann ein vollkommen anderer Raum entstehen, in dem tiefe Gespräche möglich sind.

Um noch einmal auf einen anderen Punkt zurückzukommen: Wer es lernt die Belohnung zu verschieben, der wird das Erreichen des Ziels viel mehr wertschätzen.

Wer dran bleibt und nicht aufgibt, der lernt etwas Wichtiges dabei über sich: Dass es in Ordnung ist Fehler zu machen und man immer die Möglichkeit hat, sich zu verbessern.

Das ist Selbstermächtigung pur. Die Sucht nach der sofortigen Belohnung führt uns dagegen weg von uns. Es hinterlässt ein schales Gefühl und nicht die Zufriedenheit die ein lang angepeiltes Ziel uns gibt.

Wie ist das mit dir und deiner Geduld?

Beobachte dich doch mal in den nächsten Tagen und schau besonders darauf, wie du reagierst, wenn nicht gleich alles klappt und nicht die sofortige Belohnung folgt. Wie fühlst du dich? Was denkst du dabei? Was denkst du über dich? Was für eine Qualität haben diese Gedanken? Tun sie dir gut oder ziehen sie dich runter?

Wenn dir nicht gefällt, was du wahrnimmst, was kannst du tun, um von diesem Zug der instant gratification wieder herunterzusteigen? Wo kannst du dich in Geduld üben? In welchen Situationen braucht es andere Gedanken in deinem Inneren, damit du nicht von Frust überschwemmt wirst?

Schau bewusst in deinem beruflichen Umfeld und in deinem privaten Umfeld. Was kannst du vielleicht in dem einen Bereich schon, aber im anderen klappt es noch nicht? Welche Verhaltensweisen kannst du möglicherweise übernehmen von einem Bereich zum anderen?

Wenn du Kinder hast, erziehst du sie dazu, dass sie auch in diese Sucht der sofortigen Belohnung hinein getrieben werden? Oder hältst du ihren Frust aus, damit sie lernen können damit umzugehen? Bringst du ihnen bei, was es bedeutet zu scheitern und dass es keine Wertung ihrer Person ist? Lehrst du sie, wie sie besser mit scheitern umgehen können?

Du kannst deinen Kids kaum eine wertvollere Grundlage für ihr späteres Leben geben, wenn sie lernen, wie sie mit Fehlschlägen gesund umgehen können. Wir alle brauchen diese Fähigkeit.

Schau aktiv nach Gelegenheiten bei denen du dich in Geduld üben kannst. Nimm wahr, dass fortschreitende Übung dich innerlich ruhiger bleiben lässt. Was unglaublich dabei hilft, ist, sich von der Smartphone-Sucht zu lösen.

Du kannst dir auf diesem Weg diese Sucht nach der sofortigen Belohnung wieder abgewöhnen.

Damit du ein gelassenes und zufriedenes Inneres hast, dass dich nicht mit Frustemotionen überschüttet, sondern dir die Fähigkeit verleiht souverän zu bleiben und mit allen Situationen im Leben umgehen zu lernen. Hab Geduld mit dir..

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