Der Arbeitsfähigkeitsindex – ein neues Intrument im Bereich der demographischen Entwicklung

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat eine neue Broschüre herausgegeben mit dem bezeichnenden Titel “Alles grau in grau? – Ältere Beschäftige und Büroarbeit”.

Darin werden Entwicklungen und Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich mit der unaufhaltsamen demographischen Entwicklung in unserer Arbeitswelt umgehen lässt.

Das finnische Institut für Arbeitsmedizin hat in dem Zusammenhang den Arbeitsfähigkeitsindex (Work Ability Index – WAI) entwickelt. Man könnte nun meinen die hundertste Abkürzung mit irgendeinem Schlagwortgesummse, doch hier ist das nicht der Fall.

Der WAI verbessert durch seine Subjektivität die Möglichkeiten der individuellen und maßgeschneiderten Beratung und Lösung.

Während gesetzliche Regelungen den Standard eines Arbeitsplatzes nach dem Grundsatz ›one size fits all‹ definieren, rückt hier zusätzlich das Individuum mit seinen Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt des Gestaltungsinteresses.

An dessen subjektiver Bewertung des Arbeitsplatzes orientiert sich die Optimierung des Arbeitsplatzes und der Arbeit, wodurch neue Gesundheits- und auch Leistungspotenziale erschlossen werden können.

Interessant ist dabei, dass Ältere keineswegs weniger leistungsfähig sind als Jüngere. Das lässt sich durch den WAI zweifelsfrei belegen.

Die Broschüre selbst bringt handfeste Ideen und Argumente in vier verschiedenen Handlungsfeldern:

  • Gesundheit
  • Arbeitsorganisation und -gestaltung
  • Führung
  • Qualifikation, Weiterbildung und lebenslanges Lernen

Die Maßnahmen an sich, sind meist unspektakulär. Allerdings abhängig von der Unternehmenskultur. Wer zu den 50 % gehört, die wenig oder keinen Handlungsbedarf sehen bei der Qualifzierung von über 50jährigen Mitarbeiter (Befragung vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Sommer 2004 bei 537 Betrieben in Deutschland) wird sich in Zukunft Probleme einhandeln. Denn nur noch Jüngere einstellen, wird halt immer schwieriger, wenn sie nicht mehr in dem Maß zur Verfügung stehen.

Was ich ebenso interessant finde, ist, dass die Optimierung der Arbeitsplätze keineswegs nur für ältere Mitarbeiter einen Nutzen bringt, sondern genauso für Jüngere. Damit rückt wieder einmal mehr, die individualisierte Betrachtungsweise in den Vordergrund.

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem sei die Literatur empfohlen, die sich mit den neuesten Erkenntnissen dazu befasst. Im Bereich Lesefutter finden Sie in der Rubrik Älter werden, Bücher die ich persönlich dazu wertvoll und nutzbringend finde.

9 Replies to “Der Arbeitsfähigkeitsindex – ein neues Intrument im Bereich der demographischen Entwicklung”

  1. Pingback: Alt, älter, am ältesten at Psychologie des Alltags

  2. Ich bin ja richtig neugierig, ob es beim nächsten wirtschaftlichen Abschwung wieder zu einen massiven Ausstellen älterer Mitarbeiter kommt.
    Vor allem Anfang der 90er wurden ältere Ingenieure rausgeschmissen und kurz drauf wurden sie wieder händeringend gesucht.
    Vielleicht lernen wir doch noch aus der Vergangenheit?
    Solche Größen meßbar zu machen ist schonmal ein guter Anfang.

  3. Pingback: employee relations 2.0 » Arbeitsfähigkeitsindex (Work Ability Index – WAI)

  4. psychologen sprechen in dem zusammenhang auch von kristalliner intelligenz, über die ältere vermehrt verfügen. also das erfahrungswissen. sie lernen vielleicht nicht mehr so schnell, aber sie verknüpfen altes und neues wissen und finden so durchaus genauso schnell neue wege und abkürzungen…

  5. Ein schönes Bild “kristalline Intelligenz”. Hat was wertvolles und das ist es ja auch sehr. Wer könnte schon auf Erfahrungswissen verzichten…

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