Handwerk und Social Media. Da prallen im ersten Moment Tradition und moderne Welt aufeinander. Dass es ohne Webseite inzwischen nicht mehr geht und Anfragen per eMail reinkommen, daran hat man sich ja schon gewöhnt.

Doch braucht ein Handwerksbetrieb wirklich eine Fanseite bei facebook? Macht es für einen regionalen Betrieb Sinn sich in diesen sozialen Netzen zu engagieren, wer sollte das machen und was soll ich da schreiben? Liest das überhaupt jemand oder ist das nicht Zeitverschwendung?

Mit all diesen Fragen wurde ich in Vorträgen immer wieder konfrontiert. Was tun?

Wie wäre es, wenn sich aus diesen Einzelteilen eine fruchtbare Verbindung schaffen ließe?

Eine Verbindung schaffen, die das beste aus beiden Welten miteinander kombiniert. Genau diesen Gedanken hatten auch die Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH). Mit viel Engagement und tatkräftiger Unterstützung der VHS Business in Landshut wurde aus der Idee „sowas wie eine Schule für dieses Internetzeug“ der Lehrgang „Social Media Marketing für Frauen„.

Der ungeheuren Fleißarbeit von Karin Stieg, der Projektleitung VHS Business, und ihrer Assistentin Verena Zellner ist es zu verdanken, dass für dieses Projekt eine EU-Förderung zustande kam. Dieser spezielle Topf fördert besonders Frauen im Beruf und übernimmt einen Teil der Lehrgangskosten.

Mit einem von mir entwickelten Konzept, technischer Unterstützung von meinem Webmaster Martin Unverdorben und der Marketingfachfrau Birgit John für den Unterrichtsteil des klassischen Marketings, sind wir Anfang März gestartet.

16 Frauen aus verschiedensten Betrieben (Elektro, Sanitär, Holzbau, Bäckerei, Schreibwaren, Motorrad, Zahnarztpraxis und einige mehr) saßen voller Erwartung im EDV-Raum vor mir. Und sie hatten keine Ahnung, was da so alles auf sie zukommt ;-)

Der zeitliche Ablauf

Im Verlauf von sechs Monaten und insgesamt 10 Präsenz-Unterrichtstagen haben wir uns zunächst mit dem Aufbau eines Konzepts für einen Firmenblog beschäftigt, sind mit einem Mediaplan für die Strategie gestartet und haben uns nach und nach in diesem ganzen Social Media Zirkus umgesehen.

Zwischen den Kurstagen gab es Wochenhausaufgaben, denn ohne stetes Dranbleiben und in den Arbeitsalltag integrieren wird das einfach nix.

Die Damen hatten es nicht leicht mit mir und haben öfter mal über die Fülle an Aufgaben gestöhnt, doch die Ergebnisse sind einfach nur klasse. Es war eine Freude mit ihnen zu arbeiten und diese Unterrichtstage waren für mich die Highlights.

Was unterscheidet unser Konzept von anderen Social Media Lehrgängen?

Nun, da gibt es mehrere Punkte:

  • Zum einen wird bei uns sehr bodenständig alles mit klassischem Marketing verknüpft.
  • Viele der anderen Kurse finden nur online statt und unsere Erfahrung zeigt jedoch ganz klar, wie wichtig dieser eine Tag im Monat ist, an dem man tatsächlich zusammenkommt und sich austauschen kann. Das war ungemein wertvoll für alle.
  • Es ist Raum da, alles in Ruhe auszuprobieren und testen zu können. Wer sich bis dato nicht viel mit den sozialen Medien und Internetpublishing beschäftigt hat, fühlt sich unsicher in dieser Onlinewelt. Und daher muss man das wirklich lernen dürfen. In einem geschützten Rahmen.
  • Außerdem dauert unser Kurs mindestens 6 Monate. Was bedeutet, alle TeilnehmerInnen unterliegen dem sanften Zwang ihre Hausaufgaben zu machen und sich daher über den ganzen Zeitraum regelmäßig mit allen Themen zu beschäftigen.

Das alles führt dazu, dass sich Routinen entwickeln können, die auch nach dem Kurs Bestand haben und sich im Arbeitsalltag integrieren. Dieser Effekt fehlt komplett bei einem Tagesworkshop, einem 3-Tage-Seminar o.ä. Was zur Folge hat, dass die Wenigsten nach Kursende weitermachen. Und das ist für mich nicht der Sinn von Weiterbildung.

Nur was sich verankern lässt, kann auch eine nachhaltige Wirkung entfalten. Da bin ich einfach zu sehr Lehrerin um das aus dem Auge zu verlieren.

Was hat das nun gebracht?

Zunächst ein paar Fakten:

  • Alle Firmen hatten durch den Kurs eine neue Blogseite. Was zudem bedeutet, dass ein Teil der Betriebe dadurch überhaupt mal eine Internetseite bekommen hat.
  • Bis heute wurde insgesamt die unglaubliche Zahl von über 320 Fachartikeln in den Blogs verfasst!! Futter für Suchende und Suchmaschinen.
  • Die Blogs wurden mit WordPress aufgesetzt und dadurch kann alles von den Damen selbst gemacht werden. Texte verfassen, Bilder hochladen, neue Seiten integrieren usw.
  • Es konnten Azubis über die Fanseite gewonnen werden.
  • Zeitungsartikel wurden aus den Blogartikeln generiert.
  • und vieles, vieles mehr.

Dass ein professionelles Bild im Internet immer was mit Imagepflege zu tun hat, ist klar. Was durch die dynamische Form von Blogs dazu kommt ist die Möglichkeit durch Fachwissen eine Expertise aufzubauen. Und das ist allen Betrieben sehr gut gelungen.

Zum Nachhören

Beim Abschluss des Lehrgangs war auch Radio Trausnitz mit dabei und in diesem Beitrag lässt sich gut die Begeisterung der Teilnehmerinnen nachhören (aus mir wurde durch die Redaktion eine Frau Gaßle gemacht, doch es gibt schlimmeres :)

Hier sehen Sie alle die bei unserem Kurs dabei waren, inkl. meiner KollegInnen und mir. Die Unternehmerfrauen selbst und ihre Blogs werden in den nächsten Monaten in einer losen Serie hier im Blog vorgestellt. Sie dürfen gespannt sein!

Social Media Marketing Lehrgang für Frauen im Jahr 2013

Nach diesem sensationellen Erfolg wird der Lehrgang ein weiteres Mal im Jahr 2013 aufgelegt. Dazu findet ein Infoabend am 14. November 2012 von 19 – 20:30 Uhr in Landshut statt. In dieser Einladung finden Sie alle Informationen.

Anmeldung bitte direkt in der VHS business unter Tel 0871 92292-231 oder per eMail. Der Kurs richtet sich schwerpunktmäßig an Frauen, was mit der Förderung zusammenhängt.

Beginn ist im Frühjahr 2013 und Kursort ist wieder Landshut. Dadurch dass es einzelne Präsenztage sind, die nicht jede Woche stattfinden, ist das auch mit größeren Entfernungen zu bewältigen.

Wenn das Thema für Sie und Ihren Betrieb interessant ist, seien Sie mit dabei und informieren sich. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Fragen.

War das schon alles?

Nein, das dicke Ende kommt noch :-) Denn bei der Abschlussfeier im September haben die Unternehmerfrauen ganz großes Kino abgeliefert und zwei sehr witzige Performances zum ganzen Kurs gezeigt!

Der Oberknaller war die Online-Beichte. Darin wurde aus mir die „Mutter Oberin Alessandra Media Sociala“ Ich hab Tränen gelacht, doch am besten selbst angucken:

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