2016 – ich habe fertig

2016 ich habe fertigLiebes 2016,
diese Zeilen zu schreiben, fällt mir nicht leicht, doch ich muss dir das wirklich sagen: ich bin fertig mit dir.

Soviele Verluste und Enden, das langt für eine ganze Dekade. Auch wenn ich weiß, dass der Tod niemand ist, mit dem man handeln kann, ist es doch immer zu früh. Darüber hinaus ist so vieles in meinem Leben dieses Jahr zu Ende gegangen, dass ich mich regelrecht durchlöchert fühle.

Ich weiß, dass ich normalerweise immer Positives in diesen Zeilen verbreite, daher ist das vielleicht ein eher ungewöhnlicher Text für mich. Vielleicht ist es aber auch genau das, was seit langem überfällig ist.

Denn auch ich habe nicht die Superkräfte, die ich mir gern wünschen würde. Auch ich mache Fehler über Fehler, auch wenn ich das so gern verhindern möchte. Auch ich bin nur ein Mensch. Manchmal hab ich das in diesem Jahr vergessen und hab immer weiter versucht aus allem das Beste zu machen.

Für alle da zu sein, jedem Kraft zu geben, ein offenes Ohr zu haben, Unterstützung zu leisten, Mut zu zusprechen, zu trösten und Lösungen zu finden.

Diese Jahreszeit war nie die leichteste für mich. Viel Dunkelheit und wenig Licht. Doch ich setze mich jetzt nicht mehr zur Wehr. Es ist jetzt so wie es ist. Das was geht, das geht, anderes eben nicht.

Ich weiß auf jeden Fall, mit was ich dieses Jahr noch aufhören werde:

  • Ich werde mir keine Sorgen mehr machen. Ehrlich, ich hab keinen Bock mehr drauf. Kein Mensch weiß, was morgen passiert, also nützt jeder sorgenvolle Gedanken nichts und niemandem.
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  • Ich werde außerdem aufhören, mich für jeden Menschen in meiner Umgebung verantwortlich zu fühlen. Ich kann die Welt für niemanden in Ordnung bringen. Auch wenn ich das dieses Jahr oft so verzweifelt versucht habe. Doch das geht nicht. Es steht nicht in meiner Macht. Daher höre ich damit auf. Schluss damit. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.
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  • Ich werde damit aufhören alles allein schaffen zu wollen. Dieses Weihnachten hat mir gezeigt, wie wichtig und unersetzbar Frauenfreundschaften in meinem Leben sind. Geben und empfangen auf einer Ebene, die mich auftanken ließ. Mich zu öffnen und zuzugeben, dass ich Hilfe brauche oder nicht weiß, wie ich mit Situationen umgehen soll, hat mein Leben reicher gemacht. Was für eine Anmaßung zu denken, dass es überhaupt möglich ist, alles allein zu schaffen. Eine der größten Illusionen unserer Tage. Haken dran.

Normalerweise ist diese Zeit zwischen den Jahren eine gute Gelegenheit Pläne für das neue Jahr zu machen. Doch ich möchte dich dazu anregen, gleiches zu machen wie ich. Wir schleppen sovieles mit uns herum, das uns beschwert. Verhalten, das uns bremst und unglücklich macht. Gedanken die uns herunterziehen und jegliche Kraft nehmen.

Daher meine Frage an dich:

Mit was hörst du dieses Jahr noch auf?

Die Kunst um Hilfe zu bitten

Um Hilfe bittenIm Moment macht ein TED-Video von Amanda Palmer die Runde, in der sie über die Kunst des Fragens spricht. Fragen im Sinne von um Hilfe bitten.

Sie hat völlig recht damit, dass es uns nur zu oft schwer fällt um Hilfe zu bitten. Die einfache Frage zu stellen: “Können Sie mir bitte dabei helfen?”

Vielleicht geht es Ihnen da ähnlich wie mir, dass plötzlich Gedanken wie “kann ich die Hilfe denn wieder gut machen?”, “geh ich da nicht eine Verpflichtung ein?”, “falle ich damit jemandem zur Last?”.…durch den Kopf schwirren.

Bildquelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Sichtbar werden

Wir tun uns wirklich, wirklich schwer damit. Wir zeigen uns verwundbar, wenn wir um Hilfe bitten. Sind dann vielleicht doch nicht so stark nach außen, wie wir meist scheinen (wollen).

Wieso haben wir nur so oft das Gefühl, dass ein ehrlich gemeintes Danke für eine erfahrene Hilfe nicht reicht? Sind wir tatsächlich schon so auf Leistung gepolt, dass alles immer eine “angemessene” Gegenleistung haben muss?

Wie so oft weiß ich darauf auch keine zündende Antwort, sondern mir gehen immer mehr Fragen durch den Kopf. Was hält uns nur so sehr zurück beim um Hilfe bitten? Haben wir das Gefühl es nicht wert zu sein? Können wir uns einfach nicht vorstellen, dass uns jemand gerne helfen möchte?

Helfen heißt Interesse haben

Wer gerne hilft, ist in dem Moment an dem anderen interessiert. Nimmt Kontakt auf. Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Für diesen Moment. Und wenn es dabei z.B. um den schweren Koffer geht, den mir jemand dankenswerter Weise ins Gepäcknetz im Abteil hievt und dieser Moment vorüber ist, ist damit auch diese Gemeinschaft wieder gelöst.

Zurück bleibt das wärmende Gefühl von Dankbarkeit, dass mir – einfach so – jemand geholfen hat. Umgekehrt, wenn ich helfen konnte, nehme auch ich dieses kleine Glücksgefühl mit, jemandem helfen zu können.

Und ich sage Ihnen was, diese kleinen Geschichten, Momente die sich ergeben, in denen ich jemandem helfen konnte, bleiben mir in Erinnerung. Sie sind wie Landmarken in meinem Tag.

Denn genau in diesen Momenten bin ich wirklich da. Ich erlebe mich und mein Gegenüber. Wir teilen diesen Moment. Es liegt Lächeln in der Luft. Dankbarkeit und ein leichtes Gefühl das wie ein leises Lied noch nachklingt, wenn ich schon wieder in meinem Tag weitergegangen bin.

Helfen heißt Mensch-sein

Das macht mir immer wieder bewusst, wie sehr uns das ausmacht. Das ist für mich ein großes Stück Menschsein. In Kontakt treten und zusammen etwas meistern. Vielleicht kann der eine dazu gar nichts beitragen. Weil er es eben nicht kann. Doch das spielt keine Rolle. Mein Gegenüber ist trotzdem da. Wir haben für einen kurzen Moment etwas geteilt. Waren lebendig.

Und ich sage Ihnen noch was. Ich will davon wieder mehr in der Welt erleben. Mir wird unser Leben zu oft viel zu zynisch. Neid und Mißgunst wuchern wie Unkraut. Nicht zu helfen, weil einem selbst ja auch keiner hilft. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Mut haben

In den Medien werden Shows gepusht, die als Inhalt haben, Leute möglichst kreativ und herablassend fertig zu machen. Beim Fehlermachen erwischen wollen und die TeilnehmerInnen einfach mal schlecht aussehen zu lassen, weil das dem Publikum ja so gefällt.

Wer soll sich denn da bitte noch um Hilfe fragen trauen? Denn trauen muss man sich schon. Es kostet Mut, sich hinzustellen und zu fragen: “Magst du mir bitte mal helfen?”

Wann haben wir eigentlich damit aufgehört? Wann haben wir diesen Mut verloren? Was bringt uns dazu immer öfter wegzusehen, wenn jemand Hilfe bräuchte und um diese schon gar nicht mehr bitten kann?

Ungefragt zu helfen, kann als unerwünschtes Einmischen empfunden werden. Richtig. Doch ist nicht besser, einmal einen Rüffel zu bekommen und dafür bei vielen anderen Malen ein von Herzen kommendes Dankeschön?

Wunsch nach Menschlichkeit

Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann, dass wir wieder zulassen, menschlicher miteinander umzugehen. Damit riskieren wir verwundbar zu erscheinen. Wer um Hilfe bittet, ist in dem Moment nicht der große Macker. Doch auch der große Macker bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn er den Mut aufbringt um Hilfe zu bitten und sie auf der anderen Seite auch anzubieten.

Was mich noch zu dem wichtigen Gedanken bringt, dass es auf diese Frage um Hilfe auch immer sein kann, dass mein Gegenüber nein sagt. Und das ist natürlich sein gutes Recht. Auch wir haben das Recht dazu selbst zu entscheiden, ob wir helfen oder nicht. Das steht uns und jedem anderen Menschen zu.

Doch interessanterweise klafft das Verhältnis weit auseinander. Im Positiven. Sie werden weitaus häufiger erleben, dass Menschen helfen wollen. Denn in unserem Innersten wissen wir, dass das etwas Gutes ist. Dass es gut ist für den Menschen, dem wir helfen können und gleichermaßen gut für uns, weil wir für diesen anderen etwas tun konnten.

Zugehörigkeit ist essentiell

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir soziale Wesen sind, die das Gefühl der Zugehörigkeit brauchen. Ohne wirklichen, lebendigen Kontakt gehen wir vor die Hunde.

All das gehört für mich zum Gutsein. Gutsein im Sinne von menschlich sein. Wohlgesonnen anstatt zynisch. Offenen Herzens anstatt neidischem Mißtrauens.

Lernen Sie wieder um Hilfe zu bitten

Also lasst uns wieder lernen um Hilfe zu bitten. Und genauso Hilfe anzubieten. Sammeln Sie diese kleinen Momente, die Sie dadurch mit einem anderen Menschen teilen. Diese Verbundenheit, die uns mit Dankbarkeit im Herzen zurücklässt. Unser Menschsein lebendig erfahren lässt. Denn nach diesem lebendig sein hungern wir doch alle.

Daher fragen Sie. Fragen Sie um Hilfe. Auch wenn sich zunächst Unsicherheit breit machen mag. Seien Sie mutig. Sie werden dadurch wertvolle Momente erleben und die Tiefe des Lebens erfahren.

Wie geht es Ihnen mit dem um Hilfe fragen?

Ich bin glücklich mit mir!

Darf ich Sie mal was fragen? Sind Sie glücklich mit sich? Oder kommt Ihnen diese Frage komisch vor? Probieren Sie doch mal, wie dieser Satz für Sie schmeckt:

Ich bin glücklich mit mir!

Die Reaktionen darauf, die ich bekomme, sind zwar verschieden, doch der Tenor ist oft derselbe: Hä, ich verstehe die Frage nicht….Was’n das für für’s Quatsch……Keine Ahnung….Ähm, weiß ich grad nicht…..Manchmal….Hab ich mich noch nie wirklich gefragt….Nicht wirklich…..etc….

Bildquelle: pixelio/Rolf van Melis

Die Menschen, die mir darauf mit einem “Na klar!” antworten und das auch noch gefühlt ernst meinen, bewegen sich unter 1 %. Das ist doch mal interessant…

Sollten wir nicht zuerst mit uns selbst glücklich sein, bevor wir es mit jemand anderem sein können? Sollten wir nicht zuerst das Glück in uns finden und darum wissen und es nicht im Außen suchen? Sollten wir darüber nicht mal ernsthaft nachdenken?

Begeben wir uns gemeinsam auf eine Entdeckungsreise, ins Glück, das in uns beheimatet ist. Denn irgendwo in uns muss es ja wohnen.

Also noch mal von vorne. Am Anfang der Reise steht der Satz “Ich bin glücklich mit mir!” Was für Bilder, Emotionen und Gedanken steigen da in Ihnen auf? Lassen Sie sich einen Moment Zeit um all das wahrzunehmen. Vielleicht ist es Ärger, vielleicht Traurigkeit, vielleicht Angst, vielleicht Bedauern, vielleicht auch etwas ganz anderes. Was ist es bei Ihnen?

Packen Sie all das auf Ihre innere Merkliste und gehen bewusst in eine Beobachterrolle. Unter dem Motto “aha, so ist das also, das sind also meine Reaktionen auf den Satz ich bin glücklich mit mir” Keine Bange, wir stellen jetzt nicht die Frage nach dem Warum. Das ist selten bis nie zielführend.

Nein, wir sagen uns jetzt mal verschiedene Varianten des Satzes und schauen, was dann passiert:

  • Ich bin nicht glücklich mit mir.
  • Ich sollte nicht glücklich mit mir sein.
  • Ich darf nicht glücklich mit mir sein.
  • Ich kann nicht glücklich mit mir sein.
  • Ich will nicht glücklich mit mir sein.

Hm, bei welcher Variante spüren Sie den meisten Widerstand? Wie ist es z.B. mit dem Satz “Ich WILL nicht glücklich mit mir sein?” Viele Menschen spüren hier, dass Ihnen diese Formulierung gegen den Strich geht. Wieso sollte ich das nicht wollen? Und doch können wir dem glücklich sein mit uns nicht zustimmen. Irgendwas läuft doch da quer, oder nicht?

Lassen Sie uns einen Blick auf Ihre Familie werfen aus der Sie stammen. Gucken Sie aus Ihrer Beobachterrolle auf diese Menschen und fragen sich, wer von ihnen dem Satz “ich bin glücklich mit mir” zustimmen würde und wer nicht. Welche Reaktionen, Gedanken, Gefühle würden die Mitglieder Ihrer Familie ausdrücken? Wo erkennen Sie Parallelen zu dem, was Sie über sich selbst in dem Zusammenhang denken (siehe oben Ihre Merkliste)?

Meist gibt es in Familien eine gewisse Grundstimmung, die wir dann ungefragt übernehmen. Wie sollen wir auch als Baby irgendwas hinterfragen? Also werden wir erstmal geprägt auf das, wie es bei uns eben so ist. Und so eine Prägung ist schon was hartnäckiges.

Sobald wir beginnen in eine andere Richtung zu denken, reagiert der Körper mit Angst und will uns ganz schnell wieder dazu kriegen, auf den üblichen Kurs einzuschwenken. Denn wo kämen wir denn hin, wenn wir mit unserer Familientradition brechen und damit höchst unloyal würden? Nee, nee, das geht nun wirklich nicht…

Auch wenn das jetzt etwas flapsig formuliert erscheinen mag, so laufen Prozesse in uns häufig ab. Wir fühlen uns wohler in dem kaputten, alten Hausschuh und trauen uns nicht, einen schicken, neuen, bequemen auszuprobieren. Vor allem dann nicht, wenn uns vor Augen steht, dass unsere Familienmitglieder immer noch in den alten rumlaufen und uns die Reaktionen darauf Angst machen.

Daher entscheiden wir uns häufiger als uns das bewusst ist, dafür, nicht glücklich mit uns selbst sein zu wollen. Denn unsere Familienmitglieder könnten uns etwas nicht gönnen, wir könnten so dastehen, als ob wir jetzt was besseres/anderes wären. Es könnte so aussehen, als ob wir nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen. Wir könnten verspottet werden. Wir könnten geschimpft werden. Wir könnten ausgeschlossen werden.

Da ist nun guter Rat teuer. Wie soll das dann funktionieren, mit dem glücklich mit sich selbst sein?

Die größten Defizite, die wir als Erwachsene erleben, sind in den meisten Fällen nicht erfüllte Bedürfnisse aus unserer Kinderzeit. Die nicht gestopften Löcher des liebgehabtwerdens, des sich angenommenfühlens, des richtigseins und was es da sonst noch so an Lücken gibt. Doch unsere Kindheit ist vorbei, wie soll ich da noch groß was dran ändern?

Von Milton Erickson, dem großen Hypnotherapeuten, stammt der Satz

“Es ist nie zu spät eine schöne Kindheit gehabt zu haben.”

Klingt ein wenig seltsam, oder vielleicht doch nicht?

Fakt ist, unsere Vergangenheit ist vorbei. Doch das heißt noch lange nicht, dass wir das, was wir jetzt als Defizit erleben, auch weiterhin so fühlen müssen. Niemand kann uns dazu zwingen. Denn alles passiert in unserem Kopf.

Den Fehler, den wir allerdings machen, ist der, diese Bedürfnisse von jemandem von außen erfüllt zu bekommen. Wir suchen daher immer noch nach der Möglichkeit, das, was uns damals von Menschen gefehlt hat, auch jetzt von Menschen erfüllt zu bekommen. Doch das kann nicht funktionieren.

Denn es sind erstens nicht die, von denen wir uns das eigentlich wünschen und zweitens haben diese ebenfalls ihre Defizite, die dann mit unseren aufeinander prallen. Das öffnet Mißverständnissen und Streitereien Tür und Tor.

Gut, wenn nicht von anderen, dann bleiben nur noch wir selbst. Wir selbst sind in der Verantwortung und es ist unser Job für uns selbst gut zu sorgen. Die gefühlten Defizite für uns selbst auszugleichen.

Lassen Sie uns mit ein paar Fragen, des Rätsels Lösung näher kommen. Wenn Sie für sich merken, dass Sie in einer dieser Emotionen stecken, die das Glück in Ihnen verhindern, fragen Sie sich doch mal:

  • Was bräuchte ich jetzt, damit ich mit mir selbst glücklich wäre?
  • Was könnte ich jetzt für mich tun, damit ich mit mir selbst glücklich bin?
  • Was fehlt mir jetzt gerade, damit ich mit mir selbst glücklich bin?
  • Wie müsste ich mit mir selbst sprechen im Inneren, damit ich mich glücklich mit mir fühle?
  • Wie kann ich mich selbst jetzt gerade bemuttern?

Wir machen uns damit auf die Suche, nach dem, was dem Kind von damals gefehlt hat. Denn das fehlt uns heute noch. Uns fehlt keineswegs der neueste Mercedes, Computer, Kleiderschrank oder [hier Begriffe Ihrer Wahl einsetzen…]. Nein, Materielles fehlt uns, die wir in einer reichen Gesellschaft leben, wahrlich nicht. Es fehlt uns an Zuwendung, Zuspruch, Ermutigung, Liebgehabtwerden, Verlässlichkeit, Lachen etc.

Und das Kind in Ihnen, dass da etwas vermisst, braucht keine großen Aktionen. Nein, es geht schon mal darum, dass wir liebevoll mit uns sprechen. Das kleine Wesen, das in allen von uns wohnt, zu sehen und mitzufühlen, wie es ihm gerade geht. Es braucht in dem Moment unsere Fürsorge. Wir brauchen uns selbst. Unser Annehmen, unser Dasein, unser Trösten, unsere Verlässlichkeit.

Das hört sich alles aber komisch an, denken Sie vielleicht? Hm, das mag sein und es ist auch nichts, was man groß in die Zeitung schreiben würde. “Mann spricht mit kleinem Jungen in sich selbst. Frau nimmt kleines Mädchen in sich in den Arm.” Klar ist das erstmal abstrus und weit hergeholt.

Nichts destotrotz liegt hier Ihr Glück in Ihnen verborgen. Wenn Sie denken, dass Sie ja soo erwachsen sind, kaufe ich Ihnen das nicht wirklich ab. Wir allen haben Seiten in unserem Leben, da stehen wir absolut unseren Mann und unsere Frau. Keine Frage.

Doch jeder von uns war mal ein Kind. Jeder von uns hat eine Familiengeschichte, eine Prägung. Jeder und jede ohne Ausnahme. Das ist es, was uns Menschen wiederum so ähnlich macht. Äußerlich mögen wir noch so verschieden sein, in uns haben wir mit alle mit ähnlichen Mustern zu kämpfen.

Also machen Sie sich auf die Suche, nach dem, was Sie selbst jetzt gerade für sich und Ihr inneres Kind tun können, damit Sie immer mehr in die gefühlte Freude des Satzes

“Ich bin glücklich mit mir!”

gelangen. Von mir haben Sie alle Erlaubnis der Welt!

Krümel im Bett Folge 8: Wie wäre es, wenn Sie die beste Version Ihrer selbst wären?

Ein Gedanke, der mich immer mal wieder umtreibt. Nicht loslässt. Ein mentaler Krümel im Bett:

Bin ich die beste Version meiner selbst?

Um an dieser Stelle gleich den Leistungsfanatikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, nein, es geht nicht darum, der oder die Beste im Vergleich mit anderen zu sein. Das ist völlig am Ziel vorbei. Es geht um die beste Version von Ihnen selbst.

Bildquelle: Hans Heindl / pixelio.de

Was ich damit meine?

Nun, das ist einfach erklärt.

  • Wie oft reagieren wir in Situationen ungeduldig und harsch auf unsere Mitmenschen, obwohl wir auch anders könnten?
  • Wieso steigen wir immer wieder auf die gleichen Streitereien ein, die wir gefühlte 5.489x mit unseren Partnern schon durchexerziert haben?
  • Wieso scheint uns pünktliches Erledigen von Aufgaben nur unter Druck zu gelingen und schütten damit immer wieder den selben Druck- und Stresscocktail in uns aus?

Welche Version von uns sind wir in diesen Situationen? Wenn ich dabei an mich denke, geht es mir bestimmt nicht anders als Ihnen wahrscheinlich auch. Die beste Version von uns selbst sieht wohl anders aus.

Wieso eigentlich? Wieso verdonnern wir uns selbst zu dieser haarsträubenden Variante von ‘täglich grüßt das Murmeltier’?

Eine Antwort darauf kann sein, dass wir oft erst mitbekommen, dass wir das gleiche Programm wie immer abspulen, wenn der Zug schon voll in Fahrt ist. Wir kriegen es oft nicht bewusst mit, wenn wir diesen gewohnten Weg nehmen. Und einen fahrenden Zug aufzuhalten, ist nun wirklich keine leichte Übung…

Die andere Antwort darauf ist, dass eine gewohnte Reaktion bequem ist und uns keine Anstrengung im Sinne von mentaler Kontrolle abverlangt. Auch wenn die gewohnten Gefühle, die mit der gewohnten Reaktion einhergehen nicht unbedingt positiv sind.

Wenn wir am Ende verärgert, genervt, frustriert, gestresst sind, haben wir damit unsere gewohnten Empfindungen ausgelöst und uns sozusagen in unserem “so bin ich” bestätigt. Was sich in einem perversen Sinn richtig anfühlt, weil eben gewohnt.

Was tun?

Der erste Schritt die beste Version von sich selbst zu werden, ist in die Beobachterrolle zu gehen. Und das am besten in zweierlei Hinsicht.

Zum einen zu beobachten, ohne es zu kommentieren und werten, was da genau Ihnen passiert, wenn Sie merken, dass Sie ein gewohntes Muster abspulen. Was für Gedanken tauchen da in Ihnen auf? Welche Körperemfindungen? Nehmen Sie es aus der Distanz wahr.

Unter dem Motto: “Aha, das denke ich also bevor ich grantig werde…” Werden Sie zu Ihrem Detektiv, der beobachtet und sichtbar macht, was da in Ihnen vorgeht.

Die andere Beobachterrolle kann darin bestehen, Menschen bewusst wahrzunehmen, die in diesen für uns kritischen Situationen souverän, gelassen und vielleicht sogar völlig gegenteilig von uns reagieren.

Schauen Sie dort genau hin. Was machen diese Menschen anders? Wenn Sie die Gelegenheitheit haben, sprechen Sie sie darauf an, mit der Bitte erfahren zu dürfen, welche Gedanken sie in ihrem Inneren haben, wenn sie diese Situation angehen.

Bauen Sie sich ein für Sie passenden Rollenmodell auf. Sie suchen sich einen oder mehrere Menschen, die ein Verhalten zeigen, dass sie selbst gern hätten und schauen genau hin, was Sie daran gut finden. Denken Sie über diese anderen Handlungen und inneren Haltungen nach.

Sammeln Sie all das zusammen, wie der bereits erwähnte Detektiv, der Ihnen seinen Bericht vorlegt.

  • Was für Gedanken,
  • welche inneren Haltungen,
  • was für eine Grundemotion,
  • welche Formulierungen,
  • welche Körperhaltung braucht es für die beste Version Ihrer Selbst?

Und dann testen Sie all dies im Kopf. Spielen Sie die Situationen mental durch. Mit Ihren neu gewonnenen Erkenntnissen. Gehen Sie bewusst in eine Experimentierphase.

Das mentale Probieren ist stets die Vorbereitung auf das Reale. Je intensiver wir unseren Geist auf die beste Version unserer selbst fokussieren, umso größer ist die Chance des Gelingens.

Bleiben Sie auch zukünftig in der Rolle des Beobachters, Ihrem Detektiv. Nehmen Sie wahr, wie es Ihnen geht, wenn Sie das Neue in der Wirklichkeit anwenden.

Nehmen Sie wahr, was sich tut. Auch in Ihrem Gefühlshaushalt. Etwas Neues, das wir tun, beschert uns nicht unbedingt ein gutes Gefühl.

Wir mögen grundsätzlich keine ungewohnten Situationen und Verhaltensweisen, weil damit Ungewissheit und Unsicherheit zusammenhängen. Doch wie mein alter Mathelehrer immer schon meinte: “Von einfach hat auch keiner was gesagt….”

Und so mag uns das Erreichen der besten Version unserer selbst mühselig und unbefriedigend erscheinen. Doch tatsächlich ist es so, dass Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit die beste Version von uns selbst zum Vorschein bringen wird.

Sei die Veränderung, die du im Leben sehen willst.
(Mahatma Gandhi)

Wo wären Sie gern die beste Version Ihrer selbst?