Monat der Dankbarkeit Tag 27 Talente: erklären und lehren

Heute ist der 27. Tag meines Dankbarkeitsmonats. In dieser Woche möchte ich meinen Fokus auf eigene Talente und schöpferische Kräfte legen, denen ich dankbar bin.

Heute möchte ich gern zu meinen Wurzeln zurück. Zum Lehren. In diesem Blog hab ich immer wieder mal darüber geschrieben, dass es mir sehr am Herzen liegt, Wissen so zu vermitteln, dass es keine bittere Pille ist sondern ein Stärkungsmittel.

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Und ich glaube, das kann ich. Angefangen hat das schon im Kindergarten. Da kam das allerdings noch nicht so positiv an, wenn ich kleiner Stöpsel gescheit daher geredet hab…

Doch bereits in der Schule hat sich das Blatt gewendet. Ich selbst hatte meist keine Lust zum Lernen, so hab ich immer anderen erklärt, was ich selbst lernen musste. Hat funktioniert. Erstaunlicherweise. Und so hab ich über mich ziemlich früh erfahren, dass ich das mit dem Lehren irgendwie drauf hab. In der Berufsschule hab ich dann schon Lerngruppen gegründet, hab Klassenkameraden durch die Prüfungen geschleift (manchmal auch mit anderen Hilfestellungen unterstützt, doch das sage ich jetzt mal nur ganz leise ;-)

Und so bin ich in meine Rolle als Lehrerin quasi wie von selbst hineingewachsen. Wenn mich damals jemand gefragt hat, was ich mal werden will, hatte ich immer im Kopf, am liebsten würd ich mein Leben lang in die Schule gehen. Nicht dass ich jetzt der volle Streber gewesen wäre und nur super Noten gehabt hätte, beileibe nicht, doch mir machte es einfach so viel Spaß immer wieder Neues zu erfahren.

Dabei hab ich auch gelernt, wie ich mir Wissen verschaffen kann, wie ich sinnvoll recherchiere, wie ich Details und Fakten mir selbst aufbereiten muss etc. Im Prinzip habe ich gelernt zu lernen und hab das Lernen nie wirklich anstrengend empfunden sondern als spannendes Spiel.

Vielleicht fällt es mir deshalb so leicht, anderen Menschen komplizierte Dinge einfach zu erklären. Denn für mich war immer klar, es ist alles erklärbar. Ich liebe es in Bildern und Metaphern Schwieriges greifbar zu machen. Und es funktioniert. Darüber bin ich unheimlich froh und dankbar. Diese Gabe haben zu dürfen.

DANKE

Was können Sie besonders gut, wofür Sie dankbar sind?

Monat der Dankbarkeit Tag 15 Zufälle und Gelegenheiten: selbständig mit 24

Heute ist der 15. Tag meines Dankbarkeitsmonats. In dieser Woche möchte ich meinen Fokus auf Zufälle und Gelegenheiten legen, denen ich dankbar bin.

Zufälle ist vielleicht nicht unbedingt das richtige Wort. Mir geht es dabei um Ereignisse die einem „zufallen“ oder Momente die eine Gelegenheit bieten, so man sie am Schopfe packt.

Wissen Sie woher dieses Sprichwort stammt? Mir gefällt die zugehörige Geschichte immer wieder und sie zeigt einmal mehr, dass unsere Sprache mit unendlich vielen Bildern belebt ist.

In der Antike gab es den altgriechischen Gott des richtigen Augenblicks. Sein Name war Kairos. An seiner Stirnseite hatte er eine prächtige Locke und sein Hinterkopf war kahlgeschoren. Kairos war immer schnell unterwegs und trug Flügel an seinen Füßen. Seine Botschaft war einfach und sehr klar:

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‚Wenn der rechte Augenblick für eine Sache gekommen ist, so kannst du mich am Schopfe packen. Lässt du ihn jedoch verstreichen, wirst du ins Leere greifen, da ich bereits an dir vorbei geflogen und am Hinterkopf geschoren bin. So sei dir stets bewusst, dass es den rechten Augenblick gibt und greife zu, sobald er dir erscheint.‘

Diese Geschichte fällt mir immer ein, wenn ich vor Situationen stehe, die völlig unvermutet eine neue Tür aufstoßen. Und da heißt es sich des rechten Augenblicks gewahr sein um die Gelegenheit beim Schopfe packen zu können. Denn der erste Impuls ist oft, erst mal nein zu sagen. Fast schon wie ein Reflex. Aus Risikoscheu, aus dem Gefühl von Unsicherheit heraus, aus vermeintlichem Zeitmangel und und und.

Doch oft vertun wir auf diese Art wertvolle Chancen für unser persönliches Wachstum. Und so ist es mir in dieser Woche ein Anliegen, sie dafür zu sensibilisieren, welche Gelegenheiten sich Ihnen immer wieder bieten. Wir sind zu oft beschäftigt mit Alltagskram, tragen stressbedingte Scheuklappen und nehmen dadurch nicht wahr, welche wertvollen Augenblicke uns begegnen. Lasst uns die Augen wieder dafür offen halten und das reflexhafte Nein zurückstellen.

Die erste dieser Gelegenheiten die ich in dieser Dankbarkeits-Woche schildern möchte, ist das damalige Unterrichtsangebot gewesen, das an mich herangetragen wurde. Ob ich mir selbst zu der Zeit (da war ich 24 geworden) diesen Job angeboten hätte, weiß ich nicht so wirklich :-) doch der Fachschulenleiter glaubte an mich und hat mir ohne jegliche Zweifel zugetraut, dass ich die Richtige für diesen Job war.

Ich hatte genau einen halben Tag Bedenkzeit und es stellte sich mir in diesen wenigen Stunden die Frage: Ergreife ich diese Gelegenheit beim Schopf, risikiere alles und werd ab sofort selbständig? Ich habe innerlich ja gesagt und dann auch mit viel aufgeregtem Gefühl in der Magengegend dem Angebot zugestimmt.

Und so hat sich diese gepackte Gelegenheit für mich als großer Glücksfall erwiesen. Was daraus geworden ist, finden Sie hier zum Nachlesen.

DANKE

Für welche beruflichen Zufälle und Gelegenheiten sind Sie besonders dankbar?

Monat der Dankbarkeit Tag 11 Dinge: mein Sekretär

Heute ist der 11. Tag meines Dankbarkeitsmonats. In dieser Woche möchte ich meinen Fokus auf Dinge legen, denen ich dankbar bin.

Wenn Sie nun vielleicht aus der Überschrift entnommen haben, ‚ui, die hat gleich einen Sekretär und keine Bürodame‘, dann muss ich Sie enttäuschen, denn mein Sekretär ist kein Mann :-) sondern ein Möbelstück.

Er gehörte meinem Großvater und war sein Platz zum Korrigieren von Schülerarbeiten, denn er war Zeit seines Lebens Lehrer. Genauso wie mein Urgroßvater schon Lehrer war. Nachdem nun eine Generation übersprungen wurde, hab ich die Tradition einige Jahre fortgesetzt und auch wenn ich inzwischen schon lange als Beraterin meine Brötchen verdiene, werd ich im Herzen wohl immer eine Lehrerin bleiben.

Eine gute, hoffe ich mal. Zumindest ist mir keiner aus meinem Unterricht davon gelaufen oder eingeschlafen :-) Für mich zählt beim Lehren der Spaß und die Begeisterung an der Sache und mit deren Hilfe lässt sich sehr viel mehr erreichen als mit reinen Fakten.

Es ist ein schöner Gedanke, wenn ich zurückblicke, dass ich die Möglichkeit hatte und habe, Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, ihre eigene Weisheit in sich zu entdecken.

Denn das ist es, was den Kern des Lehrens für mich ausmacht. Ich halte es hier mit Galileo:

Man kann einen Menschen nichts lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.

Galileo Galilei

Wissen zu erwerben und weiterzugeben und an beiden Seiten einen Heidenspaß zu haben, wird wohl immer die Triebfeder meines Handelns sein. Oder zumindest ein ganz großer Bestandteil.

Und so fühle ich mich einer Tradition verpflichtet, dessen Sinnbild mir dieser Sekretär ist. Jedesmal wenn ich ihn ansehe, mich zum Schreiben hinsetze, habe ich das Gefühl mich mit meinen Ahnen zu verbinden. Mit denen die vor mir waren und ebenso das Ansinnen hatten, Menschen zu unterstützen, das eigene Wissen in sich zu entdecken.

Wie schön, dass ich dafür dieses wunderbare Möbelstück als lebende Erinnerung habe.

DANKE

Welchem Ihrer Möbelstücke sind Sie von Herzen dankbar?

Bildung ist das einzige Erbe

Bildung ist das einzige Erbe.

Dieser Satz ist mir absolut prägnant im Gedächtnis geblieben. Er stammt von einem Vater aus Peru, der zwei Kinder hat und mit seiner Familie in äußerst ärmlichen Verhältnissen lebt. Seine Kinder haben die Chance durch das Projekt One Laptop per child OLPC von Nicolas Negroponte an der „großen“ Bildung der Welt partizipieren zu können. Und dadurch ihre Möglichkeiten auf ein erfülltes, glückliches und gesundes Leben unendlich zu erhöhen.

Bildquelle: OLPC

Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt die Armut durch Hilfe zur Selbsthilfe zu bekämpfen und setzt dabei auf Bildung. Vor kurzem lief auf arte tv ein Dokumentarfilm zum Projekt OLPC und es wurden Familien, Kinder und Schulklassen in Peru und Ruanda begleitet, die durch die Beteiligung der jeweiligen Staatsregierungen an dem Projekt teilnehmen können. Dieser Film hat mich sehr berührt.

Die Freude der Kinder zu sehen, als es endlich soweit ist und die Laptops in der Schule ankommen und ausgepackt werden. Der Eifer und die Begeisterung all dieses neue auszuprobieren, ohne Berührungsängste mit dem Laptop zu arbeiten und mit den anderen SchülerInnen im Verbund gemeinsam zu lernen.

Dazu kommt ein weiterer interessanter Gedanke: Durch die Programmiermöglichkeiten lernen Kinder sich selbst beim Denken zuzusehen und zu lernen, WIE ihr denken funktioniert. Dieses Meta-Lernen über das Lernen ist der Katalysator für alles neue, das es zu erarbeiten gilt. Das Prinzip des Selbstlernens, des gemeinsamen Ausprobierens, das voneinander Abschauen und eigenes Wissen ganz selbstverständlich wieder in die Gruppe zurückzugeben, macht die Kinder stark. Und lehrt sie, dass Wissen teilen reich macht. In vielerlei Hinsicht.

Die Kinder dürfen die Geräte mit nach Hause nehmen und können auch dort daran arbeiten. Der XO-1 macht sich in der ärmlichen Umgebung noch bizzarrer aus, als er ohnehin schon aussieht mit seinen grünen Antennen-Ohren. Im Gespräch mit dem Filmteam spiegelt sich auf den Gesichtern der Eltern Stolz, Überforderung und Hoffnung gleichermaßen. Sie haben nichts an Wert was sie ihren Kindern hinterlassen könnten.

„Bildung ist das einzige Erbe, was ich meinen Kindern mitgeben kann. Das einzige.“ Diese Worte spricht der Vater sehr leise und doch haben sie eine unglaubliche Kraft. Denn damit öffnet sich eine neue Welt. Und seine Kinder haben die Möglichkeit ein Teil dieser Welt zu sein. Es aus dem Elend der Armutspirale heraus zu schaffen. Und das gemeinsam mit anderen Kindern, begleitet durch LehrerInnen die sie darin unterstützen auf ihre Art sich dem Neuen zu nähern.

Auch wenn es Kritik an dem Projekt gibt, vornehmlich von anderen Firmen und Organisationen die darin ein Konkurrenzprodukt sehen, gilt es die Vision im Auge zu behalten. Bildung zu erlangen ist vor allem für die ärmsten Ländern die große Chance wirklich etwas verändern zu können, da es von den eigenen Kindern, in der eigenen Kultur angetriebene Veränderungen sein werden.

Für mich persönlich ist jede Initiative Bildung zu schaffen ein elementarer Bestandteil der Aufgabe von jedem von uns. Jeder Mensch den ich an meinem Wissen teilhaben lasse, hat dadurch die Möglichkeit zu wachsen. Genauso ist es umgekehrt, dass sich das Wissen der anderen für mich als Reichtum erweist, der mehr wird und sich nicht verringert durch teilen.

Wieviele von uns machen tagein tagaus ihren Job ohne groß noch darüber nachzudenken. Das was es neu zu lernen gibt, macht man halt so mit. Doch wer teilt denn sein Wissen wirklich noch mit anderen? Wer hat nicht Bedenken, dass er dadurch überflügelt werden könnte? Wo ist die Begeisterung geblieben, mit der sich etwas neues einprägt?

Wie wäre es wieder etwas von dem Geist, der OLPC verbreitet, wieder ins alltägliche Leben zurückzuholen? Wieso nicht kleine und kleinste Bildungsinitiativen in Firmen zu starten, in Gemeinden, in Vereinen? Jeder von uns kann etwas besonders gut und das ist es wert weitergegeben zu werden. Im Großen wie im Kleinen.