Und wo laden Sie sich auf?

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir unsere Handys, Smartphones, Digicams, Notebook etc. viel regelmäßiger aufladen als uns selbst? Dahinter steckt die ganz banale Erkenntnis: hat das Ding keinen Saft mehr, läuft es nicht. Also ran an’s Ladegerät.

Diesen Vorgang stellen wir auch nicht besonders in Frage. Wir maulen vielleicht etwas darüber, dass die neue Generation von Mobile Phones jeden Tag Ihre Aufladung haben will. Doch wir denken nicht näher drüber nach und stecken das Ding an seinen gewohnten Platz an und fertig. Genauso wie wir uns kaum trauen ohne Ladekabel das Haus zu verlassen, denn unseren Kommunikationsgeräten könnte ja die Puste ausgehen.

Wie ist das eigentlich mit uns? Wieso haben wir nicht so regelmäßig  Zeiten an denen wir uns laden? Es liegt möglicherweise an der einfachen Tatsache, das wir auch dann noch weiterwursteln, wenn unser Akku schon gähnend leer ist. Wir schalten uns nicht einfach ab, wie das unsere technischen Gefährten tun. Wir laufen weiter.

Vielen von uns steht die Erschöpfung immer öfter ins Gesicht geschrieben. Unsere Gesichter sind nicht mehr so strahlend wie früher, immer öfter sind wir angespannt und die zugehörigen Falten prägen unser Gesicht neu.

Wieso lernen wir nicht mal umgekehrt von der Technik etwas und machen uns bis in die letzte Zelle bewusst: Akku leer – muddu aufladen (wie das Häschen sagen würde…)

Klar sagen wir dann, weiß ich, doch jetzt grad geht’s nicht, weil ….(hier bitte Ihre Lieblingsausrede einsetzen…)

Wieso tun wir bloß so, als ob wir unzerstörbar seien? Das was uns nicht umbringt, macht uns härter, oder wie? (btw was für ein blöder Spruch ist das eigentlich….)

Wollen wir dieses Spiel wirklich so lang durchziehen, bis wir wirklich alle sind? So richtig? Burnout, ausgebrannt, da gibt’s nix mehr. Wollen wir das wirklich?

Haben die Menschen in unserer Umgebung wirklich etwas davon, wenn wir uns so sehr erschöpfen, dass nichts mehr übrig bleibt?

Wir erfüllen Erwartungen, werden Anforderungen gerecht, geben unser Bestes und nehmen die Tretmühle in der wir uns befinden, gar nicht mehr wahr als das was sie ist. Ein Ort, der uns nirgendwo hinbringt. Wollen wir wirklich eines Tages das schleifende, knirschende Geräusch eines reißenden Seils hören, an dem unser Laufkäfig aufgehängt war und mit Entsetzen begreifen, dass er uns mit in die Tiefe reißt?

Zu drastisch? Hm, haben Sie sich schon mal die jedes Jahr sprunghaft ansteigenden Krankheitszeiten und kompletten Arbeitsunfähigkeiten mal näher angesehen? Psychische Erkrankungen und burnout stehen da ganz oben in den TOP 10.

Und wenn Sie denken, ach was hat das mit mir zu tun, ich bin doch noch jung. Tja, auch Ihnen kann geholfen werden… Die Erkrankten werden jedes Jahr jünger und sogar SchülerInnen sind immer mehr betroffen. Wieso denken wir eigentlich so oft, dass das immer nur den anderen passieren kann?

Wo soll das noch hinführen? Wollen wir nicht langsam mal umdenken?

Meine Mama hat, seit dem ich denken kann, in der Küche einen Spruch hängen:

Nimm dich nicht so wichtig.

Lang hab ich das überhaupt nicht verstanden, im Gegenteil ich fand es ziemlich doof, so zu denken. Doch was soll ich sagen, auch ich werde klüger 😉

Wer sich diesen Satz mal wirklich auf der Zunge zergehen lässt, in sich einsickern lässt, der kann die Magie dahinter spüren. Die Erleichterung, die sich ausbreitet, denn, nein, wir sind nicht für alles verantwortlich, nein wir sind nicht der Nabel der Welt und nein es ist nichts verloren, wenn uns mal etwas misslingt.

Loslassen heißt akzeptieren, dass ich nicht alles in der Hand habe.

Schalten Sie mal einen oder mehrere Gänge runter, lösen Sie sich von dem Gedanken, dass Sie alles hinkriegen müssen. Die Wichtigkeit unseres Lebens liegt ganz woanders. Sie finden Sie im bewussten Wahrnehmen des Augenblicks, der Erkenntnis Ihres inneren Reichtums, der Liebe die es in Ihrem Leben gibt.

All das können Sie auf der Überholspur nicht sehen. Das ist erst in der Gemächlichkeit möglich, in den Momenten, in denen Sie aufladen.

Unser innere Quelle reinigen und neu füllen. Durch eine Mischung aus Stille, Alleinsein, geistigem Futter, lachen, spirituellem Verbinden mit etwas, das größer ist als wir und den Menschen in unserem Leben, die uns Energie und Liebe schenken.

Denken Sie wie Ihr Handy. Auch Sie brauchen diese Ladepausen täglich. Bewusste Momente und Zeiten, die Ihren Akku wieder auf 100% bringen.

Wo können Sie aufladen? Was bringt Ihnen Ihre Kraft wieder zurück? Wie können Sie dies regelmäßig in Ihrem Leben verankern? Bei welchen Menschen können Sie auftanken?

Und wollen Sie nicht auch ein Mensch sein, bei dem man auftanken kann? Dafür muss allerdings Ihr Akkuerstmal voll sein.

Daher, hängen Sie sich in Ihre Ladestation. Machen Sie es regelmäßig. Machen Sie es! Laden Sie sich wieder auf und berichten uns darüber. Jede Anregung ist für uns alle so wertvoll. Also, wie ist das bei Ihnen?

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11 Kommentare zu “Und wo laden Sie sich auf?

  1. Ich denke, der Schlüssel dazu ist „Nimm dich nicht so wichtig.“ Die Welt, egal ob Online oder Offline, dreht sich auch so weiter.

    Dank Elternhaus habe ich eine natürliche Gelassenheit mit auf dem Weg gegeben bekommen. Dazu empfinde ich Stille oder Natur als richtige „Tankstellen“. Auch sehr nützlich das Meer, oder Meeresrauschen,kann das Chaos im Kopf aufräumen und die Sicht wieder schärfen. 🙂

  2. @Jürgen
    Ja, das stimmt. Meer, Wasser, das hilft wirklich. Mir ging es in den Highlands von Schottland ähnlich. Dieses grüne Meer, nur durchbrochen von großen Steinen und Schafen 🙂 sehr empfehlenswert.

  3. Kontakt zur Natur…ein Spaziergang. Das hilft immer.

    Und dann – obwohl ich weiß, dass nicht jeder etwas damit anfangen kann: ein Gottesdienst. Falls man sich denn wohlfühlt in einer Gemeinde.
    Ich komme gerade heute von einem Posaunenchoreinsatz zur Kirchweih in einem Ortsteil.
    St. Anna ist eine wunderschöne alte Dorfkirche mit einer ganz entzückend bemalten Holzdecke. Unsere Altvorderen haben einen festen Rhythmus zum Auftanken festgelegt: am siebten Tage sollst Du ruhen. Dann haben sie sich aufgemacht in ihre Kirche, haben gemeinsame Rituale befolgt und der Seele guttuende Lieder gesungen. Haben sich verbunden, untereinander, mit dem Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein… zusammen zu gehören…
    Man mag zur Kirche stehen wie man will – und ich gehöre weiß Gott nicht zu den All-Sonntags-Kirchgängern – aber wenn mich so ein Posaunenchoreinsatz dann doch wieder mal in ein Gotteshaus bringt, dann gehe ich jedesmal bereichert und, ja: „aufgeladen“ wieder heraus.

    Da sind viele gute Ideen oder Punkte enthalten: ein Ort, eine feste Zeit, um Aufzutanken. Eine Auszeit im Wochenrhythmus. Das sind wohltuende Strukturen, die in unserer geschäftigen Welt leider immer mehr verloren gehen.

    Ich wünsche jedem, dass er solche Strukturen für sich selbt schaffen kann und Oasen im Alltag findet.

  4. Für mich ist meine wöchentliche Chorprobe diese Tankstelle. Einfach an seinem Platz sitzen (oder stehen, da singt sich’s meistens besser), seinen Part beitragen und dafür Klangerlebnisse haben, die sich bloß beim passiven Musikhören niemals einstellen.
    Klar, ich muss vorher zuhause üben, Texte und Noten auswendig lernen – Musik mit anderen machen ist schon mehr als nur alle viere von sich strecken und nichts tun. Aber „aufladen“ kann ich mich da am besten.
    Mein Tipp also: als „Ladestation“ nicht nur die oft genannten Dinge wie Natur oder Sport ins Auge fassen, selber Musik machen (ob Singen oder ein Instrument, allein oder mit andern, ist eigentlich egal) statt nur Musik hören kann eine ungeahnte Kraftquelle sein.

  5. @Elisabeth
    Das ist ein hervorragender Hinweis! Dank dir, liebe Elisabeth. Ich hab mal irgendwo auch den Spruch gelesen, dass die Zeit in der wir singen, eine Zeit ist, in der wir nicht altern 🙂

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