Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 10 – Jeder ist ein Haus mit vier Räumen

„Jeder ist ein Haus mit vier Räumen – ein körperlicher, ein geistiger, ein emotionaler und ein spiritueller Raum. Die meisten von uns leben die ganze Zeit in einem Raum, aber wenn wir nicht jeden Tag in jeden Raum gehen, und sei es nur, um ihn zu lüften, bleiben wir unvollständige Menschen.”

Dieses indianische Sprichwort zitiert Rumer Godden in ihrer Biographie. Eine wunderschöne Metapher, die sehr zum Nachdenken anregt.

Lassen Sie uns doch dazu ein Bild malen: In vielen Leben nimmt die Arbeit sehr viel Raum ein. Wir betätigen uns viel mehr geistig als körperlich. Ein wenig Sport zum Ausgleich, falls Zeit dafür bleibt, doch häufig eben nicht. Der geistige Überhang verdrängt nicht nur körperliche Tätigkeiten sondern die stete Analyse verhindert zudem den Zugang zu unserem Fühlen. Wir sind zu sehr im Kopf und zu wenig im Herz. Und wer nun nicht in einer religiösen Tradition aufgewachsen ist und das Praktizieren dieser beibehalten hat oder für sich einen Zugang zu spirituellem Gedankengut gefunden hat, wird Spiritualität nicht unbedingt als Lebensbestandteil ansehen.

Wie sieht nun so ein Haus aus? Nach unseren obigen Gedanken hat es ein riesengroßes Büro, das nicht nur die untere Etage einnimmt, sondern auch den größten Teil des Obergeschosses, dort oben gibt es dann noch eine winzige Küche um uns zu versorgen, im kleinen Wohnzimmer steht ein klappriges Sofa und das Schlafzimmer ist grad mal so groß wie das Bett. Können Sie sich das vorstellen? Im Prinzip ist das fast so, als ob wir über unserer Firma, in der wir beschäftigt sind, ein Wohnklo mit Küche und Bett haben.

Natürlich verbringen wir im Alltag den größten Teil unserer Zeit, wenn wir Vollzeit beschäftigt sind, an unserem Arbeitsplatz. Doch wieso nehmen wir uns nicht öfter mal mittags die Zeit wirklich rauszugehen, uns ins Grüne zu setzen oder vielleicht sogar in eine in der Nähe liegende Kirche und schalten tatsächlich um von geistigem Dauerlauf auf die Verbindung mit etwas größerem als wir sind?

Oder gehen nach Arbeitsende noch zum Schwimmen oder in die Sauna? Nicht um dort auch wieder Höchstleistungen zu bringen, sondern um auf Körperwahrnehmung umzuschalten. Damit durchbrechen wir auch völlig unnötige und uns peinigende Dauerschleifen von Gedanken über nicht gut gelaufene Aktionen des Tages.

Je öfter wir diese kurzen Umschaltungen vornehmen, also zumindest in jeden Raum gehen um dort zu lüften, wie es in den Zeilen oben heißt, umso mehr trägt uns dieser Ausgleich in allen Bereichen unseres Lebens. Wir nehmen uns immer mehr wirklich wahr, auch im Arbeitsleben. Spüren viel früher, wenn wir angespannt sind, können gegensteuern und damit Stressfaktoren reduzieren. Die Gespräche die wir führen, wenn wir immer mehr alle Räume in uns bewohnen, werden weitaus wahrhaftiger und intensiver, da wir da sein können, mitfühlen können und wollen.

Zeichnen Sie doch mal spontan das Haus mit den vier Räumen, wie es Ihrem momentanen Leben entspricht.

Wie groß sind die einzelnen Räume? Wie gefällt Ihnen Ihr Bild? Wenn Sie gern „umbauen“ möchten, was für Ideen haben Sie für ein Neugestaltung? Was für Gegenstände können Sie z. B. im geistigen Büro unterbringen, die Sie an Ihre anderen Räume erinnern und animiert auch in diesen zu wohnen? Und wie können Sie Räume, die viel zu klein sind vergrößern? Auf welches Mobiliar können Sie dafür in anderen, sehr großen Räumen verzichten und dadurch verkleinern?

Über alle Ideen dazu freu ich mich sehr! Schreiben Sie mir doch was Ihnen einfällt, denn auch ich bin für jeden hilfreichen Gedanken dankbar, der es leichter macht, nicht nur in den Räumen die wir sind, zu lüften, sondern auch wirklich zu leben.

Denn außer Frage steht, dass ein Leben, in dem wir alle Räume wirklich bewohnen, von Gelassenheit und innerer Ruhe getragen wird.

Bildquelle: laynecom

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11 Kommentare zu “Quintessenz – Gedanken zum Mitnehmen – Ausgabe 10 – Jeder ist ein Haus mit vier Räumen

  1. Getroffen.

    Ich bewohne alle Räume – leider phasenweise… Ein paar Wochen den einen, dann den nächsten usw.
    Keine brauchbare Strategie: Wenn ich wechsele, muss ich den so lange unbewohnten Raum nicht nur lüften, sondern komplett auf- und umräumen, neu streichen, Fenster putzen…
    währenddessen gammeln die anderen Räume so vor sich hin, bis ich denke: „So, jetzt sieht´s hier wieder gut aus – auf ins nächste Zimmer.“
    Hm. Liest sich, als würde ich ständig hinter mir herräumen.

    Den Gedanken lass ich jetzt mal wirken.
    Danke 😉 evi.

  2. @ponyQ
    da geht’s dir nicht nur allein so… ich kenn das auch, diesen Effekt des ständig hinter mir herräumens 🙁 Meine persönliche Strategie sind kleine Rituale wie Meditieren und Morgenseiten schreiben, damit mein Tag zumindest ruhig und gesammelt beginnen kann.

  3. Morgenseiten…
    Es fällt mir nur so sauschwer, die Hand ohne Umweg über den Kopf einfach laufen zu lassen – und dann wird daraus ja eher eine Pen&Paper-Denkerei, um die ich mich beliebig (tage-)lang selber drehen kann.
    Aber ein (gefühlt 10.)Versuch kann ja nicht schaden.
    🙂

  4. hm, vielleicht ist das dann auch einfach nicht das richtige für dich? Es passt ja auch nicht alles für jede(n). Als ich vor vielen Jahren damit angefangen habe, hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis sich der heilsame Effekt eingestellt hat. Manchmal hilft das dranbleiben, ohne viel darüber nachzudenken 🙂

  5. Danke liebe Alexandra für diesen tollen Blogpost. Darüber muss ich erst mal nachdenken. Oder doch lieber nachspüren. Du hast damit mehr als einen Nerv getroffen.

  6. Welch ein passendes Bild du zeichnest. Und ich nun auch. Ich merke gerade, dass schon das Nachdenken darüber lohnt.
    Die Räume sind da. Und sie sind anders zugeschnitten, als noch vor Jahren. Einer, zwei,… dieser Räume sind in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Einer davon viel zu groß.
    Und zwei zu klein…
    Doch wie kann ein Umbau möglich werden, wenn doch die Mauer zwischen den Räumen noch so dick ist?
    Was fehlt, ist ein Durchbruch. Ein Durchbruch zwischen der Werkhalle und dem ganz großen Hobbyraum.
    Und dann die beiden anderen Zimmerchen wieder auf die richtige Größe bringen…
    Hmmm… klingt irgendwie nach viel Arbeit…

  7. @apfelmuse
    Spüren ist dabei immer das beste Mittel. Da gibt’s dann auch nach einer Zeit Ahnungen, wie sich das Leben gelassener gestalten lässt.

    @Saarlandman
    Es ist schon interessant, das Haus alle paar Jahre wieder mal zu zeichnen. Es verändert sich, so wie das Leben.

    Die Mauer zwischen den Räumen ist noch so dick, schreibst du. Der Durchbruch findet meist schon beginnend dadurch statt, dass man sich über das Bild Gedanken macht. Und bei einem so großen Hobbyraum gibt es bestimmt genügend Kreativität die man für einen Umbau braucht und das ganze noch gepaart mit Leichtigkeit und Freude 🙂

  8. Pingback: Gehört und gelesen, Woche 29 « Bachmichels Haus

  9. Ein schönes Bild. Vor allem ein, das man sich zu Herzen nehmen sollte. Im wahrsten Sinne des Wortes! Damit wir mehr im Herzen leben und jeden Raum zu unserem Raum machen!
    Weg vom Wohnklo, rein ins Wohlfühlhaus in dem Arbeiten und Leben eine Freude ist! Oder?

    Danke! Für die Inspiration und vieles mehr!

    Birgit :-))

  10. Pingback: Mehr Schwimmen, weniger Surfen

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