Produktivitätsstudie: 219 Mrd. Schaden

Eine Produktivitätsstudie der Proudfoot Consulting spricht klare Worte: 37 % der Arbeitszeit werden weltweit durch unproduktive Zeit verschwendet. Das ergibt in Zahlen für Deutschland im Jahr 2004 einen Schaden von 219 Mrd. Euro. Ehrlich gesagt, kann ich mir so eine große Zahl überhaupt nicht vorstellen.

Hab mal versucht, einen Vergleich zu finden. Den Discounter Lidl kennt ja jeder. Lidl hat im Jahr 2004 einen Umsatz von 36 Mrd. Euro erwirtschaftet. Wenn ich jetzt mal umrechne, dann würde das bedeuten, wenn alle Lidlfilialen 6 Jahre lang hintereinander abbrennen würden und damit keinen Euro Umsatz schaffen, dann hätten Sie den Schaden erreicht, der in Deutschlands Firmen durch unproduktive Zeit in einem Jahr geschaffen wird.

Wie kann so was sein? Auch hier finden sich in der Studie Antworten:

  • Schuld an dem Dilemma seien oft die Manager, die ihre Mitarbeiter nicht gleichmäßig mit Arbeit versorgen. Und das gelte nicht nur für das klassische Management, sondern hinunter bis zu den Meistern.
  • Fast die Hälfte der Produktivitätsverluste geht auf schlechte Planung und Steuerung zurück.
  • Auch endlose Besprechungen sind verlorene Zeit, wenn darin keine klaren Ergebnisse formuliert werden und am Ende niemand genau sagen kann, was eigentliche besprochen wurde.
  • Nicht minder ineffiziente Situationen erwachsen aus puren Missverständnissen und Fehleinschätzungen.
  • Erst weit abgeschlagen auf deutlich niedrigeren Prozentzahlen rangieren Faktoren, die zumindest teilweise auch den Mitarbeitern zuzuschreiben sind. Dazu zählen mangelnde Kommunikation und fehlene Motivation.

Es deutet alles wieder auf Führungskräfteschelte hin. Doch wo liegt nun ein Lösungsansatz? Dieser ist, wie bei vielen komplexen Aufgaben, relativ pragmatisch:

Die Arbeitsabläufe müssen strukturiert, die Aufgaben klar verteilt sein und vor allem müssen die Beschäftigten in Führungspositionen all das im Blick haben und die Prozesse steuern.

Die Kritik an dieser Art von Struktur ist oft, dass es ja immer soviele unvorhergesehene Situationen gibt, die sich eben nicht planen lassen. Doch genau hier liegt der Denkfehler. Denn wenn ich für möglichst viel Standardisierungen habe, dann bleibt mir für unvorhergesehenes mehr Raum zum Reagieren, da ich mir nicht über Alltagssch…. Gedanken machen muss. Das hat uns ja schon Kaizen gelehrt.

Doch nochmal zurück zu den Menschen, die hinter dieser Problematik stehen. Meiner Meinung gewinnen wir nichts, wenn wir nun all diese Defizite immer nur dem Management und den Führungskräften anlasten. Denn diese sind in vielen Fällen aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz in diese Position gerückt. Das bedeutet jedoch nicht, dass damit automatisch auch strategische Kenntnisse, Fähigkeit zum Strukturieren und Kommunikationskompetenz plötzlich vorhanden ist. Dieses Wissen wird halt leider immer noch nicht regelmäßig in Studiengängen, Fachausbildungen usw. gelehrt.

Und daher sollte es jeder Führungskraft ermöglicht werden, diese Defizite durch Lernen ausgleichen zu können. Ob das nun durch individuelles Coaching (auch für Führungsgruppen) oder über andere Wege geschieht, spielt letztlich keine Rolle, solange dadurch ermöglicht wird, in diesen wichtigen Bereichen fit zu werden.

Und das so nah wie möglich “on the job” und nicht nur fern in wunderschönen Seminarräumen. Wenn “außer-Haus-Veranstaltungen” das Mittel der Wahl sein sollte, dann wäre eine ganz wichtige Nachbereitungsaufgabe, den Transfer auf die reale Arbeitswelt zu integrieren. Ansonsten haben wir es wieder mit dem Phänomen zu tun: “Tolles Seminar und jetzt muss ich erst mal meine Arbeit machen….”

Um zum Abschluss noch Watzlawicks berühmten Hammer zu verwenden: Wer halt nur einen Hammer hat, wird auch überall draufhauen. Also ist es meiner Ansicht nach eine ganz wichtige Aufgabe, für Unternehmen die auch in Zukunft Erfolg haben wollen, Ihren Führungskräften zu ermöglichen sich einen Satz verschiedenster Handwerkssachen zu schaffen.

via News-Worx

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