Schaffe ich das?

Vor kurzem hab ich mich mit einer Bekannten unterhalten und sie sagte im Gespräch „ich weiß ja gar nicht, ob ich das gut genug kann„. Wieso passiert es uns so oft, dass wir als erstes annehmen, etwas nicht gut genug zu können? Nicht zu genügen? Dass unsere Fähigkeiten nicht ausreichen könnten und wir damit nicht bestehen?

Wie mutlos wir uns doch damit selbst machen. Und auch wenn dann das Gegenüber bestärkt und sagt, ‚ach, das schaffst du schon‘, winken wir ab und sind uns unsicher.

In einer Zeit, in der in den Medien auf den meisten Sendern eine Kultur des Ausstechens, Konkurrierens, Urteilens und gelinge gesagt, verbalem Fertigmachens auf persönlichster Ebene geprägt wird, wundern mich diese Reaktionen allerdings immer weniger. Ich frage mich jedoch, wer hat das bestellt?

Bildquelle: @flickr/Jan Ramroth

Wer möchte wirklich ein Vorführen von Kandidaten (ob nun Schönheitswahn, Künstlerwunsch, Politisierens und was weiß ich noch alles) und einem anschließenden akribischen Zerlegens derselben sehen? Und wie geht es euch mit den Damen und Herren der verschiedenen Jurys/Talkshows? Ist das wirklich ein (kluger?) Querschnitt, den wir uns als RatgeberInnen wünschen? Das möchte ich doch arg bezweifeln. Vielleicht sollten wir innehalten und überlegen, ob wir da nicht den falschen Vorbildern unglaubliche Wertungsmacht einräumen.

Es bürgert sich durch diese vielen Sendungsformate ein immer mehr abwertender Sprachstil ein, der zunehmend in unsere Gesellschaft übernommen wird. Wollen wir das wirklich? Oder nehmen wir das durch fehlenden Abstand dazu überhaupt nicht mehr wahr?

Mit was wir uns umgeben, das prägt uns.

Daran ist nun mal wenig zu rütteln. Um zu meinem Ausgangsabsatz zurückzukehren: wenn wir uns, unsere Kinder und die Menschen in unserer Umgebung darin unterstützen wollen, dass wir glauben ‚ja, ich denke, das schaffe ich‘ sollten wir das, was wir durch die Medien in unseren Geist und unser Herz gelangen lassen, äußerst achtsam betrachten.

Weise Entscheidungen treffen, in der Auswahl dessen, was uns gut tut. Welche Art von Sprache uns wachsen lässt, welcher Zuspruch, welche Ermutigung, das spüren wir sofort. Und auch wenn es im Leben tatsächlich immer wieder um Konkurrenz gehen wird, kommt es immer noch darauf, WIE wir miteinander konkurrieren.

Fair zu kämpfen, sportliches Verhalten, kluges Ringen bedingt große Klarheit für das Eigene. Wenn ich nur darauf schaue, gegenüber jemand anderem besser zu sein, bin ich nicht mehr bei mir. Dann werde ich auch umso tiefer enttäuscht sein, wenn ich verliere.

Bleibe ich jedoch mit konzentrierter Aufmerksamkeit bei mir, sammle mich und spüre wie meine Kraft von innen aufsteigt, werde ich aufhören können mich mit anderen zu vergleichen und der Angst – nicht gut genug zu sein – die Stirn zu bieten. An der eigenen Fähigkeit zu erfreuen, Weiterentwicklung zu spüren, in Leichtigkeit und nicht unter Druck zu agieren bringt die Freude an Leistung wieder zurück.

Sprache ist eines unserer prägendsten Kulturmittel. Sollten wir uns daher nicht diesem aktuellen Sprachgebrauch aktiv verweigern und Sprache so einsetzen, wie es einer Hochkultur gut zu Gesicht stünde?

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5 Kommentare zu “Schaffe ich das?

  1. Tja, die Blockaden. Alle oder fast alle nur im Kopf und es ist gar nicht so leicht, diese einzureißen. Sprache ist auf jeden Fall schon mal ein guter Ansatz. Die eigenen Gedanken beobachten und etwas achtsamer und freundlicher mit sich selber werden. Nicht so leicht, im Alltagstrubel den Fokus darauf zu behalten.

  2. @indivisuell
    Wie meinte mein alter Mathelehrer immer: „Von einfach hat keiner was gesagt!“ Tja, so ist das wohl im Leben. An manchem lohnt sich das Dranbleiben jedoch und so mancher Stupps von außen kann ja helfen 🙂

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