Twittergeschichten – Part 1 – unverhoffte Geschenke

Twitter zählt zu den Medien, die sich nur schwer erklären lassen. Das ist wie Fahrradfahren, dass muss man auch erleben um zu wissen, wie das ist und ob das auch was für einen ist. (Beim Fahrradfahren weiß ich das schon lange, dass das nix für mich ist 🙂

Ich könnte Ihnen jetzt die verschiedenen Begriffe wie follower, retweeten und das alles erklären. Oder mit welchen Hilfsmittel sich am besten twittern lässt. Nimmt man nun hootsuite oder doch besser tweetdeck? Und Ihnen natürlich vorschwärmen, wieviel wertvolle Informationen sich im eigenen Twitterstream finden. Doch ehrlich gesagt gibt es da genügend andere, die das sehr ausführlich und kundig machen.

Für viele ist Twitter ja eines der seltsamen Tools derer sich die bedienen, die im Netz wohnen. Es ist manchen ein wenig suspekt sich hier mit Leuten auszutauschen, die man noch nie vorher gesehen hat und die man auch höchstwahrscheinlich nicht treffen wird.

Genau da möchte ich einhaken. Ich möchte Ihnen in dieser kleinen Reihe von Twittergeschichten die Verbindungen aufzeigen, die sich zwischen der virtuellen und der realen Welt ergeben können. Wie aus einem Tweetgespräch echte Gespräche werden, die man einfach nahtlos fortsetzt. Vielleicht bekommen Sie dadurch einen anderen Blick auf diese technischen Spielereien und bekommen selbst auch Lust, es doch einmal zu probieren. Das twittern.

Das erste Mal in Regensburg

Als ich mich wohntechnisch in die Nähe von Regensburg verändert habe, machte ich mich letztes Jahr auf die Suche, ob es denn hier möglicherweise einen Twitter-Stammtisch gäbe. Also eine Gelegenheit, bei der sich Menschen, die twittern im wirklichen Leben treffen und austauschen. Und tatsächlich, ich wurde fündig.

Das nächste Treffen war auf der Dult 2010 geplant und obwohl ich kaum ein, zwei Tweets mit den Regensburger Twitterer geteilt hatte, hab ich mich auf den Weg gemacht. Ich kannte nur den Namen von Dominic alias @d_schoen, der das Treffen organisiert hatte und hab mich laut Tischplan im Bierzelt auf die Suche gemacht. Es kam allerdings erstmal wie es kommen musste, ich bringe es sogar fertig mich im Bierzelt zu verlaufen 😉

Doch nach angestrengter Suche wurde ich tatsächlich fündig und es war ein rundum netter Abend mit StudentInnen und RegensburgerInnen vor Ort. Genaueres zu diesem Abend lässt sich bei @torschtl in seinem Blog nachlesen. Bis dieses Jahr im Frühsommer war das dann auch das letzte Reallife-Treffen des #ttrg (Twitterstammtisch Regensburg) an dem ich teilnehmen konnte.

Das zweite Mal

Dann ergab sich im Juni 2011 die Gelegenheit zu einem erneuten Treffen. Gemütlich sollte es werden. Start in der Alten Münz, erstmal was lecker essen und dann weiter in die Wilde Erika. Was soll ich sagen, es war ein absolut gelungener Abend. Zwei Damen von der MZ kamen auch noch mit dazu und so ergaben sich amüsante Gespräche aller Art. Interessant finde ich bei solchen Treffen, das sich auch Kontakte zu Leuten ergeben, die gar nicht bei Twitter dabei sind, sondern als FreundInnen mitgehen.

Wie das oft so ist, teilt sich die Runde dann irgendwann auf in Jungs und Mädels. Und in einer witzigen Damenrunde haben wir uns dann zu dritt ausgetauscht. Ines alias @m4ki kannte ich schon vom letzten Mal und Daniela war ein Neuzugang. Als ich an dem Abend nach Hause kam, hab ich mich einfach über die schönen Stunden gefreut. Doch nicht, dass Sie denken, das war jetzt zwar nett, doch kommt jetzt noch was…?

Wenn der Postman 2x klingelt

Denn ein paar Tage später bringt mir der Postbote ein Päckchen. Ich war etwas in Eile und hatte keine Zeit mich gleich damit beschäftigen. Als ich dann am Nachmittag einen näheren Blick darauf warf, las ich als Absender Ines Adresse. Damit war meine Neugierde natürlich geweckt und ich machte das Päckchen eilig auf. Was soll ich sagen…..

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Ist die Tasche nicht einfach nur superschick?! Und über den beigelegten Brief hab ich mindestens genauso gefreut!

Es war so eine gelungene Überraschung und ich war völlig baff. Die Tasche war im Blog von Ines bei einer Verlosung ausgelobt worden, doch für mich hatte es nicht geklappt. Und jetzt lag sie hier vor mir!

Sehen Sie, auch das kann Twitter sein. Vollkommen unerwartete Gesten von Menschen, die man virtuell kennengelernt und sich im Reallife bei guten Gesprächen (in unserem Fall mit viel zu lachen) getroffen hat.

Danke nochmal, liebe Ines, für die gelungene Überraschung! Und ich freu mich schon jetzt auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt die Twitteria Regensburg trifft sich im wirklichen Leben.

Erzählt mir doch eure Twittergeschichten. Was habt ihr schon alles so in der Verbindung mit twittern im Reallife erlebt?

In der Freude leben

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir uns über manches im ersten Moment zwar freuen, doch sehr schnell andere Gefühle dieses gute Empfinden überlagern?

Es scheint, als ob ein kleiner Piepmatz versucht, gegen das Brausen eines Sturmes anzukommen. Haben wir überhaupt noch Zeit uns zu freuen? Wo sind wir eigentlich ständig mit unseren Gedanken und unseren Gefühlen?

Freude ist nicht unbedingt ein lautes Gefühl. Es ist eher ein wärmendes, stilles, inneres Leuchten. Es hat weniger mit Spaß zu tun. Der oft lärmend und ausgelassen ist und ebenso seine Berechtigung hat, doch Freude hat eine andere Qualität.

Bildquelle: Gerd Altmann @pixelio

Sind Sie schon mal vor Freude still geworden? Wenn es uns den Atem verschlägt, weil wir eine völlig unerwartete Überraschung bekommen. Ein kleiner Zettel aus unserem Portemonnaie fällt, auf dem ein paar Zeilen von einem lieben Menschen stehen. Jemand an unseren Geburtstag gedacht hat, von dem wir es nicht gedacht hätten. Wir viel besser bei einer Prüfung abgeschnitten haben, als wir uns erhofften. Ein liebes Wort in schwerer Zeit per Post bekommen.

All das und mehr ist Freude, derer wir so sehr bedürfen. Wir heilen, wenn wir ganz tief eintauchen in diese Empfindung. Spüren, wie sich dieses Leuchten in unserem ganzen Körper ausbreitet, das Lächeln wie von selbst auf unserem Gesicht erscheint, wir uns leicht fühlen und das Gefühl haben, dass wir fliegen können.

Wann haben Sie sich das letzte Mal so gefühlt?
Wann haben Sie bewusst in der Freude gelebt?

Freude ist ein Zustand, der uns über einen längeren Zeitraum begleiten kann, wenn wir das zulassen. Und er hat zumeist mit Menschen zu tun. Menschen, die uns eine Freude machen wollen und sich selbst daran erfreuen. Und ebenso schaffen wir dieses Gefühl, wenn wir jemandem eine Freude machen. Nicht unbedingt weil wir es uns finanziell leisten können, sondern weil wir bewusst Freude schenken wollen.

Was für Vorfreude es uns bereiten kann, etwas kleines, besonderes für unsere Liebsten auszusuchen, schön zurechtzumachen, ein paar liebevolle Zeilen mit der Hand hinzuzufügen. Was für eine Pracht. Das ist das Geheimnis hinter dem weisen Wort “Geteilte Freude ist doppelte Freude

Machen Sie sich doch mal auf ‘Freude-Suche’ Wir begegnen jeden Tag immer wieder Situationen, in denen wir uns freuen können. Und wir könnten jeden Tag anderen eine Freude machen. All das muss keineswegs in einer riesigen Geschenk-Parade gipfeln. Im Gegenteil. Wenn Sie für sich nachspüren, was Ihnen besondere Freude macht, die Freude, die innerlich wärmt und uns leuchten lässt, so sind es viel öfter Aufmerksamkeiten im Sinne von lieben Worten.

Leben Sie in der Freude und kehren immer wieder bewusst in dieses Gefühl zurück. Nutzen Sie alles, was Ihnen dazu hilft. Ob das Musik sein mag, oder ein Spaziergang durch die verschneite Landschaft, gute Gespräche mit Freunden, ein schönes Buch, Ihre Liebsten ganz nah um sich zu haben, Ihr Herz schlagen zu spüren, das Wohlgefühl eines frischbezogenen Bettes zu genießen oder auch einfach für sich still zu werden.

Gehen Sie mit der Verschenken von Freude ebenso verschwenderisch um. Wir lassen viel zu viele Möglichkeiten ungenutzt vorüber gehen, in denen wir anderen eine kleine Freude machen könnten. Mit einem Lächeln, einem freundlichen Wort, einem netten Kompliment, einer kleinen Hilfeleistung, einer kleinen Notiz oder einem Mitbringsel.

Zeigen Sie den Menschen in Ihrem Leben, dass Sie in Freude mit Ihnen verbunden sind. Sie werden es hundertfach zurückbekommen.

Monat der Dankbarkeit Tag 17 Zufälle und Gelegenheiten: eine Reise mit 16

Heute ist der 17. Tag meines Dankbarkeitsmonats. In dieser Woche möchte ich meinen Fokus auf Zufälle und Gelegenheiten legen, denen ich dankbar bin.

Wie schon mal im ersten Beitrag dieser Woche angeklungen ist, nutzen wir manche Gelegenheiten aus Angst vor dem Unbekannten nicht. Wir befürchten zu scheitern, uns zu blamieren, etwas nicht zu bewältigen und einiges mehr.

Dabei ist der Blick häufig auf außen gerichtet. Was wird wohl meine Umgebung dazu sagen? PartnerInnen, Freunde, Bekannte, KollegInnen, Fremde. Und da wir gern vermeiden wollen, uns unwohl zu fühlen unter den vermeintlich so kritischen Augen anderer, lassen wir uns Gelegenheiten entgehen, die man nur einmal im Leben bekommt.

Bildquelle

Doch mal ganz ehrlich, was ist das Schlimmste, was passieren kann? Dass wir ausgelacht werden, weil Menschen um uns herum schadenfroh sein könnten? Dass wir scheitern und etwas nicht hinbekommen? Wir fühlen uns damit oftmals persönlich entwertet und doch passiert das nur in unserem Kopf.

Nur in unserem Kopf!

Überlegen Sie doch mal wie oft Sie sich die Gedanken anderer machen. Wir phantasieren und denken uns ganze Drehbücher aus, wie wir von anderen wahrgenommen werden. So, als ob das was wir uns ganz persönlich für uns selbst vorgenommen haben, überhaupt nicht zählt. Und das Bild, das wir uns von uns selbst schaffen, auf den vermeintlichen Erwartungen anderer aufgebaut ist und es daher Phasen im Leben gibt, in denen wir uns selbst ganz fremd fühlen.

Was auch völlig logisch ist, denn wir haben uns nicht nach UNSEREM Sein und Werdenwollen erschaffen. Die Konsequenz ist ein Leben mit angezogener Handbremse, regiert von Befürchtungen und dem Gefühl, nicht vollständig zu sein.

Aus diesem Grund finde ich persönlich wichtig, Gelegenheiten zu nutzen die sich mir bieten. Auch wenn ich manchmal ein mulmiges Gefühl dabei habe, die Unsicherheit in mir spüre, ob ich dem gewachsen bin. Ich lerne immer wieder die Angst an der Hand zu nehmen und Schritt für Schritt in unbekannte Gefilde vorzudringen. Und je öfter ich mir dies selbst zumute und zutraue, erlebe ich, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich vorher dachte. Dass Scheitern mich nicht umbringt sondern mich lehrt, andere Wege zu gehen.

Damit komme ich auf die Geschichte für heute zurück. Eine Reise mit 16. Damals in der 10. Klasse hatte ich die Chance bei einer Rundreise durch England, Schottland und Frankreich teilzunehmen. Diese Reise war von einer anderen als meiner Schule organisiert worden und von Niedernburg durften 4 Mädchen mitfahren. Es war noch ein Platz frei und ich musste mich ganz kurzfristig entscheiden.

Dafür sollte man vorher noch wissen, dass mein englisch in der Schule sehr holprig war, ich niemanden von den anderen SchülerInnen gekannt habe, die bereits gebucht hatten, dass ich kein Wort französisch konnte und sehr schnell richtig schlimm Heimweh hatte.

Ich hatte total Schiss und spürte so sehr in mir den Reflex des Neinsagens. Doch ich hab mich selbst überrascht und zugesagt. Und so bin ich mit 16 für 3 Wochen durch England, Schottland (die Highlands waren ein Traum) und Frankreich gereist. Hab auf der Fahrt eine Freundin gewonnen, die mir heute noch sehr nahe steht, hab in London in sehr coolen Discotheken getanzt, hab in Schottland in einem eisigkalten Loch (Ness 🙂 gebadet, bin unter dem Eiffelturm gestanden und hab unglaublich viel gesehen.

Diese Eindrücke begleiten mich heute noch. Vielleicht auch, weil ich vorher niemals weit verreist war und mich in diesen jungen Jahren dadurch all das Gesehene noch mehr beeindruckt hat.

Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich genau, dass ich es furchtbar bereut hätte, diese Gelegenheit nicht ergriffen zu haben. Und von dieser gelebten Erfahrung zehre ich heute noch als Referenz für mich. Als Referenz, dass es sich lohnt Risiken einzugehen, trotz Unsicherheiten und einem flauen Gefühl ‘ja’ zu etwas zu sagen. Sich in Unbekanntes hinein zustürzen in der Gewissheit, dass ich damit schon irgendwie klarkommen werde.

DANKE

Für welche Gelegenheiten sind Sie dankbar, weil Sie Ihre Welt erweitert haben?

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 6 – Träume ermöglichen

“enabling the dreams of others” Die Träume anderer möglich machen.

Fundstelle: Video von Randy Pausch

Ein großartiger Lehrer ist tot. Randy Pausch ist am 25. Juli 2008 an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er hinterlässt ein wichtiges Erbe in Form seiner ganz persönlichen “Last lecture” Einer seiner Kerngedanken, über die er spricht, ist “enabling the dreams of othersDie Träume anderer möglich machen.

Ein seltener Gedanke, der einem eher im Bereich der Spendenhilfe begegnen mag. Doch im Bildungssektor? Im täglichen Leben?

Mich hat das sehr an die Anfänge meiner Selbständigkeit erinnert. Ich habe 1995 angefangen zu unterrichten und war sehr idealistisch und mit viel Schwung unterwegs. Eine kleine Weltverbesserin… Die Realität hat mich dann schnell in Form der Bürokratie eingebremst. Doch genau das wollte ich nicht akzeptieren. Ich wollte Chancen bieten. Den Menschen, die in meinen Klassen saßen, eine Zukunft eröffnen. Die meisten der Umschüler die bei uns landeten waren aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr in der Lage ihren bisherigen Beruf auszuüben. Alters- und bildungsstandmäßig völlig durchmischt. Motivation sehr unterschiedlich, je nach ganz persönlicher Geschichte.

Und mit diesem “Material”, wie es allen Ernstes in manch offiziellen Schriften hieß, galt es nun zu arbeiten.

Manche Leute denken, dass ich deswegen so gern lehre, weil ich so gern rede 🙂 Das stimmt jedoch nur zum Teil. Einer meiner inneren Antreiber von klein auf war es zu lernen und das was ich gelernt hatte weiterzugeben. Anfangs noch sehr unreflektiert, jeder der grad zur Verfügung stand, kam so in den Genuss einer “Vorlesung”. Was mir dann als Kind auch den Zusatz altklug einbrachte. Damals verstand ich das noch nicht und mit meinem Hang zu Clownerie konnte ich wahrscheinlich wieder einiges wettmachen.

Jedoch genau diese Kombination von Humor und Wissensvermittlung war dann viele Jahre später mein Schlüssel um die Menschen zu erreichen. Herauszufinden was ihre Träume waren und sie bei der Verwirklichung zu unterstützen.

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie jemandem gegenüberstehen, dem langsam klar wird, dass es doch noch nicht zu spät ist für ein neues Leben und er vielleicht nicht alles, jedoch sehr viel von dem erreichen kann, was er sich von seinem Leben wünscht? Das Strahlen, das sich über das Gesicht ausbreitet, ein Lächeln, das wie von selbst entsteht und der Mensch sich aufrichtet – das zu sehen, hat mich jedes Mal wieder sehr beeindruckt und begeistert. Dazu die eigene Freude darüber zu spüren, ein Teil dieser “Ermöglichung” gewesen zu sein.

Dies ist nun keineswegs ein Privileg, dass nur Lehrern, Dozenten usw. zusteht. Nein, wir übersehen so häufig, dass wir viel öfter in der Lage sind, andere dabei zu unterstützen ihre Träume zu verwirklichen, als wir meinen. Genau das würde uns selbst gut tun. Denn wir eiern im Kopf zu sehr um unsere kleine Welt herum, beißen uns an irgendwelchen Gedanken fest, ertrinken im Alltagseinerlei und verlernen dabei unsere Umwelt wirklich wahrzunehmen.

Wirkliches Zuhören, wahres Interesse zeigen setzt voraus, dass ich mich auf mein Gegenüber konzentriere und mein Ego zuhören und lernen lasse. Und Fakt ist, dass wir in der Interaktion mit anderen am meisten über uns selbst lernen – wenn wir es denn wollen. Den meisten von uns ist das alles bekannt, doch wenden wir dieses Wissen auch wirklich an?

Nehmen wir doch dieses Beispiel “die Träume anderer möglich machen”. Es ist ganz erstaunlich, welch blockierende Gedankenmuster in diesem Zusammenhang oft auftauchen. Beispielsweise: ‘Wieso sollte ich die Träume von anderen möglich machen? Mir hilft ja auch keiner bei meinen.’ Und das aus dem Mund von Erwachsenen wohlgemerkt. Ist es nicht erstaunlich, wieviel Trotz diese Aussage enthält, wenn man in sie hineinspürt? Wussten Sie, dass es in der Psychologie ein geflügeltes Wort zum Trotz gibt?

Trotz = fehlgeleitete Traurigkeit

Sie erinnern sich bestimmt an Situationen, in denen auch Sie sich trotzig gefühlt haben. Wenn Sie in dieses Gefühl hineingehen und genau wahrnehmen, was dort ist, dann könnte es sein, dass Ihnen die Traurigkeit bewusst wird, die dahinter liegt. Doch es gab in dem Moment keine Möglichkeit sie auszudrücken aus welchem Grund auch immer und daher kommt der Trotz nach außen.

In diesem Bewusstwerden liegt nun die Chance zum Wachstum. Denn, um auf die obige Aussage zurückzukommen, wer das Gefühl hat, dass ihm niemand hilft, hat möglichweise das Prinzip mit Geben und Nehmen noch nicht ganz durchschaut. Dieses hat ganz klar zwei Seiten. Und wenn ich eine davon zu sehr betone, dann hängt die Waage auf Dauer schief.

Wer mehr gibt als er nimmt, wird zum Märtyrer. Wer mehr nimmt als er gibt, macht sich zum Opfer. Beide Seiten haben für manche Menschen einen gewissen Reiz. Denn wer mehr gibt, kann sich als “Gutmensch” präsentieren, doch innerlich glücklich macht das nicht wirklich. Im Gegenteil, das gipfelt oft in Aggressionen gegenüber denjenigen, denen man ja so sehr hilft. Ist klar, der Ausgleich stimmt nicht.

Auf der anderen Seite wer mehr nimmt als er gibt, hält sich selbst künstlich klein und unselbständig. Eine Methode die die Illusion aufrecht erhält, nicht verlassen zu werden. Doch genau das ist dann trotzdem irgendwann der Fall, in welcher Form auch immer.

Was bedeutet das nun für unser Eingangsthema “die Träume anderer möglich machen”? Nun, genau darin spiegeln sich beide Seiten der Waage geben und nehmen. Denn wenn Sie für andere Möglichkeiten schaffen, um Träume zu verwirklichen, werden auch Sie selbst immer mehr den Mut haben, andere darum zu bitten Sie bei der Verwirklichung Ihrer Träume zu unterstützen.

Wir sind Lernende auf diesem Planeten und wenn wir wirklich bewusst leben, dann werden bis an unser Ende Lernende bleiben. Und wenn Sie sich für die Idee öffnen gleichzeitig Lehrender zu werden, wird sich Ihnen eine neue Welt zeigen die am meisten Ihnen selbst zu gute kommt.

Schauen Sie sich um, fragen Sie die Menschen in Ihrer Nähe, “Welche Träume hast du? Lass Sie uns verwirklichen, ich unterstütze dich dabei.” Auf dem gleichen Weg sollten Sie Ihre Träume teilen. Wissen denn die Menschen die Ihnen nahe stehen, was Ihre Träume sind? Reden Sie darüber. Fragen Sie um Unterstützung.

Um Ihnen zum Abschluss ein Beispiel erzählen, die mich absolut beeindruckt hat, möchte ich Sie mitnehmen in das Jahr 1998. Wir hatten einen neuen Kurs gestartet und eine Teilnehmerin – ich will sie hier Gerda nennen – war mit dabei. Mitte 40, Fliesenlegerin (was ein gigantisch harter Job ist, um das mal anzumerken), gesundheitlich am Ende, ungepflegt mit Hang zur Verwahrlosung. Wir hatten zwei Jahre abzgl. 10 Monaten Praktikum Zeit um unsere Schützlinge auszubilden.

In den Betreuungsgesprächen und auch im Unterricht war kaum ein Wort aus ihr herauszukriegen. Verschüchtert war überhaupt kein Ausdruck. Es war daher für sie eine besonders harte Schule, denn ich hatte in meinen Klassen den Frontalunterricht so gut wie abgeschafft und auf Projektunterricht mit Präsentation und allem möglichen umgestellt. Sie stotterte vor der Klasse und starb fast tausend Tode wenn sie so im Rampenlicht stand. Doch da die Atmosphäre immer freundlich und liebevoll war – das ist mir in jeder Gruppe, die ich begleite sehr wichtig – fasste sie Stück für Stück Vertrauen. In ihre Umgebung und langsam auch in sich selbst. In den nächsten Gesprächen stellte sich heraus, dass sie ein großer Fan von Kulenkampff war (vielleicht erinnert sich noch die eine oder andere an Einer wird gewinnen – die Mutter aller Quizshows).

Und dann rückte sie auch endlich mit ihrem Traum heraus, einmal so frei und locker vor der Kamera (wir haben alles gefilmt, was die Teilnehmer so präsentierten) als Moderatorin zu stehen. Nachdem sie nun erstmals ausgesprochen hatte, was ihr so sehr Freude bereiten würde, haben wir stetig daran gearbeitet, die dafür nötigen Fähigkeiten zu trainieren. Was soll ich sagen – am Ende der zwei Jahre hatte sich für die Abschlusspräsentation eine Gruppe dafür entschieden ein Quiz mit Moderation zu zeigen. Dreimal dürfen Sie raten, wer moderiert hat. Genau. Und soll ich Ihnen noch was sagen? Die anwesenden Berater vom Arbeitsamt haben uns nicht geglaubt, dass das die Person sein sollte, die sie vor zwei Jahren zu uns geschickt hatten.

Und ganz ehrlich, wenn wir uns den Film der ersten Sequenz ansahen und damit verglichen, was wir zum Ende sahen, war es tatsächlich kaum zu glauben. Doch das ist die große Kraft, die darin liegt, die Träume anderer möglich zu machen.

Welche Träume können Sie als nächstes für andere möglich machen?