Digital free – Zeit ohne Technik

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Quelle: pixabay

Digital free, geht das überhaupt noch in unserer technikbasierten Welt? Vielleicht für die immer seltener werdende Spezies, die kein Smartphone besitzt?

Tech Shabat und abkoppeln vom Netz

In der Online-Welt gab es inzwischen immer wieder mal den dringenden Appell offline zu gehen. Was in Experimenten mündete bei denen Journalisten und Autoren sich komplett vom Internet nahmen für eine gewisse Zeit.

Das das kann auch nicht des Rätsels Lösung sein. Denn wie sich nach Ende dieser Selbstversuche gezeigt hat, ist alles schneller wieder beim Alten, als man Breitbandverbindung sagen kann.

Wie lässt sich digital free umsetzen?

Wie so oft liegt wohl die gute Lösung in einem pragmatischen Weg und dem Aufbau von Gewohnheiten.

Gewohnheiten die sich ins Leben integrieren lassen. Sich komplett vom Netz zu nehmen mag für Wenige funktionieren, doch für die Mehrzahl von uns die das nicht praktikabel.

Wenn also ALLES nicht geht und NICHTS zu wenig ist, bleibt uns noch ETWAS. Etwas, das wir tun können. Für mich ist das digital free sein an bestimmten Zeiten die Lösung dafür.

Ein Erfahrungsbericht über den Digital Shabat

Die liebe Margit hat mich mit ihrem Beispiel und den daraus gewonnenen Erfahrungen angesteckt. Sie praktizierte in der Fastenzeit den digital free shabbat und ging von Freitagabend bis Samstagabend für 24 Stunden offline und war digital free.

Ihre Erfahrungen machten mir Mut, das auf jeden Fall auch einmal auszuprobieren. Und auch wenn ich mir kaum vorstellen konnte, wie ich als “heavy user” das schaffen sollte, war genau das der Grund es zu machen.

Die Lösung muss zum Leben passen

Da der Samstag bei mir oft arbeitsreiche Online-Zeiten sind, wäre dieser Weg für mich mehr Schmerz als Gewinn gewesen. Meine Überlegungen haben mich schließlich zu meiner momentanen Lösung geführt: jeden Montag bin ich bis 13 Uhr offline und digital free.

Das bedeutet keinerlei technischen Geräte wie TV (den ich ja sowieso nicht nutze), kein PC, Smartphone, Tablet, Radio und sonstiger technischer Kram wird genutzt.

Was für ein Start!

Die Woche auf diese Weise zu beginnen, verschafft mir eine Verschnaufpause in der Hektik und Schnelllebigkeit. die die Online-Welt oft darstellt.

Es ist vom ersten Moment an eine so große Erleichterung in mich eingezogen.

Ich muss auf nichts reagieren, muss keine Probleme lösen, kann mich in meinem Tempo um Dinge kümmern, die mir in meinem Umfeld am Herzen liegen. Denn das war etwas, das ich damit verbunden habe.

Und was genau mach ich jetzt in dieser digital free Zeit…?

Ich wollte in manchen Bereichen des Hauses Ordnung schaffen. Das tun, wozu sonst immer keine Zeit ist. Ich wollte wieder etwas mit meinen Händen schaffen.

Ebenso Zeit haben in Ruhe über Dinge nachdenken zu können. Denn ganz ehrlich, wann haben Sie das letzte Mal wirklich Zeit gehabt, sagen wir zwei Stunden, um ein wichtiges Themen in Ihrem Leben durch zu denken, es zu Ende zu denken?

Wie lang können wir wirklich noch gedanklich bei einer Sache bleiben?

Sind wir dazu überhaupt noch fähig? Oder haben wir es komplett verlernt, ohne Ablenkungen länger wie 10 Minuten gedanklich bei einer Sache zu bleiben?

Wenn Sie allein der Gedanke daran nervös macht, sich für ein paar Stunden nur mit einem Thema zu beschäftigen, sind Sie wohl auch dem Syndrom unserer Zeit verfallen, möglichst viel, in möglichst wenig Zeit zu erledigen.

Was hat mir das Abkoppeln bis jetzt gebracht?

Ich praktiziere diese digital free Vormittage nun bereits einige Monate und möchte sie auf keinen Fall mehr missen. In dieser Zeit habe ich meinen halben Keller entrümpelt, Bücher aussortiert, viele Texte geschrieben und vage Pläne in eine konkrete Umsetzung gebracht.

Das Gefühl wieder Herrin über diese Zeit zu sein, die bewusste Langsamkeit und das Dranbleibenkönnen an für mich wichtigen Themen hat Ruhe einkehren lassen.

Auch manches wieder in die richtige Perspektive gerückt. Etwas, das mir durch die Vielzahl an Eindrücken, Impulsen auf die man reagieren sollte und Wahlmöglichkeiten sich in der Online-Welt zu beschäftigen doch immer wieder abhanden kommt.

Check: Stimmt die Richtung noch?

Und so werden diese digital free Stunden ein stetes neu Kalibrieren und Bremsen. Ein immer wieder Innehalten und Neuausrichten, auf das was tatsächlich wichtig ist. Und das ist weitaus weniger, als wir immer denken.

Eine Zeit, um mich mit meiner Umgebung, meinen Gedanken und dem Jetzt, immer wieder zu verbinden. Damit wieder in mir zu Hause zu sein. Denn so wertvoll die Online-Welt und alle elektronischen Gerätschaften auch sind, sie entfernen uns von uns selbst.

Entfremdung von mir und von anderen

Fernsehen z.B. hat häufig die Aufgabe, die Menschen zu entspannen, “runterkommen” wird das auch genannt. Doch das ist eine Illusion. Es dient bei vielen der Betäubung um sich eben nicht mehr selbst denken zu hören, sich nicht mehr wahrnehmen zu müssen.

Wo führt das hin?

Wer sich selbst nicht mehr spürt und sich nicht seiner selbst bewusst ist, verliert diese Fähigkeit auch gegenüber seinen Mitmenschen. Eine schleichende Entfremdung von uns und anderen führt zu einer Welt ohne Mitgefühl.

Wenn ich mich so umsehe, dann scheint mir dieser Virus bereits weit fortgeschritten.

Der Weg zum Glück

Die Technik und die Schnellebigkeit unserer Tage sind nicht unbedingt das Problem. Unser Umgang damit ist es. Besser gesagt, der fehlende Umgang damit.

Das rechte Maß zu finden ist in allen Zeiten der Schlüssel zum Glück und einem zufriedenen Leben gewesen. Daran hat sich auch heute nicht viel geändert.

Der Bogen mag weit gespannt sein, doch wagen Sie das Experiment sich eine feste Zeit für Stunden ohne Technik zu nehmen. Kommen Sie sich in dieser Zeit selbst auf die Spur, verwirklichen Sie Projekte die Sie schon lang mal machen wollten und verlangsamen damit Ihr Leben.

Das mag anfangs eine große Herausforderung sein. Doch wenn Sie diesen Weg weiter gehen, werden Sie in kurzer Zeit die wertvolle Wirkung spüren. Und ist ein Leben, das wir wahrhaft wahrnehmen, nicht das reichste Leben das man sich wünschen kann?

Anleitung für digital free Zeit

Beginnen Sie mit 1 Stunde digital-free. Legen Sie

  • einen bestimmten Wochentag
  • und eine feste Uhrzeit dazu fest. z.B. jeden Sonntag von 10 – 11 Uhr
  • und überlegen Sie sich ein Projekt, dass Sie in dieser Stunde vorwärts bringen möchten. Oder Sie entscheiden sich für Lesezeit oder für einen Bereich in Ihrem Heim, den Sie schon lange mal entrümpeln wollten.

Das konkrete Vorhaben hilft Ihnen die Freude auf die digital-free Zeit zu steigern. Sie werden erleben, dass bereits dieser erste Schritt Ihnen das Gefühl geben kann, wieder Herr/in über die Zeit zu sein.

Wenn Sie einmal bewusst erfahren, wie viel Sie in nur einer Stunde schaffen, weil Sie an einer Sache dran bleiben können, werden Sie es immer wieder haben wollen.

Sobald Sie damit einen Monat verbracht haben, steigern Sie auf 2 Stunden und machen die Erfahrung wie sich die Kraft der bewussten Entscheidung auf die Fokussierung einer Sache entfaltet. Sie werden schnell die Befriedigung spüren, die sich daraus ergibt.

Und los geht’s!

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PS:
Dieser Artikel ist übrigens letzten Montag in meiner digital-free Zeit entstanden. Selbstverständlich von Hand auf Papier geschrieben 🙂

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PPS:
Und ich kenne alle Gründe, warum es nicht geht, sich pro Woche auch nur ein Stündchen auf diese Weise aus den Rippen zu schnitzen. Machen Sie’s trotzdem.

Denken Sie mal so: Für was werden Sie am Ende Ihres Lebens dankbar sein: Wenn Sie stets online, erreichbar und busy waren? Oder wenn Sie ein paar Stunden Ihres Lebens wichtige Projekte vorwärts bringen konnten und dabei wirklich bei sich waren?

Think about it.

Rezension – Think Content! von Miriam Löffler

Think Content! - Miriam LöfflerContent ist DAS Buzz Word der letzten Jahre. Es ist wohl inzwischen fast überall hin durchgedrungen, dass die Inhalte das Web ausmachen. Im gleichen Atemzug ist eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht worden, die sich das Thema Content zur Brust genommen haben. Was unterscheidet nun Think Content! von all diesen Werken?

Kennt man das nicht alles schon?

Hat man das nicht alles schon gelesen? Ja und nein. Ja, im Sinne von es gibt die meisten der Informationen dieses Buches verstreut auf Blogs, Whitepapers, Bücher. Und nein, denn diese umfassende Zusammenstellung ist die komplette Straßenkarte inkl. Navigationsgerät zum Thema Content.

Das ist nicht zu viel versprochen, denn was dieses Buch am besten kann, ist den großen Überblick mit sofort praktisch umsetzbaren Aufgaben zu verbinden und das auch noch in einer äußerst sinnvollen Reihenfolge.

Content-Strategie ist die Eingabe des Zielortes

Wo beginnen lautet oft die Frage, wenn es um Content geht. Und das Buch beginnt mit dem Kapitel Contentstrategie. Darin findet sich die Anleitung zu einem Content-Audit, das für Experten und Laien gleichermaßen einen Leitfaden bietet, den Sie direkt sofort abarbeiten können. Entweder um bestehende Webseiten zu analysieren und neu auszurichten oder um ganz von vorne anzufangen.

Sie lernen außerdem in diesem Kapitel Vorgehensweisen zur Content Planung kennen und wie sich ein Content Workshop mit verschiedenen Abteilungen durchführen lässt. Der Content-Produktion ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Und hierin werden spätestens all denjenigen die Zähne gezogen, die immer noch denken, ach das bißchen texten das läuft doch irgendwie mit.

Content-Marketing das Planen der Route

Im 2. Teil – Content Marketing – wird das Augenmerk auf das Finden der Zielgruppe gelegt. Etwas das immer noch unterschätzt wird. Sie müssen in die Köpfe und Herzen Ihrer Zielgruppe eintauchen um zu verstehen, was und mit welchen Worten auf fruchtbaren Boden fallen wird, sprich gelesen und geteilt wird.

Storytelling ist schon ganz schön abgenudelt, doch ohne gute Geschichten in denen wertvoller Content eingebettet ist, gewinnt man auch zukünftig keinen Blumentopf.

Content haben ist nun das eine und ihn unter die Leute bringen das andere. Auch dafür werden Sie an die Hand genommen und können den angebotenen Straßen und WEgen einfach folgen um die für Sie optimale Strecke beim Content-Marketing zu finden. Gespickt mit vielen Beispielen und konkreten Vorschlägen ist dieser Teil des Buches das wertvolle Herzstück.

Content-Texte sind das Gepäck für die Reise

Der 3. Teil befasst sich mit dem Thema Webtexten. Dass es irgendwie anderes ist, als das Texten für eine Broschüre ist meistens klar, doch wie genau es dann auszusehen hat schon viel weniger. Doch hier kommt Licht ins Dunkel. Mit dem Beginn des Text-Briefings führt uns die Reise tief ins Wissen und Anwenden von Texter-Regeln. Zahlreiche Tools werden vorgestellt die die Arbeit erleichtern.

Aufgedröselt in Bereiche wie Texte für eCommerce, Online PR und weitere findet wohl jeder etwas, das gerade in der eigenen Firma dran ist. Wie auch in allen anderen Kapiteln sind hier wertvolle Checklisten beigefügt, die sicherstellen, dass nichts wichtiges vergessen wird.

Fazit: Think Content!

Selten gibt es zu einem Thema so etwas wie ein Kompendium, das für Einsteiger und Experten gleichermaßen wertvoll ist. Think Content! ist für mich das Werk, das ich am liebsten mit den Worten weiterempfehle:

Das ist DIE Content-Bibel! Lies es, setze es um und du hast alles was du brauchst.