Es ist OK erschöpft zu sein.

Was für ein verrücktes Jahr… Soviel ist auf uns eingeströmt, mit dem wir klar kommen mussten. Sorgen um die Familie, finanzielle Ausfälle, Erkrankungen und vielleicht sogar im schlimmsten Fall Todesfälle.

Jetzt kommt Weihnachten. Was eh schon lange keine wirklich staade Zeit im Vorfeld mehr hatte, ist jetzt gefühlt noch stressiger als in den letzten Jahren. Wir sind erschöpft. Und das mit gutem Recht.

Niemand steckt so eine Krise mit all ihren Folgen weg. Es hat uns alle in der einen oder anderen Weise betroffen und getroffen.

Photo by Anastasiya Yilmaz on Unsplash

Es ist OK erschöpft zu sein.

Es ist in Ordnung, wenn du kaum noch Geduld hast und schnell aus der Haut fährst. Es ist OK, wenn du grantig wirst, weil du einfach nicht mehr kannst. Es ist OK, völlig kaputt auf die Couch zu fallen und sich nicht mehr zum gesunden Kochen aufraffen zu können. Es ist OK, wenn du plötzlich aus heiterem Himmel weinen musst, weil dir einfach die Kraft ausgeht. Es ist OK, wenn du erschöpft bist.

Niemand muss das glanzvollste Weihnachten schaffen in dieser Zeit. Wenn die Geschenke dieses Jahr anders ausfallen, kleiner ausfallen, nicht so persönlich sind, dann ist das alles OK. Wir müssen lernen uns zuzugestehen, dass wir keine Maschinen sind, sondern menschlich.

Familien mit Kindern sind zusätzlich mit Schulausfällen konfrontiert und sollen jetzt homeschooling und homeoffice unter einen Hut bekommen.

Ich weiß nicht, wer sich da auch nur eine Sekunde lang gedacht hat, dass das funktionieren kann. Das kann es nicht. Punkt. Abgesehen von nicht funktionierender Technik wie das unsägliche Mebis, zu überforderten Lehrern, die einfach nicht wissen, wie sie jetzt plötzlich digital unterrichten sollen bis hin zu Eltern, die eben Eltern sind und keine Lehrer. Das kann man nicht mal eben switchen.

Gleiches gilt für das Homeoffice. Das ist nicht mal eben schnell genauso wie man das am Arbeitsplatz macht. Viele Menschen tun sich schwer damit, sich allein zu organisieren. Ihnen fehlt der Austausch, die informellen Gespräche, sind unsicher was die digitale Nutzung betrifft. Ja, wir schaffen weniger, ja wir machen mehr Fehler. All das ist OK.

Sei voller Mitgefühl für dich selbst

Hör auf, von dir eine 100% Leistung zu verlangen. Sei mit der Hälfte zufrieden. Ja, du hast richtig gelesen, mit der Hälfte.

Wir müssen mit all diesen Ungewissheiten, auferlegten Beschränkungen, völlig neuen Situationen, großen Sorgen und Ängsten erstmal umgehen lernen. Es gab wenig Verschnaufpausen in diesem Jahr. Der Sommer war nur ein kurzer Lichtblick und die Situation jetzt ist schwieriger denn je.

Das lässt sich nicht so einfach mal in uns integrieren. Die emotionale Verarbeitung kostet uns viel mehr Kraft als uns das bewusst sein mag. Das braucht Zeit und viel Energie. Die uns bei unseren alltäglichen Aufgaben fehlt. Daher nochmal: Es ist vollkommen OK, wenn du erschöpft bist

Wenn die Feiertage nun herankommen, schau unbedingt, wie du zur Ruhe kommen kannst. Auch wenn Weihnachten ein zentrales Fest für viele von uns ist, ist es genauso OK, wenn es dieses Jahr mal anders laufen darf.

Wenn statt Besuchen mal ein Faulenztag daheim auf dem Programm steht. An dem man mit lieben Menschen telefoniert oder sich über Video sieht. Doch Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, dir Gutes zu tun. Mal in die Wanne legen, schöne Filme gucken, ein wunderbares Buch lesen, lustige Spiele spielen und wohltuende Spaziergänge im Wald machen.

Leg deinen Fokus darauf, dass du deine erschöpfte Quelle im Inneren wieder auffüllst. Zumindest ein wenig. Sprich nett mit dir selbst, behalte im Hinterkopf, dass es fast allen so geht und man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte. Wir haben ein dünnes Fell bekommen. Und das braucht Zeit um sich wieder erholen zu können.

Mein Jahr 2020

Damit du siehst, dass du mit deiner Erschöpfung nicht allein bist, will ich dir kurz über mein Jahr 2020 erzählen. Bei mir sind bereits Mitte Februar die meisten Lehraufträge, Workshops, Vorträge und Beratungen abgesagt worden. Innerhalb von einer Woche war plötzlich alles weg. Keine Termine mehr. Der restliche Februar, der Märzkalender bis in den April hinein war gähnend leer.

Da anfangs niemand wusste wo das hinführen wird, war es in keinster Weise für mich einzuschätzen, wie sich das insgesamt entwickeln würde. Doch gut, dachte ich mir, für solche Notfälle hat man ja als Selbständige brav angespart – schließlich kann man selbst auch durch Krankheit mal längere Zeit ausfallen – das kriegen wir schon irgendwie hin für die nächsten Wochen.

Emotional war das nochmal eine andere Hausnummer, denn mein Patenonkel lag zu der Zeit wegen einer schweren Lungenerkrankung auf der Intensivstation. Einem Impuls folgend hatte ich meine Mama eingepackt und wir sind nach München ins Krankenhaus gefahren, gleich nach dem bei mir die Aufträge reihenweise abgesagt wurden. Mein Patenonkel war der letzte lebende Bruder meiner Mama und der Besuch war eine sehr kluge Entscheidung.

Denn so konnten sich beide nochmal sehen und die Tränen flossen unaufhaltsam auf beiden Gesichtern. Es war herzzerreißend die beiden alten Leutchen, die sich so nahe standen, zu erleben.

Just an dem Tag wurden nach unserem Besuch alle Krankenhäuser dicht gemacht. Das war damit das letzte Mal, dass wir ihn sehen konnten. Nachdem er sich soweit erholt hatte, dass er auf Reha durfte, wurde er dort mit Corona angesteckt und ist innerhalb von 3 Tagen verstorben. Das war am Ostersonntag. Das war mein Frühjahr.

Es wurden weitere Aufträge abgesagt und langsam wurde mir immer mulmiger. Wie sollte das weitergehen? Meine finanziellen Mittel reichten auch nicht ewig und die versprochenen Coronahilfen lassen uns Soloselbständige nach wie vor durch alle Netze fallen.

Wie kann ich anderen helfen?

Um mich nicht selbst verrückt zu machen, hab ich das getan, was ich immer mache, wenn meine Sorgen zu groß werden: Ich hab mir überlegt, wem kann ich helfen.

Und so ist die Idee zu kostenfreien Webinaren entstanden mit Themen und vor allem Tools die Selbständige brauchen können in ihrem Business. Angefangen von Canva um einfach schicke Grafiken zu gestalten, über Toggle um die eigene Zeiterfassung für Projekte zu systematisieren bis hin zu Evernote um sich ein zweites Gedächtnis zu zulegen, dass all diese interessanten Infoschnippsel aus dem Netz für uns geordnet aufbewahrt.

Insgesamt habe ich 8 Webinare gehalten. Immer an Samstagen und von anfänglich 40 TeilnehmerInnen hat sich das bis hin zu 100 TeilnehmerInnen entwickelt! Erstens hat das riesigen Spaß gemacht gemacht, endlich wieder unterrichten zu dürfen und Wissen weiterzugeben und zweitens war es toll zu sehen, wie wertvoll diese Sessions für meine TeilnehmerInnen waren.

Das ist das wofür ich lebe. Wissen weiterzugeben, das anderen richtig was bringt.

Mal eben ein neues Business aufbauen?

Als immer mehr klar wurde, die Situation wird noch eine ganze Weile so weitergehen, hab ich es ehrlich gesagt mit der Angst bekommen. Wie sollte ich das wirtschaftlich schaffen? Sein eigenes Business von jetzt auf gleich neu zu erfinden, ist nicht so einfach und kostet viel Kraft.

Es hat mich eine Zeitlang wie gelähmt zu erleben, dass seitens der Regierung versprochen und versprochen wurde und jedes Hilfspaket wieder zum Ausschluss geführt hat für die meisten von uns Soloselbständigen. Ich fühlte mich so sehr im Stich gelassen und brauchte lange, um die Hoffnung endgültig aufzugeben, dass da noch Unterstützung kommen wird.

Ernüchtert bin ich wieder ans Werk gegangen und hab mich bemüht Angebote in digitaler Form zu entwickeln und auch den Bildungsträgern anzubieten mit denen ich bisher zusammengearbeitet hatte. Manche waren offen dafür und für manche Themen war es auch nicht möglich das digital umzusetzen.

Dann braucht es natürlich auch noch Leute, die daran teilnehmen wollen und das war in dieser Situation oft nicht der Fall. Denn jedem ging es so, dass er sich Sorgen machte und andere Dinge im Kopf hatte, als an einem Kurs teilzunehmen.

Emotionale Tiefpunkte…

Für mich kam noch dazu, dass meine liebe Mama immer mehr Schwierigkeiten hatte sich Dinge zu merken und oft voller Panik und in Tränen aufgelöst bei mir anrief, weil sie mit etwas nicht zurecht kam. Darüber hinaus starben in diesem Jahr noch zwei Menschen in dem Haus in dem sie wohnt und damit fielen weitere Bezugspersonen aus. Darunter war auch die Mama einer lieben Freundin und das war die nächste Beerdigung des Jahres.

All das kostet Kraft. Ständige wirtschaftliche Ungewissheit wie sich die Lage entwickeln wird, keinerlei Planungssicherheit, emotionale Sorgen von anderen mittragen und sich selbst dabei nicht aus dem Auge zu verlieren.

Die schlimmste Phase war die, in der ich nicht mal mehr in der Lage war zu lesen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich saß mit dem Buch da, las den gleichen Satz wieder und wieder und er kam einfach nicht in meinem Kopf an.

Ja, ich habe in diesem Jahr viele Tränen vergossen, ja, mir sind viele Bälle auf den Boden gefallen, ja, ich hab oft ewig für Aufgaben gebraucht, die sonst ein klacks waren. Doch auch ich musste mir immer wieder sagen: Es ist OK erschöpft zu sein.

Was mich aufgerichtet hat

Was mich trotz allem bei der Stange gehalten hat, war das Rausgehen in die Natur. Wir sind dieses Jahr an sehr vielen Sonntagen gewandert. Das ist immer eine Quelle der Kraft für mich, wenn ich im Wald unterwegs sein darf.

Ich hab zum Glück ein äußerst tragfähiges Netz an lieben Freundinnen, die mir meine seelische Gesundheit erhalten haben, wenn ich mit ihnen Zeit verbringen konnte. Mein Partner, der immer zu mir hält und mich unterstützt, war ebenfalls ein wichtiger Pfeiler in diesen verrückten Zeiten.

Eine Sache die mich sehr berührt hat war, wie mir Kunden geschrieben haben und gefragt haben, wie es mir geht. Das zu erleben hat mir ebenso Kraft gegeben weiter zu machen.

Und, dass ich etwas geben konnte.

Diesen Sonntagsimpuls z.B. Er gehört zu den liebsten Texten die ich jede Woche veröffentliche. Ich stell mir dabei immer vor, wie jemand die eMail öffnet, meine Zeilen liest und dadurch eine Verbindung entsteht.

In diesem kurzen Moment bin ich dort bei dir, liebe Leserin und lieber Leser. Vielleicht findest du einen guten Gedanken in meinen Texten, vielleicht musst du schmunzeln, vielleicht ermutigt dich eine Zeile, vielleicht bringt dich der Sonntagsimpuls dazu etwas Neues auszuprobieren, dich selbst besser zu verstehen und dich gut zu fühlen. Das wäre großartig, wenn eines oder alles davon zutrifft.

Da ich öfter schon danach gefragt worden bin, wie man mir denn für die Sonntagsimpulse ein klein wenig zurückgeben kann, hab ich die Möglichkeit der Patronage eingerichtet. Damit kannst du mir etwas zukommen lassen für die wöchentlichen Sonntagsimpulse. Was du geben magst, liegt völlig bei dir. Ich freu mich über jeden € den dir die Texte wert sind. Wenn du darüber gern mehr wissen möchtest, findest du auf der Patronage-Seite alle Informationen dazu.

Für die kommenden Weihnachtstage wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass du zur Ruhe kommen und wieder auftanken kannst. Nimm dir Zeit für dich und deine Lieben und schalt einen Gang runter. Mindestens.

Und denk dran:

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.
Wilhelm von Humboldt (1767-1835), dt. Philosoph u. Sprachforscher; preuß. Staatsmann

In diesem Sinne, fühl dich herzlich aus der Ferne umarmt. Wie dein Jahr auch gewesen sein mag, du bist nicht allein.

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