Unternehmenspleiten durch autoritäre Führung?

An dieser Schlagzeile bin ich gestern hängen geblieben:

Autoritäre Manager verursachen Pleiten

So titelt das Handelsblatt und bezieht sich dabei auf eine Untersuchung des Kreditversicherers Euler Hermes und der Universität Mannheim. Der Grund für die Studie war herauszufinden, worin die Gründe für die immer noch sehr hohe Zahl für Unternehmensinsolvenzen liegen. Die repräsentative Studie brachte folgendes zum Vorschein:

Die befragten Insolvenzverwalter sind sich einig, dass in der Regel nicht nur ein Faktor, sondern ein ganzes Bündel an Ursachen für den Zusammenbruch eines Unternehmens verantwortlich ist. An erster Stelle stehen:

  • 79 % Fehlendes Controlling
  • 76 % Finanzierungslücken
  • 64 % unzureichenden Debitorenmanagement
  • 57 % autoritäre, rigide Führung

Dann folgen

  • 44 % ungenügende Transparenz und Kommunikation
  • 42 % Investitionsfehler
  • 41 % falsche Produktionsplanung

Unterschiede treten vor allem bei der Größe der betroffenen Unternehmen auf. Auffällig ist dabei, dass vor allem inhabergeführte Betriebe verspätet Anträge auf Insolvenz stellen. Das hat vor allem psychologische Gründe:

95 % der Befragten haben Angst vor Bloßstellung vor Bekannten und in der Branche

Außerdem sind fehlende betriebswirtschaftliche Kenntnisse typisch für inhabergeführte Unternehmen. Meist liegt das darin begründet, dass sich hier sehr gute Fachleute selbständig gemacht haben, denen jedoch das betriebswirtschaftliche Knowhow fehlt.

Aus dieser Studie lassen sich nun die verschiedensten Schlüsse ziehen. Zum einen, dass vor allem bei finanziellen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen noch großer Nachholbedarf steht. Zum anderen jedoch kommen hier wieder sehr menschliche Züge zum Vorschein. Und diese spiegeln für mich im Großen wie im Kleinen wider, wie hierzulande über Fehler und Schwächen gedacht wird.

Noch einmal zum Mitdenken: 95 % geben an, dass sie aus Angst vor Bloßstellung zu spät um Unterstützung bitten. Also im Prinzip fast jeder Betroffener.

Woran liegt das? Wieso kommt das schon fast einem persönlichen Knock Out gleich, wenn man nicht mehr weiter weiß und darum um Unterstützung bittet? Werden wir denn wirklich immer mehr zu Einzelkämpfern, für die das Image der Wertemaßstab ist? Und wenn dieses Bild nach außen zu bröckeln anfängt, Risse bekommt, auch gleichzeitig unser ganz persönlicher “Mensch-Wert” den Bach runtergeht?

Sollte es nicht möglich sein, ohne Befürchtungen seinen Weg zu gehen auch und vor allem in geschäftlichen Dingen? Um Hilfe zu bitten, hat etwas mit Mut zu tun und nicht mit Schwäche. Dadurch kann ich wachsen und lernen. Und dieses Umdenken würde uns gut tun. Im Kleinen wie im Großen.

Wenn ich nun noch einmal auf die oben angeführten Ursachen zurückkommen, dann haben die ersten drei mit den fachlichen betriebswirtschaftlichen und systematischen Lücken im Unternehmen zu tun. Diese lassen sich am schnellsten durch Wissenserwerb schließen.

Wie steht es jedoch mit dem Punkt 4? Autoritäre und rigide Führung spielen zu 57 % eine Rolle bei Unternehmenspleiten. Ich hab mal schnell mein Fremdwörterbuch befragt, was es denn genau zu “rigide” zu sagen hat. Und dabei habe ich eine interessante Auflistung gefunden:

Ri|gi|di|tät die;
a) Unnachgiebigkeit; b) Unfähigkeit, sich wechselnden Bedingungen schnell anzupassen (Psychol.).

Eine Führung die dazu neigt, unnachgiebig zu sein und sich als unfähig erweist, sich wechselnden Bedingungenen schnell anzupassen, ist doch eigentlich schon fast ein Relikt, oder…? Was steckt hinter solchen Verhaltensweisen? Kein Mensch macht ja etwas umsonst, wie wir aus der Psychologie seit langem wissen. Was könnte also der Benefit sein?

Meine These ist eine sehr menschliche: Wer generell zu einem solchen Verhalten neigt, hat häufig Angst die Kontrolle zu verlieren. Oder anders ausgedrückt, viele dieser Menschen brauchen die Kontrolle um ein inneres sicheres Gefühl aufzubauen “ja, ich hab alles im Griff, es ist alles gut”. Das zeigt sich auch häufig darin, dass vieles lieber selbst gemacht wird, bevor es delegiert wird. Wahre Verantwortung nur sehr ungern aus der Hand gegeben wird, da sich sonst das “sichere Gefühl” verliert und auch ein Teil des eigenen Wertes gleich mit abgegeben wird.

Das ist auch nur mal ein erstes Andenken von meiner Seite zu dieser Materie. Wer mag, kann gern seine Sichtweise in einen Kommentar zu diesem Beitrag packen.

Vielleicht zum Schluss noch ein paar Ideen, was möglich ist, um es Menschen leichter zu machen, sich Stück für Stück aus der Rigidität zu befreien und zu einem souveränen Führungsverhalten zu finden:

  • Suchen Sie sich Möglichkeiten zum Austauschen. Nutzen Sie dabei Foren, Veranstaltungen von Gleichgesinnten aus der Branche oder auch anderen Fachgebieten.
  • Nehmen Sie sich die Zeit und besuchen Sie Führungsseminare.
  • Sprechen Sie mit Beratern (auch bei den Kammern und Instituten gibt es dazu Abteilungen) und holen Sie sich immer wieder neue Anregungen.
  • Wenn möglich, dann nehmen Sie an Mentoring-Programmen teil und/oder suchen Sie sich einen Business-Angel.

Denn soweit wie in diesem Zitat sollte man es wahrlich nicht kommen lassen 🙂

Mancher ertrinkt lieber, als daß er um Hilfe ruft.
Wilhelm Busch (1832-1908), dt. Schriftsteller, Maler u. Zeichner

Grund für die lange Pause

Nach langer Zeit, es sind zwei Monate ins Land gegangen, schreibe ich heute meinen nächsten Beitrag. Der Grund für die lange Pause ist nicht nur der Sommerurlaub gewesen oder das neue Layout (an dieser Stelle vielen herzlichen Dank an Martin) sondern eher etwas, das nicht unbedingt ein so sehr öffentliches Thema ist.

Für mich waren die letzten Monate eine emotional sehr belastete Zeit durch den Tod meines Vaters. Ich hatte in verschiedenen Beiträgen schon darüber geschrieben.

Wieso ich das jetzt zu einem Thema in einem eher geschäftlich aufgebauten Blog mache? Das hat mehrere Gründe. Der erste ist ganz banal, hinter jedem Geschäft stecken Menschen und jeder Mensch wird in seinem Leben mit dem Tod konfrontiert werden. Der zweite Grund ist, dass ich in den letzten Wochen viel über mich, über Menschen in meinem Umfeld und das Gefühl der Ohnmacht gelernt habe, das Trauerarbeit mit sich bringt.

Und das hat mir ganz klar aufgezeigt, dass Trauer eine eigene Dynamik hat. Die verschiedenen Phasen des Trauerns können nicht verkürzt oder übersprungen werden. Der Körper zieht hier klar die Bremse.

Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross spricht von 5 verschiedenen Trauerphasen:

  • Nicht-wahrhaben-Wollen
  • Zorn
  • Verhandeln
  • Depression
  • Zustimmung

Jede dieser Phasen ist wichtig. Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, dass die Reihenfolge nicht unbedingt bei jedem Menschen die gleiche ist. Obwohl der Punkt Zustimmung den Abschluss bilden sollte, da man sonst in der Trauer quasi steckenbleibt.

Am schlimmsten war für mich die Phase des Zorns und des nicht-wahrhaben-wollens. Dieses Gefühl kam oft so unvermittelt hoch und hat sich auch häufig gegen meine Familie gerichtet, dass das schlechte Gewissen fast genauso schlimm war und ich völlig hilflos dazwischen.

Es war wie ein Ausblendenwollen. Wenn ich mich zurückziehe, einfach meine Arbeit weitermache, dann ist es fast so, als ob gar nichts passiert ist und alles ganz normal weiterläuft. Das ist natürlich eine Illusion und das Aufwachen daraus erfolgt nur langsam.

Ein Punkt, der sich für als überaus wichtig und heilsam erwiesen hat, war das Gespräch mit Menschen, die ähnliches erlebt haben. Die eigene Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht ein klein wenig teilen können mit dem Gefühl des Angenommenseins.

Der Verlust eines Elternteils bringt auch eine Neuverteilung im Familiensystem mit sich. Häufig mit veränderten Rollenbildern, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Es ist wie ein Mobile, in dem ein Anhängsel abgenommen wird. Es dauert eine ganze Zeit, bis sich wieder alles einpendelt und ins Gleichgewicht kommen kann. Es treten alte Verletzungen zum Vorschein und nicht ausgesprochenes macht sich breit.

All das braucht Zeit und Raum zum Verarbeiten. Menschen, die damit umgehen und den Schmerz eines anderen aushalten können.

Zum Abschluss möchte ich ein paar Gedanken zum Alltag in den Raum stellen:

  • Wie gehen Sie mit dem Thema Trauerarbeit in Ihrem Unternehmen um?
  • Kennen Sie mögliche Anlaufstellen wie Trauergruppen, Trauerbegleiter usw. die Sie weitergeben können?
  • Wie könnten Sie Ihre Mitarbeiter bei den rechtlichen Folgen und Fragen unterstützen, die mit jedem Todesfall auftreten?
  • Könnten Sie sich vorstellen, immer wieder einmal Informationsvorträge zu den Themen Erbschaftsregelungen, Patientenverfügung usw. anzubieten?

Für mich wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich für mich das Gefühl habe, im Reinen zu sein. Ans Grab zu gehen, schaffe ich im Moment immer noch nicht. Doch es geht aufwärts, Schritt für Schritt. Mit Achtsamkeit und bewusstem Leben. Und mit dem Gefühl, jemanden zu haben, der jetzt auf eine andere Art auf mich aufschaut. Meinen Weg begleitet und in mir ein Stück weiterlebt.

In diesem Sinne mache ich mit diesem Beitrag einen neuen Anfang und wünsche all meinen Lesern Zeit für das Wesentliche in Ihrem Leben.