Diesmal bin ich an einer Textzeile hängen geblieben. I’m tired of all this fear – Ich bin der ganzen Angst müde. (Sie stammt von Snow Patrol / Eyes Open Song Headlights on Dark Roads. Ich persönlich find die ganze CD wunderbar und überaus hörenswert.)

Der Angst müde sein, das kenn ich sehr gut. Und ich denke, fast jeder von uns hat schon mal dieses Gefühl gehabt, nicht mehr weiter zu wissen und zu spüren, wie sich Panik breit macht. Langsam aufsteigt, den Herzschlag beschleunigt und einen immer hilfloser fühlen lässt.

Auch wenn ich nun schon seit über 13 Jahren selbständig bin, kenne ich diese Angst immer noch. Die Freiheit der eigenen Zeiteinteilung und Autonomie wird ein Stückweit dadurch beglichen, dass es keinen regelmäßigen Geldeingang gibt. Und immer wieder mal Lücken im Auftragseingang auftreten können. Nach meiner Erfahrung wird das unter Selbständigen nicht gern zum Thema gemacht. Viele geben anfangs eher flapsige, ausweichende Antworten auf die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden. Es gibt immer noch eine große Scheu davor, diesem Thema Raum zu geben. Denn es besteht häufig die Furcht, nicht mehr „voll genommen“ zu werden, wenn man zugibt, dass man auch diese Existenzangst kennt.

Doch ich kann nur sagen, dass es für mich stets sehr wichtig war und ist, mich damit nicht zu verstecken, sondern darüber zu reden. Denn egal mit wem ich bis jetzt gesprochen habe, wie erfolgreich diese Menschen auch immer waren, stets habe ich in einem ehrlichen Gespräch gehört, dass auch sie dieses Gefühl kennen. Was einen manchmal völlig unerwartet anspringen kann. „Wie geht es weiter…..? Geht es weiter….? Wie soll ich das hinkriegen…..?“

Da es immer mehr Selbständige gibt und in den nächsten Jahren geben wird, ist es umso wichtiger, dieses Thema zu enttabuisieren. Und dem Selbständigendasein zwar nicht die Krone zu entreißen, jedoch davon ein realistisches Bild zu zeichnen. Denn ein gutes inneres Standing ist Voraussetzung eine Selbständigkeit erfolgreich aufzubauen und ohne auszubrennen viele Jahre lang mit Freude ausfüllen zu können. Dazu gehört Wissen darüber, dass es auch diese dunklen Phasen geben wird. Frühzeitig zu lernen, damit umzugehen, ist eine Fähigkeit die sich in vielen Bereichen des Lebens auszahlen wird.

Selbstverständlich ist eine gute Strategie, ein funktionierendes Marketing und ein gutes Produkt/Dienstleistung die Grundlage jedes erfolgreichen Business. Davon soll hier mal nicht die Rede sein, dann das wissen wir ja sowieso.

Lassen Sie uns doch mal verschiedene Möglichkeiten beleuchten, wie sich mit diesen Ängsten umgehen lässt. Angst hat die Eigenschaft, dass sie uns eher lähmt als in Bewegung setzt, dadurch im wahrsten Sinne Schranken setzt und uns im Denken fixiert. Angst fungiert oft wie eine Lupe, die das Betrachtete unendlich vergrößert. Die Gedanken kreisen meist um dieselben Katastrophenszenarien und die Gefühle folgen diesen Bildern.

Was tun?

Ich kann hier lediglich mit Ihnen mein Scheitern und meine Erfahrungen teilen. Doch möglicherweise sind ja hilfreiche Gedanken für Sie dabei.

Was für mich nicht funktioniert hat:

  • Mich anzutreiben und in wilden Aktionismus zu verfallen, denn ich muss ja was tun.
  • Mir Gedanken austreiben zu wollen unter dem Motto „jetzt stell dich nicht so an usw.“
  • Mich mit Menschen zu unterhalten, die dieses Gefühl eher wegwischen wollen mit einem „ach was, das wird schon wieder“

Was für mich funktioniert:

  • Annehmen was ist.

Da ich mich im Moment so fühle, wie ich mich fühle, bleibt mir erst mal gar nichts anderes übrig, als anzunehmen was ist. Ich spüre dem Gefühl nach, versuche es in meinem Körper zu lokalisieren und benenne es.

  • Liebevoll mit mir umgehen.

Das hört sich wahrscheinlich in einem Business-Kontext ziemlich „kuschelig“ an. Doch ich mein das völlig ernst. Für manche mag es funktionieren, wenn sie sich innerlich verbal die Keule drüber ziehen „jetzt mach schon….stell dich nicht so an…..du Weichei….lass dich nicht so hängen….“ Doch für mich haut das nicht hin. Und daher gehört es für mich zum Annehmen dazu, mir selbst das Gefühl zu geben, dass es in Ordnung ist, wenn ich im Moment Angst habe. Denn ich kann sie nun mal nicht wegzaubern. Und dazu gehört eben auch eine innerliche liebevolle Stimme. Der Kritiker darf ruhig mal Pause machen.

  • In Bewegung kommen.

Ängste haben die Eigenschaft uns bewegungsunfähig zu machen. Das ist schon an dem Sprichwort sichtbar „vor Angst gelähmt sein….erstarrt sein vor Angst“. Wir sind wie fixiert auf immer die gleiche Gedankenspirale, die zudem die Angewohnheit hat, sich selbst zu verstärken. Dies lässt sich durch Ergebnisse der Gehirnforschung erklären. Was des Öfteren gedacht wird, bahnt nun mal gewisse Muster.

Als Unterbrechung, neudeutsch separator, hilft in Bewegung zu kommen. Wie das Wetter auch grad sein mag, schnappen Sie sich Schuhe und Jacke und gehen nach draußen. Sich zu bewegen bringt Sie auch innerlich wieder in Bewegung. Am besten nehmen sich noch flotte Musik mit und schaffen sich dadurch einen zusätzlichen Unterbrecher. (BTW: sollte es grad mitten in der Nacht sein oder das mit Rausgehen aus sonst einem Grund nicht möglich sein, ist eine heiße Dusche oder Bad mein Ersatzmittel der Wahl….)

  • Reden.

In meinem Leben gibt es zum Glück Menschen die ich wegen jedem Sch… anrufen/ansprechen kann. Und das mache ich in solchen Situationen inzwischen auch. Hab eine ganze Weile gebraucht, mir das zuzugestehen und nicht immer mit allem allein fertig werden zu wollen. Doch ich weiß, dass da jemand gegenüber ist, der auch keine Lösung in dem Moment hat, sondern einfach nur zuhört. Mir das Gefühl gibt, dass ich in Ordnung bin, welche seltsamen Wege meine Gedanken auch grad nehmen. Das funktioniert natürlich auch umgekehrt. Wichtig ist das Gefühl, des angenommen werden, womit sich der Kreis zum Beginn schließt.

Das waren sie, die Eckpunkte meiner Strategie. Wenn ich schon mal soweit gediehen bin, kann ich meist auch wieder klarere Gedanken fassen. Sprich wieder ins Handeln kommen. Und dann greifen auch wieder Lösungstools und was es da eben nicht alles sonst noch so gibt.

Was mich interessiert ist, wie gehen Sie mit den dunklen Seiten der Selbständigkeit um? Mit dieser Existenzangst die sich immer mal wieder einschleichen kann. Vielleicht sind Sie ja auch davon verschont und können uns Ihr Rezept verraten. Wie auch immer das bei Ihnen ist, ich freu mich auf Ihre Anregungen und Erfahrungsberichte.

Bildquelle: Peter Reinäcker / Pixelio


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