Modellversuch Wissensmanagement in Kleinbetrieben

In der ersten Ausgabe des BIBB Informationsdienstes Praxis für dieses Jahr wird über einen Modellversuch aus Thüringen geschrieben. Es wird darin der Frage nachgegangen, ob Wissensmanagement auch für Kleinunternehmen zu einem Wettbewerbsvorteil führen kann.

Wie in dem Artikel weiter ausgeführt haben sich anscheinend drei Strategien herauskristallisiert, die von Bedeutung sind:

  • Kunden orientiertes Wissensmanagement
  • Nutzen von Erfahrungswissen
  • Implementierung von Wissensmanagement

Die Ergebnisse des Modellversuchs können über das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. kostenlos bestellt werden. Als Ansprechpartner wird Frau Dr. Dorothea Schemme genannt, erreichbar unter: schemme@bibb.de
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Auswertung des Fragebogens

Der Fragebogen hat noch ziemlich seine Kreise gezogen. Es haben doch knapp 80 % der Mitarbeiter mitgemacht. Fand ich ja schon mal klasse. Tja und wie sich ja schon bei den ersten Auswertungen gezeigt hat, ist auch das Gesamtergebnis nicht gerade berauschend ausgefallen.

Vor allem der Kontakt zur Geschäftsleitung wurde sehr schlecht eingestuft. Diese Note hat die Personalentwicklung doch ganz schön aufgeschreckt und das ist gut so. Allerdings hat sich bei diesem Meeting noch etwas klar gezeigt und das war zum einen für mich überhaupt nicht überraschend (sondern eher eine Bestätigung meiner Einschätzung) und zum anderen doch wiederrum sehr ernüchternd:

Zufälligerweise kam in den letzten Minuten unseres Meeting noch der oberste Oberboss dazu. Und nach einigen erläuternden Worten unserer Seite und Kommentaren seiner Seite habe ich dann noch ein paar Fragen gestellt, da mir wichtig war, wie er TATSÄCHLICH über KVP und all das denkt. (Dass mir da meine NLP-Kenntnisse ja sehr zu gute kommen, kriegt erstens keiner mit und ist zweitens immer wieder Gold wert….)

Naja, was soll ich sagen. Ich bekam u.a. folgende Meldung: Zitat “KVP ist was für die unteren. Und … (war eine wichtige Managemententscheidung) brauchen die nicht wissen, damit kommen die nicht klar.”

Fand ich schon ziemlich hammerhart. Denn damit ist wiedermal bestätigt, wie groß der Unterschied zwischen einem Manager und einer Führungspersönlichkeit ist. Wer als Firmeninhaber von seinen Arbeitern als “die unteren” denkt, braucht sich nicht wundern, wenn “die” sich umgekehrt “die oberen” denken und dementsprechend eben nicht mitdenken geschweige denn sich engagieren wollen.

Fazit für mich: Der KVP-Prozess hat damit ganz klar seinen Rahmen und seine Grenze in dieser Firma. Denn auf meine Anregung, die ich als Frage formuliert hatte, dass KVP ja eine Art zu denken sei und kein Instrument, hat er mich nur irritiert angesehen und dann in seinem Text weitergemacht, als ob ich nichts gesagt hätte. Wie schon oben erwähnt, hat dies nur glasklar meine Einschätzung bestätigt, die ich durch die Beobachtung schon von Anfang an entwickelt hatte.

Gut ich denke, wir werden den Prozess trotzdem weiter durchziehen und soweit wie möglich Veränderungen initiieren und alles andere muss man einfach abhaken. Es gibt andere Firmen…

Informationsfluss

Letzten Freitag wurde die erste KVP-News verschickt. Ich hab das ganze in verschiedene Rubriken eingeteilt, von aktuelle Termine bis zu geplanten Aktivitäten. Da es die ersten News waren, sind sie doch länger als eine DIN-A4 Seite geworden. Doch ich denke, dass ist zu verschmerzen, zudem auf der zweiten Seite auch schon der erste Screenshot des neuen KVP-Idee-Programms zu sehen ist.
Das wird auch richtig klasse. Bin ich schon sehr gespannt drauf.

Die News werden erstmal in einem kleineren Kreis gestreut, denn sie sollen natürlich auch erst mal ins Gerede kommen. Da wir uns auch ganz streng nur auf Informationen beschränken, die tatsächlich etwas mit den Ideen und Projekten der Mitarbeiter zu tun haben, ist der Anreiz doch ziemlich hoch, die Infos auch zu lesen.

Alle Arbeiter haben ja keine eMail-Adresse, doch das ist kein Problem, da der jeweilige Meister bzw. Vorarbeiter die Sachen ausdrucken und an die KVP-Tafeln hängen kann. Kommen die Dinger damit auch endlich mal wieder zum Einsatz….

Ja, dann bleibt jetzt mal abzuwarten, wie die Reaktionen ausfallen.
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Erhebung des BIBB zum Thema: Einsatz von Wissensmanagement

Über einen Beitrag von Tim Schlotfeld bin auf die Erhebung des BIBB zum Thema Wissensmanagement in ausbildenden Betrieben gestoßen.

Es ist wie in der Fraunhofer-Studie das gleiche Bild, dass zwar die Unternehmen die Aufgabe Wissen zu managen, zugänglich zu machen, zu generieren und zu bewahren, als äußerst wichtig einschätzen, jedoch konkret in nur wenigen Fällen konkrete Maßnahmen dazu ergriffen werden.

Hier liegt also noch großes Handlungspotential verborgen. Und nach meiner Einschätzung werden die Unternehmen, die die Zeichen der Zeit schneller erkennen als andere, die Nase im “Wissenswettbewerb” vorne haben. Und sich damit auch von der Konkurrenz abheben können.

Einen der größten Hemmschuhe, an denen Wissensmanagement scheitern kann, sehe ich in einer Firmenkultur, in der Wissen die Sicherheit des Arbeitsplatzes für den einzelnen bedeutet. Dazu kommt, dass Chefs die sich bei der Informationsweitergabe eher dezent in Schweigen hüllen und ihre Mitarbeiter als nicht dazu geeignet ansehen, relevante Internas wissen zu dürfen, das Einsetzen von Instrumenten für’s WM sparen können. Denn wer nicht vormacht, dass geteiltes Wissen die Strategie der Zukunft ist, kann schlecht erwarten, dass es die Mitarbeiter anders sehen. Die Vorbildfunktion ist halt nicht so einfach abzustellen…
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