Bilderspeicher im Kopf – Warum du deinem Gehirn noch mehr Eindrücke geben solltest, wenn es eh schon randvoll ist.

Wenn wir in unserem Alltag feststecken, sind wir zwar oft unterwegs, doch wir nehmen unsere Umgebung selten richtig wahr. Was wirklich sehr schade ist und auch eine große Chance vergehen lässt. Die Chance unser Gehirn mit anderen Bildern zu füllen. Wir sollten das unbedingt regelmäßig tun. Vor allem wenn unser Kopf vollgestopft ist mit allem möglichen und wir so richtig unter Strom stehen.

Denn Kreativität braucht immer wieder neue Eindrücke, aus denen wir schöpfen können und etwas Neues entstehen lassen. Und dabei meine ich nicht nur Dinge, die wir schaffen, sondern auch Ideen die wir für Projekte benötigen.

Photo by Jack B on Unsplash

Fülle deinen inneren Bilderspeicher

Julia Cameron hat dazu eine wunderbare Anregung gegeben: Den Bilderspeicher in unserem Inneren wieder füllen, in dem wir bei einem simplen Spaziergang unsere Augen wirklich wieder benutzen. Nicht nur schauen, dass wir an keinen Baum oder Straßenlaterne laufen, sondern wirklich sehen.

Wir können dies in gewohnten Umgebungen tun, doch mehr neue Bildern werden wir in Umgebungen erfassen, die uns nicht vertraut sind. Dazu kann man in ein anderes Stadtviertel fahren und dort herumlaufen oder in einen Park gehen den man noch nicht kennt. Es gibt tausende von Möglichkeiten sich zu Fuß eine neue Umgebung zu “erlaufen” und damit zu “ersehen”.

Im letzten November war ich bei einer lieben Bekannten in Antwerpen zu Gast und morgens bin ich nach dem Frühstück los gestiefelt, um ganz bewusst meinen Bilderspeicher wieder aufzufüllen.

Die Wochen davor waren voll gestopft mit gefühlt tausenden von Terminen, Gesprächen, Trainings, Aufträgen und Stunden im Auto. Ich war auch da in für mich neuen Umgebungen, doch es war kein Raum und schon gar nicht die Zeit, meinen Bilderspeicher aufzufüllen. Mein Hirn war nur noch am Rotieren.

Endlich wieder richtig hinschauen können

Als ich dann an dem Morgen los gezogen bin, war das Wetter so semi-toll. Es hat noch nicht geregnet, doch es lag in der Luft und die Sonne versteckte sich hinter vielen Wolken.

Doch vollkommen egal, ich bin langsam durch die mir unvertrauten Straßen gelaufen und hab wunderschöne alte Häuser entdeckt. Ich hab verschiedenste Schornsteinformen gesehen, gestreifte Garagentore und wunderbare Lüster die hell durch die Fenster nach draußen leuchteten.

Die Gärten waren gepflegt mit vielen alten und hohen Bäumen. Es war als ob ich in eine andere Zeit gesprungen war. Mitten drin verflog dieser Eindruck, wenn ich an einem dieser hypermodernen Häuser vorbei kam. Ich bin davon kein Fan und mag die alten Gebäude sehr viel lieber. Für mich strahlen sie Atmosphäre und Charakter aus, doch das ist einfach nur meine Vorliebe.

Plötzlich gibt es soviel mehr

Wenn ich auf diese Weise umher streife und ganz bewusst mein Augenmerk darauf lenke, was es alles zu sehen gibt, sehe ich plötzlich so viel mehr. Mir fallen Details auf, die ich sonst nicht wahrgenommen hätte, wenn ich nur schnell-schnell unterwegs gewesen wäre.

Das ist immer wieder erstaunlich. Es ist als ob meine Welt plötzlich soviel reicher und bunter wäre, einfach nur durch die simple Tatsache, dass ich Wert darauf lege, wirklich zu schauen. Möglichst viel in mich aufzunehmen. Details zu erkennen, Farben bewusst zu sehen und meine Gefühle dabei wahrzunehmen.

Meinen Bilderspeicher zu füllen ermöglicht mir, meinen Gedanken eine Aufgabe zu geben. Die Aufgabe, dass es jetzt gerade nichts Wichtigeres gibt, als meinen Blick schweifen zu lassen und jedes noch so winzige Detail zu erfassen.

Ach und nur um das nochmal zu erwähnen: ich hab mein Handy auf solchen Spaziergängen natürlich nicht dabei. Ich will ja nicht durch eine Linse sehen, sondern mit meinen eigenen Augen und mich durch nichts davon ablenken lassen.

Erfreuen an dem was man sieht

Oft gehe ich die gleiche Strecke – zumindest ein Stück – hin und zurück. Denn beim zweiten Mal abgehen, komme ich erstens aus einer anderen Richtung, was die Perspektive wechselt und ich sehe meistens Dinge die mir beim ersten Mal nicht aufgefallen sind. Ich erfasse jedoch auch wieder vieles, was ich schon beim ersten Mal mochte und kann mich so noch einmal darüber freuen.

Dieses darüber freuen ist ein Punkt der nicht zu unterschätzen ist. Wir erfreuen uns immer seltener an dem was wir sehen. Wir haben keine Zeit um dem Auge die Zeit zu geben die es braucht um Kleinigkeiten zu erfassen, die uns wirklich gefallen und anrühren. Wie großartig es ist, über einen See zu schauen und die Enten zu beobachten. Wie interessant es ist, eine Blüte wirklich von nahem anzuschauen.

Wir überreizen unsere Sinne regelmäßig. Vor allem unsere Augen, in dem wir stundenlang in irgendwelche Screens und Bildschirme starren. Wir ermüden unsere Augen damit und trainieren ihnen das Sehen in die Weite ab. Dabei ist dieser Wechsel für uns so wichtig. Von nah auf fern und wieder zurück.

Wenn wir regelmäßig unsere Spaziergänge machen um unsere inneren Bilderwelten aufzufüllen, ergibt sich das mit dem bewussten Sehen ganz automatisch. Wir schauen anders, wenn wir aufmerksam sind.

Ok, Ok, doch was soll das alles bringen?

Doch jetzt mal Butter bei die Fische und die Frage, warum bringt es uns etwas, wenn wir diese Übung regelmäßig machen?

Als ich an dem Morgen diese alten, wunderbaren Häuser angesehen habe und sie bewusst in meinen Bilderspeicher integriert habe, war mir bereits bewusst, dass diese Bilder mich eine ganze Weile begleiten werden.

Sie sind jetzt noch genauso präsent in mir als zu der Zeit als ich sie live gesehen habe. Damit verbunden ist die Freude etwas Schönes zu sehen und die Fragen die sich daraus ergeben haben: Wer darin wohl wohnen mag? Was das für Menschen sind? Was sie arbeiten? Woran ihr Herz hängen mag?

Das ist das Spannende daran, dass die Bilderwelten eine wahre Fundgrube an weiteren Gedanken nach sich ziehen. Unser Gehirn liebt Geschichten und genau die erzählt es mir dann.

Ich denke auch darüber nach aus welchem Jahr die Gebäude stammen könnten und mir fällt auf was anders ist an ihnen. Z.B. habe ich einige Häuser mit Reet gedeckt gesehen. Etwas Typisches aus dieser Region.

Normalerweise sind man diese Art der Dächer kaum mehr, weil es feuergefährlicher ist als Dachschindeln. Als ich dieses Dach sah, sind mir auch erst die verschiedenen anderen Dächer aufgefallen. Verschiedenste Formen, Anordnungen und andere Dinge, die ich nicht gesehen hätte, wenn ich nicht mit meinem Bilderspeicher Auge hinausgegangen wäre.

Die Geschichten die mir mein Gehirn bei dieser Art des Sehens erzählt, das Wissen das es über das Gesehene hervor kramt und die offenen Fragen die auftauchen, das ist es, was mein Hirn immer wieder lebendig bleiben lässt.

Es hat keine Aufgabe zu lösen, wie eine Projektidee oder eine Excel-Formel zu entwickeln, sondern es darf durch meine Augen die Welt entdecken. Das ist die Aufgabe. Die Welt entdecken und diese Bilder mitnehmen.

Ganz erstaunlich ist, wie lange manche dieser Bilder in meinem bewussten Gedächtnis verweilen. Sie tauchen immer wieder auf, wenn mich etwas daran erinnert und damit kommen andere Bilder aus der gleichen “Schatzkiste” ebenfalls wieder ans Licht.

Sehen heißt vernetzen

Man könnte jetzt sagen, naja, wozu soll das jetzt wirklich gut sein? Ist das nicht ziemliche Zeitverschwendung?

Klar, kann man das so betrachten. Doch für mich ist es das absolut nicht. Dieses absichtslose und doch fokussierte Schauen ist eine Art und Weise im Hier und Jetzt zu sein, die in Bewegung geschieht, statt z.B. in Meditation. Wir können still werden, in dem wir die Welt betrachten.

Wir setzen uns mit dem in Beziehung was wir sehen und es kann uns zu einem späteren Zeitpunkt als Ideensprungbrett dienen, wenn wir über eine offene Fragen nachdenken, zu der wir bis dato kein Antwort gefunden haben.

Nicht unbedingt eine Antwort die mir das, was ich gesehen habe – wie beispielsweise die gestreiften Garagentore – als Lösung vorschlägt, sondern eher in dem Sinne, dass mein Gehirn mir eine Metapher vorschlägt.

Ein Bild, das ich gesehen, wahrgenommen und in meinen Bilderspeicher aufgenommen habe, verbindet sich mit etwas über das ich gerade nachdenke und dann fällt mir vielleicht eine Verbindung ein, auf die ich ohne dieses Bild nicht gekommen wäre. Es ist tatsächlich etwas schwer zu erklären.

Vielleicht am besten auf die Art und Weise, dass Weitwurf mit einem Medizinball im wahrsten Sinne eine schwere Sache ist. Doch wenn ich nicht auf die Idee komme, ich könnte ja auch einen Tennisball nehmen, dann werde ich mich weiter mit dem schweren Gewicht abmühen um einen Erfolg zu erreichen. Was ziemlich schwierig ist, keinen Spaß macht und selten den Erfolg bringt, den man sich erhofft.

Gut gefüllte Bilderwelten sind wie eine ganze Batterie an verschiedenen Bällen, die man für verschieden Zwecke einsetzen kann. Ich hab alles zur Verfügung und im Zugriff. Ich brauche mich nicht so abzumühen, habe Freude daran und werde weitaus weiter kommen in meinen Bestrebungen.

Schaff dir Möglichkeiten durch deine gefüllten Bilderwelten

Gefüllte Bilderwelten ermöglichen ein kreatives Denken, das wie von selbst auf alle möglichen Ideen zugreift, die es in sich trägt.

Wer nur einen Hammer hat, wird auf alles draufhauen. Doch das ist selten eine gute Idee und noch seltener eine gute Lösung.

Gibst du dagegen deinem Gehirn Futter, das es leicht verdauen kann, das es wiederverwenden kann und einsetzen kann, wenn es neue Gedanken braucht, dann hast du einen wichtigen Schritt gemacht um deinen Kopf lebendig zu halten.

Kreativ sein braucht Material. Und deine gefüllten Bilderwelten sind das perfekte Material.

Sei für dich

Eine weitere Empfehlung die ich dir zum Füllen deiner Bilderwelten gebe, ist, diese Spaziergänge allein zu machen. Damit kannst du dich ganz drauf einlassen und bist nicht durch ein Gespräch abgelenkt.

Natürlich ist ein Spaziergang zu zweit eine tolle Sache, doch du möchtest ja deinen Bilderspeicher füllen und dein Gehirn auf diese einzige Aufgabe lenken. Das geht am besten, wenn du für dich bist.

Wenn es dir draußen zu ungemütlich ist, dann ist ein Museumsbesuch eine interessante Alternative zum Füllen deines Bilderspeichers. Vielleicht so gar zu einem Thema, zu dem du wenig bis nichts weißt, dann kannst du ganz unvoreingenommen alles was es zu sehen gibt, in dich aufnehmen.

Bilder eines unbekannten Malers zu betrachten kann so vieles in Bewegung setzen. Oder nimm ein Uhrenmuseum oder ein Handwerksmuseum. Das Thema ist gar nicht ausschlaggebend sondern einzig und allein deine Bereitschaft dich auf dieses Terrain einzulassen, um zu schauen.

Manche Bilder aus meinen Bilderwelten Spaziergängen habe ich bis heute im Kopf. Alle sind aus der Natur und nicht vom Menschen gemacht. Manche Bäume, die mir besonders aufgefallen sind oder ein Ausblick von einem Berg, eine Seenlandschaft die wunderschön war. Diese Bilder sind gespeichert in mir.

Manche davon haben den Auslöser für einen Artikel gegeben und manche sind einfach wunderschöne Erinnerungen. Manche davon haben mir einen Schubs in eine interessante Richtung gegeben, als ich über ein Problem gebrütet habe. Manche haben mir die Augen geöffnet für eine Perspektive die mir vorher nicht bewusst war.

Gefüllte Bilderwelten sind ein Geschenk, das du dir selbst immer wieder machen kannst. Es verlangsamt die Zeit und bringt die Kreativität zurück. Vielleicht sogar ganz neu in dein Leben, wenn du bisher eher analytisch unterwegs warst.

Es ist keine Spielerei oder unnütze Zeitverschwendung. Es ist eine wertvolle Art wie du deinem Gehirn und damit dir ein Geschenk machen kannst. Das Geschenk der Wahrnehmung.

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