Wir knüpfen unser Wohlgefühl an Konsum – wieso das brandgefährlich ist

Wir knüpfen unser Wohlgefühl an Konsum

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Wieso haben wir eigentlich soviel Zeug?

Chaos entsteht dadurch, weil wir viel zu viele Sachen haben. Sachen, die sich anhäufen, für die es keinen guten Platz gibt und die sich wie von Geisterhand zu vermehren scheinen.

Wo kommt das bloß alles her?

Es kommt wohl kaum jemand und stopft damit unsere Wohnungen voll. Doch von draußen kommt es wohl rein. Wenn es nun niemand anderes ist, dann müssen wir es wohl selbst sein…

Wir bringen Dinge mit von Reisen, wie Souvenirs. Doch das allein kann es auch nicht sein. Da es ständig mehr wird, ist es wohl in unserem Tagesablauf verankert, dass wir jede Woche neue Sachen in unser Heim tragen und dafür nichts das Haus verlässt.

Bildquelle: pixabay

1 + 1 = viel Zeug

Jetzt braucht man kein Meister-Mathematiker sein um zu begreifen, dass 1+1+1 am Schluss eine Summe ist, die immer mehr anwächst, wenn wir nicht mal irgendwann -10 machen.

Gut, also wir sind es, die Dinge kaufen und nach Hause bringen. Wir sind es auch die Dinge behalten, die wir schon haben und daher nichts oder wenig den umgekehrten Weg geht und wieder nach rausfliegt.

Doch wenn wir schon wissen, dass wir uns mit dem Ausmisten nicht leicht tun, warum machen wir es uns dann so schwer und tragen immer wieder neue Sachen heim?

Wieso kaufen wir immer wieder Neues?

Manches davon ist klar, dass es immer wieder neu gebraucht wird: Alles was wir verbrauchen. Lebensmittel, Hygieneprodukte. All das sind Dinge die wir verwenden, verbrauchen und die es danach nicht mehr gibt. Bis auf eventuellen Abfall, doch das ist schon wieder ein neues Thema.

Also sind es Dinge die wir nicht verbrauchen oder zumindest nicht in diesem schnellen Maß, die sich daheim anhäufen.

Schauen wir uns doch mal ein paar Kategorien näher an: Kleidung z.B. Die wenigsten von uns “brauchen” tatsächlich all die Kleidung die wir haben. Meistens platzen die Kleiderschränke aus allen Nähten, ebenso wie die Garderoben und Schuhschränke. Wir können gar nicht soviel anziehen, wie wir besitzen.

Wieviel ziehst du tatsächlich an?

Von den ganzen Sachen die wir besitzen, ziehen wir auch nur einen sehr geringen Teil an.

Das glaubst du nicht?

Es gibt eine sehr simple Möglichkeit das herauszufinden. Häng in deinem Kleiderschrank alle Bügel verkehrt herum hinein. Jedesmal wenn du nun ein Kleidungsstück heraus nimmst und anziehst, hängst du diesen Bügel wieder richtig herum hinein.

Nach 4 Wochen siehst du glasklar, was du aus deinem Kleiderschrank getragen hast und was nicht. Lass weitere 4 Wochen vergehen und dann hast du eindeutig vor Augen was du in den vergangenen 2 Monaten tatsächlich angehabt hast.

Nehmen wir davon eindeutige Saisonkleidung wie Shorts im Sommer und dicke Pullover im Winter aus, dann hast du damit einen klaren Stand der Dinge, die du in dieser Jahreszeit tatsächlich anziehst und welche nicht.

Lass uns auch besondere Kleidungsstücke wie einen sehr feinen Anzug oder ein Abendkleid ausnehmen, doch lass am besten die Bügel auch davon umgedreht, bis du sie tatsächlich einmal anziehst.

Wenn du das ein ganzes Jahr machst, dann siehst du in harten Fakten, was du ein Jahr lang nicht getragen hast.

Die meisten Menschen tragen max. ein Drittel der Kleidung regelmäßig, die sie besitzen. Nur ein Drittel! Davon sind solche Sondersachen wie oben beschrieben schon ausgenommen.

Zieh ich nicht an…

Von den Sachen, die wir nicht tragen, gibt es im Normalfall auch wiederum verschiedene Gruppen oder Kategorien. Zum einen ist das Kleidung die nicht mehr der Mode der Zeit entspricht. Zum anderen sind das Sachen, die noch wie neu sind und die wir kaum getragen haben. Die Kleidungsstücke gefallen uns dann daheim nicht mehr, wie fühlen uns nicht wohl darin, sie passen doch nicht wirklich, sind ein wenig zu klein, zu groß, zu eng, einfach unpassend.

Wir kaufen Kleidung und ziehen sie dann fast nie an. Wenn man darüber nachdenkt, ist das doch eines der bescheuersten Dinge die man machen kann, oder? Wir geben Geld aus, dass wir dann nicht mehr haben und nutzen das Gekaufte dann noch nicht mal.

Wenn wir im Geschäft sind und ganz ehrlich in uns hinein horchen, dann ist auch zu dem Zeitpunkt die Kleidung schon zu eng, zu weit, wir fühlen uns nicht ganz wohl drin, der Stoff ist zu unangenehm usw.

Zieh ich gern an

Das wissen wir deswegen so genau, weil es uns bei Lieblingsstücken genau anders herum geht. Wir fühlen uns sofort wohl darin, uns geht es gut darin, wir haben das Gefühl, dass es genau passt und genau zu uns passt.

Diesen Unterschied kennt jeder von uns. Trotzdem kaufen wir Kleidung die nicht genau diesem Standard entspricht. Wieso nur? Was passiert in uns?

Oder sollten wir eher die Frage stellen, aus welchem Grund wir überhaupt kaufen?

Kaufen = es geht mir besser?

Etwas zu kaufen, bedeutet ein Bedürfnis zu befriedigen. Aus welchen Bedürfnissen heraus kaufen wir z.B. Kleidung? Nüchtern betrachtet dürfte es nur den Grund geben, weil wir etwas benötigen. Wenn wir keinen Wintermantel haben und es kalt ist in der Gegend in der wir leben, macht es Sinn einen zu kaufen. Wir befriedigen also das Bedürfnis uns wärmen zu wollen.

Doch wenn wir ehrlich sind, kaufen wir Klamotten aus ganz anderen Gründen. Wir wollen darin gut aussehen und dieses „gut aussehen“, soll wiederum den tieferen Bedürfnissen Genüge tun wie: einen guten Eindruck machen, ein Image pflegen, attraktiv auf das andere Geschlecht wirken, erfolgreich sein. Setz hier einfach ein, was dir sonst noch für Attribute durch den Kopf gehen.

Kleider machen Leute. Dieses Statement ist uralt und scheint nichts von seiner Kraft verloren zu haben. Wir beurteilen Menschen nach dem Äußeren. Das geht in Sekundenbruchteilen und hat nicht unbedingt etwas mit Objektivität zu tun. Es ist ein erster Eindruck und der wird nun mal auch davon gebildet, wie sich ein Mensch kleidet.

Was erhoffen wir uns tatsächlich durch Konsum?

Gut, wir wollen verschiedenste Bedürfnisse mit dem Kauf befriedigen. Das erklärt jedoch noch nicht ganz, wieso wir Kleidung kaufen, die wir später nicht mehr tragen, weil sie eben doch nicht das ist, in dem wir uns 100 % wohl fühlen.

Also muss es noch eine andere Ebene geben, die uns hier in die Quere kommt. Wie ist es mit dem Gefühl aus dem heraus wir überhaupt auf die Idee kommen jetzt etwas kaufen zu wollen?

Der Begriff Frustkauf ist wohl allgemein bekannt. Doch mal ehrlich wie kommt man nur auf die Idee, dass Frust weggeht, wenn wir etwas kaufen? Es muss wohl etwas mit Belohnung zu tun haben. Wir kaufen Dinge in der Hoffnung, dass es uns danach besser geht. Und das muss nun keineswegs nur Kleidung sein. Deko, Essen, Technikkram, setz ein, was dir noch dazu einfällt.

Shopping ist etwas, was von manchen Menschen tatsächlich als eine Beschäftigung angesehen wird, die einem gut tut. Der Vorgang des Kaufens wird hier zu etwas, was einem Hobby gleicht. Die Jagdlust auf das Schnäppchen, die Lust etwas Schönes zu erwerben, der Reiz der darin liegt zu stöbern, all das kommt zusammen und lässt uns mit dick gefüllten Einkaufstüten nach Hause gehen.

Und dann haben wir all die neuen Sachen daheim. Doch nach dem Gesetz des Kleiderschranks wird davon 2/3 nie wieder das Licht der Welt erblicken, sondern in den Tiefen des Schrankes verschwinden.

Die falsche Bedeutung des Kaufens

Die Kleidung hat ihren Zweck erfüllt, als sie uns den Thrill des Findens vermittelt hat. Uns abgelenkt hat von einem frustrierenden Arbeitstag, uns das Gefühl vermittelt hat, dass wir etwas Besonderes sind nach einem Streit mit dem Partner.

Dem Kauf wird hier eine Bedeutung zugewiesen, die er gar nicht haben kann. Wir versuchen wiedermal unangenehme Gefühle zu bekämpfen, in dem wir im Außen etwas suchen, das uns ablenkt und das vermeintlich das Gefühl der Besserung verspricht.

Doch wie wir letztlich alle wissen, können Einkäufe nicht wirklich etwas an unserem Gefühlsleben ändern. Emotionen sind wie das Wetter. Sie kommen und gehen. Einen Vorgang wie Geld ausgeben daran zu knüpfen um das Wetter quasi damit zu bereinigen ist nicht besonders schlau.

Konsum = Wohlgefühl?

Es führt dazu, dass wir ständig Lösungen durch Dinge suchen. Wir verknüpfen unser Wohlgefühl dadurch an Konsum.

Doch Dinge sind nicht die Lösung. Wir werden das nächste Mal wieder in für uns frustrierende Situationen geraten, Streitgespräche erleben, einen stressigen Tag haben. Der Einkauf hat nichts langfristig geändert. Er hat uns nur eine Menge an Dingen mehr gebracht, die wir nun daheim haben.

Auf der anderen Seite geht es keineswegs darum jeglichen Konsum einzustellen und nur noch das zu kaufen, was man wirklich unbedingt braucht. (auch wenn das für eine Weile gar keine schlechte Idee ist, zeigt es auf, wie wenig wir tatsächlich brauchen)

Kaufe aus den richtigen Gründen

Es spricht nichts dagegen, dass wir uns selbst mit Dingen eine Freude machen. Doch das sollte aus dem richtigen Ansatz heraus geschehen. Und vor allem mit dem richtigen Ergebnis. Wenn wir Kleidung kaufen, dann ist das einzige Kriterium was wirklich zählt: fühle ich mich so wohl damit, dass ich die Sachen am liebsten gar nicht mehr ausziehen möchte.

Wir alle haben Dinge gekauft, die so la-la gepasst haben. Die schon OK waren. Die unter dem Motto liefen “ach das passt jetzt schon” und dann hängen sie im Schrank.

Doch die Sachen dir wir ständig anhaben, mögen wir wirklich. Ob das nun jemand anderem gefällt oder nicht, sollte ebenfalls kein Kriterium sein. Wir tragen die Kleidung, wir spüren sie an unserem Körper. Wir können sofort sagen, ob das ein Lieblingsstück werden wird oder nicht.

Auch wenn wir Dinge für unsere Wohnung kaufen, sei es Geschirr, Deko oder anderes. Wenn wir ganz bewusst darauf achten, aus welchen Gründen wir diese Sache gerade kaufen wollen. Allein nur das bewusste darüber nachdenken, kann uns klar machen, dass es jetzt aus einer Laune heraus passiert. Dass ein sog. Impulskauf im Raum steht, der uns ein angenehmes Gefühl machen soll und damit ein unangenehmes Gefühl übertünchen.

Sei dir deiner Bedürfnisse bewusst

Diesen Moment der Wahrnehmung braucht es. Das kann schon reichen. Es ist, als ob man den Vorhang vorzieht um zu sehen, was dahinter liegt. Wieso möchte ich das jetzt kaufen? Was genau verspreche ich mir davon? Welches Bedürfnis will ich mir gerade erfüllen?

Wusstest du, dass viele Käufe nicht mehr getätigt werden, wenn man sie verschiebt? Wenn man sich die Sachen zurücklegen lässt und nicht gleich mitnimmt, sondern erst für den nächsten Tag nochmal aufschiebt?

Nachdem was wir in diesem Artikel alles schon besprochen haben, ist das nun wiederum einfach zu erklären. Am nächsten Tag fühlt man sich häufig anders. Das Wetter der Emotionen hat sich geändert. Damit auch das Bedürfnis oder der impulsive Wunsch aus dem heraus man etwas kaufen wollte.

Wenn man diese Erfahrung einmal gemacht hat, dass sich etwas an einem Tag wie ein “das muss ich unbedingt haben” anfühlt und am nächsten Tag wie ein “ach ist ja wirklich ganz nett, aber muss nicht unbedingt sein” der wird künftig aufmerksamer werden, wenn er wieder wie aus den Reflex den Geldbeutel zückt um etwa Neues zu erwerben.

Lass dir nicht von deinen eigenen Emotionen das Geld aus der Tasche ziehen. Lass dich nicht verführen von Werbung, Verkäufern oder Einkaufsbegleitern. Wenn du dich schwer tust, dann verschieb den Kauf.

Mach dir bewusst, in welchen Situationen du dazu neigst neue Dinge zu erwerben. Was genau ist der Auslöser dazu? Welche Gefühle bringen dich dazu Impulskäufe zu tätigen?

Lern deine Wetterlage kennen

Werde zu einem Detektiv deiner Wetterlage. Und dann überleg dir, was du “bei Regen” machen kannst, außer dir etwas Neues zu gönnen, dass dir helfen soll, dass es dir besser geht.

Was für einen metaphorischen Regenmantel könntest du stattdessen nutzen? Vielleicht hilft einfach ein Gespräch mit einer lieben Freundin? Oder mach einen flotten Spaziergang um deine Emotionen im wahrsten Sinne zu bewegen und damit zu verändern?

Überleg dir Lösungen für die Probleme um die es tatsächlich geht. Entkoppel deine Gefühle vom Konsum.

Damit tust du dir selbst etwas Gutes, deinem Geldbeutel und deiner Umgebung. Die nicht mehr noch mehr Dinge aufnehmen muss, mit denen du schlussendlich wieder umgehen musst.

Du besinnst dich damit wieder deiner tatsächlichen Bedürfnisse und lernst für dich zu sorgen. Du wirst dir deiner eigenen Veränderungskraft bewusst und hörst auf dich mit Konsum glücklich machen zu wollen. Denn wenn das Glück nicht in dir ist, ist es nirgends. Du bist der Mensch der deine Bedürfnisse erfüllen kann, nicht die Dinge.

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Ein Nachruf

Gestern vor einer Woche ist Lisa, mein geliebtes Katzenmädchen, gestorben. Nach über 17 wundervollen Jahren hat sie diese Erde verlassen. Es war eine so schwere Entscheidung. Zu entscheiden, sie einschläfern zu lassen und ihr Leben damit zu beenden. Was für eine Qual. Die Gedanken ob es wirklich das richtige ist. Es als Erlösung für sie zu sehen, da sie seit längerem unheilbar und schwer nierenkrank war, seit fast 14 Tagen nichts mehr fressen wollte und die Medikamentengabe jeden Morgen ein Kampf war. Ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie jeden Tag weniger wurde. Sie wog am Ende noch grad mal 2 kg, jede Rippe war sichtbar und spürbar.

Sie schlief die letzten 14 Tage bei mir im Bett. Immer ganz nah an mich gekuschelt. Ist unzählige Male in der Nacht auf ihr Kisterl gelaufen, hat literweise Wasser trinken müssen und kam dann wieder zurück zu mir ins Bett. Hat Wärme und Nähe gesucht, mich mit ihren klugen, wachen Augen angesehen, wissend. Gott, was ist die Liebe manchmal für ein Fluch. Sie bindet uns an Wesen und lässt uns leiden, weil wir ihnen nicht helfen können. Weinen um sie und um uns selbst.

Und wie lange verschließt man die Augen vor dem Unvermeidlichen. Will es einfach nicht wahrhaben. Es nicht als Möglichkeit im Kopf haben. Wie kann man nur Richter sein und entscheiden ein Leben zu nehmen? Was ist das nur für eine riesige, nicht fassbare Verantwortung.

Es gibt auf dieser Straße kein Zurück. Es ist unwiederbringlich. Kein Miauen mehr, das mich begrüßt, wenn ich nach Hause komme. Kein darauf warten, dass ich sie endlich hochnehme und ihr erzähle, wie mein Tag war, kein Kuscheln mehr auf der Couch und gemeinsames Einschlummern. Kein Angestupstwerden mehr, wenn ich traurig war, kein Schnurren mehr beim Streicheln ihres so unglaubliches weichen Fells.

Kein Beobachten mehr, wenn sie draußen im Garten umherstromert, die Ohren aufgestellt und das eine gespaltene besonders zu hören scheint. Keine Miezekatze mehr, die den Lieblingsplatz in der warmen Sonne annektiert hat und ihn wie selbstverständlich für sich beansprucht. Wieviele unzählige Zeilen am PC und auf Papier sind mit ihr auf dem Schoß entstanden. Sie war immer da. Über 17 Jahre lang. In jeder Wohnung, in jedem Haus. Hat alles mitgemacht mit ihrem Frauchen.

Als ich damals eine zweite Katze gesucht hatte, hab ich mich auf den Weg ins Tierheim gemacht. Nachdem schon einige Versuche fehlgeschlagen waren, eine Gefährtin für Tracy, meine erste Katze zu finden, dachte ich mir, es muss einen anderen Weg geben. Und ich hab es einfach umgekehrt, mich in den Katzenkäfig ganz still in ein Eckchen gesetzt und mich aussuchen lassen. Und da war sie, erst ganz zurückhaltend und scheu, saß sie auf der anderen Seite, etwas abseits von den anderen und sah mich einfach nur an.

Ihr Blick hat mich kaum losgelassen und sie beobachtete mich sehr genau. Die anderen Katzen kamen und gingen in meine Nähe, um dann wieder weiterzuziehen. Und dann gab es diesen Moment. Sie entschied sich und kam langsam auf mich zu. Setzte sich an meine Seite und schaute mich an. Ich durfte sie streicheln und sie kuschelte sich förmlich in meine Hand. In diesen Momenten ist ihr endgültig mein Herz zugeflogen. Sie blieb bei mir und so hab ich sie in ihr neues Zuhause mitgenommen. Sie war noch ein ganz kleines und junges Kätzchen und hatte doch schon eine Leidensgeschichte hinter sich. Der Vorbesitzer war wohl einer der wenig tierlieben Sorte, denn ich bekam sie völlig abgemagert und mit gebrochenen Rippen (durch einen Tritt….).

In ihrem neuen Heim war sie bei jedem Türklingeln sofort hinter der Couch verschwunden und sobald sie eine Männerstimme nur hörte geriet sie in Panik. Es dauerte lange, bis sie diese spontane Angst etwas verlor und es war so berührend, wie sehr sie mir von Anfang an vertraute. Ja, so fing unsere gemeinsame Geschichte an. Sie führte uns in verschiedenste Landkreise rund um Passau und unterschiedlichste Lebenssituationen. Fast schien es so, als ob meine Miezemaus Lisa mit ihrer Gefährtin Tracy die einzigen Fixpunkte in meinem Leben waren.

Tracy, die Katze die ich damals schon hatte als ich Lisa aus dem Tierheim holte, ist 2006 gestorben, kurz nach meinem Vater. Und vor allem zu dieser Zeit wäre ich ohne mein Katzenmädchen völlig untergegangen. Doch so gab es noch ein Wesen, um das ich mich zu kümmern hatte und die immer zu spüren schien, wie wichtig ihre Nähe war. Die in dieser Zeit kaum von meiner Seite wich wenn ich daheim war, die ich stundenlang bei mir auf dem Arm und auf dem Schoß hatte. So ging auch diese schwere Zeit vorüber und sie hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran, mich im Leben gehalten zu haben.

Sie war jeden Tag wieder eine lebendige Quelle und ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war. Was für ein Glück ich doch hatte. Die Zeit mit ihr ist mir so kostbar und die letzten Stunden haben wir miteinander gewacht.

Ich hatte das Glück eine sehr liebe Tierärztin zu finden, die zu uns nach Hause kam. Als es dann soweit war, ist sie auf meinem Arm gestorben. Hat sich an meinen Hals geschmiegt und ich hielt sie, spürte ihre Nase, hörte sie leise atmen und dann immer leiser werden. Meine Tränen strömten über mein Gesicht und ich hatte das Gefühl, mein Herz bricht ein weiteres Mal.

Ich hielt sie fast eine Stunde noch in meinem Arm bis ich spürte, dass auch ihre Seele gegangen war. In diesem Moment fühlte ich eine große Ruhe in mich einziehen und ich konnte sie endlich loslassen.

Sie war gegangen und es war ein so unendlich großes Geschenk sie in meinem Leben gehabt zu haben.

Artikelserie: Gewohnheiten ins Leben bringen – Teil 3 – Ihr ganz persönlicher Grund ist die Basis Ihrer Motivation

Dieser Artikel ist Teil der Serie Gewohnheiten ins Leben bringen.

Wir haben uns im

  • ersten Beitrag mit den verschiedenen Motivationsarten und Zielen von Gewohnheiten beschäftigt. Im
  • zweiten Artikel haben wir uns die verschiedenen Lernkurven näher angesehen. Und heute im
  • dritten Teil geht es um Ihre ganz persönlichen Gründe und warum diese so wichtig sind für die erfolgreiche Integration von Gewohnheiten.

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Fragezeichen R_K_B_by_Gabi-Schoenemann_pixelio.deDann lassen Sie uns beginnen: Es gilt zunächst einmal herauszufinden, was denn der wirkliche Grund ist, warum wir etwas wollen. Wieso wollen wir uns mehr bewegen, abnehmen, mit dem Rauchen aufhören usw.? Was steckt tatsächlich dahinter?

Bildquelle: @Gabi Schoenemann / Pixelio

Bleiben wir mal beim Beispiel Bewegung. Vielleicht sitzen wir zuviel den ganzen Tag und unser Gewicht ist zu hoch, wir sind nicht mehr so leistungsfähig, fühlen uns ungelenkig und mögen uns nicht mehr so wirklich wie wir gerade sind. Das sind nur ein paar der möglichen Ansätze. Und damit sind wir voll im Bereich der Weg-Von-Motivation.

Wenn Sie geistig mitgegangen sind, dann haben Sie bestimmt gespürt, wie wenig gut uns diese Gedanken tun und was für ein schweres Gefühl sie hinterlassen. Das bedeutet auch, dass diese Art der Motivation allein nur dann Power entwickelt, wenn uns schon was weh tut und wir wollen, dass es aufhört. Daher auch Schmerz- oder Leidensmotivation genannt.

Da es ja auch noch die andere Seite der Medaille gibt, lohnt sich die Frage nach dem Zustand, den ich gern erreichen möchte. Und dabei ist „mehr bewegen“ nicht die richtige Antwort. Diese wird jedoch – in verschiedenen Varianten – häufig gegeben.

Doch wenn Sie genauer hinschauen, gibt es fast immer einen (Hinter-)grund warum sich jemand mehr bewegen möchte. Es ist Mittel zum Zweck, z. B. zum Schlankerwerden. Ist dies damit der wahre Grund? Nach meiner Erfahrung Nein. Denn auch das Schlankerwerden hat einen tieferen Sinn. Oft steckt der Wunsch nach Attraktivität dahinter.

Hier kommen wir an einen interessanten Punkt in der Kette. Attraktivität ist z. B. ein Wert, der in den meisten Fällen durch Vergleichen entsteht. Ich fühle mich weniger attraktiv, als meine Arbeitskollegin, eine Bekannte, die Nachbarin usw. Das bedeutet, dass ich vor allem aufgrund eines Bildes schlanker werden möchte, dass ich im Vergleich zu anderen von mir habe und nicht besonders gut finde. Mein Wunsch ist damit vom (vermeintlichen) Urteil anderer abhängig. Mit einer solchen Motivation werden Sie vielleicht Ihre neue Gewohnheit beginnen, doch in den meisten Fällen irgendwann wieder in Ihren alten Trott zurückfallen.

Um herauszufinden, ob ein Grund tatsächlich Ihr ganz persönliches Anliegen ist, fragen Sie sich doch mal, ob Sie die neue Gewohnheit (in unserem Beispiel das vermehrte Bewegen um schlanker zu werden) auch dann anstreben und durchziehen würden, wenn Sie auf einer einsamen Insel leben, auf der es nichts zum Vergleichen gibt. Sollte Ihnen in dieser Sekunde klar werden, dass es Ihnen damit mehr oder weniger egal wäre, können Sie sich auch die Anstrengung sparen, Ihr Ziel aus dieser Richtung anzugehen.

Das heißt, es gilt einen wahrlich guten Grund für Sie ganz persönlich zu finden, warum Sie Ihr Ziel erreichen und eine neue Gewohnheit ins Leben bringen möchten.

Wir wollen mal einen Sprung in die Zukunft machen und so tun, als ob Sie Ihre Gewohnheit schon regelmäßig und vollkommen selbstverständlich ausühren. Z.B. jeden Tag sich zu bewegen. Fühlen Sie sich hinein und schaffen sich ein Bild davon. Und aus dieser Perspektive heraus vervollständigen Sie ganz spontan 5x den folgenden Satz:

Ich bin so froh und dankbar, dass ich mir diese Gewohnheit zugelegt habe, weil….

So, da haben wir’s ja :-) Deswegen wollen Sie das ganze also machen. Checken Sie Ihre Gründen nochmal mit der „einsamen-Insel-Frage“ (siehe oben) und achten Sie auf eine Hin-zu-Motivationsrichtung. Sie spüren das ganz schnell am inneren Gefühl.

Hilfreich ist zudem auch eine spontane Einschätzung auf der Skala von 1 bis 10. Wobei 10 für ein absolutes Hochgefühl steht und 1 für ein ganz mieses Gefühl. Sie sollten bei Ihren Gründen mindestens eine 7 erreichen. Darunter macht es keinen Sinn, weil es innerlich etwas in Ihnen gibt, das sich gegen diesen Grund sperrt.

Sollte Ihnen wider Erwarten nichts gescheites eingefallen sein, haben Sie wieder einen Hinweis darauf, dass es anscheinend nicht Ihr eigenes Bestreben ist.

Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, ja, jetzt hab ich meine(n) persönlichen Grund(Gründe) gefunden, dann machen wir uns auf die Suche nach umsetzbaren Schritten. Und wie diese aussehen können, lesen Sie im nächsten Artikel der Serie Gewohnheiten ins Leben bringen.
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Teil 1

Teil 2

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten….?

Ja ist denn schon wieder Weihnachten?….so ging es mir die letzten Tage durch den Kopf. Schon wieder ein Weihnachtsfest. Schon wieder Geschenke. Schon wieder Glühwein. Schon wieder….

Ja, was schon wieder….?

Lassen wir uns nicht einfach viel zu oft, von dem ganzen Wahn um das Weihnachtsfest herum anstecken?

Ist es denn nicht völlig egal, ob nun mit Weihnachtsbaum, Adventskalender, den richtigen Kerzen, der perfekte Braten, die hübscheste Weihnachtskarte, die passendsten Geschenke, das schönste Papier, die ideenreichsten Dekorationen, die meisten Plätzchen, den besten Glühwein…….

Was könnte denn Weihnachten noch für uns sein? Wie wär’s denn mit:

F Fröhlichkeit, Freude, Frieden

R Ruhe, rasten

O Oh du Fröhliche

H Herzlichkeit, Heimat

E Entzücken, Engel

S Strahlen

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F Familie, Freunde, Ferien

E Ergriffenheit, Erlebnis, Erinnerungen

S Stille

T Träume

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Oder wie wär’s mit:

W Wünsche

E Erfüllung

I Innigkeit

H

N

A

C

H

T

E

N

Vielleicht haben Sie ja Lust, Ihr ganz persönliches WEIHNACHTEN oder Ihr FROHES FEST mal zu schreiben. Eine kleine Spielerei, die Ihnen ganz leicht wieder die guten Gedanken, die Sie zu diesem Anlass in sich tragen, wieder bewusst machen.

Und dann ist der Schritt nur mehr ein kleiner, zu überlegen, was davon Sie gern in Ihrem Weihnachtsfest haben möchten und wie Sie das bewerkstelligen können.

Von den Momenten, in denen Sie im Innersten satt und glücklich sind (und damit mein ich jetzt nicht die Leckereien :-) wünsche ich Ihnen zu diesem Weihnachtsfest ganz, ganz viele!