Frühjahrsputz im Inneren – Wieso du deinen eigenen Emotionen nicht hilflos ausgeliefert bist

Frühjahrsputz im Inneren - Emotionsmuster regulieren lernenBeitrag lieber hören?

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Die letzten Beiträge haben sich viel um die äußere Ordnung gedreht. Denn die äußere Ordnung ist ein wichtiger, erster Schritt.

Wenn wir im Äußeren anfangen unsere Umgebung zu klären, kann sich auch unser Inneres klären. Wir können uns Schritt für Schritt daran machen in unserem Innenleben Ordnung zu schaffen.

Bist du wirklich wie du bist?

Interessant ist, dass wir oft denken, dass wir ein bestimmter Typ Mensch sind. Jemand der zurückhaltend ist, jemand der aggressiv ist, jemand der gern unter vielen Menschen ist, jemand der kreativ veranlagt ist.

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Und so geben wir uns selbst und anderen Labels. Diese Kategorien sind wie Schubladen, in denen wir die Menschen und auch uns selbst einordnen. Da gibt es die lustige Kollegin, den miesepetrigen Onkel, die neugierige Nachbarin, den weinerlichen Sohn usw.

Wir beschreiben uns selbst mit Schlagworten, wenn wir mit anderen zu tun haben. Doch ist das wirklich so? Sind wir so, wie wir das mit diesen Kennzeichen beschreiben?

Auch unsere Persönlichkeit scheint uns ziemlich festgefügt zu sein. So bin ich eben. Nimm es an und komm damit klar.

Auch andere “sind eben so”. Doch auch hier wieder die Preisfrage: Ist das wirklich so? Woraus speist sich unsere Identität und Persönlichkeit tatsächlich?

Was wäre, wenn wir gar nicht so sein müssen, wie wir denken, dass wir sind?

Wir sind geprägt von Kindheitserlebnissen, der Art und Weise wie man mit uns kommuniziert hat, den Erfahrungen die wir gemacht haben.

Das mag alles stimmen, doch ist es wirklich das Ende vom Lied? Sind wir dieser oder jener Mensch, wenn wir “ausgewachsen” sind und dann bleibt das bis zur Bahre so?

Ich bezweifle das. Und ich lade dich ein, das ebenfalls zu bezweifeln. Lass dich nicht davon einlullen, wie es jetzt ist.

Gewohnheiten sind unser unsichtbares Gerüst

Wir bestehen zum größten Teil aus Gewohnheiten. Wir machen die Dinge so, wie wir sie gewöhnt sind zu tun.

Das gilt auch für Gefühle. Wenn wir gewohnt sind ein Drama aus vielem zu machen, dann ist das unser Reflex, der automatisch abläuft. Wir haben uns das irgendwann angewöhnt. Mit allen körperlichen Reaktionen die dazugehören. Und denken, dass wir das SIND.

Doch nein, das sind wir nicht. Das ist ein gewohntes Emotionsmuster, das auf Knopfdruck (neudeutsch Trigger) abgespult wird. Das gilt für Aggressionsmuster, mauern, jammern, beschwichtigen genauso wie für Schadenfreude, Neid usw.

Dass das so ist, zeigt sich schon allein daran, dass nicht alle Menschen auf die gleichen Dinge neidisch sind, oder sich durch die gleichen Sachen angegriffen fühlen oder sich nicht durch die gleichen Situationen gestresst fühlen.

Ok, jetzt könnte das Argument ins Spiel kommen. Na das ist ja eben unterschiedlich, weil wir unterschiedlich sind. Doch wait a minute!

Ich gebe dir Brief und Siegel, dass du in ähnlichen Situationen auch nicht immer gleich reagierst. Wenn du z.B. sehr spät dran bist zu einem wichtigen Termin und dann irgendso einen Idioten vor dir hast, der einfach nicht vom Fleck kommt, dann kann es sein, dass der Knopf für ‘aggressiv werden’ bei dir gedrückt wird und du im Auto wie das HB-Männchen (falls du das noch kennst (; in die Luft gehst.

Wenn du ein anderes Mal unterwegs bist ohne jeglichen Zeitdruck und in Gedanken versunken, kann es sehr gut sein, dass dir dieser “Idiot” überhaupt nicht auffällt.

Gleicher Mensch, gleiche Situation, unterschiedliche Reaktion. Müsste nach der Theorie “ich bin halt so eine/r…” nicht immer das gleiche Programm ablaufen? Tut es aber nicht, weil es eine große Rolle spielt, wie unser Inneres beieinander ist.

Erkenne die Momentaufnahme

Das bedeutet, dass wir tatsächlich die Fähigkeit für ein großes Spektrum an emotionalen und physischen Reaktionen haben und uns nur zu häufig auf ein paar wenige reduzieren, wenn wir unter Strom stehen.

Also müsste man korrekterweise sagen: Im Moment ist es so, dass ich in Situationen in denen ich mich unter Druck fühle, die Tendenz habe aggressiv zu reagieren.

Gut, damit können wir arbeiten. Denn darin stecken viel mehr Variablen, als auf den ersten Blick sichtbar sind.

Zum ersten heißt es “im Moment”. Wir sind veränderbare Wesen und die hohe Plastizität (Formbarkeit) unseres Gehirns beweist jeden Tag, dass es auch grundlegende Veränderungen geben kann. Vielleicht nicht von heute auf morgen, doch wie vieles andere auch, stecken Lernprozesse dahinter.

Du kannst dir andere Gefühle angewöhnen

Ja, es lassen sich auch andere Emotionsmuster lernen. Denn genau das sind Emotionen. Muster, die wir gewöhnt sind und die automatisch ablaufen, wenn sie einmal gelernt wurden. Wir sind nicht dazu gezwungen auf ewige Zeiten eine Heulsuse zu bleiben oder werden kaum irgendwann an Lampenfieber sterben.

Ich weiß nicht wieso wir das Hirn immer nur auf Fakten auslegen. So als ob es nur emotionsfreie Dinge lernen könnte. Doch Emotionen sind ein Cocktail an Hormonen und getriggerten Gehirnverbindungen. Emotionen sind eine nervlich messbar ablaufende Reaktion. Unser Gehirn macht etwas und daraus entstehen fühlbare Emotionen.

Nicht umgekehrt. Die Emotion ist ein Produkt unseres Hirns. Und ja, es ist schwierig bis fast unmöglich noch zu einem preisgekrönten Olympiasprinter zu werden, wenn man mit 60 erst anfängt zu trainieren. Obwohl es erstaunlich ist, was unser Körper noch in jedem Lebensalter zu leisten vermag. Und ja, es kann auch sehr schwierig bis unmöglich sein, mit 80 noch programmieren zu lernen.

Wir haben unsere Grenzen. Unser Körper hat sie und auch unser Gehirn. Der Alterungsprozess fordert seinen Tribut und wir verbrauchen uns über die Jahre selbst.

Doch so wahr das auch alles sein mag, sollte es niemals als Ausrede dienen sich nicht dem Abenteuer zu stellen, seine eigene Emotionen regulieren zu lernen und als nächsten Schritt in gewünschte Bahnen zu lenken.

Lerne zu wählen wie du dich fühlen willst

Wir sind es, die erwünschte und unerwünschte Emotionen in Gang halten. Durch das was wir denken und tun. Jeder von uns quatscht sich selbst im Inneren von Zeit zu Zeit die Hucke voll, wenn man das mal so nennen will.

Jeder kennt diese Selbstgespräche in denen man in der Rückschau auf Situationen grübelt und grübelt und grübelt. Sich selbst anklagt oder auch andere, sich selbst bemitleidet, heruntermacht oder andere nicht so nette Sachen.

Mit diesem Vorgang sind zu 100 % folgende negative Emotionen verbunden: Frust, Traurigkeit, Neid, Aggression (aktive und passive). Zu 100 %. Es ist körperlich unmöglich sorgenvollen Grübeleien nachzuhängen und dabei gut drauf zu sein. Das geht nicht. Ist nicht möglich.

Das kannst du gern selbst mal ausprobieren.

Wir denken uns in Gefühle hinein. Sie sind eine Folge dessen, was mir durch den Kopf geht. Ob ich das bewusst wahrnehme oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Es ist wie ein Radioprogramm, das vor sich hin dudelt und dessen Musik eine bestimmte Stimmung verbreitet.

Emotionsmuster – Nimm wahr was passiert

Wenn wir aufmerksam werden auf unsere Gedanken und wirklich wahrnehmen in welchen Gefilden wir uns gerade befinden, dann haben wir den ersten Schritt gemacht um eine Richtungsänderung zu ermöglichen.

Dein Körper ist, was du isst und dein Geist ist, was du denkst.

Man mag mir dieses plakative Vereinfachen verzeihen, doch es zeigt den Kern dessen auf, um den es geht. Und den wir beeinflussen können.

Klar kann dem Körper viel passieren, was ihn nicht mehr gesund sein lässt, doch Ernährung wird in jedem Fall eine positive Rolle spielen können.

Gleiches gilt für unseren Geist. Wir werden nicht gedacht. Niemand pflanzt Gedanken in uns hinein. Das machen wir alles selbst. Genauso wie wir selbst essen. Wir sind es die denken und damit innere Prozesse in Gang setzen.

Wir haben über viel mehr Einfluss als wir denken. Nicht im Äußeren, sondern über uns.

Halten wir also fest, dass Emotionen eine Folge sind von etwas, das in unserem Hirn passiert. Klar gibt es körperliche Rückkopplungsschleifen und es ist immer alles komplex, doch letztlich ist das eine wichtige Wahrheit.

Emotionen scheinen mir zwar zu passieren, doch letztlich hat unser Gehirn etwas dafür gemacht.

Du kannst deine innere Welt verändern

Wenn wir also etwas anderes fühlen wollen als bisher, dann können wir dafür etwas tun. Wir sind unseren Emotionen keineswegs hilflos ausgeliefert. Das ist ein extrem wichtiger Punkt.

Allein diese Erkenntnis kann befreiend sein. Sie kann Möglichkeiten aufzeigen, die auf Dauer ein anderes Leben schaffen.

Emotionen entstehen aufgrund unserer Bewertungen einer Situation. Diese Bewertungen wiederum sind geprägt von den kindlichen Erfahrungen die wir gesammelt haben. Wer sich nicht die Zeit nimmt und klar macht, was in einer Situation tatsächlich passiert, wird immer wieder überrascht sein von der Heftigkeit der eigenen Gefühle.

Auch von der Unangemessenheit von Gefühlen, die überhaupt nicht zur Situation passen. Menschen, die sich restlos verlassen fühlen und nur noch weinen können in einem Disput in der Partnerschaft, erleben sich selbst als vollkommen hilflos und als Menschen, die nicht in der Lage sind zu streiten.

Doch wenn man diese Situationen näher anschaut und hinterfragt, landet man häufig in kindlichen Erinnerungen an Streitereien, z.B. dass die Eltern einen bei Konflikten in ein anderes Zimmer brachten und man dort allein bleiben musste.

Das ist es, was die Emotionen dermaßen dramatisch werden lässt auch noch im Erwachsenenleben. Das hat nicht unbedingt etwas mit der tatsächlichen Schwere der jetzigen Situation zu tun.

Wer sich auf die Suche macht, nach diesen grundlegenden Emotionsmuster, wird feststellen, dass er sehr häufig auf Kleinkindniveau agiert, wenn bestimmte Situationen als Trigger agieren.

Emotionen lassen sich üben

Diese Wahrnehmung und das Erkennen dessen – auch nachträglich – lässt einen immer leichter in eine innere Distanz gelangen. Durch diese Distanz ist es möglich zu erkennen, dass man gerade wieder dabei ist, in ein gewohntes Emotionsmuster hinein zu rutschen.

Als nächstes kann man im Trockendock überlegen, wie man denn stattdessen reagieren möchte und was einem dabei am besten helfen kann, ein anderes Emotionsmuster aufzubauen.

Manchmal mag das allein nicht gelingen, doch sich Hilfe zu holen ist ein kluger Schritt und keine Schwäche.

Emotionsregulation – wie der Fachausdruck dafür heißt – lässt sich lernen.

Es ist wie alles, wozu man sein Gehirn braucht. Etwas das man üben und trainieren kann. Niemand ist gezwungen dazu, seinen bisherigen Emotionsmustern treu zu bleiben. Niemand muss sich dem ergeben “wie er halt ist” denn das ist nur ein momentaner Zustand.

Dieser Zustand kann verändert werden. Das mag nicht ganz leicht sein, doch das ist wie mit vielen anderen gewohnten Dingen, man muss dran bleiben, wenn man eine Änderung erreichen möchte.

Das Ziel ist es, nicht mehr ausgeliefert zu sein, wenn Emotionen über einen hereinbrechen. Die Belohnung für diesen Umlernprozess ist groß.

Wer sich selbst als jemand erlebt, der mit den eigenen Emotionen besser umgehen kann, wird sich stärker fühlen, wird sich zuversichtlicher fühlen, wird sich selbstwirksamer erleben. Und das kann und wird das eigene Leben zum Positiven verändern.


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Wir knüpfen unser Wohlgefühl an Konsum – wieso das brandgefährlich ist

Wir knüpfen unser Wohlgefühl an Konsum

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Wieso haben wir eigentlich soviel Zeug?

Chaos entsteht dadurch, weil wir viel zu viele Sachen haben. Sachen, die sich anhäufen, für die es keinen guten Platz gibt und die sich wie von Geisterhand zu vermehren scheinen.

Wo kommt das bloß alles her?

Es kommt wohl kaum jemand und stopft damit unsere Wohnungen voll. Doch von draußen kommt es wohl rein. Wenn es nun niemand anderes ist, dann müssen wir es wohl selbst sein…

Wir bringen Dinge mit von Reisen, wie Souvenirs. Doch das allein kann es auch nicht sein. Da es ständig mehr wird, ist es wohl in unserem Tagesablauf verankert, dass wir jede Woche neue Sachen in unser Heim tragen und dafür nichts das Haus verlässt.

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1 + 1 = viel Zeug

Jetzt braucht man kein Meister-Mathematiker sein um zu begreifen, dass 1+1+1 am Schluss eine Summe ist, die immer mehr anwächst, wenn wir nicht mal irgendwann -10 machen.

Gut, also wir sind es, die Dinge kaufen und nach Hause bringen. Wir sind es auch die Dinge behalten, die wir schon haben und daher nichts oder wenig den umgekehrten Weg geht und wieder nach rausfliegt.

Doch wenn wir schon wissen, dass wir uns mit dem Ausmisten nicht leicht tun, warum machen wir es uns dann so schwer und tragen immer wieder neue Sachen heim?

Wieso kaufen wir immer wieder Neues?

Manches davon ist klar, dass es immer wieder neu gebraucht wird: Alles was wir verbrauchen. Lebensmittel, Hygieneprodukte. All das sind Dinge die wir verwenden, verbrauchen und die es danach nicht mehr gibt. Bis auf eventuellen Abfall, doch das ist schon wieder ein neues Thema.

Also sind es Dinge die wir nicht verbrauchen oder zumindest nicht in diesem schnellen Maß, die sich daheim anhäufen.

Schauen wir uns doch mal ein paar Kategorien näher an: Kleidung z.B. Die wenigsten von uns “brauchen” tatsächlich all die Kleidung die wir haben. Meistens platzen die Kleiderschränke aus allen Nähten, ebenso wie die Garderoben und Schuhschränke. Wir können gar nicht soviel anziehen, wie wir besitzen.

Wieviel ziehst du tatsächlich an?

Von den ganzen Sachen die wir besitzen, ziehen wir auch nur einen sehr geringen Teil an.

Das glaubst du nicht?

Es gibt eine sehr simple Möglichkeit das herauszufinden. Häng in deinem Kleiderschrank alle Bügel verkehrt herum hinein. Jedesmal wenn du nun ein Kleidungsstück heraus nimmst und anziehst, hängst du diesen Bügel wieder richtig herum hinein.

Nach 4 Wochen siehst du glasklar, was du aus deinem Kleiderschrank getragen hast und was nicht. Lass weitere 4 Wochen vergehen und dann hast du eindeutig vor Augen was du in den vergangenen 2 Monaten tatsächlich angehabt hast.

Nehmen wir davon eindeutige Saisonkleidung wie Shorts im Sommer und dicke Pullover im Winter aus, dann hast du damit einen klaren Stand der Dinge, die du in dieser Jahreszeit tatsächlich anziehst und welche nicht.

Lass uns auch besondere Kleidungsstücke wie einen sehr feinen Anzug oder ein Abendkleid ausnehmen, doch lass am besten die Bügel auch davon umgedreht, bis du sie tatsächlich einmal anziehst.

Wenn du das ein ganzes Jahr machst, dann siehst du in harten Fakten, was du ein Jahr lang nicht getragen hast.

Die meisten Menschen tragen max. ein Drittel der Kleidung regelmäßig, die sie besitzen. Nur ein Drittel! Davon sind solche Sondersachen wie oben beschrieben schon ausgenommen.

Zieh ich nicht an…

Von den Sachen, die wir nicht tragen, gibt es im Normalfall auch wiederum verschiedene Gruppen oder Kategorien. Zum einen ist das Kleidung die nicht mehr der Mode der Zeit entspricht. Zum anderen sind das Sachen, die noch wie neu sind und die wir kaum getragen haben. Die Kleidungsstücke gefallen uns dann daheim nicht mehr, wie fühlen uns nicht wohl darin, sie passen doch nicht wirklich, sind ein wenig zu klein, zu groß, zu eng, einfach unpassend.

Wir kaufen Kleidung und ziehen sie dann fast nie an. Wenn man darüber nachdenkt, ist das doch eines der bescheuersten Dinge die man machen kann, oder? Wir geben Geld aus, dass wir dann nicht mehr haben und nutzen das Gekaufte dann noch nicht mal.

Wenn wir im Geschäft sind und ganz ehrlich in uns hinein horchen, dann ist auch zu dem Zeitpunkt die Kleidung schon zu eng, zu weit, wir fühlen uns nicht ganz wohl drin, der Stoff ist zu unangenehm usw.

Zieh ich gern an

Das wissen wir deswegen so genau, weil es uns bei Lieblingsstücken genau anders herum geht. Wir fühlen uns sofort wohl darin, uns geht es gut darin, wir haben das Gefühl, dass es genau passt und genau zu uns passt.

Diesen Unterschied kennt jeder von uns. Trotzdem kaufen wir Kleidung die nicht genau diesem Standard entspricht. Wieso nur? Was passiert in uns?

Oder sollten wir eher die Frage stellen, aus welchem Grund wir überhaupt kaufen?

Kaufen = es geht mir besser?

Etwas zu kaufen, bedeutet ein Bedürfnis zu befriedigen. Aus welchen Bedürfnissen heraus kaufen wir z.B. Kleidung? Nüchtern betrachtet dürfte es nur den Grund geben, weil wir etwas benötigen. Wenn wir keinen Wintermantel haben und es kalt ist in der Gegend in der wir leben, macht es Sinn einen zu kaufen. Wir befriedigen also das Bedürfnis uns wärmen zu wollen.

Doch wenn wir ehrlich sind, kaufen wir Klamotten aus ganz anderen Gründen. Wir wollen darin gut aussehen und dieses „gut aussehen“, soll wiederum den tieferen Bedürfnissen Genüge tun wie: einen guten Eindruck machen, ein Image pflegen, attraktiv auf das andere Geschlecht wirken, erfolgreich sein. Setz hier einfach ein, was dir sonst noch für Attribute durch den Kopf gehen.

Kleider machen Leute. Dieses Statement ist uralt und scheint nichts von seiner Kraft verloren zu haben. Wir beurteilen Menschen nach dem Äußeren. Das geht in Sekundenbruchteilen und hat nicht unbedingt etwas mit Objektivität zu tun. Es ist ein erster Eindruck und der wird nun mal auch davon gebildet, wie sich ein Mensch kleidet.

Was erhoffen wir uns tatsächlich durch Konsum?

Gut, wir wollen verschiedenste Bedürfnisse mit dem Kauf befriedigen. Das erklärt jedoch noch nicht ganz, wieso wir Kleidung kaufen, die wir später nicht mehr tragen, weil sie eben doch nicht das ist, in dem wir uns 100 % wohl fühlen.

Also muss es noch eine andere Ebene geben, die uns hier in die Quere kommt. Wie ist es mit dem Gefühl aus dem heraus wir überhaupt auf die Idee kommen jetzt etwas kaufen zu wollen?

Der Begriff Frustkauf ist wohl allgemein bekannt. Doch mal ehrlich wie kommt man nur auf die Idee, dass Frust weggeht, wenn wir etwas kaufen? Es muss wohl etwas mit Belohnung zu tun haben. Wir kaufen Dinge in der Hoffnung, dass es uns danach besser geht. Und das muss nun keineswegs nur Kleidung sein. Deko, Essen, Technikkram, setz ein, was dir noch dazu einfällt.

Shopping ist etwas, was von manchen Menschen tatsächlich als eine Beschäftigung angesehen wird, die einem gut tut. Der Vorgang des Kaufens wird hier zu etwas, was einem Hobby gleicht. Die Jagdlust auf das Schnäppchen, die Lust etwas Schönes zu erwerben, der Reiz der darin liegt zu stöbern, all das kommt zusammen und lässt uns mit dick gefüllten Einkaufstüten nach Hause gehen.

Und dann haben wir all die neuen Sachen daheim. Doch nach dem Gesetz des Kleiderschranks wird davon 2/3 nie wieder das Licht der Welt erblicken, sondern in den Tiefen des Schrankes verschwinden.

Die falsche Bedeutung des Kaufens

Die Kleidung hat ihren Zweck erfüllt, als sie uns den Thrill des Findens vermittelt hat. Uns abgelenkt hat von einem frustrierenden Arbeitstag, uns das Gefühl vermittelt hat, dass wir etwas Besonderes sind nach einem Streit mit dem Partner.

Dem Kauf wird hier eine Bedeutung zugewiesen, die er gar nicht haben kann. Wir versuchen wiedermal unangenehme Gefühle zu bekämpfen, in dem wir im Außen etwas suchen, das uns ablenkt und das vermeintlich das Gefühl der Besserung verspricht.

Doch wie wir letztlich alle wissen, können Einkäufe nicht wirklich etwas an unserem Gefühlsleben ändern. Emotionen sind wie das Wetter. Sie kommen und gehen. Einen Vorgang wie Geld ausgeben daran zu knüpfen um das Wetter quasi damit zu bereinigen ist nicht besonders schlau.

Konsum = Wohlgefühl?

Es führt dazu, dass wir ständig Lösungen durch Dinge suchen. Wir verknüpfen unser Wohlgefühl dadurch an Konsum.

Doch Dinge sind nicht die Lösung. Wir werden das nächste Mal wieder in für uns frustrierende Situationen geraten, Streitgespräche erleben, einen stressigen Tag haben. Der Einkauf hat nichts langfristig geändert. Er hat uns nur eine Menge an Dingen mehr gebracht, die wir nun daheim haben.

Auf der anderen Seite geht es keineswegs darum jeglichen Konsum einzustellen und nur noch das zu kaufen, was man wirklich unbedingt braucht. (auch wenn das für eine Weile gar keine schlechte Idee ist, zeigt es auf, wie wenig wir tatsächlich brauchen)

Kaufe aus den richtigen Gründen

Es spricht nichts dagegen, dass wir uns selbst mit Dingen eine Freude machen. Doch das sollte aus dem richtigen Ansatz heraus geschehen. Und vor allem mit dem richtigen Ergebnis. Wenn wir Kleidung kaufen, dann ist das einzige Kriterium was wirklich zählt: fühle ich mich so wohl damit, dass ich die Sachen am liebsten gar nicht mehr ausziehen möchte.

Wir alle haben Dinge gekauft, die so la-la gepasst haben. Die schon OK waren. Die unter dem Motto liefen “ach das passt jetzt schon” und dann hängen sie im Schrank.

Doch die Sachen dir wir ständig anhaben, mögen wir wirklich. Ob das nun jemand anderem gefällt oder nicht, sollte ebenfalls kein Kriterium sein. Wir tragen die Kleidung, wir spüren sie an unserem Körper. Wir können sofort sagen, ob das ein Lieblingsstück werden wird oder nicht.

Auch wenn wir Dinge für unsere Wohnung kaufen, sei es Geschirr, Deko oder anderes. Wenn wir ganz bewusst darauf achten, aus welchen Gründen wir diese Sache gerade kaufen wollen. Allein nur das bewusste darüber nachdenken, kann uns klar machen, dass es jetzt aus einer Laune heraus passiert. Dass ein sog. Impulskauf im Raum steht, der uns ein angenehmes Gefühl machen soll und damit ein unangenehmes Gefühl übertünchen.

Sei dir deiner Bedürfnisse bewusst

Diesen Moment der Wahrnehmung braucht es. Das kann schon reichen. Es ist, als ob man den Vorhang vorzieht um zu sehen, was dahinter liegt. Wieso möchte ich das jetzt kaufen? Was genau verspreche ich mir davon? Welches Bedürfnis will ich mir gerade erfüllen?

Wusstest du, dass viele Käufe nicht mehr getätigt werden, wenn man sie verschiebt? Wenn man sich die Sachen zurücklegen lässt und nicht gleich mitnimmt, sondern erst für den nächsten Tag nochmal aufschiebt?

Nachdem was wir in diesem Artikel alles schon besprochen haben, ist das nun wiederum einfach zu erklären. Am nächsten Tag fühlt man sich häufig anders. Das Wetter der Emotionen hat sich geändert. Damit auch das Bedürfnis oder der impulsive Wunsch aus dem heraus man etwas kaufen wollte.

Wenn man diese Erfahrung einmal gemacht hat, dass sich etwas an einem Tag wie ein “das muss ich unbedingt haben” anfühlt und am nächsten Tag wie ein “ach ist ja wirklich ganz nett, aber muss nicht unbedingt sein” der wird künftig aufmerksamer werden, wenn er wieder wie aus den Reflex den Geldbeutel zückt um etwa Neues zu erwerben.

Lass dir nicht von deinen eigenen Emotionen das Geld aus der Tasche ziehen. Lass dich nicht verführen von Werbung, Verkäufern oder Einkaufsbegleitern. Wenn du dich schwer tust, dann verschieb den Kauf.

Mach dir bewusst, in welchen Situationen du dazu neigst neue Dinge zu erwerben. Was genau ist der Auslöser dazu? Welche Gefühle bringen dich dazu Impulskäufe zu tätigen?

Lern deine Wetterlage kennen

Werde zu einem Detektiv deiner Wetterlage. Und dann überleg dir, was du “bei Regen” machen kannst, außer dir etwas Neues zu gönnen, dass dir helfen soll, dass es dir besser geht.

Was für einen metaphorischen Regenmantel könntest du stattdessen nutzen? Vielleicht hilft einfach ein Gespräch mit einer lieben Freundin? Oder mach einen flotten Spaziergang um deine Emotionen im wahrsten Sinne zu bewegen und damit zu verändern?

Überleg dir Lösungen für die Probleme um die es tatsächlich geht. Entkoppel deine Gefühle vom Konsum.

Damit tust du dir selbst etwas Gutes, deinem Geldbeutel und deiner Umgebung. Die nicht mehr noch mehr Dinge aufnehmen muss, mit denen du schlussendlich wieder umgehen musst.

Du besinnst dich damit wieder deiner tatsächlichen Bedürfnisse und lernst für dich zu sorgen. Du wirst dir deiner eigenen Veränderungskraft bewusst und hörst auf dich mit Konsum glücklich machen zu wollen. Denn wenn das Glück nicht in dir ist, ist es nirgends. Du bist der Mensch der deine Bedürfnisse erfüllen kann, nicht die Dinge.

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Serie in 3 Teilen: Ihre unternehmerischen Aktivitäten im Netz – was bringt wirklich was?

Aus aktuellem Anlass möchte ich mit dieser 3teiligen Serie ein paar Grundfragen aufnehmen, die bei Vorträgen und Beratungen immer wieder eine Rolle spielen. Es geht dabei um basics, die den Unterschied ausmachen, zwischen Internetseiten die gut ankommen und welchen die mehr oder weniger vor sich hin dümpeln.

Wir User, die das Internet täglich nutzen, sind uns über manche Mechanismen nicht bewusst im Klaren und doch folgen wir häufig bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Wer sich diese zunutze macht, erleichtert nicht nur den Nutzern das virtuelle Leben, sondern wird auch selbst davon profitieren, wenn das eigene Unternehmen im Netz dargestellt wird.

Bildquelle: Gerd Altmann  / pixelio.de

  • Der erste Beitrag wird sich mit dem „emotionalen Internet“ beschäftigen und was das mit dem Design von Webseiten zu tun hat. Wir sind nicht nur im wirklichen Leben zu einem großen Teil auf Autopilot unterwegs, sondern genauso in der virtuellen Welt und das wirkt sich in unserem Surfverhalten aus.
  • Im zweiten Beitrag werden wir uns mit dem Schlagwort „Content is king“ auseinandersetzen und die Frage stellen, was das wirklich konkret heißt.
  • Und im dritten und letzten Beitrag der Serie kommen wir zum „Social Media Gedöns“ und werden beleuchten, was davon für Unternehmen sinnvoll sein kann.

Wenn Sie in den Texten Anregungen finden, ist das Ziel erreicht. Schreiben ließe sich darüber ein Roman, doch mir ist es ein Anliegen, mich auf wenige, zentrale Punkte zu konzentrieren, die jedes Unternehmen im Internet umsetzen kann. Es geht auch ein Stück um ein Bewusstwerden, wir wie uns inzwischen im Internet bewegen und was für Kriterien wir dort für Kompetenz ansetzen.

In den nächsten Tagen geht’s los.