Schenken Sie Erinnerungen

ChristbaumEin schönes Motto machte dieses Jahr die Runde vor Weihnachten: “Zeit statt Zeug

Das ist es, was für mich die schönsten Geschenke ausmacht: Sich zu schenken. Das kostbarste was man im Leben hat, an jemanden weiterzugeben, die eigene Zeit. Natürlich weiß ich, wie schwierig sich das oft gestaltet. Und doch möchte ich alle, die noch immer nicht das passende gefunden haben und dabei sind Gutscheine in Bausch in Bogen zu ordern oder Geld aufgeteilt auf verschiedene Briefumschläge vorzubereiten, anregen kurz inne zu halten.

Was macht eine schöne Erinnerung aus?

Denken Sie einen Moment darüber nach an was Sie die langlebigsten Erinnerungen haben? Sind das Sachen oder waren das Erlebnisse mit Menschen, die Ihnen nahe stehen und am Herzen liegen?

Die besten Geschichten beginnen mit einem “weißt du noch…?” Dann werden gemeinsame Stunden wiedererlebt, gelacht über Vergangenes, Aufregendes noch einmal mit Herzklopfen erfahren, stilles Glück in sich gespürt.

Das sind Erinnerungen die unser Leben formen. Das sind auch Erinnerungen, die uns verbinden. Mit anderen. Mit der Welt. Wenn Sie Zeit mit jemandem verbracht haben, die Sie ganz bewusst da waren.

Vielleicht einen Ausflug gemacht haben, ein Fest gefeiert, in schweren Stunden Beistand gegeben haben, zum Kaffeetrinken vorbeigekommen sind, eine gemeinsame Wanderung gemacht haben oder auch nur einen gemütlichen Spaziergang, gemeinsam gekocht und gegessen, ein Konzert besucht oder über Bilder im Museum gestaunt, miteinander im Kino gelacht und beim Umzug mit angepackt haben.

Was sehen Sie, wenn Sie zurückschauen?

Es sind diese Zeiten, die unser Leben in der Rückschau ausmachen. An den Alltag erinnern wir uns kaum. Deswegen kommt es uns oft so vor, dass schon wieder ein Jahr verflogen ist und wenn wir zurückblicken schrumpft es auf einen Bruchteil davon zusammen. Das passiert dann, wenn es nichts gibt, an was wir uns erinnern können. Wenn wir tagein, tagaus wie das Murmeltier das täglich grüßt, immer dasselbe wiederholen.

Wenn wir keine Erinnerungen für uns und andere geschaffen haben. Den Alltag so sehr einziehen lassen, dass alles ein grauer Brei zu werden scheint. Nichts außergewöhnliches wenn ich zurückblicke, keine Erlebnisse klein oder groß, nichts was sich dazu eignet zu erzählen. Und schon gar nichts mit dem Anfang “Weißt du noch…?”

Schaffen Sie Erinnerungen!

Lassen Sie das nicht zu. Schaffen Sie Erinnerungen. Wenn Sie Ihr Jahr Revue passieren lassen, dann sollte es da viele kleine bunte Momente geben, die das Jahr aufleuchten lassen. Kleine Erlebnisse und große Ereignisse. Wie ein großer Schwung Konfetti, der über Ihre Tage ausgeschüttet worden ist.

Benutzen Sie Ihr Handy nicht nur dafür Fotos zu machen, die Sie dann am iPad anschauen, sondern machen Sie immer wieder Ausdrucke davon und legen sich ein ganz persönliches Jahrbuch an, das viel Stoff bietet für “Weißt du noch …?”

Erinnern Sie sich noch, wie man gemeinsam alte Fotoalben durchgeschaut hat und immer wieder lachen musste, weil plötzlich die Zeit von damals wieder auferstand mit all ihren komischen und berührenden Momenten?

Ein Gegensatz hat zwei Seiten

Unsere Zeit ist schnell geworden. Schneller als wir uns das jemals vorstellen konnten. Das ist erst mal nicht schlecht, wir müssen nur lernen, dass wir ebenso die Langsamkeit brauchen.

Wir sind Wesen, die aus Gegensätzen heraus leben. Unser Herzschlag braucht ein Anspannen und Entspannen, unsere Atmung ein Einatmen und wieder loslassen im Ausatmen. Unser Körper lebt es uns vor. Wenn wir nur noch einatmen würden, ließe das unser Körper überhaupt nicht zu. Und doch führen wir oft ein Leben, dass nur noch aus Einatmen zu bestehen scheint. Nur noch mehr von allem hinein in uns. Mehr Arbeit, mehr erledigen, mehr eMails, mehr Essen, mehr Sport, mehr Fernsehen, mehr Smartphone…

Entschleunigung is king

Doch werden wir uns daran erinnern? Vielleicht als etwas, was uns buchstäblich atemlos hat werden lassen, doch nicht aus angenehmen Gründen. Entschleunigung ist nichts altmodisches oder spießiges. Im Gegenteil, wenn wir unsere Zukunft mit einem gesunden Geist und Körper erleben möchten und sie gestalten wollen, dann brauchen wir regelmäßiges Ausatmen.

Damit schließt sich nun der Kreis. Denn wenn wir uns schenken, mit unserer Zeit, einem Gegenüber, das vielleicht ebenfalls in seinem grauen Brei des Alltags schwimmt, dann werden wir automatisch langsamer. Denn sich auf jemanden einstimmen geht nur im Rhythmus des Lebens und das heißt Zuhören genauso wie Erzählen, das bedeutet den anderen wirklich sehen, im Jetzt und Hier sein. Ankommen in der Welt, wie sie jetzt gerade ist.

Um sich an etwas erinnern zu können, muss ich darin anwesend gewesen sein. Da sein. Dabei sein. Ein Teil des Erinnerung sein und werden.

Existieren Sie in der Zeit?

Wenn Sie jetzt einen Moment nachspüren, was Ihnen beim Lesen bis hierher durch den Sinn geht, dann haben Sie möglicherweise ein leichtes Bedauern erlebt, ein Erkennen dessen, dass auch Ihre Zeit wenig Erinnerungen in sich trägt. Ändern Sie das. Und ändern Sie es mit den Menschen, die Ihnen nahe stehen, wichtig sind, lieb und teuer sind.

Schaffen Sie Erinnerungen. Streuen Sie Konfetti über Ihr Jahr. Lassen Sie es aufleuchten mit kleinen Momenten, die Sie gemeinsam erlebt haben. Schaffen Sie Geschichten für “Weißt du noch…?” Erleben Sie darin das Leben. Das Lebendige, das uns ausmacht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie viele dieser zukünftigen Erinnerungsmomente geschenkt bekommen und ebenso verschenken. Wünschen Sie sich das von Ihren Lieben. Schaffen Sie so gemeinsam ein Kaleidoskop Ihres Lebens mit all den Menschen darin, die an Ihrer Seite sind.

Wir existieren nur, weil jemand an uns denkt.
(Unbekannt)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest mit Lichtern, Lachen und Liebe in der Luft. Lassen Sie es sich gutgehen!

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