Was wäre wenn…
25. Januar 2006, 18:05 Uhr
… Ihre Stelle gestrichen würde?
Eine provokante Frage, ich weiß. Doch es lohnt sich, hier genauer hinzuschauen. Wollen wir das ganze mal ein wenig erweitern. Nehmen Sie sich ein bißchen Zeit, Papier und Stift und lassen Sie uns beginnen:
Stellen Sie sich als Gedankenexperiment vor, das Unternehmen in dem Sie arbeiten, sei ein lebendes Wesen. Ein Wesen mit Organen wie Herz, Lunge, Magen usw. Es hat Augen, ein Gehirn, Nervenbahnen, Adern, Beine, Arme und alles was man sonst noch so braucht. Wenn Sie ein Bild vor sich sehen und sei es noch so verschwommen, dann malen Sie es auf. Mit einfachen Strichen. Sie müssen es niemandem zeigen, es ist nur für Sie.
Und ob Sie nun ein Bild gezeichnet vor sich haben, eine Vorstellung im Kopf, ein Gefühl, eine Tonspur, egal was, nehmen Sie einen Stift zur Hand. Und schreiben Sie alle Gedanken auf, die Ihnen in diesem Moment dazu durch den Kopf gehen. Ohne sie zu bewerten, einzustufen oder sonstiges beurteilen. Schreiben Sie mindestens 2 Minuten lang. Wenn Ihnen grad mal nichts einfällt, dann schreiben Sie auf was Sie in Ihrer Vorstellung sehen. "Beschreiben" Sie.
Jetzt lesen Sie in aller Ruhe durch, was Sie geschrieben haben. Notieren Sie weitere Gedanken, die Ihnen beim Lesen einfallen.
Was Sie gerade gemacht haben, ist eine Momentaufnahme von Ihren Eindrücken und Ihrem jetzigen Erleben Ihrer aktuellen Arbeitsplatzsituation. Auch daraus lässt sich bereits schon vieles ableiten. Doch lassen Sie uns noch einen Schritt weiter gehen.
Holen Sie noch einmal das Bild und/oder die Vorstellung von dem Wesen hervor, das für Sie Ihr Unternehmen darstellt. Und nun definieren Sie Ihren Platz.
Welcher Teil davon sind Sie?
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Gehören Sie zu den Organen? Wenn ja, welches sind Sie genau?
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Sind Sie ein Teil des Knochensystems? Wenn ja, wo sind Sie zu finden?
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Oder stellen Sie eines der Sinnesorgane dar?
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Sind Sie vielleicht als Blut unterwegs?
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Oder, oder, oder….?
Schreiben Sie alles auf, was Ihnen auf diese Frage einfällt. Definieren Sie genau Ihre Funktion. Nehmen Sie den folgenden Fragenkatalog als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen:
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z. B., wenn Sie sich als Sinnesorgan Augen definiert haben: Sieht das Wesen durch Sie besser? Was sieht es? Wie weit sieht es? Hat es einen Rundumblick? Wem teilen Sie mit, was Sie gesehen haben?
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z. B., wenn Sie sich als Extremitäten Beine definiert haben: Kann das Wesen mit Ihnen besser laufen? Wohin gehen Sie? Wer gibt die Richtung an? Mit wem müssen Sie sich abstimmen, wenn Sie abbiegen wollen o. ä.?
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z. B., wenn Sie sich als Blutbahn definiert haben: Wird das Wesen durch Sie gut mit allem versorgt? Kommen Sie mit dem Blutsystem wirklich überall hin? Was transportieren Sie alles?
Sie sehen schon, dazu gibt es viele, viele mögliche Antworten. Wichtig ist, dass Sie Ihre eigenen finden. Und um den Kreis zum Anfang zu schließen, hier noch mal unsere Ausgangsfrage:
Was würde passieren, wenn Ihre Stelle gestrichen würde?
Übertragen Sie nun Ihre Antworten auf Ihre aktuelle Arbeitssituation.
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Welche Ihrer Tätigkeiten ist am wichtigsten für das Wesen (das Unternehmen)?
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Welche Kenntnisse würden am einschneidensten fehlen?
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Wo würden sich die meisten Engpässe ergeben?
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Was würde ins Stocken geraten oder gar völlig stehenbleiben?
Fragen Sie sich auch:
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Welche Ihrer Tätigkeiten würde unbemerkt bleiben, wenn Sie nicht mehr erledigt würde?
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Was können andere Teile des Wesens (des Unternehmens) ohne Probleme miterledigen?
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Was würde besser funktionieren, wenn Sie nicht mehr dabei wären?
Vor allem die letzte Frage, kann ganz schön tiefe Antworten zum Vorschein bringen. Meist was die eigene Verhaltensebene anbelangt. Es ist natürlich Ihre Entscheidung wie tief Sie buddeln wollen. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Schätze meist nicht direkt unter der Oberfläche zu finden sind.
Am besten ist, Sie lassen nun das Geschriebene über Nacht liegen. Lassen es sich setzen und arbeiten. Wenn Sie dann an einem der folgenden Tage Ihre Notizen zur Hand nehmen, werden Ihnen beim Lesen vielleicht noch weitere Gedanken einfallen, die Sie festhalten wollen.
Spätestens jetzt beim Durchgehen, fallen Ihnen einige Sachen ein, die Sie anders machen möchten. Welche Ihrer Tätigkeiten Sie besser erledigen können, als Sie es aktuell machen. Mit wem Sie wie besser kommunizieren können. Was für Arbeiten Sie zukünftig vielleicht ganz neu machen oder ganz lassen. Ich bin mir sicher, dass Sie genügend Ideen haben werden.
Die Metapher mit "dem Wesen" dient dabei gut als Möglichkeit, die eigene Situation von einer neutraleren Warte aus zu betrachten.
Wenn Sie Lust bekommen haben und dieses Experiment ausprobieren wollen, freue ich mich über jeden Erfahrungsbericht!
Und wenn Sie als Unternehmer mehr über das gesamte University-Konzept wissen möchten, woraus diese Metaphern-Arbeit ein kleiner Ausschnitt war, sprechen Sie mich bitte an. Gern beantworte ich all Ihre Fragen. Denn jedes Unternehmen kann zu einer selbstlernenden Organisation werden.

[...] Analoge Methoden bekommen im Alltag der Organisationsberatung leider nicht immer den Platz, den ihnen auf Grund ihrer Wirksamkeit eingentlich zusteht. Dabei sind gerade z. B. Metaphern äußerst nützlich etwa in der Diagnosephase. Ich habe schon mehrfach in diesem Weblog über das wunderbare Buch von Gareth Morgan “Bilder der Organisation” berichtet. Dort wird eindrücklich beschrieben, wie wir unsere Realität nach den Bildern schaffen, die wir zwischen den Ohren mit uns herumtragen. Ich selbst habe einmal ein schönes Beispiel in einem Gespräch mit einem Kunden erlebt. Der Geschäftsführer eines Verarbeitungsbetriebes wollte seine Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln sehen. Sie sollten in ihrem Verantwortungsbereich ihre Entscheidungen selbstständig treffen und ihn dadurch entscheidend im Tagesgeschäft entlasten. Im Laufe des Gesprächs fragte ich ihn dann, welches Bild sein Unternehmen wohl am besten beschriebe. “Eine Firma muss funktionieren wie ein Getriebe”, sagte er, “wo jedes Zahnrad an seinem Platz sitzt und alle Teile ineinander greifen.” Als ich ihm antwortete: “Muss ein interessantes Getriebe sein sein, so mit eigenverantwortlichen Zahnrädern”, musste er sofort schmunzeln, schüttelte den Kopf und feixte: “In Ordnung, jetzt verstehe ich den Knackpunkt.” Alexandra Graßler gibt in ihrem Weblog ein anschauliches Beispiel für den Gebrauch von Bildern im Coaching: “Was wäre wenn…“ [...]
Was wäre wenn …
… du dich ständig wohlfühlen würdest? Wie wäre das? Wie fühlt sich das an? Was würde dann passieren? Was würdest du tun (oder lassen oder anders machen)? Wie würde deine Umgebung aussehen (bzw. reagieren)? Was würde besser (schlechter) funktionieren?…