Neues aus dem Förderdschungel

Ich komme gerade von einer Veranstaltung in der IHK Passau mit dem bezeichnenden Titel “Was die niederbayerische Regierung für die Wirtschaft tut”. Es gab vier Referate vom Regierungspräsidenten und anderen Obrigkeiten. War ganz interessant und doch wundere ich mich immer wieder wie Leute, die tagtäglich Reden schwingen, keine Ahnung von Rhetorik haben können. Wenn ich bei den “ähhs” Stricherl gemacht hätte, dann wäre mein Block voll gewesen…

Interessant wurde dann die Fragerunde. Ich hatte mir das ganze sowieso nur deswegen angetan, weil unter der tollen Überschrift als Untertitel “Informationen zu den Förderungen” zu lesen war. Und dann kamen auch die ersten Fragen zu genau diesem Thema und ich hatte dann später auch noch mal eingehakt.

Fakten sind folgende (und da denke ich mir echt, Gute Nacht Deutschland [vor allem Niederbayern] und Guten Morgen Tschechien…):

* Die Einzelföderungen für Firmen laufen im Jahr 2006 aus. D. h. konkret als kleines und mittleres Unternehmen krieg ich dann keine “normalen” Fördermittel mehr. Wie z. B. für eine Produkteinführung u. ä.

* Außerdem hat die EU (die jetzt im übrigen sowieso alles entscheidet und nicht mehr die einzelnen Länder…) die Größe von kleinen und mittleren Unternehmen neu definiert. Ein kleines Unternehmen geht nach der neuen Regelung dann nur noch bis 49 Mitarbeiter und ein mittleres von 50 bis 249. Tja, wenn ich richtig rechne, dann sind das um die Hälfte weniger Mitarbeiter bei den mittleren Unternehmen als vorher.

* Die Zonenrandförderung wird (das hat jetzt mal die deutsche Regierung vor und nicht die EU) nur noch auf Ostdeutschland beschränkt. Denn Bayern grenzt ja nicht an Tschechien und hat eine ewige Grenzlinie, ach und die Unternehmen reißen sich ja geradezu darum, in diesem Bereich ansässig zu werden tstststs… Könnten da in Berlin auch mal wieder auf die Karte schauen.

* Und wenn wir gerade bei unseren tschechischen Nachbarn sind: Da hat die EU Förderungen geplant, dass es dir echt die Schuhe auszieht. Von bis zu 70 % (!) an Zuschüssen pro Antrag. In unseren Landen dagegen, gibt es ab 2007 nur noch max. 20 % bei kleinen Unternehmen und nur max. (!) 10 % für mittlere Unternehmen Förderanteile und auch nur dann wenn sich das Projekt irgendwie mit Technik, Innovation und sonstigen Bähwörtern beschäftigt. Ansonsten niente.

* In mehreren Referaten wurde immer wieder angesprochen, dass der Netzwerkgedanke und die Clusterbildung die zukünftigen Aufgaben sind. Auf meine Frage, ob denn die Firmen bei der Netzwerkbildung unterstützt werden durch Förderungen bzw. ob es denn den Firmen die sich im Netzwerk zusammengeschlossen haben, ermöglicht wird, gemeinsam Förderungen für “normale” Projekte zu beantragen, bekam ich doch tatsächlich folgende Antwort: “Das wissen wir selbst noch nicht, was da überhaupt kommt. Wir können nur sagen, was gestrichen wird.”

* Und jetzt kommt der Clou: In einem Nebensatz eines Teilnehmers der des öfteren mit EU-Förderungen befasst ist, wurde folgende These aufgestellt: Es deutet sehr viel daraufhin, dass es zukünftig von der EU sowieso viele Fördermittel nur dann noch gibt, wenn das Unternehmen bereits in einem Netzwerk dabei ist….

Darauf fiel mir dann nichts mehr ein und ich hab mich dann vom Acker gemacht und die Jungs (ich war eine der wenigen Frauen unter den ganzen Schlipps- und Kragenträgern) weiter quatschen lassen.

Tja, meine Konsequenz ist ganz klar, dass ich den Firmen, mit denen ich Kontakt habe, aufbaue oder aufbauen werde, sehr ans Herz lege, möglichst dieses Jahr noch Förderanträge zu stellen.

Ich bin (manchmal bin ich einfach ein Glückskind 🙂 witzigerweise neben dem Leiter des Gründerzentrums Waldkirchen gesessen und er ist außerdem Redakteur des Magazins “Chance” und diese hab ich dann natürlich auch gewittert! (Oh Mann, jetzt werd ich auch schon sprachwitzig, das ist bestimmt die Uhrzeit…)

Werd mich morgen bei ihm melden und ihm anbieten Strategietage für seine Firmen durchzuführen. Im Kontakten bin ich halt einfach die Beste *selbst.auf.die.schulter.klopf.und.gleichzeitig.beweihräuchere* Ohje, ich glaube, jetzt ist langsam Bettchenzeit, ich krieg schon Schreibhalluzinationen….

Resümee: Wissensmanagement ist eines der Schlagworte, für die es wahrscheinlich auch noch in Zukunft Förderungen geben wird. Außerdem ist die Netzwerk- und Clusterbildung einfach unumgänglich. Und da die Nase vornzuhaben, ist mit Sicherheit nicht verkehrt.
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