Fällt es dir leicht um das zu bitten, was du brauchst?.

Vor kurzem bin ich über einen Satz gestolpert, an dem ich den ganzen Tag hängen geblieben bin. Einer dieser “Krümel im Bett”

Mitfühlende Menschen bitten um das was sie brauchen.

Der Satz kommt so leicht daher und doch trägt er Dynamit in sich. Für mich zumindest.

Lass uns mal einen näheren Blick darauf werfen. Mitfühlen ist eine Eigenschaft, die wir als sehr wohltuend und wichtig einschätzen. Wenn wir Mitgefühl von jemand anderem bekommen, dann ist das etwas ganz anders als Mitleid.

Mitgefühl ist wie eine begleitende und stützende Hand. Auch wenn “diese Hand” nicht viel mehr tun kann, als einfach dazu sein, ist dieses Teilen der Gefühle oft schon so hilfreich.

Wenn jemand trauert, kann ich nicht viel tun. Der Kummer ist da. Die Traurigkeit geht nicht weg. Doch ich kann mitfühlend sein und verstehen, was der andere gerade erlebt. Auch wenn ich nichts tun kann.

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Und was ist mit dir?

All das ist ein Konzept, das wir als sehr hoch einschätzen. Doch wenn wir jetzt auf die andere Seite schauen, wie ist das mit dem Mitgefühl mit uns selbst? Haben wir für uns das gleiche Verständnis das wir gegenüber anderen haben würden? Oder gehen wir mit uns selbst viel stärker ins Gericht, als wir das mit anderen machen würden?

Kritisieren wir uns häufiger, härter und schneller als andere? Ist es wie ein Reflex der im Hirn anspringt, wenn etwas nicht geklappt hat, dass wir uns selbst schimpfen und kein gutes Haar an uns lassen?

Wem das bekannt vorkommt, der hat oft weniger Mitgefühl mit sich selbst als er das mit anderen in vergleichbaren Situationen hätte.

Wir sprechen häufig mit uns in unserem Inneren so, wie wir das als Kind tatsächlich von außen erlebt haben. Ob das von unseren Eltern oder auch Lehrern in der Schule war. Je früher wir das erleben, umso stärker ist meistens diese Prägung.

Doch um es zu lösen und zu verändern muss ich nicht unbedingt wissen woher es kommt. Ich muss es jetzt wahrnehmen und auf den Prüfstand stellen. Dann kann ich anfangen es zu verändern. Das Wahrnehmen ist wie immer der erste Schritt zu einer Veränderung. Auch wenn es am Anfang schwer sein mag und man immer wieder in altes Verhalten zurückrutscht.

Wahrnehmen heißt verändern. Und Verändern braucht Zeit.

Wie war das mit dem Bitten?

Um jetzt auf den Satz nochmal zurückzukommen:

Mitfühlende Menschen bitten um das was sie brauchen.

Da ist noch ein sehr interessanter Twist drin. Bittest du wirklich um das was du brauchst?

Oder nimmst du dich zurück, willst nicht zur Last fallen oder vielleicht auch Missfallen erregen? Viele Menschen haben eine große Scheu davor, um die Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu bitten. Nicht bei allen Menschen, sondern fatalerweise oft bei denjenigen die ihnen am nächsten stehen.

In der Beziehung z.B. nehmen sich viele Menschen oft automatisch zurück. Eine weitere interessante Frage in dem Zusammenhang ist auch, ob man überhaupt klar auf dem Schirm hat, was die eigenen Bedürfnisse in einer bestimmten Situation sind.

Das ist oft gar nicht so einfach herauszufinden und auszudrücken. Was sind unsere Bedürfnisse?

Weißt du, was du brauchst?

Klar, wenn wir Hunger oder Durst haben, dann können wir das sehr leicht feststellen und dem auch Abhilfe leisten. Doch was ist mit anderen Bedürfnissen die nicht so leicht greifbar sind?

Wie ist es mit dem Bedürfnis nach Nähe? Ist das für dich ausreichend erfüllt? Merkst du, wenn du dieses Bedürfnis hast? Und wenn du es merkst, bittest du darum?

Dieses Bedürfnis nach Nähe ist oft sehr heikel, da mein Gegenüber möglicherweise gerade überhaupt nicht das Bedürfnis hat mir diese Nähe zu geben. Doch eine Ablehnung bedeutet nicht, dass ich zutiefst getroffen und mich zurückgestoßen fühlen muss.

Ich bin dann wieder diejenige Person die dafür verantwortlich ist, dass ich mein Bedürfnis erfüllt bekomme.

Wieso fällt es uns oft so schwer um etwas zu bitten?

Im manchen Fällen, weil es sich wie ein Betteln anfühlt und es uns damit gar nicht gut geht. Niemand ist gern ein Bittsteller. In anderen Fällen haben wir Angst zurückgewiesen zu werden und lieber nicht um etwas bitten, um diese Situation gleich von vornherein zu vermeiden.

Ein Grund ist auch oft, dass wir niemandem lästig sein wollen. Wir wollen gar nicht so kompliziert sein, sondern pflegeleicht. Und warum ist dieser Gedanke in unserem Kopf? Weil wir nicht aus der Liebe des anderen fallen wollen.

Und andere  Menschen bitten nicht gern um etwas, weil sie in niemandes Schuld stehen wollen. Dabei ist dann ständig das Gefühl damit verbunden, dass wir unbedingt einen Ausgleich schaffen und etwas zurückgeben müssen, damit es wieder passt.

All diese ganzen gedanklichen Richtungen zeigen ganz klar auf, dass wir uns nicht genug Wert beimessen, um einfach um die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu bitten.

Bitten haben immer zwei Seiten

Um etwas zu bitten schließt immer beide Antworten mit ein. Es gibt ein Ja und es gibt ein Nein als Option der Antwort. Und keines von beiden sagt etwas über uns als Menschen aus. Sondern es sagt immer nur etwas darüber aus, inwieweit sich der andere in der Lage sieht unser Bedürfnis zu erfüllen. Sobald wir die Bitte ausgesprochen haben, ist es nicht mehr an uns.

Ablehnung kann einen nie so tief treffen, wenn wir mit uns selbst mitfühlend umgehen. Es zeugt von Reife wenn man sich selbst auffangen kann und sich nicht vollkommen abgelehnt fühlt, wenn einer Bitte nicht entsprochen wird.

Wenn uns das schwer fällt mit dem um etwas bitten, dann lässt sich das üben. Wir können uns über die komischen Gefühl lernen hinwegzusetzen und in ein neues Gefühl hineinwachsen.

Als Grundlage dafür braucht es das Mitgefühl. Mit anderen und mit mir selbst. Gleichermaßen. Da gibt es kein dem anderen mehr oder mir mehr davon.

Mitgefühl mit dir und anderen

Wir Menschen sind alle gleich. Es gibt keinen Grund jemanden auf einen Sockel zu stellen oder ihn zu degradieren. Wir sind alle Menschen und eine sehr heilsame Aufgabe für uns ist, Mitgefühl zu empfinden.

Eine der bekanntesten Meditationen aus dem Buddhismus ist eine Meditation um Mitgefühl. Nur dann Mitgefühl zu haben, wenn wir jemanden mögen, wenn wir nicht gestresst sind und wenn es uns grad gut geht, ist keine große Kunst.

Die Kunst geht dann los, wenn wir lernen Mitgefühl mit jemandem zu haben, der uns eigentlich unsympathisch ist.

Und das Gegenteil von Mitgefühl ist Schadenfreude. Wir freuen uns am Schaden den jemand anderer hat.

Für mich eines der bösartigsten Gefühle überhaupt. Sich am Schaden anderer freuen. Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann ist das aus meiner Sicht menschenverachtend.

Denn wie sollte es mir zustehen, dass ich über jemanden anderen ein Urteil abgebe und mich daran erfreue, wenn er einen Schaden erleidet?

Wenn uns jemand Unrecht getan hat, dann empfinden wir Schaden den der andere erleidet, oft wie einen gerechten Ausgleich. Doch genau das führt uns vom Mitgefühl weg.

Mir ist klar, dass das für viele ein heißes Eisen ist. Doch für mich ist das ein sehr wichtiger Punkt, den man sich in seinem Leben klar machen sollte. Mein Leben und was darin passiert, ist meine Verantwortung. Was jemand anderer tut, habe ich nicht in der Hand.

Mich also darin zu versteifen, dass ich Genugtuung haben möchte, wenn mir jemand Unrecht getan hat, lässt mich in eine ganz ungute Abhängigkeit geraten. Dann fokussiere ich mich auf die Handlungen des anderen und wünsche ihm die Pest an den Hals.

Damit entferne ich mich von meinen Angelegenheiten und zeige keine Reife, sondern ein infantiles Verhalten.

Unversöhnlichkeit in dieser Situation bedeutet zu denken: “So ein A…. Doch da kommt schon der gerechte Ausgleich.”

Mitgefühl in dieser Situation bedeutet zu denken: “Das ist wirklich nicht schön, dass mir das passiert ist. Was kann ich tun, um die Lage jetzt zu verbessern?”

Das bedeutet, dass wir immer wieder lernen müssen unseren Fokus auf das zu lenken, dass wir beeinflussen können. Und Selbstmitgefühl ist immer möglich und sollte uns leicht fallen.

Wenn wir aus dieser Haltung heraus andere um etwas bitten, dann ist auch klar, wie wir im Falle einer Ablehnung reagieren können. In dem wir Mitgefühl mit uns selbst haben und dann schauen was wir tun können.

Selbstmitgefühl kann dein Schlüssel sein

Es macht keinen Sinn grantig auf den anderen zu sein. Denn wir wissen in den seltendsten Fällen warum jemand etwas tut oder nicht tut. Auch wenn wir oft denken, dass wir Menschen so gut kennen. Das ist eine Illusion.

Letztlich macht das auch nichts. Denn wir sind für uns selbst verantwortlich.

Um das klar zu stellen, das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich mir alles gefallen lasse. Selbstmitgefühl kann auch heißen, dass ich ganz klar ausdrücke, was für mich nicht geht.

Wenn ich das tiefe Bedürfnis nach Ruhe habe und es geht grad total chaotisch daheim zu, dann ist eine mitfühlende Reaktion, ganz klar um mein Bedürfnis zu bitten. Ohne Anklage der anderen, sondern im Fokus darauf, das was ich brauche, klar und deutlich zu formulieren.

Damit ist noch nicht garantiert, dass es auch erfüllt wird, doch wenn ich ruhig und klar äußern kann, was jetzt gerade für mich wichtig ist, dann steigen die Chancen, dass der Bitte entsprochen wird.

Mitfühlende Menschen ruhen in sich und leben nicht in Abhängigkeiten mit anderen. Was nicht bedeutet, dass sie ohne Verbindung mit anderen leben. Doch sie brauchen die anderen nicht als Stütze, Wunscherfüller oder Lebensermöglicher.

Ein mitfühlender Mensch kennt seine Grenzen und kommuniziert sie auch.
Ein mitfühlender Mensch kennt seine Bedürfnisse und artikuliert sie.
Ein mitfühlender Mensch hat nicht das Gefühl, dass er anderen zur Last fällt, wenn er um etwas bittet.

Wahrhaftiges Mitfühlen geht daher immer in beide Richtungen. Es richtet sich auf andere und was ihnen geschieht und es richtet sich auf mich und was mir geschieht.

Sei aufmerksam, was du brauchst

Was wir brauchen ist ein tieferer Blick auf uns selbst. Ein Blick der uns ermöglicht zu sehen, wo wir andere mit einer Bitte manipulieren wollen und ermöglicht zu sehen, wo unsere wahren Bedürfnisse liegen.

Diese auszudrücken ist dann unsere Aufgabe. Es ist gar nicht so einfach, um die wirklich tiefen Bedürfnisse zu bitten. Nähe, Freundlichkeit, Unterstützung, Trost.

Wir fühlen uns verletzlich wenn wir uns mit derartigen Bitten nach draußen wagen. Ja, es kann sein, dass unser Bitte abgelehnt wird und wir uns dadurch zurückgestoßen fühlen. Doch es kann auch sein, dass die Bitte erfüllt wird und wir voller Dankbarkeit sein werden dafür.

Es gibt immer beide Chancen. Doch wenn wir nicht fragen und unsere Bedürfnisse nicht äußern, dann sind die Chancen gleich 0 dass sie erfüllt werden. Denn Gedankenlesen ist immer noch kein Schulfach und auch wenn wir uns so sehr wünschen und denken, dass der andere unsere Bedürfnisse doch kennt und daher erfüllen sollte, ist es unsere Aufgabe, darum zu bitten.

Mitfühlende Menschen bitten um das was sie brauchen.

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