Führung mit inneren Stabilität

Beim Lesen des Buches Führen aus der Mitte von Barbara und Michael Fromm bin ich gerade auf eine hochinteressante Sammlung von Führungsregeln gestoßen.

Interessant finde ich dabei vor allem zwei Sachen: Zum einen sind diese Führungsregeln ein paar tausend Jahre alt (sie stammen aus der vedischen Hochkultur Indiens) und zum anderen sind sie heute mehr denn je gültig.

Vielleicht wollen Sie ja mal einen Blick darauf werfen:

  • Des Königs höchste Verpflichtung besteht den Göttern gegenüber. Als nächstes und gleich wichtiges folgt die Wahrheit; Wahrheit ist die höchste Zuflucht. Die ganze Welt ruht auf der Wahrheit.
  • Das Verhalten eines Königs sollte ohne jeden Tadel sein. Selbstbeherrschung, Demut, Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit sind wichtig für seinen Erfolg. Er sollte seinen Leidenschaften unter vollkommener Kontrolle haben.
  • Seine erste Pflicht besteht gegenüber seinem Volk. Er sollte sich stets um das Volk kümmern, ohne selbstgefällige Gedanken. Seine eigenen Wünsche und Begehren muss er denen seines Volkes unterordnen. Er sollte sein Volk behüten, wie eine Mutter ihr Kind behütet.
  • Ein König muss sich mit Leuten von gleichem Charakter, deren Eigenschaften edel und vortrefflich sind, umgeben. Der einzige Unterschied zwischen ihm und seinen Amtsträgern ist der weiße Schirm, der sein höheres Amt anzeigt.
  • Achte auf den Zustand des Königreiches. Alte und schäbige Anlagen sind ein Zeichen von Vernachlässigung. Verbessere die Zustände, um ein gutes Ansehen zu gewinnen.
  • Nichts, nicht einmal die geringste Handlung, kann von einem einzelnen Menschen erbracht werden. Er braucht Unterstützung.
  • Hege keine Bosheit in deinem Herzen – absolut keine.
  • Dharma (rechtes Handeln) ist das Losungswort eines Königs. Nichts ist mächtiger! In dem Ausmaß, wie du Dharma vernachlässigst, wird der Zerfall einsetzen.

Erlauben Sie mir diese Regeln, die für Könige (die damals höchsten Führungskräfte) geschrieben wurden, nur ein klein wenig umzuformulieren.

Und wenn Sie sie jetzt noch einmal lesen, dann machen Sie doch mal ein Experiment und sprechen die Zeilen laut aus. Halten Sie nach jedem Punkt kurz inne und spüren nach, was es in Ihnen auslöst:

  • Meine höchste Verpflichtung besteht in der Wahrheit; Wahrheit ist die höchste Zuflucht. Die ganze Welt ruht auf der Wahrheit.
  • Mein Verhalten sollte ohne jeden Tadel sein. Selbstbeherrschung, Demut, Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit sind wichtig für meinen Erfolg. Ich sollte meine Leidenschaften unter vollkommener Kontrolle haben.
  • Meine erste Pflicht besteht gegenüber meinen Mitarbeitern. Ich sollte mich stets um meine Mitarbeiter kümmern, ohne selbstgefällige Gedanken. Ich sollte meine Mitarbeiter behüten, wie eine Mutter ihr Kind behütet.
  • Ich muss mich mit Leuten von gleichem Charakter, deren Eigenschaften edel und vortrefflich sind, umgeben.
  • Ich achte auf den Zustand meines Unternehmens. Alte und schäbige Anlagen sind ein Zeichen von Vernachlässigung. Ich verbessere die Zustände, um ein gutes Ansehen zu gewinnen.
  • Nichts, nicht einmal die geringste Handlung, kann von einem einzelnen Menschen erbracht werden. Jeder braucht Unterstützung.
  • Ich hege keine Bosheit in meinem Herzen – absolut keine.
  • Dharma (rechtes Handeln) ist mein Losungswort. Nichts ist mächtiger! In dem Ausmaß, wie ich Dharma vernachlässige, wird der Zerfall einsetzen.

Wenn wir es schaffen, jeden Tag nur ein wenig mehr nach diesen alten Lehren unsere Unternehmen und damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen, würde das nicht viel Gutes hervorbringen? Was denken Sie darüber?

5 Replies to “Führung mit inneren Stabilität”

  1. Tja . Früher haben sich die Adligen noch an ihr Wort gehalten !!
    Heute versprechen Politiker alles vor der Wahl und dann!!!
    Kommt das große erwachen. So ist es halt.

  2. Tja, das mit den Politikern ist ja noch mal ‘ne andere Sache. Ist halt ‘ne besondere Spezies 🙂 (zumindest in vielen Fällen…)

  3. Es freut mich hier auf dieser Seite einer Unternehmensberaterin diesen Text zu finden. Ich hoffe es lässt sich auch in der heutigen Zeit wieder (noch) solch ein “Führungsstil” realisieren. Denn meiner Ansicht nach ist es “5 vor zwölf” -nicht nur auf die Ökologie bezogen, sondern auch auf den psychischen Zustand unserer Gesellschaft.
    Fast wie Walraff habe ich in einem Betrieb “ganz unten” gearbeitet und bin dann in die mittlere Ebene gekommen…Das Unverständnis dieser höheren Ebenen für die Arbeiter “da unten” fand ich sehr erschreckend und hat den Betrieb gesamt gesehen sehr viel Geld gekostet. Wenn der mittleren und oberen Etage das Verständnis fehlt für das Gesamtgefüge kann ein Betrieb einfach nicht rundlaufen. Die kleinste Ameise dort unten hat ihren Wert für den gesamten Prozess. Wie kann Menschen in Führungspositionen arbeiten, die dies nicht (mehr) verstehen???
    Verstehen nicht unbedingt im Sinne vom Denken kommend, sondern mit dem Herzen und damit den “Göttern verpflichtet”.

  4. @kay
    Genau das, was du schilderst, erlebe ich sehr häufig in größeren Betrieben. Die Kluft zwischen “oben” und “unten” scheint oft unüberwindbar. Hier wieder Brücken zu schaffen, die Verständnis und Zusammenarbeit ermöglichen ist eine ganz wichtige Aufgabe für unsere Zukunft. Nicht nur für einzelne Betriebe, sondern für die Wirtschaft an sich. Es muss wieder ein Paradigmenwechsel stattfinden, denn Zahlen allein sind ein schlechter Ratgeber.

  5. Pingback: Dr. Brigitte Wolter » Turbo Tipp 14: Führen aus der Mitte

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