Lesefutter – Folge 7

Es wird mal wieder Zeit für eine Folge Lesefutter. Falls Sie grad auf der Suche nach Literatur sind, sind Ihnen die folgenden Hinweise vielleicht nützlich.

Und wie immer gilt: Wenn Sie zu einem bestimmten Thema auf der Suche nach Literatur sind, können Sie mich gern nach Empfehlungen fragen. Da ich ziemlich viel lese – aus den verschiedensten Bereichen – fällt mir normalerweise immer was lesbares ein 🙂

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Connected!: Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist – Nicholas A. Christakis, James H. Fowler

Wer wissen möchte, wie uns unsere ganz persönlichen sozialen Netzwerke beeinflussen, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Es ist faszinierend zu lesen, dass die Reichweite – die Wirkung auf uns hat – bis zu den Freunden der Freunde unserer Freunde reicht.

Um ein Beispiel zu nennen: hören Freunde der Freunde unserer Freunde zum Rauchen auf, steigt die Chance (wenn wir auch rauchen) signifikant, dass wir auch aufhören zu rauchen! Von diesen Beispielen und Zusammenhängen gibt es viele zu lesen.

Die Themen beziehen sich auf das Kennenlernen des Lebenspartners, das Finden einer neuen Arbeitsstelle, politische Strömungen und vielem mehr.

Lernen lässt sich daraus einiges. Eine wichtige Erkenntnis ist z. B. dass das Kontaktverhalten eines einzelnen Menschen ca. zu 50 % genetisch bedingt ist. Und damit wie wir uns im sozialen Umfeld netzwerkerisch verhalten.

Auch lässt sich das Wissen nutzen, dass die sog. schwachen Verbindungen wichtiger sind, wenn wir etwas bestimmtes erreichen wollen (z.B. einen neuen Job), um dem gewünschten Ziel näher zu kommen.

Zudem können die Erkenntnis aus dem Buch durchaus dazu animinieren, sich doch ab und an, neuen Bekanntenkreisen zuzuwenden und den eigenen Radius damit zu erweitern.

Absolute Leseempfehlung!

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Bekenntnisse eines Redners: Oder die Kunst, gehört zu werden – Scott Berkun

Ein etwas anderes Buch über’s Redenhalten, als man es bisher gewohnt ist. Scott Berkun schreibt aus seiner Warte über die wahre Realität eines Redners und räumt dabei mit einigen Mythen auf.

Wichtig fand ich dabei z.B. die Erkenntniss, dass jeder Sprecher Fehler macht. Jeder. Es passieren Verhaspler, es wird gestottert, viel zu viele Ähs machen sich breit usw. Wichtig ist nur sich selbst nicht davon gefangen nehmen zu lassen und in seinem Vortrag fortzufahren. Denn kein Publikum kann einen Redner leiden, der sich andauern für irgendetwas entschuldigt.

An dem letzten Satz merke ich auch, dass der gewollt schnodderige Schreibtstil des Autors abgefärbt hat. Die Sprache passt zu ihm, auch wenn man sich manches Mal wünschen würde, dass er vielleicht nicht ganz soviel „Gas“ geben würde.

Interessent sind die Hintergrundbeschreibungen, wie es z.B. wirklich in einem Fernsehstudio zugeht, oder man als „sprechender Kopf“ zugeschaltet wird.

Ein zentraler Aspekt auf den Scott Berkun immer wieder hinweist, ist, dass die meisten Redner deswegen schlecht sind, weil sie nicht üben. Sie halten damit den Vortrag das erste Mal vor Publikum, die Übergänge holpern und es wird an der Form selbst kleben geblieben, als sich auf den Inhalt zu konzentrieren.

Was das Buch amüsant macht, ist seine schonungslose Ehrlichkeit sich selbst und Kollegen gegenüber. Das ist mitunter schwere Kost, doch wer sich in dieser Branche seine Brötchen verdient, sollte sich vieles davon zu Herzen nehmen.

Abgerundet wird das ganze durch einen über 70seitigen Anhang, in dem konkrete Tipps für Vorbereitung, empfohlenes Technikequipment, Durchführung, Nachbereitung sowie eine ausführliche (z.T. kommentierte) Bibliographie steht.

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Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern – Richard Wiseman

Wie sollte man ein Buch mit einer dermaßen reißerischen Titel beschreiben, ohne sich wie ein Haustürverkäufer in Superlativen zu verlieren…?

Mir fällt dazu nur ein Satz ein: Dieses Buch ist der optimale Brühwürfel. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die kleine Anekdote aus dem Freundeskreis, doch statt weitschweifigen Erläuterungen die Quintessenz auf das absolute essentielle und wertvolle zu komprimieren, eben einem Brühwürfel.

Richard Wiseman ist bekannt durch Bücher wie Quirkologie und hat sich einen Namen gemacht in seiner Profession als Verhaltenspsychologe. Dieses Buch nun ist entstanden, auf die Frage, ob es denn nicht erklärbare Techniken gibt, die sich in 60 sec erzählen und in ebenso kurzer Zeit umsetzen lassen.

Hier halten Sie die Antworten auf diese Frage in der Hand. In der Tat ist es die Zusammenführung aus unzählichen Forschungen rund um das Wohlfühlen des Menschen, aufbereitet in die Kapitel Glücksempfinden, Die Kunst der Überzeugung, Motivation, Kreativität, Attraktivität, Stress, Beziehungen, Entscheidungsfindung, Kindererziehung und Persönlichkeit.

Jeweils kombiniert mit 60 sec Umsetzungsanregungen. Absolut lebensnah, wirkungsvoll und nachhaltig. Wer sich also nicht durch hunderte von Selbstveränderungs-, Motivations-, positiven Psychologiebüchern durchwühlen möchte, bekommt hier kompaktes, anwendbares Alltagswissen. Zusammengefasst auf alle Themen, die uns Menschen bewegen.

Absolute Leseempfehlung!

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Tagebuch eines Romans – John Steinbeck

John Steinbeck hat für sein Buch Früchte des Zorn den Publitzerpreis erhalten und ist mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sein Werk umfasst Romane, Kurzgeschichten, Reiseberichte und mehr.

Tagebuch eines Romans dagegen ist ein Buch, dass sich in kaum eine Kategorie einordnen lässt. Es ist sein Werktagebuch, das er während der gesamten Arbeit am Roman Jenseits von Eden verfasst hat. Geschrieben, manches mal wie ein Gespräch, an seinen Lektor Pascal, mit dem ihn über die berufliche Beziehung hinaus eine tiefe Freundschaft verband.

Wer selbst schreibt, wird in diesem Buch lesen, wie diszipliniert John Steinbeck an sein Schreiben heranging. Sein Ziel waren jeden Tag zwei handgeschriebene Seiten von Montags bis Freitags zu verfassen. Die bevorzugte Zeit dafür war meist ab frühmorgens. Teilweise durchdachte er manche Nächte und feilte an seinen Ideen.

Er nutzte zum Schreiben ein Notizbuch, bei dem die rechten Seiten dem Roman selbst vorbehalten waren und linken dem Werktagebuch. Es ist faszinierend zu lesen, wie genau er sich beobachtet, seine Stimmungen aus sich herausformuliert, sich warm schreibt, bis er bereit ist, mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen. Muster zeichnen sich ab, welchen Aufbau er gedenkt, dem Roman zu geben, welche Figuren er wann entwickeln und erscheinen lassen möchte.

Daneben gibt es Phasen, in denen er kränkelt oder auch private Probleme ihm zu schaffen machen. Nichts destotrotz gibt es nur sehr wenige Tage, während des knappen Jahres, an denen er sein Arbeitspensum nicht einhält. Die Texte in diesem veröffentlichen Werktagebuch sind weder redigiert noch gekürzt. Und das ist auch das faszinierende an diesem Buch. Es ermöglicht einem Weltautor über die Schulter zu sehen. Zeigt, welche Disziplin und Hingabe an ein großes Werk erforderlich ist. Und welche genaue Beobachtungsgabe er sich selbst gegenüber an den Tag legt.

Er erkennt seine eigenen Stimmungen wieder und weiß mit ihnen umzugehen. Und etwas das ihm ebenso am Herzen liegt, ist eine ruhige Herangehensweise. Sich selbst und dem Stoff immer genügend Zeit und Raum lassen, sich zu entwickeln. Sich nicht zu erschöpfen mit Mehrarbeit, sondern in dem selbst gewählten Rahmen zu bleiben um ein stetes Fließen zu ermöglichen.

Was neben dem Schreiben sichtbar wird, ist das ebenso notwendige Erschaffen mit den Händen. Er liebte es mit Holz zu arbeiten und renoviert vieles selbst in seinem Haus. Ebenso wie er gern Dinge zerlegte und reparierte. Diese bewusste Teilung seines Tages in schreiben und „werkeln“ zeigt eine wichtige Balance auf zwischen Kopf und Händen. Seine Erfindungen beschäftigten ihn dabei ebenfalls eine gewisse Zeit des Tages und so scheint ein natürlicher Rhythmus entstanden zu sein.

Das Buch ist nicht aufregend, sondern eine genaue Beschreibung der Entstehungsgeschichte eines großen Romans geschrieben von einem großen Schriftsteller. Wer selbst schreibt und gern einem renommierten Autor bei seiner Arbeit hautnah zusehen möchte, sollte dieses Buch lesen. Es lassen sich einige Ideen und Anregungen für die eigenen Arbeit daraus ableiten, auch wenn das in keinster Weise das Ziel des Tagebuchs eines Romans ist.

Ein zentraler Aspekt der sichtbar wird, ist die gewollte Disziplin, die durch stete Schritte zum Ziel führt und der Gedanke, dass es eine große Hilfe ist, ein Werktagebuch, nicht nur zum Aufwärmen, selbst einzusetzen.

(Hinweis: Das Buch ist nur noch gebraucht erhältlich, jedoch auch über Uni-Bibliotheken ausleihbar.)

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2 Kommentare zu “Lesefutter – Folge 7

  1. Bin immer wieder beeindruckt wie viel du liest. Deine Zusammenfassungen machen wirklich Lust darauf sich den Inhalt der Bücher zu erarbeiten, denn wie leichte Kost wirkt keines davon, aber alle spannend. Das erste liegt sogar bei mir auf dem geschätzten 3 Meter Stapel noch zu lesender Bücher. Danke fürs teilen.

  2. Vielen lieben Dank an dich für dieses wunderbare Kompliment! Ohne dich wäre ich z.B. nicht auf das erste Buch gekommen. Es ist superspannend geschrieben und macht richtig Lust auf mehr. Ich fand es sehr faszinierend und beobachte inzwischen vieles davon, was ich darin gelesen habe.

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