Wir knüpfen unser Wohlgefühl an Konsum

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Wieso haben wir eigentlich soviel Zeug?

Chaos entsteht dadurch, weil wir viel zu viele Sachen haben. Sachen, die sich anhäufen, für die es keinen guten Platz gibt und die sich wie von Geisterhand zu vermehren scheinen.

Wo kommt das bloß alles her?

Es kommt wohl kaum jemand und stopft damit unsere Wohnungen voll. Doch von draußen kommt es wohl rein. Wenn es nun niemand anderes ist, dann müssen wir es wohl selbst sein…

Wir bringen Dinge mit von Reisen, wie Souvenirs. Doch das allein kann es auch nicht sein. Da es ständig mehr wird, ist es wohl in unserem Tagesablauf verankert, dass wir jede Woche neue Sachen in unser Heim tragen und dafür nichts das Haus verlässt.

Bildquelle: pixabay

1 + 1 = viel Zeug

Jetzt braucht man kein Meister-Mathematiker sein um zu begreifen, dass 1+1+1 am Schluss eine Summe ist, die immer mehr anwächst, wenn wir nicht mal irgendwann -10 machen.

Gut, also wir sind es, die Dinge kaufen und nach Hause bringen. Wir sind es auch die Dinge behalten, die wir schon haben und daher nichts oder wenig den umgekehrten Weg geht und wieder nach rausfliegt.

Doch wenn wir schon wissen, dass wir uns mit dem Ausmisten nicht leicht tun, warum machen wir es uns dann so schwer und tragen immer wieder neue Sachen heim?

Wieso kaufen wir immer wieder Neues?

Manches davon ist klar, dass es immer wieder neu gebraucht wird: Alles was wir verbrauchen. Lebensmittel, Hygieneprodukte. All das sind Dinge die wir verwenden, verbrauchen und die es danach nicht mehr gibt. Bis auf eventuellen Abfall, doch das ist schon wieder ein neues Thema.

Also sind es Dinge die wir nicht verbrauchen oder zumindest nicht in diesem schnellen Maß, die sich daheim anhäufen.

Schauen wir uns doch mal ein paar Kategorien näher an: Kleidung z.B. Die wenigsten von uns “brauchen” tatsächlich all die Kleidung die wir haben. Meistens platzen die Kleiderschränke aus allen Nähten, ebenso wie die Garderoben und Schuhschränke. Wir können gar nicht soviel anziehen, wie wir besitzen.

Wieviel ziehst du tatsächlich an?

Von den ganzen Sachen die wir besitzen, ziehen wir auch nur einen sehr geringen Teil an.

Das glaubst du nicht?

Es gibt eine sehr simple Möglichkeit das herauszufinden. Häng in deinem Kleiderschrank alle Bügel verkehrt herum hinein. Jedesmal wenn du nun ein Kleidungsstück heraus nimmst und anziehst, hängst du diesen Bügel wieder richtig herum hinein.

Nach 4 Wochen siehst du glasklar, was du aus deinem Kleiderschrank getragen hast und was nicht. Lass weitere 4 Wochen vergehen und dann hast du eindeutig vor Augen was du in den vergangenen 2 Monaten tatsächlich angehabt hast.

Nehmen wir davon eindeutige Saisonkleidung wie Shorts im Sommer und dicke Pullover im Winter aus, dann hast du damit einen klaren Stand der Dinge, die du in dieser Jahreszeit tatsächlich anziehst und welche nicht.

Lass uns auch besondere Kleidungsstücke wie einen sehr feinen Anzug oder ein Abendkleid ausnehmen, doch lass am besten die Bügel auch davon umgedreht, bis du sie tatsächlich einmal anziehst.

Wenn du das ein ganzes Jahr machst, dann siehst du in harten Fakten, was du ein Jahr lang nicht getragen hast.

Die meisten Menschen tragen max. ein Drittel der Kleidung regelmäßig, die sie besitzen. Nur ein Drittel! Davon sind solche Sondersachen wie oben beschrieben schon ausgenommen.

Zieh ich nicht an…

Von den Sachen, die wir nicht tragen, gibt es im Normalfall auch wiederum verschiedene Gruppen oder Kategorien. Zum einen ist das Kleidung die nicht mehr der Mode der Zeit entspricht. Zum anderen sind das Sachen, die noch wie neu sind und die wir kaum getragen haben. Die Kleidungsstücke gefallen uns dann daheim nicht mehr, wie fühlen uns nicht wohl darin, sie passen doch nicht wirklich, sind ein wenig zu klein, zu groß, zu eng, einfach unpassend.

Wir kaufen Kleidung und ziehen sie dann fast nie an. Wenn man darüber nachdenkt, ist das doch eines der bescheuersten Dinge die man machen kann, oder? Wir geben Geld aus, dass wir dann nicht mehr haben und nutzen das Gekaufte dann noch nicht mal.

Wenn wir im Geschäft sind und ganz ehrlich in uns hinein horchen, dann ist auch zu dem Zeitpunkt die Kleidung schon zu eng, zu weit, wir fühlen uns nicht ganz wohl drin, der Stoff ist zu unangenehm usw.

Zieh ich gern an

Das wissen wir deswegen so genau, weil es uns bei Lieblingsstücken genau anders herum geht. Wir fühlen uns sofort wohl darin, uns geht es gut darin, wir haben das Gefühl, dass es genau passt und genau zu uns passt.

Diesen Unterschied kennt jeder von uns. Trotzdem kaufen wir Kleidung die nicht genau diesem Standard entspricht. Wieso nur? Was passiert in uns?

Oder sollten wir eher die Frage stellen, aus welchem Grund wir überhaupt kaufen?

Kaufen = es geht mir besser?

Etwas zu kaufen, bedeutet ein Bedürfnis zu befriedigen. Aus welchen Bedürfnissen heraus kaufen wir z.B. Kleidung? Nüchtern betrachtet dürfte es nur den Grund geben, weil wir etwas benötigen. Wenn wir keinen Wintermantel haben und es kalt ist in der Gegend in der wir leben, macht es Sinn einen zu kaufen. Wir befriedigen also das Bedürfnis uns wärmen zu wollen.

Doch wenn wir ehrlich sind, kaufen wir Klamotten aus ganz anderen Gründen. Wir wollen darin gut aussehen und dieses „gut aussehen“, soll wiederum den tieferen Bedürfnissen Genüge tun wie: einen guten Eindruck machen, ein Image pflegen, attraktiv auf das andere Geschlecht wirken, erfolgreich sein. Setz hier einfach ein, was dir sonst noch für Attribute durch den Kopf gehen.

Kleider machen Leute. Dieses Statement ist uralt und scheint nichts von seiner Kraft verloren zu haben. Wir beurteilen Menschen nach dem Äußeren. Das geht in Sekundenbruchteilen und hat nicht unbedingt etwas mit Objektivität zu tun. Es ist ein erster Eindruck und der wird nun mal auch davon gebildet, wie sich ein Mensch kleidet.

Was erhoffen wir uns tatsächlich durch Konsum?

Gut, wir wollen verschiedenste Bedürfnisse mit dem Kauf befriedigen. Das erklärt jedoch noch nicht ganz, wieso wir Kleidung kaufen, die wir später nicht mehr tragen, weil sie eben doch nicht das ist, in dem wir uns 100 % wohl fühlen.

Also muss es noch eine andere Ebene geben, die uns hier in die Quere kommt. Wie ist es mit dem Gefühl aus dem heraus wir überhaupt auf die Idee kommen jetzt etwas kaufen zu wollen?

Der Begriff Frustkauf ist wohl allgemein bekannt. Doch mal ehrlich wie kommt man nur auf die Idee, dass Frust weggeht, wenn wir etwas kaufen? Es muss wohl etwas mit Belohnung zu tun haben. Wir kaufen Dinge in der Hoffnung, dass es uns danach besser geht. Und das muss nun keineswegs nur Kleidung sein. Deko, Essen, Technikkram, setz ein, was dir noch dazu einfällt.

Shopping ist etwas, was von manchen Menschen tatsächlich als eine Beschäftigung angesehen wird, die einem gut tut. Der Vorgang des Kaufens wird hier zu etwas, was einem Hobby gleicht. Die Jagdlust auf das Schnäppchen, die Lust etwas Schönes zu erwerben, der Reiz der darin liegt zu stöbern, all das kommt zusammen und lässt uns mit dick gefüllten Einkaufstüten nach Hause gehen.

Und dann haben wir all die neuen Sachen daheim. Doch nach dem Gesetz des Kleiderschranks wird davon 2/3 nie wieder das Licht der Welt erblicken, sondern in den Tiefen des Schrankes verschwinden.

Die falsche Bedeutung des Kaufens

Die Kleidung hat ihren Zweck erfüllt, als sie uns den Thrill des Findens vermittelt hat. Uns abgelenkt hat von einem frustrierenden Arbeitstag, uns das Gefühl vermittelt hat, dass wir etwas Besonderes sind nach einem Streit mit dem Partner.

Dem Kauf wird hier eine Bedeutung zugewiesen, die er gar nicht haben kann. Wir versuchen wiedermal unangenehme Gefühle zu bekämpfen, in dem wir im Außen etwas suchen, das uns ablenkt und das vermeintlich das Gefühl der Besserung verspricht.

Doch wie wir letztlich alle wissen, können Einkäufe nicht wirklich etwas an unserem Gefühlsleben ändern. Emotionen sind wie das Wetter. Sie kommen und gehen. Einen Vorgang wie Geld ausgeben daran zu knüpfen um das Wetter quasi damit zu bereinigen ist nicht besonders schlau.

Konsum = Wohlgefühl?

Es führt dazu, dass wir ständig Lösungen durch Dinge suchen. Wir verknüpfen unser Wohlgefühl dadurch an Konsum.

Doch Dinge sind nicht die Lösung. Wir werden das nächste Mal wieder in für uns frustrierende Situationen geraten, Streitgespräche erleben, einen stressigen Tag haben. Der Einkauf hat nichts langfristig geändert. Er hat uns nur eine Menge an Dingen mehr gebracht, die wir nun daheim haben.

Auf der anderen Seite geht es keineswegs darum jeglichen Konsum einzustellen und nur noch das zu kaufen, was man wirklich unbedingt braucht. (auch wenn das für eine Weile gar keine schlechte Idee ist, zeigt es auf, wie wenig wir tatsächlich brauchen)

Kaufe aus den richtigen Gründen

Es spricht nichts dagegen, dass wir uns selbst mit Dingen eine Freude machen. Doch das sollte aus dem richtigen Ansatz heraus geschehen. Und vor allem mit dem richtigen Ergebnis. Wenn wir Kleidung kaufen, dann ist das einzige Kriterium was wirklich zählt: fühle ich mich so wohl damit, dass ich die Sachen am liebsten gar nicht mehr ausziehen möchte.

Wir alle haben Dinge gekauft, die so la-la gepasst haben. Die schon OK waren. Die unter dem Motto liefen “ach das passt jetzt schon” und dann hängen sie im Schrank.

Doch die Sachen dir wir ständig anhaben, mögen wir wirklich. Ob das nun jemand anderem gefällt oder nicht, sollte ebenfalls kein Kriterium sein. Wir tragen die Kleidung, wir spüren sie an unserem Körper. Wir können sofort sagen, ob das ein Lieblingsstück werden wird oder nicht.

Auch wenn wir Dinge für unsere Wohnung kaufen, sei es Geschirr, Deko oder anderes. Wenn wir ganz bewusst darauf achten, aus welchen Gründen wir diese Sache gerade kaufen wollen. Allein nur das bewusste darüber nachdenken, kann uns klar machen, dass es jetzt aus einer Laune heraus passiert. Dass ein sog. Impulskauf im Raum steht, der uns ein angenehmes Gefühl machen soll und damit ein unangenehmes Gefühl übertünchen.

Sei dir deiner Bedürfnisse bewusst

Diesen Moment der Wahrnehmung braucht es. Das kann schon reichen. Es ist, als ob man den Vorhang vorzieht um zu sehen, was dahinter liegt. Wieso möchte ich das jetzt kaufen? Was genau verspreche ich mir davon? Welches Bedürfnis will ich mir gerade erfüllen?

Wusstest du, dass viele Käufe nicht mehr getätigt werden, wenn man sie verschiebt? Wenn man sich die Sachen zurücklegen lässt und nicht gleich mitnimmt, sondern erst für den nächsten Tag nochmal aufschiebt?

Nachdem was wir in diesem Artikel alles schon besprochen haben, ist das nun wiederum einfach zu erklären. Am nächsten Tag fühlt man sich häufig anders. Das Wetter der Emotionen hat sich geändert. Damit auch das Bedürfnis oder der impulsive Wunsch aus dem heraus man etwas kaufen wollte.

Wenn man diese Erfahrung einmal gemacht hat, dass sich etwas an einem Tag wie ein “das muss ich unbedingt haben” anfühlt und am nächsten Tag wie ein “ach ist ja wirklich ganz nett, aber muss nicht unbedingt sein” der wird künftig aufmerksamer werden, wenn er wieder wie aus den Reflex den Geldbeutel zückt um etwa Neues zu erwerben.

Lass dir nicht von deinen eigenen Emotionen das Geld aus der Tasche ziehen. Lass dich nicht verführen von Werbung, Verkäufern oder Einkaufsbegleitern. Wenn du dich schwer tust, dann verschieb den Kauf.

Mach dir bewusst, in welchen Situationen du dazu neigst neue Dinge zu erwerben. Was genau ist der Auslöser dazu? Welche Gefühle bringen dich dazu Impulskäufe zu tätigen?

Lern deine Wetterlage kennen

Werde zu einem Detektiv deiner Wetterlage. Und dann überleg dir, was du “bei Regen” machen kannst, außer dir etwas Neues zu gönnen, dass dir helfen soll, dass es dir besser geht.

Was für einen metaphorischen Regenmantel könntest du stattdessen nutzen? Vielleicht hilft einfach ein Gespräch mit einer lieben Freundin? Oder mach einen flotten Spaziergang um deine Emotionen im wahrsten Sinne zu bewegen und damit zu verändern?

Überleg dir Lösungen für die Probleme um die es tatsächlich geht. Entkoppel deine Gefühle vom Konsum.

Damit tust du dir selbst etwas Gutes, deinem Geldbeutel und deiner Umgebung. Die nicht mehr noch mehr Dinge aufnehmen muss, mit denen du schlussendlich wieder umgehen musst.

Du besinnst dich damit wieder deiner tatsächlichen Bedürfnisse und lernst für dich zu sorgen. Du wirst dir deiner eigenen Veränderungskraft bewusst und hörst auf dich mit Konsum glücklich machen zu wollen. Denn wenn das Glück nicht in dir ist, ist es nirgends. Du bist der Mensch der deine Bedürfnisse erfüllen kann, nicht die Dinge.

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