Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 3

wetterhahn.jpgLeben ist die Summe all unserer Entscheidungen.

Albert Camus – Fundstelle: Harvard Business Manager April 2006

Lassen Sie uns das nochmal ganz bewusst lesen:
~~~ Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen. ~~~

Das bedeutet also, das Leben, das Sie heute erleben, ist das Ergebnis all Ihrer bisherigen Entscheidungen. Wenn wir mal das Konzept der Fremdbestimmung, Sachzwänge oder wie man es auch immer bezeichnen möchte beiseite lassen, erleben Sie jetzt gerade in diesem Moment die Qualität Ihrer bisherigen Entscheidungen.

Lassen Sie diese Gedanken doch mal richtig wirken: Sie erleben jetzt gerade die Qualität und Ergebnisse Ihrer bisherigen Entscheidungen.

Wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt sich das an? Ist es ein frohes Gefühl, ein glückliches, ein zufriedenes, ein erschrockenes, ein trauriges, ein ärgerliches, ein ernüchterndes, ein….?

Nehmen Sie alles bewusst wahr, was als Empfindung in Ihnen aufsteigt und benennen Sie sie. Es fühlt sich ….. an.

Und was sagt uns diese Momentaufnahme? Nun sie gibt uns die Chance auf eine bestimmte Art und Weise unser Leben zu betrachten.

Wenn Sie diese Empfindung die Sie benannt haben ansehen: Welche Entscheidungen haben zu diesem Gefühl geführt? Grenzen Sie den Zeitraum über den Sie nachdenken bewusst auf verschiedene Ebenen ein. Welche Entscheidungen, die Sie:

  • heute
  • diese Woche
  • diesen Monat
  • dieses Jahr
  • noch länger zurück

getroffen haben, haben zu diesen Empfindungen geführt?

Gehen Sie noch einen Schritt weiter, welche Entscheidungen hätten Sie längst treffen müssen und sind noch offen?

Dieser Schwebezustand kann uns regelrecht lähmen. Wieso fällt es uns nur so schwer, manche Entscheidungen zu treffen? Der Hauptgrund ist meist eine diffuse Angst, die uns vor konkreten Schritten abhält. Wenn wir dieser Angst näher kommen, dann stellt sich fast immer heraus, dass wir Angst haben zu verlieren.

Vordergründig möglicherweise materielle Verluste, Imageverlust, Bequemlichkeit. Einen tieferen Blick darauf geworfen, zeigt sich unser wahres ängstliches Gesicht. Denn der befürchtete Verlust führt in unseren Gedanken häufig zu einem Wertigkeitsverluft in den Augen anderer. Und wenn Sie diesen Pfad zu Ende denken, landen Sie bei unserer Urangst ungeliebt zurückgelassen zu werden.

Entscheidungen haben einen Preis. Auch die, die Sie nicht treffen. Das sind die sog. Opportunitätskosten = Möglichkeitskosten.

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang, wenn man sich das Wort Ent-Scheid-ung näher betrachtet. Hier wird klar, dass es eben um ein Ab-Scheiden geht, eine Trennung. Doch um das wirklich tun zu können, müssen mir die Möglichkeiten klar sein, zwischen denen ich wählen kann. Und natürlich auch Klarheit darüber, was es mich jede Möglichkeit kostet, da ich dafür ja etwas anderes nicht (mehr) haben werde.

Wenn Sie z. B. schon des längeren an der Entscheidung dran sind, ob Sie den Job wechseln sollen, machen Sie sich klar, welche Ängste Sie mit dieser Entscheidung verbinden. Fürchten Sie materielle Einbußen, Kontakte zu verlieren, dem neuen nicht gewachsen zu sein, mehr Stress, Mobbing usw….?

Verschaffen Sie sich wirklich Klarheit über die beängstigenden Bilder die Ihnen dazu einfallen. Und wenn Sie damit wissen, vor was Sie zurückschrecken, werfen Sie gedanklich einen Blick auf das Gegenteil. Denn das ist es was Ihnen in diesen Momenten fehlt. Eben z. B. das sichere Gefühl genügend Geld zur Verfügung zu haben, die Gewissheit tragfähige Freundschaften zu haben, den Mut sich auf neues einlassen zu können und Freude dabei zu empfinden, Gelassenheit zu empfinden.

Da unsere Entscheidungen auf unseren Gedanken aufbauen, können Sie mit einem Blick auf Ihre bisherigen Entscheidungen sehen, was Sie wirklich denken. Über sich selbst denken. Und um nun zu für Sie besseren Entscheidungen zu kommen, ist Gedankenarbeit nötig.

Denn wohin Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken, dem geben Sie Energie. Was das bedeutet, kennt Jeder von Ihnen, der schon mal mit dem berühmten falschen Bein aufgestanden ist. Den Tag konnte man dann getrost abhaken. Doch wieso eigentlich? Wenn Sie sich in solchen Situationen selbst beim Denken zusehen könnten, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie einen Dialog ähnlich dem folgenden im Kopf haben:

“Na toll, der Tag fängt ja schon super an….Und heute hab ich auch noch….So ein Mist…..Shit, und das hab ich auch völlig vergessen…..oh Mann, XY wird wieder schlechte Laune haben…..zu spät dran bin ich auch schon wieder….usw. usw. usw.”

Und wenn Sie nun mit diesem negativen Energiepotential schon in den Tag starten, wird Ihnen Ihr Unterbewusstsein auch genügend Situationen liefern, mit denen sich genau dieser miese Verlauf bestätigt. Und das läuft nun keineswegs so bewusst ab, dass Sie diesen Prozess immer bemerken, Sie erleben “nur” das Ergebnis und Ihr Erleben zementiert wiederum Ihre Gedanken.

Was die meisten Menschen dabei vergessen: Das ist nur eine Richtung die man einschlagen kann. Auf der Spirale quasi nach unten zu reisen. Doch es bleibt ebenso die andere Möglichkeit, nach oben zu denken. Sich bewusst dafür zu entscheiden, sich von irgendwelchen Widrigkeiten nicht beeindrucken zu lassen und sich eine gelassene und frohe Stimmung zu bewahren.

Denn Sie sind HerrIn im Haus Ihrer Gedanken. Ich könnte mich noch sehr bemühen, dass Sie ganz bestimmte Gedanken denken. Doch das wird nicht funktionieren, denn ich kann mir schwerlich in Ihren Kopf einklinken. Denken tun nur Sie allein. Niemand sonst ist in Ihrem Kopf. Sie sind HerrIn Ihrer Gedanken.

Das gibt Ihnen die Freiheit Ihre Gedanken zu wählen. Und auch abzuwählen. Das macht man nun vielleicht nicht mal “eben schnell” nebenbei. Das erfordert tatsächlich Gedankenarbeit. Das ist wahr. Und natürlich ist es auch nicht immer einfach. Doch von einfach hat auch keiner was gesagt…

Auf der anderen Seite lernen Sie dadurch die Magie kennen, die bewusste Gedanken und Entscheidungen verbreiten. Je bewusster ein Mensch sich über seine inneren Motive im Klaren ist und umso fokussierter die eigene Aufmerksamkeit darauf ausgerichtet ist, umso zufriedener und glücklicher werden Sie sich fühlen.

Und damit möchte die Schleife “binden” zu unserem Eingangszitat von Albert Camus: “Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen.”

Ist es nicht erstrebenswert sich einfach gut bei diesem Blick auf das eigene Leben zu fühlen? Dass die Entscheidungen die wir treffen, uns glücklich, zufrieden, freudig und gelassen stimmen?

Sie können in jeder Sekunde Ihres Lebens anfangen, die Qualität Ihrer Gedanken und Entscheidungen zu verbessern. Trainieren Sie Ihre bewusste Wahrnehmung und nehmen Sie die Wirkung Ihrer Gedanken und Handlungen wahr. Seien Sie nahe an sich dran. Seien Sie sich nahe im Geiste.

4 Replies to “Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 3”

  1. Wow, schöner Artikel, sehr wertvolle Gedanken. Danke. Das passt gut zu meinem (unseren) aktuellen Thema und auch das Bild ist sehr gut. Ich kann mich treiben und drehen lassen wie der Wetterhahn im Wind – oder eben bewußt entscheiden und eine Richtung wählen.
    Nur in einem Punkt stimme ich nicht mit Dir überein: Sprachlich meint “Ent-Scheidung” nicht eine weitere Trennung, sondern die Vorsilbe “Ent-” meint eine Aufhebung der Trennung, des “Abge-Schieden-seins”.
    Ist auf den ersten Blick nicht ganz easy zu verstehen, ich habe auch einige viele Tage und Wochen immer wieder auf diesem sprachlichen Konzept herumgedacht, weil das “ent-” gerade so schwer zu verstehen ist.
    Klassisches Beispiel aus meiner Erlebenswelt als Mutter: Das andere Wort für Geburt lautet “Ent-bindung” und da wird mit dem Durchtrennen der Nabelschnur eine sehr innige Bindung zwischen Baby und Mutter aufgehoben. Die Vorsilbe “ent-” steht für beenden, auflösen.
    Also bedeutet Ent-Scheidung, dass eine Trennung, eine Scheidung rückgängig gemacht wird, nur welche?

    Mein Denkansatz dazu lautet: Es ist die Trennung von meinem inneren Wissen, welches der richtige Weg ist.
    Wenn ich ganz aufmerksam auf die Signale meines Körpers höre, dann fallen mir alle “Ent-Scheidungen” ganz leicht, dann kann ich dem Bauchgefühl und der Intuition vertrauen und mich für mich Selbst entscheiden, also den Zustand des inneren Getrennt-Seins von mir selbst aufzulösen.

    Komplexes Sprachgewirr, aber sehr essentiell, darüber nachzudenken. Sehr lesenswert dazu: Das Kapitel “Entscheidungen” aus dem Buch “Ja, aber…” von Leila Kühne de Haan.

    LG, Claudia

  2. … daraus gefällt mir am Besten die Vorstellung des Wetterhahns, sich treiben lassen, dabei stets nach innen horchen, bei sich bleiben, wahrnehmen um von dort aus wenn nötig zu entscheiden, so kann nix schief gehen, ideal 🙂 liebe grüße petra

  3. naja, claudi. man kann ja auch alles übertreiben. sieh das alles mal ein bisschen locker und ENTspanne dich!

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