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Krümel im Bett – Folge 6: selbstbewusst bedürftig sein

Wie es Tradition ist in dieser Rubrik Krümel im Bett ist, geht es um Gedanken, Sätze die mich einfach nicht mehr loslassen. Die etwas mit mir machen, bisher Gedachtes auf den Kopf stellen.

Der Gedanke, um den es heute geht, ist mir in einem Buch über den Weg gelaufen (jaja, ich weiß schon, etwas sehr ungewöhnliches für mich :-)

Es geht um bedürftig sein. Für mich ist das ein ziemlich negativ besetztes Wort. Wenn ich mich befürftig fühle, empfinde ich mich als klein, hilflos und schwach. Es hat etwas von Opferdasein. Diese Hilfslosigkeit gepaart mit Scham und dem sich nicht trauen um etwas zu bitten, katapultiert uns damit in Sekunden in unsere Kinderseele zurück.

Zu oft haben wir auf eine Bitte ein Nein gehört und Ablehnung in verschiedenster Form erfahren. Je nach Häufigkeit und Intensität dieser Zurückweisung haben wir eine Strategie entwickelt, mit der wir im Rest unseres Lebens mit unseren Bedürfnissen umgehen.

(Dazu sollte noch angemerkt werden, dass es zu ca. 40 % von unserer Gen-Struktur abhängt, wie wir mit Stress und negativen Erlebnissen umgehen können = Resilienzfaktor).

Im besten Fall haben wir einen guten Grad an Resilienz (Widerstandskraft) entwickelt und bringen unsere Bedürfnisse mit Bitten zum Ausdruck, auch wenn wir manches Mal darauf ein Nein hören. Doch wir lassen dieses Nein dann beim Anderen und nehmen es nicht als Abwertung unserer Person auf. Wir wissen um unseren Wert und agieren auf Augenhöhe.

Doch was ist, wenn wir das nicht als Kind gelernt haben? Dann erleben wir uns mit unserer Bedürftigkeit als Wesen, die nicht soviel Wert zu haben scheinen, wie andere. Wir schämen uns manchmal fast dafür, nicht so widerstandsfähig und stark zu sein, wie vermeintlich so selbstsicher agierende Menschen in unserem Umfeld.

Vor allem in unserer leistungsorientierten Gesellschaft haben es die Zartbesaiteten von uns oft nicht leicht. Denn so wie es schmerzempfindlichere Menschen gibt als welche, die hart im Nehmen sind, gibt es eben auch die Menschen, denen diese Welt oft zu laut wird, die empfindlicher scheinen als andere und damit schnell als, wollen wir es mal  überkandidelt nennen, abgestempelt werden.

Doch was wäre, wenn Menschen, die auf diese Weise ticken, oft versäumen, ihren eigenen Bedürfnisse klar zu äußern, weil sie sich nicht aufdrängen wollen, nicht lästig fallen möchten, sich als Bettler empfinden und dadurch meist viel zu lange in für sie unangenehmen Situationen ausharren? Manchmal bis zu einem Punkt, an dem, einer Explosion gleich, ein Fass übergeht, dessen Wucht in keinster Weise zur aktuellen Situation passt.

Schaut man genauer hin, fällt es diesen Menschen schwer zu akzeptieren, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat und jeder Mensch Bedürnisse haben DARF. Und diese Bedürfnisse damit etwas natürlich sind und unserem Lebendigsein entspringen. Der Fehler, oder anders ausgedrückt, die falsche Programmierung, an dieser Stelle, ist das Denken, dass wir zum Bettler werden, wenn wir unsere Bedürfnisse zeigen. Und auf der anderen Seite auf Menschen neidisch und manchmal auch grantig sind, die mit Selbstverständlichkeit ihre Bitten vorbringen.

Was für eine verkehrte Welt, denn wenn wir auf die andere Seite des Neides schauen, finden wir dort Traurigkeit und Wut auf uns selbst, weil wir uns etwas versagen, weil wir denken, wir dürfen nichts wollen. Und noch genauer hingesehen, kann hier die Auflösung unseres Knotens liegen.

Denn zuallererst ist es unsere Aufgabe unseren Bedürfnissen Beachtung zu schenken und sie als etwas zu nehmen, das unser Menschsein ausmacht. Sie zu achten und uns um ihre Erfüllung zu kümmern.

Wenn ich meine Bedürfnisse erkenne und zu ihnen stehe, kann ich selbstbewusst bedürftig sein.”
(Heinrich Guggenbiller in seinem Buch Frieden finden – ein sehr, sehr kluges und überaus lesenswertes Buch)

Nochmal zum ganz bewusst aufnehmen: selbstbewusst bedürftig sein

Darin sind zwei Schritte enthalten, die uns stets begleiten sollten:

1. Unsere Bedürfnisse erkennen

Wach sein dafür, was in uns passiert. Was in uns lebendig ist. In welchem Zustand wir uns gerade befinden. Wie es uns gerade geht. Erstaunlich viele Menschen leben den gesamten Tag ohne wirklich in Kontakt mit ihrem Inneren zu sein.

2. Zu unseren Bedürfnissen stehen

Will heißen, dass wir unsere Bedürfnisse nicht wie eine uns lästige Fliege verscheuchen wollen, sondern achten, was gerade in uns vorgeht. Wie können wir sonst von anderen erwarten, dass sie mit uns achtungsvoll umgehen, wenn wir selbst gegen uns so hart sind?

Das bedeutet nun nicht, dass wir uns in jede Emotion hineinfallen lassen, um die nächste Dramaqueen, der nächste Dramaking zu werden. Es bedeutet, dass wir unsere Gedanken darüber zügeln, die uns am liebsten anders hätten.

Ein Gefühl, eine Emotion wird größer durch Nichtbeachtung. Wie die Frau in dem alten Witz, die für jede Stunde, die ihr Mann später heimkommt, eine größere Kelle bereit hält, um sie ihm überzubraten. Wenn wir unsere Bedürfnisse, unsere Gefühle wegschieben, nicht haben wollen, werden sie zu immer größeren Keulen greifen, mit denen sie uns eins überbraten.

Annehmen dessen, was ist, bedeutet auch nicht, dass ich es gut finden muss. Denn das ist bereits wieder eine Wertung. Nein, annehmen, anerkennen bedeutet zu akzeptieren, dass es jetzt so ist wie es ist. Wir fühlen uns traurig, wütend, hilflos etc.

Wir haben jetzt in diesem Moment verschiedenste Bedürfnisse Und es geht im ersten Schritt nicht darum diese sofort zu befriedigen. Sondern einfach anzunehmen. Da sein lassen. Den Widerstand dagegen aufgeben. Ruhig sein, annehmen.

Damit nehmen wir uns selbst an. Jedes Mal. Mit jedem dieser kleinen Gedanken. Alles darf sein, wie es eben gerade ist. Und dann können wir immer öfter selbstbewusst bedürftig sein.

Was geht Ihnen dazu gerade so durch den Kopf?

Ein Nachruf

Gestern vor einer Woche ist Lisa, mein geliebtes Katzenmädchen, gestorben. Nach über 17 wundervollen Jahren hat sie diese Erde verlassen. Es war eine so schwere Entscheidung. Zu entscheiden, sie einschläfern zu lassen und ihr Leben damit zu beenden. Was für eine Qual. Die Gedanken ob es wirklich das richtige ist. Es als Erlösung für sie zu sehen, da sie seit längerem unheilbar und schwer nierenkrank war, seit fast 14 Tagen nichts mehr fressen wollte und die Medikamentengabe jeden Morgen ein Kampf war. Ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie jeden Tag weniger wurde. Sie wog am Ende noch grad mal 2 kg, jede Rippe war sichtbar und spürbar.

Sie schlief die letzten 14 Tage bei mir im Bett. Immer ganz nah an mich gekuschelt. Ist unzählige Male in der Nacht auf ihr Kisterl gelaufen, hat literweise Wasser trinken müssen und kam dann wieder zurück zu mir ins Bett. Hat Wärme und Nähe gesucht, mich mit ihren klugen, wachen Augen angesehen, wissend. Gott, was ist die Liebe manchmal für ein Fluch. Sie bindet uns an Wesen und lässt uns leiden, weil wir ihnen nicht helfen können. Weinen um sie und um uns selbst.

Und wie lange verschließt man die Augen vor dem Unvermeidlichen. Will es einfach nicht wahrhaben. Es nicht als Möglichkeit im Kopf haben. Wie kann man nur Richter sein und entscheiden ein Leben zu nehmen? Was ist das nur für eine riesige, nicht fassbare Verantwortung.

Es gibt auf dieser Straße kein Zurück. Es ist unwiederbringlich. Kein Miauen mehr, das mich begrüßt, wenn ich nach Hause komme. Kein darauf warten, dass ich sie endlich hochnehme und ihr erzähle, wie mein Tag war, kein Kuscheln mehr auf der Couch und gemeinsames Einschlummern. Kein Angestupstwerden mehr, wenn ich traurig war, kein Schnurren mehr beim Streicheln ihres so unglaubliches weichen Fells.

Kein Beobachten mehr, wenn sie draußen im Garten umherstromert, die Ohren aufgestellt und das eine gespaltene besonders zu hören scheint. Keine Miezekatze mehr, die den Lieblingsplatz in der warmen Sonne annektiert hat und ihn wie selbstverständlich für sich beansprucht. Wieviele unzählige Zeilen am PC und auf Papier sind mit ihr auf dem Schoß entstanden. Sie war immer da. Über 17 Jahre lang. In jeder Wohnung, in jedem Haus. Hat alles mitgemacht mit ihrem Frauchen.

Als ich damals eine zweite Katze gesucht hatte, hab ich mich auf den Weg ins Tierheim gemacht. Nachdem schon einige Versuche fehlgeschlagen waren, eine Gefährtin für Tracy, meine erste Katze zu finden, dachte ich mir, es muss einen anderen Weg geben. Und ich hab es einfach umgekehrt, mich in den Katzenkäfig ganz still in ein Eckchen gesetzt und mich aussuchen lassen. Und da war sie, erst ganz zurückhaltend und scheu, saß sie auf der anderen Seite, etwas abseits von den anderen und sah mich einfach nur an.

Ihr Blick hat mich kaum losgelassen und sie beobachtete mich sehr genau. Die anderen Katzen kamen und gingen in meine Nähe, um dann wieder weiterzuziehen. Und dann gab es diesen Moment. Sie entschied sich und kam langsam auf mich zu. Setzte sich an meine Seite und schaute mich an. Ich durfte sie streicheln und sie kuschelte sich förmlich in meine Hand. In diesen Momenten ist ihr endgültig mein Herz zugeflogen. Sie blieb bei mir und so hab ich sie in ihr neues Zuhause mitgenommen. Sie war noch ein ganz kleines und junges Kätzchen und hatte doch schon eine Leidensgeschichte hinter sich. Der Vorbesitzer war wohl einer der wenig tierlieben Sorte, denn ich bekam sie völlig abgemagert und mit gebrochenen Rippen (durch einen Tritt….).

In ihrem neuen Heim war sie bei jedem Türklingeln sofort hinter der Couch verschwunden und sobald sie eine Männerstimme nur hörte geriet sie in Panik. Es dauerte lange, bis sie diese spontane Angst etwas verlor und es war so berührend, wie sehr sie mir von Anfang an vertraute. Ja, so fing unsere gemeinsame Geschichte an. Sie führte uns in verschiedenste Landkreise rund um Passau und unterschiedlichste Lebenssituationen. Fast schien es so, als ob meine Miezemaus Lisa mit ihrer Gefährtin Tracy die einzigen Fixpunkte in meinem Leben waren.

Tracy, die Katze die ich damals schon hatte als ich Lisa aus dem Tierheim holte, ist 2006 gestorben, kurz nach meinem Vater. Und vor allem zu dieser Zeit wäre ich ohne mein Katzenmädchen völlig untergegangen. Doch so gab es noch ein Wesen, um das ich mich zu kümmern hatte und die immer zu spüren schien, wie wichtig ihre Nähe war. Die in dieser Zeit kaum von meiner Seite wich wenn ich daheim war, die ich stundenlang bei mir auf dem Arm und auf dem Schoß hatte. So ging auch diese schwere Zeit vorüber und sie hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran, mich im Leben gehalten zu haben.

Sie war jeden Tag wieder eine lebendige Quelle und ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war. Was für ein Glück ich doch hatte. Die Zeit mit ihr ist mir so kostbar und die letzten Stunden haben wir miteinander gewacht.

Ich hatte das Glück eine sehr liebe Tierärztin zu finden, die zu uns nach Hause kam. Als es dann soweit war, ist sie auf meinem Arm gestorben. Hat sich an meinen Hals geschmiegt und ich hielt sie, spürte ihre Nase, hörte sie leise atmen und dann immer leiser werden. Meine Tränen strömten über mein Gesicht und ich hatte das Gefühl, mein Herz bricht ein weiteres Mal.

Ich hielt sie fast eine Stunde noch in meinem Arm bis ich spürte, dass auch ihre Seele gegangen war. In diesem Moment fühlte ich eine große Ruhe in mich einziehen und ich konnte sie endlich loslassen.

Sie war gegangen und es war ein so unendlich großes Geschenk sie in meinem Leben gehabt zu haben.

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 7 – I’m so tired of all this fear – Ich bin der Angst so müde

Diesmal bin ich an einer Textzeile hängen geblieben. I’m tired of all this fear – Ich bin der ganzen Angst müde. (Sie stammt von Snow Patrol / Eyes Open Song Headlights on Dark Roads. Ich persönlich find die ganze CD wunderbar und überaus hörenswert.)

Der Angst müde sein, das kenn ich sehr gut. Und ich denke, fast jeder von uns hat schon mal dieses Gefühl gehabt, nicht mehr weiter zu wissen und zu spüren, wie sich Panik breit macht. Langsam aufsteigt, den Herzschlag beschleunigt und einen immer hilfloser fühlen lässt.

Auch wenn ich nun schon seit über 13 Jahren selbständig bin, kenne ich diese Angst immer noch. Die Freiheit der eigenen Zeiteinteilung und Autonomie wird ein Stückweit dadurch beglichen, dass es keinen regelmäßigen Geldeingang gibt. Und immer wieder mal Lücken im Auftragseingang auftreten können. Nach meiner Erfahrung wird das unter Selbständigen nicht gern zum Thema gemacht. Viele geben anfangs eher flapsige, ausweichende Antworten auf die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden. Es gibt immer noch eine große Scheu davor, diesem Thema Raum zu geben. Denn es besteht häufig die Furcht, nicht mehr „voll genommen“ zu werden, wenn man zugibt, dass man auch diese Existenzangst kennt.

Doch ich kann nur sagen, dass es für mich stets sehr wichtig war und ist, mich damit nicht zu verstecken, sondern darüber zu reden. Denn egal mit wem ich bis jetzt gesprochen habe, wie erfolgreich diese Menschen auch immer waren, stets habe ich in einem ehrlichen Gespräch gehört, dass auch sie dieses Gefühl kennen. Was einen manchmal völlig unerwartet anspringen kann. „Wie geht es weiter…..? Geht es weiter….? Wie soll ich das hinkriegen…..?“

Da es immer mehr Selbständige gibt und in den nächsten Jahren geben wird, ist es umso wichtiger, dieses Thema zu enttabuisieren. Und dem Selbständigendasein zwar nicht die Krone zu entreißen, jedoch davon ein realistisches Bild zu zeichnen. Denn ein gutes inneres Standing ist Voraussetzung eine Selbständigkeit erfolgreich aufzubauen und ohne auszubrennen viele Jahre lang mit Freude ausfüllen zu können. Dazu gehört Wissen darüber, dass es auch diese dunklen Phasen geben wird. Frühzeitig zu lernen, damit umzugehen, ist eine Fähigkeit die sich in vielen Bereichen des Lebens auszahlen wird.

Selbstverständlich ist eine gute Strategie, ein funktionierendes Marketing und ein gutes Produkt/Dienstleistung die Grundlage jedes erfolgreichen Business. Davon soll hier mal nicht die Rede sein, dann das wissen wir ja sowieso.

Lassen Sie uns doch mal verschiedene Möglichkeiten beleuchten, wie sich mit diesen Ängsten umgehen lässt. Angst hat die Eigenschaft, dass sie uns eher lähmt als in Bewegung setzt, dadurch im wahrsten Sinne Schranken setzt und uns im Denken fixiert. Angst fungiert oft wie eine Lupe, die das Betrachtete unendlich vergrößert. Die Gedanken kreisen meist um dieselben Katastrophenszenarien und die Gefühle folgen diesen Bildern.

Was tun?

Ich kann hier lediglich mit Ihnen mein Scheitern und meine Erfahrungen teilen. Doch möglicherweise sind ja hilfreiche Gedanken für Sie dabei.

Was für mich nicht funktioniert hat:

  • Mich anzutreiben und in wilden Aktionismus zu verfallen, denn ich muss ja was tun.
  • Mir Gedanken austreiben zu wollen unter dem Motto „jetzt stell dich nicht so an usw.“
  • Mich mit Menschen zu unterhalten, die dieses Gefühl eher wegwischen wollen mit einem „ach was, das wird schon wieder“

Was für mich funktioniert:

  • Annehmen was ist.

Da ich mich im Moment so fühle, wie ich mich fühle, bleibt mir erst mal gar nichts anderes übrig, als anzunehmen was ist. Ich spüre dem Gefühl nach, versuche es in meinem Körper zu lokalisieren und benenne es.

  • Liebevoll mit mir umgehen.

Das hört sich wahrscheinlich in einem Business-Kontext ziemlich „kuschelig“ an. Doch ich mein das völlig ernst. Für manche mag es funktionieren, wenn sie sich innerlich verbal die Keule drüber ziehen „jetzt mach schon….stell dich nicht so an…..du Weichei….lass dich nicht so hängen….“ Doch für mich haut das nicht hin. Und daher gehört es für mich zum Annehmen dazu, mir selbst das Gefühl zu geben, dass es in Ordnung ist, wenn ich im Moment Angst habe. Denn ich kann sie nun mal nicht wegzaubern. Und dazu gehört eben auch eine innerliche liebevolle Stimme. Der Kritiker darf ruhig mal Pause machen.

  • In Bewegung kommen.

Ängste haben die Eigenschaft uns bewegungsunfähig zu machen. Das ist schon an dem Sprichwort sichtbar „vor Angst gelähmt sein….erstarrt sein vor Angst“. Wir sind wie fixiert auf immer die gleiche Gedankenspirale, die zudem die Angewohnheit hat, sich selbst zu verstärken. Dies lässt sich durch Ergebnisse der Gehirnforschung erklären. Was des Öfteren gedacht wird, bahnt nun mal gewisse Muster.

Als Unterbrechung, neudeutsch separator, hilft in Bewegung zu kommen. Wie das Wetter auch grad sein mag, schnappen Sie sich Schuhe und Jacke und gehen nach draußen. Sich zu bewegen bringt Sie auch innerlich wieder in Bewegung. Am besten nehmen sich noch flotte Musik mit und schaffen sich dadurch einen zusätzlichen Unterbrecher. (BTW: sollte es grad mitten in der Nacht sein oder das mit Rausgehen aus sonst einem Grund nicht möglich sein, ist eine heiße Dusche oder Bad mein Ersatzmittel der Wahl….)

  • Reden.

In meinem Leben gibt es zum Glück Menschen die ich wegen jedem Sch… anrufen/ansprechen kann. Und das mache ich in solchen Situationen inzwischen auch. Hab eine ganze Weile gebraucht, mir das zuzugestehen und nicht immer mit allem allein fertig werden zu wollen. Doch ich weiß, dass da jemand gegenüber ist, der auch keine Lösung in dem Moment hat, sondern einfach nur zuhört. Mir das Gefühl gibt, dass ich in Ordnung bin, welche seltsamen Wege meine Gedanken auch grad nehmen. Das funktioniert natürlich auch umgekehrt. Wichtig ist das Gefühl, des angenommen werden, womit sich der Kreis zum Beginn schließt.

Das waren sie, die Eckpunkte meiner Strategie. Wenn ich schon mal soweit gediehen bin, kann ich meist auch wieder klarere Gedanken fassen. Sprich wieder ins Handeln kommen. Und dann greifen auch wieder Lösungstools und was es da eben nicht alles sonst noch so gibt.

Was mich interessiert ist, wie gehen Sie mit den dunklen Seiten der Selbständigkeit um? Mit dieser Existenzangst die sich immer mal wieder einschleichen kann. Vielleicht sind Sie ja auch davon verschont und können uns Ihr Rezept verraten. Wie auch immer das bei Ihnen ist, ich freu mich auf Ihre Anregungen und Erfahrungsberichte.

Bildquelle: Peter Reinäcker / Pixelio

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 5

Die Zeit, die am Ende des Lebens als wesentlich und erfüllt dasteht, ist nur die, die wir intensiv erlebt haben. Viele Zeitperioden, die eher mechanisch wiederholend dahingingen, schrumpfen zusammen, sind nicht mehr erinnerbar und versinken damit in die Nichtexistenz. Was zählt, was bleibt, sind die bewusst, gegenwärtig gelebten und erlebten Augenblicke des Lebens. Wenn wir uns fragen, wie viel Zeit des Lebens wir wirklich [in diesem Sinne] gelebt haben, wird uns das möglicherweise tief erschüttern.

Fundstelle: Jeder Tag ist kostbar – Daniela Tausch-Flammer und Lis Bickel

Bildquelle: Microsoft

Ich weiß nicht wie es Ihnen mit diesen Zeilen geht. Doch mich haben sie regelrecht eingefangen und ich denke darauf herum. Wie viel Zeit erleben wir wirklich intensiv? Und was heißt schon ‘intensiv’? Das Bertelsmann Wörterbuch sagt dazu folgendes:

intensiv: lat. intensus „heftig, stark, gespannt, aufmerksam”, zu intendere „nach etwas streben, sich bemühen, (an ein Ziel) zu gelangen suchen”

Schon das erste Wort “heftig” ist ein deutlicher Hinweis auf eine hohe Beteiligung des inneren Empfindens. Wenn etwas heftig ist, dann macht es etwas mit uns, bewegt uns im wahrsten Sinne und verankert uns im Jetzt. Interessant finde ich auch die Weiterleitung zu “nach etwas streben”. Wenn wir also intensiv leben und erleben, streben wir nach etwas. Ohne jetzt gleich einen Leistungsgedanken mit dem Begriff “streben” verbinden zu wollen, ist es doch interessant, dass eine “Strebe” auch ein Bauteil ist, eine Stütze.

Und ist es nicht genau das, was uns in unserem Alltag, der sich so oft zu wiederholen scheint, fehlt? Eine Stütze, eine Leitlinie, ein Beteiligtsein und nicht nur anwesend sein? Wenn Sie allein einen Blick auf die vergangenen knapp sechs Monate dieses Jahres werfen, wieviel Zeit davon haben Sie wirklich intensiv gelebt? An was können Sie sich erinnern? Welche Wegmarken können Sie ausmachen? Oder verschwimmt alles zu einer grauen einheitlichen Suppe aus aufstehen, in die Arbeit gehen, seinen Job machen, wieder heim kommen, familiäre Angelegenheiten regeln, essen, schlafen gehen und wieder von vorne?

In Gesprächen werde ich an dieser Stelle fast regelmäßig gelyncht, ob meiner Fragen… Und es spielt keine Rolle, ob das Menschen sind, die Kinder haben oder welche die keine haben, dafür einen anstrengenden Job oder oder oder… Es geht immer ein Aufschrei durch die Runde, der meist in Aussagen gipfelt wie “ich bin halt nun mal darin eingebunden”, “was soll ich denn machen, ich habe ja keine Wahl”, “ich kann mir kein Kürzertreten leisten”, “das ist halt im Moment so, da kann ich auch nicht einfach so raus”, “wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich auch anders” usw. usw. usw. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Und doch lasse ich meist nicht locker. Denn mich interessiert, was Menschen wirklich als wesentlich in ihrem Leben empfinden. Wann sie sich selbst wahrhaftig spüren, mit sich selbst im reinen sind und das Leben in sich pulsieren spüren. Dadurch dass wir in unserer Zeit fast keinen Zugang zum Tod haben, ihn aus unserem Leben ausklammern und uns auch nicht mit unserem (so sicheren) Ende beschäftigen wollen, fehlt uns ein wichtiger Bestandteil, der uns unserem eigenen Leben näher bringen würde. Die Gewissheit, dass alles endlich ist. Und das ist eines der ganz wenigen sicheren Dinge in unserem Leben, dass es endlich ist – ein Ende haben wird. Und was wir bis zu diesem Ende aus unserem Leben machen, geben wir viel zu oft in andere Hände.

Unsere Wertigkeit hängt viel zu oft von dem Erfolg ab, der durch die Augen anderer definiert wird. Wir kümmern uns um das Wohlergehen unserer Lieben und vergessen dabei viel zu häufig unser eigenes. Und wissen oft überhaupt nicht mehr, was uns selbst wirklich gut tut, durch was wir uns ganz für uns selbst lebendig fühlen.

Mit welchem Gefühl möchten Sie diese Welt verlassen? Eine schwere Frage, ich weiß. Doch nichtsdestotrotz liegt darin die Antwort für ein als wesentlich erlebtes Leben. Führen Sie das Leben das “Ihnen gemäß” ist?

Die Autorinnen aus dem o.g. Buch Jeder Tag ist kostbar empfehlen, sich behutsam mit einfachen Gedankenübungen diesem Thema zu nähern. Und eine dieser kleinen Übungen, die sehr viel Kraft empfalten kann ist eine einfache Frage. Eine Frage die Sie – am besten schriftlich – beantworten. Spontan und immer wieder. Ein paar Tage oder sogar Wochen hintereinander.

An dieser Stelle möchte ich Sie einladen, sich etwas zum Schreiben zu nehmen und diese Frage gleich jetzt beginnen zu beantworten:

Wer bin ich….?

Halten Sie fest, was Ihnen dazu einfällt. Ohne zu zensieren, kritisieren oder etwas besonderes schreiben zu wollen. Lassen Sie Ihre Gedanken einfach über Ihren Stift auf’s Papier fließen. Lesen Sie was vor Ihnen entsteht und spüren Sie den Gefühlen nach, die dabei in Ihnen hochkommen. Auch wenn Sie vielleicht anfangs Schwierigkeiten haben sollten, Ihnen nichts rechtes einfallen mag, lesen Sie immer wieder die Frage “Wer bin ich…?”

Wenn Sie möchten können Sie auch Ihre Emotionen zu Papier bringen, die Sie zu fühlen beginnen. Machen Sie keinen riesigen Akt draus, sondern nehmen einfach alles an, was da ist.

Und wenn Sie dies einige Tage oder auch länger machen – die Autorinnen empfehlen abends mit dieser Frage einzuschlafen und gleich nach dem Aufwachen darüber zu schreiben – werden Sie merken, dass sich Ihre Antworten ändern. Sie gelangen Stück für Stück zu Ihrem Wesenskern.

Ihre ganz persönlichen Antworten auf diese Frage können Sie zu einem Überdenken Ihres Lebens führen, einem Nachspüren ob Sie das Leben führen was Ihnen gemäß ist – wie bereits oben erwähnt. Und wenn Sie wollen, können Sie beginnen, das was Ihnen fehlt behutsam zu integrieren, Ideen dazu zu entwickeln und das was Ihnen nicht entspricht langsam zu reduzieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie dem Leben – das Ihnen selbst entspricht – immer näher kommen.

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 4 – Die Löffel-Liste

berwis_fuellfederhalter_252527.jpgHaben Sie den Film “Das Beste kommt zum Schluss” gesehen? Mit Jack Nicholson und Morgan Freeman? Nein? Dann sollten Sie das unbedingt nachholen.

Ein dichtes Portrait von zwei Menschen die unterschiedlicher nicht sein könnten und durch eine Diagnose, die beide gleichermaßen trifft, verbunden werden. Sie haben beide Krebs und Ihnen bleiben noch sechs Monate, mit Glück ein Jahr.

Bildquelle: berwis/pixelio.de

Es ist ganz erstaunlich wieviel Leben trotz diesem schweren Thema in den Film einzieht. Die beiden machen sich zu zweit auf die Reise. Finden durch ihr bevorstehendes Ende ins Leben zurück. Und all das wird möglich durch die “Löffel-Liste” (Bucket List).

Diese Liste beginnt Carter (Morgan Freeman) zu schreiben an, als er im Krankenhaus im gleichen Zimmer mit Edward (Jack Nicholson) liegt. Und sie soll all das aufnehmen, was er noch erleben möchte, bevor er “den Löffel abgibt”. Er setzt solche Dinge darauf wie “lachen, bis ich weinen muss” oder “etwas majestätisches sehen”.

Als er jedoch seine Diagnose erfährt, wirft er die angefangene Liste weg. Edward findet sie und ergänzt sie durch weitaus prosaischere Dinge wie Fallschirmspringen u.ä. Die Entscheidung sich auf all das einzulassen und diese Liste zu leben, fällt unter dem Aspekt “wenn nicht jetzt, dann nie mehr, denn ein später gibt es nicht“.

Vielleicht ahnen Sie schon auf was ich hinaus will und denken möglicherweise ‘jaja, kenn ich schon, ich soll jetzt auch so eine Liste schreiben blablabla….’

Und wissen Sie was, Sie haben damit vollkommen recht, falls Sie so etwas im Kopf haben sollten. Sogar auf zweierlei Art recht, denn ich möchte sie tatsächlich dazu einladen, Ihre ganz persönliche Löffel-Liste zu schreiben. Und Sie haben recht, dass es keinen Sinn macht, wenn man sich nicht dazu entscheidet, sich wirklich darauf einzulassen.

Doch mal ganz ehrlich, was ist schon dabei? Schenken Sie doch sich selbst die nächsten Minuten und denken mit Block und Stift über Ihre Löffel-Liste nach:

  • Was möchten Sie noch sehen von der Welt?
  • Welchen Traum schieben Sie schon soo lange vor sich her?
  • Welche Verrücktheiten wollten Sie immer schon mal machen?
  • Welche Sportart möchten Sie gern ausprobieren?
  • Welcher Nervenkitzel würde Sie lebendig fühlen lassen?
  • Was haben Sie Ihren liebsten Menschen nicht gesagt, obwohl Sie das schon lange tun wollten?
  • Wie können Sie Freude verbreiten?
  • Welche Geschenke möchten Sie sich selbst noch machen?
  • Bei wem möchten Sie sich bedanken?
  • Welches Naturerlebnis würde Sie innerlich still werden lassen?
  • Was würden Sie bereuen, wenn Sie es nicht machen würden?
  • Welches Essen möchten Sie noch kosten?
  • Welche Musik live hören?
  • Was möchten Sie noch lernen?
  • Welche Sprachen möchten Sie gern sprechen?
  • Welches Handwerk erlernen?
  • Welchen Tanz einüben?
  • Welche künstlerische Richtung möchten Sie ausprobieren?
  • Welches Auto (probe-)fahren?
  • Welche Bücher lesen?
  • Was wäre für Sie “etwas majestätisches sehen“?

Ergänzen Sie die Liste nach Belieben und fangen Sie all Ihre Gedanken dazu auf. Die Löffel-Liste ist eine wunderbare Möglichkeit wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Und damit im Jetzt zu leben.

Wenn Sie tatsächlich Ihre Liste angefangen haben, werden Sie den Zug spüren sie zu verwirklichen. Schritt um Schritt. Damit gestalten Sie aktiv Ihr Leben und leben MIT sich und nicht neben sich her.

Machen Sie einfach ohne lang darüber nachzudenken den Anfang. Schreiben Sie Ihre Löffel-Liste. Hier können Sie die Fragen zum Mitnehmen downloaden. Und als Inspiration sei Ihnen der Film “Das Beste kommt zum Schluss” nochmals ans Herz gelegt.

Wohlhabend ….. oder ….. reich ….?

j0386638.jpgÜber diesen Begriff bin heute gestolpert und hängengeblieben. Wohlhabend. Wohl haben.

Lässt sich “wohl” haben? Ist das nicht eher ein Gefühl? Das ist wirklich interessant. Ließe sich dann sagen, wer wohlhabend ist fühlt sich auch wohl? Oder ist es einfach nur eine Entsprechung von reich?

Welche gefühlte Qualität haben diese beiden Wörter für Sie?

Also ich für meinen Teil empfinde reich eher als kühl und wohlhabend eher als angenehm warm. Mit jemandem der wohlhabend ist, bringe ich auch eine wohl-wollende Geisteshaltung in Verbindung. Wie z. B. jemand der als Mäzen künstlerische Arbeit unterstützt oder als Initiator Stiftungen gründet.

Mit jemandem der reich ist bringe ich Dinge und Statussymbole in Verbindung. Und damit Besitzdenken und Fokussierung auf materielle Güter, Ansehen und ein bestimmtes Image.

Unter diesem Blickwinkel ist es für mich persönlich also erstrebenswerter wohlhabend zu sein als reich. Selbstverständlich ist das eben meine ganz persönliche Empfindung.

Worauf ich mit diesem Vergleich hinaus will, ist die Tatsache, dass Wörter für uns über die “duden’sche” Bedeutung hinaus eine ganz persönliche Qualität haben. Und diese beeinflusst uns weit mehr als wir denken.

Dieses plakative Beispiel mit wohlhabend/reich habe ich auch deswegen gewählt, weil es ein Anliegen vieler Menschen ist reich zu sein. Und doch scheint es nicht so einfach zu verwirklichen. Mal ganz abgesehen von äußeren Umständen, inneren Programmen u. ä. kann Ihnen eine aufmerksame Wahrnehmung Ihrer Empfindungen beim Nutzen bestimmter Wörter interessante Aufschlüsse geben. Sinn macht das vor allem dann, wenn Sie eine gewisse emotionale Intensität feststellen.

Und wenn nun jemand den Begriff “reich” in seiner gefühlten Qualität eher als unangenehm empfindet, ist dies ein weiterer Grund reich zu sein/zu werden tunlichst zu vermeiden. Denn wer strebt es schon an, sich unangenehm fühlen.

Probieren Sie es doch mit unseren Beispielwörtern selbst einmal aus und achten auf die ersten spontanen Emfindungen. Sie können Gegensatzpaare als Hilfestellung verwenden wie kalt/warm, dunkel/hell, weich/kratzig, schwer/leicht usw.

  • Wie fühlt sich “reich” für Sie an?
  • Und wie fühlt sich “wohlhabend” für Sie an?

Machen Sie sich ein paar kurze Notizen dazu, das kann sehr aufschlussreich sein.

Wie wär’s mit noch einem Wortpaar?

  • Wie fühlt sich Disziplin für Sie an?
  • Und wie steht’s mit Durchhaltevermögen?

Auch das ist ein Begriffpaar, das etwas sehr ähnliches beschreibt.

Wenn Sie nun auf diese spielerische Art Ihre Sprache und Wortwahl wahrnehmen, könnte es sein, dass Sie im übergeordneten Sinn eine Ahnung davon bekommen, welche Gefühle Sie sich selbst hauptsächlich verschaffen.

Was denken Sie? Welches Verhältnis wird sich bei Ihnen dabei ergeben? Eher in eine angenehme oder eine unangenehme Richtung? Schätzen Sie doch mal spontan das Verhältnis in %. (Diese spontanen Aussagen sind überaus interessant und spiegeln sehr häufig Ihre persönliche Realität.)

Sollten Sie bei 50/50 gelandet sein, so ist das doch schon mal ausbaufähig. Und wer den unangenehmen Bereich höher bewertet hat wie den angenehmen sollte sich darüber Gedanken machen, ob ihm denn das gefällt. Falls nicht, sollten Sie zusätzlich darauf achten, welche wortgewaltige Negativität von außen auf Sie einströmt, allein nur durch Zeitung, Fernsehen und Internet.

Sie dürfen eines nicht vergessen: Sobald der Mensch lesen gelernt hat, ist er nicht mehr in der Lage “nicht” zu lesen. Und das bedeutet damit, dass alle Katastrophenmeldungen die Ihnen als Text begegnen, alle Unglücke, Horrorszenarien der Wirtschaft usw. von Ihnen aufgenommen werden. Ob Sie nun wollen oder nicht. Denn Sie können nicht “nichtlesen”. Und das fördert das Wohlbefinden im seltensten Maße.

In so einem Fall kann ich Ihnen nur dringend eine Mediendiät empfehlen. Lesen Sie mal zwei Wochen keine Zeitung und sehen und hören keine Nachrichten an.

Falls Sie sich Sorgen machen etwas wichtiges zu verpassen, kann ich Sie beruhigen. Ich z.B. lese seit über 10 Jahren keine Zeitung mehr und höre und sehe mir keine Nachrichten mehr an. Und ich kann Ihnen aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass ich deswegen keineswegs uninformierter bin. Im Gegenteil es bleibt mehr Zeit für die gezielte Informationsaufnahme. Und das was soo wichtig ist, bekommen Sie sowieso mit. In Gesprächen in der Familie, mit Freunden und Kollegen.

Um den Kreis zu schließen als Resümee:

Worte haben für uns eine gefühlte Qualität und lösen etwas in uns aus. Das ist oft für jeden Menschen etwas anderes. Und um uns selbst mehr inneres Wohlbefinden zu verschaffen, lohnt es sich die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu erhöhen wenn wir mit Sprache umgehen.

Wer dazu gern etwas praktische Hilfe hätte, dem seien die Werke von Mechthild Scheurl-Defersdorf empfohlen. Sie hat das energetische Sprachtraining entwickelt, das sich mit der oft übersehenen Bedeutung und Wirkung von Worten beschäftigt. Hier finden Sie das ganze als wunderschön gestaltetes Kartenset.

Und wie immer freue ich mich auf Ihre Anmerkungen und Kommentare zum Thema.

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 3

wetterhahn.jpgLeben ist die Summe all unserer Entscheidungen.

Albert Camus – Fundstelle: Harvard Business Manager April 2006

Lassen Sie uns das nochmal ganz bewusst lesen:
~~~ Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen. ~~~

Das bedeutet also, das Leben, das Sie heute erleben, ist das Ergebnis all Ihrer bisherigen Entscheidungen. Wenn wir mal das Konzept der Fremdbestimmung, Sachzwänge oder wie man es auch immer bezeichnen möchte beiseite lassen, erleben Sie jetzt gerade in diesem Moment die Qualität Ihrer bisherigen Entscheidungen.

Lassen Sie diese Gedanken doch mal richtig wirken: Sie erleben jetzt gerade die Qualität und Ergebnisse Ihrer bisherigen Entscheidungen.

Wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt sich das an? Ist es ein frohes Gefühl, ein glückliches, ein zufriedenes, ein erschrockenes, ein trauriges, ein ärgerliches, ein ernüchterndes, ein….?

Nehmen Sie alles bewusst wahr, was als Empfindung in Ihnen aufsteigt und benennen Sie sie. Es fühlt sich ….. an.

Und was sagt uns diese Momentaufnahme? Nun sie gibt uns die Chance auf eine bestimmte Art und Weise unser Leben zu betrachten.

Wenn Sie diese Empfindung die Sie benannt haben ansehen: Welche Entscheidungen haben zu diesem Gefühl geführt? Grenzen Sie den Zeitraum über den Sie nachdenken bewusst auf verschiedene Ebenen ein. Welche Entscheidungen, die Sie:

  • heute
  • diese Woche
  • diesen Monat
  • dieses Jahr
  • noch länger zurück

getroffen haben, haben zu diesen Empfindungen geführt?

Gehen Sie noch einen Schritt weiter, welche Entscheidungen hätten Sie längst treffen müssen und sind noch offen?

Dieser Schwebezustand kann uns regelrecht lähmen. Wieso fällt es uns nur so schwer, manche Entscheidungen zu treffen? Der Hauptgrund ist meist eine diffuse Angst, die uns vor konkreten Schritten abhält. Wenn wir dieser Angst näher kommen, dann stellt sich fast immer heraus, dass wir Angst haben zu verlieren.

Vordergründig möglicherweise materielle Verluste, Imageverlust, Bequemlichkeit. Einen tieferen Blick darauf geworfen, zeigt sich unser wahres ängstliches Gesicht. Denn der befürchtete Verlust führt in unseren Gedanken häufig zu einem Wertigkeitsverluft in den Augen anderer. Und wenn Sie diesen Pfad zu Ende denken, landen Sie bei unserer Urangst ungeliebt zurückgelassen zu werden.

Entscheidungen haben einen Preis. Auch die, die Sie nicht treffen. Das sind die sog. Opportunitätskosten = Möglichkeitskosten.

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang, wenn man sich das Wort Ent-Scheid-ung näher betrachtet. Hier wird klar, dass es eben um ein Ab-Scheiden geht, eine Trennung. Doch um das wirklich tun zu können, müssen mir die Möglichkeiten klar sein, zwischen denen ich wählen kann. Und natürlich auch Klarheit darüber, was es mich jede Möglichkeit kostet, da ich dafür ja etwas anderes nicht (mehr) haben werde.

Wenn Sie z. B. schon des längeren an der Entscheidung dran sind, ob Sie den Job wechseln sollen, machen Sie sich klar, welche Ängste Sie mit dieser Entscheidung verbinden. Fürchten Sie materielle Einbußen, Kontakte zu verlieren, dem neuen nicht gewachsen zu sein, mehr Stress, Mobbing usw….?

Verschaffen Sie sich wirklich Klarheit über die beängstigenden Bilder die Ihnen dazu einfallen. Und wenn Sie damit wissen, vor was Sie zurückschrecken, werfen Sie gedanklich einen Blick auf das Gegenteil. Denn das ist es was Ihnen in diesen Momenten fehlt. Eben z. B. das sichere Gefühl genügend Geld zur Verfügung zu haben, die Gewissheit tragfähige Freundschaften zu haben, den Mut sich auf neues einlassen zu können und Freude dabei zu empfinden, Gelassenheit zu empfinden.

Da unsere Entscheidungen auf unseren Gedanken aufbauen, können Sie mit einem Blick auf Ihre bisherigen Entscheidungen sehen, was Sie wirklich denken. Über sich selbst denken. Und um nun zu für Sie besseren Entscheidungen zu kommen, ist Gedankenarbeit nötig.

Denn wohin Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken, dem geben Sie Energie. Was das bedeutet, kennt Jeder von Ihnen, der schon mal mit dem berühmten falschen Bein aufgestanden ist. Den Tag konnte man dann getrost abhaken. Doch wieso eigentlich? Wenn Sie sich in solchen Situationen selbst beim Denken zusehen könnten, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie einen Dialog ähnlich dem folgenden im Kopf haben:

“Na toll, der Tag fängt ja schon super an….Und heute hab ich auch noch….So ein Mist…..Shit, und das hab ich auch völlig vergessen…..oh Mann, XY wird wieder schlechte Laune haben…..zu spät dran bin ich auch schon wieder….usw. usw. usw.”

Und wenn Sie nun mit diesem negativen Energiepotential schon in den Tag starten, wird Ihnen Ihr Unterbewusstsein auch genügend Situationen liefern, mit denen sich genau dieser miese Verlauf bestätigt. Und das läuft nun keineswegs so bewusst ab, dass Sie diesen Prozess immer bemerken, Sie erleben “nur” das Ergebnis und Ihr Erleben zementiert wiederum Ihre Gedanken.

Was die meisten Menschen dabei vergessen: Das ist nur eine Richtung die man einschlagen kann. Auf der Spirale quasi nach unten zu reisen. Doch es bleibt ebenso die andere Möglichkeit, nach oben zu denken. Sich bewusst dafür zu entscheiden, sich von irgendwelchen Widrigkeiten nicht beeindrucken zu lassen und sich eine gelassene und frohe Stimmung zu bewahren.

Denn Sie sind HerrIn im Haus Ihrer Gedanken. Ich könnte mich noch sehr bemühen, dass Sie ganz bestimmte Gedanken denken. Doch das wird nicht funktionieren, denn ich kann mir schwerlich in Ihren Kopf einklinken. Denken tun nur Sie allein. Niemand sonst ist in Ihrem Kopf. Sie sind HerrIn Ihrer Gedanken.

Das gibt Ihnen die Freiheit Ihre Gedanken zu wählen. Und auch abzuwählen. Das macht man nun vielleicht nicht mal “eben schnell” nebenbei. Das erfordert tatsächlich Gedankenarbeit. Das ist wahr. Und natürlich ist es auch nicht immer einfach. Doch von einfach hat auch keiner was gesagt…

Auf der anderen Seite lernen Sie dadurch die Magie kennen, die bewusste Gedanken und Entscheidungen verbreiten. Je bewusster ein Mensch sich über seine inneren Motive im Klaren ist und umso fokussierter die eigene Aufmerksamkeit darauf ausgerichtet ist, umso zufriedener und glücklicher werden Sie sich fühlen.

Und damit möchte die Schleife “binden” zu unserem Eingangszitat von Albert Camus: “Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen.”

Ist es nicht erstrebenswert sich einfach gut bei diesem Blick auf das eigene Leben zu fühlen? Dass die Entscheidungen die wir treffen, uns glücklich, zufrieden, freudig und gelassen stimmen?

Sie können in jeder Sekunde Ihres Lebens anfangen, die Qualität Ihrer Gedanken und Entscheidungen zu verbessern. Trainieren Sie Ihre bewusste Wahrnehmung und nehmen Sie die Wirkung Ihrer Gedanken und Handlungen wahr. Seien Sie nahe an sich dran. Seien Sie sich nahe im Geiste.

Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 2

gehhilfe.jpgHilfe von außen hat oft zur Folge, dass man geschwächt wird. Wenn man sich auf die inneren Ressourcen verlässt, wird einen das hingegen immer stärken. Was auch für einen getan wird, es nimmt einem bis zu einem gewissen Grad den Antrieb und die Notwendigkeit, selbst etwas für sich zu tun.

Samuel Smiles 1866 – Fundstelle: Fiona Harrol – Life Coach

Dieser Text lässt sich nun wirklich nicht als brandneu bezeichnen. Er wurde immerhin vor 142 Jahren verfasst. Und doch hat er nichts von seiner Wahrheit eingebüßt. Wenn man sich auf diesen Gedanken einlässt, gibt es viel zu entdecken.

Auf das eigene Umfeld übertragen können sich interessante Fragen ergeben: Wo z.B. übernehmen Sie zuviel Verantwortung und nehmen damit anderen die Möglichkeit es selbst zu tun?

Und auf der anderen Seite, was wird Ihnen zu sehr abgenommen? Wo lassen Sie sich schwächen?

Als weiteren Aspekt lässt sich die Frage nach den inneren Ressourcen stellen. Inwieweit machen Sie von Ihren Kräften Gebrauch und stärken sich selbst den Rücken?

Wie so oft ist eine zu starke Verantwortungsübernahme angstgesteuert. Denjenigen, denen man etwas abnimmt (ob nun familiär, beruflich oder in einem anderem Umfeld), traut man nicht zu, dass Sie es selbst können. Oder vielleicht besser gesagt, man traut Ihnen nicht zu, dass Sie es so machen, wie WIR es als richtig ansehen.

Doch wir vergessen dabei, dass nur wer die Erlaubnis hat etwas auszuprobieren und dabei auch evtl. scheitern darf, wird aus seinen Erfahrungen einen Schatz anlegen können, der ihm auf seiner weiteren Reise wertvoll ist.

Auch jemanden zu sehr zu brauchen, kann dazu führen, dass wir ihn quasi in unser Netz der Verantwortlichkeit einspinnen. Nicht loslassen wollen und davor Angst zu haben, abgelöst zu werden.

Das Festhalten lässt uns klammern und den anderen wie eine Beute einbinden. Die Folge ist häufig spontane Aggression auf der einen Seite und Hilflosigkeit auf der anderen. Man meint es ja nur gut und genau dieser Gedanke lässt uns zu sehr auf jemand anderen fixiert sein.

Der Witz dabei ist, dass wir es damit in erster Linie gut mit UNS meinen und erst in zweiter Linie mit dem anderen. Denn im Sorgen und Verantwortlichsein für den anderen erleben wir uns verbunden und fühlen uns sicher vor dem Verlassen werden.

Die gute Lösung liegt wie so oft in unserem Inneren. Wer Verantwortung abgeben kann, schenkt seinem Gegenüber etwas sehr wertvolles: Vertrauen. Und genau das ist es auch, was wir uns selbst schenken sollten. Vertrauen. In uns. In unsere Fähigkeiten. In unsere Stärke. In unsere Verantwortlichkeit uns selbst gegenüber.

Was können Sie jetzt tun, um das Vertrauen in sich zu stärken?
Mit was für einer Art zu denken sollten Sie aufhören?
Und mit welchen Gedanken bestärken Sie Ihr Vertrauen?

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