Die Zeit, die am Ende des Lebens als wesentlich und erfüllt dasteht, ist nur die, die wir intensiv erlebt haben. Viele Zeitperioden, die eher mechanisch wiederholend dahingingen, schrumpfen zusammen, sind nicht mehr erinnerbar und versinken damit in die Nichtexistenz. Was zählt, was bleibt, sind die bewusst, gegenwärtig gelebten und erlebten Augenblicke des Lebens. Wenn wir uns fragen, wie viel Zeit des Lebens wir wirklich [in diesem Sinne] gelebt haben, wird uns das möglicherweise tief erschüttern.

Fundstelle: Jeder Tag ist kostbar - Daniela Tausch-Flammer und Lis Bickel

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Ich weiß nicht wie es Ihnen mit diesen Zeilen geht. Doch mich haben sie regelrecht eingefangen und ich denke darauf herum. Wie viel Zeit erleben wir wirklich intensiv? Und was heißt schon ‘intensiv’? Das Bertelsmann Wörterbuch sagt dazu folgendes:

intensiv: lat. intensus „heftig, stark, gespannt, aufmerksam”, zu intendere „nach etwas streben, sich bemühen, (an ein Ziel) zu gelangen suchen”

Schon das erste Wort “heftig” ist ein deutlicher Hinweis auf eine hohe Beteiligung des inneren Empfindens. Wenn etwas heftig ist, dann macht es etwas mit uns, bewegt uns im wahrsten Sinne und verankert uns im Jetzt. Interessant finde ich auch die Weiterleitung zu “nach etwas streben”. Wenn wir also intensiv leben und erleben, streben wir nach etwas. Ohne jetzt gleich einen Leistungsgedanken mit dem Begriff “streben” verbinden zu wollen, ist es doch interessant, dass eine “Strebe” auch ein Bauteil ist, eine Stütze.

Und ist es nicht genau das, was uns in unserem Alltag, der sich so oft zu wiederholen scheint, fehlt? Eine Stütze, eine Leitlinie, ein Beteiligtsein und nicht nur anwesend sein? Wenn Sie allein einen Blick auf die vergangenen knapp sechs Monate dieses Jahres werfen, wieviel Zeit davon haben Sie wirklich intensiv gelebt? An was können Sie sich erinnern? Welche Wegmarken können Sie ausmachen? Oder verschwimmt alles zu einer grauen einheitlichen Suppe aus aufstehen, in die Arbeit gehen, seinen Job machen, wieder heim kommen, familiäre Angelegenheiten regeln, essen, schlafen gehen und wieder von vorne?

In Gesprächen werde ich an dieser Stelle fast regelmäßig gelyncht, ob meiner Fragen… Und es spielt keine Rolle, ob das Menschen sind, die Kinder haben oder welche die keine haben, dafür einen anstrengenden Job oder oder oder… Es geht immer ein Aufschrei durch die Runde, der meist in Aussagen gipfelt wie “ich bin halt nun mal darin eingebunden”, “was soll ich denn machen, ich habe ja keine Wahl”, “ich kann mir kein Kürzertreten leisten”, “das ist halt im Moment so, da kann ich auch nicht einfach so raus”, “wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich auch anders” usw. usw. usw. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Und doch lasse ich meist nicht locker. Denn mich interessiert, was Menschen wirklich als wesentlich in ihrem Leben empfinden. Wann sie sich selbst wahrhaftig spüren, mit sich selbst im reinen sind und das Leben in sich pulsieren spüren. Dadurch dass wir in unserer Zeit fast keinen Zugang zum Tod haben, ihn aus unserem Leben ausklammern und uns auch nicht mit unserem (so sicheren) Ende beschäftigen wollen, fehlt uns ein wichtiger Bestandteil, der uns unserem eigenen Leben näher bringen würde. Die Gewissheit, dass alles endlich ist. Und das ist eines der ganz wenigen sicheren Dinge in unserem Leben, dass es endlich ist - ein Ende haben wird. Und was wir bis zu diesem Ende aus unserem Leben machen, geben wir viel zu oft in andere Hände.

Unsere Wertigkeit hängt viel zu oft von dem Erfolg ab, der durch die Augen anderer definiert wird. Wir kümmern uns um das Wohlergehen unserer Lieben und vergessen dabei viel zu häufig unser eigenes. Und wissen oft überhaupt nicht mehr, was uns selbst wirklich gut tut, durch was wir uns ganz für uns selbst lebendig fühlen.

Mit welchem Gefühl möchten Sie diese Welt verlassen? Eine schwere Frage, ich weiß. Doch nichtsdestotrotz liegt darin die Antwort für ein als wesentlich erlebtes Leben. Führen Sie das Leben das “Ihnen gemäß” ist?

Die Autorinnen aus dem o.g. Buch Jeder Tag ist kostbar empfehlen, sich behutsam mit einfachen Gedankenübungen diesem Thema zu nähern. Und eine dieser kleinen Übungen, die sehr viel Kraft empfalten kann ist eine einfache Frage. Eine Frage die Sie - am besten schriftlich - beantworten. Spontan und immer wieder. Ein paar Tage oder sogar Wochen hintereinander.

An dieser Stelle möchte ich Sie einladen, sich etwas zum Schreiben zu nehmen und diese Frage gleich jetzt beginnen zu beantworten:

Wer bin ich….?

Halten Sie fest, was Ihnen dazu einfällt. Ohne zu zensieren, kritisieren oder etwas besonderes schreiben zu wollen. Lassen Sie Ihre Gedanken einfach über Ihren Stift auf’s Papier fließen. Lesen Sie was vor Ihnen entsteht und spüren Sie den Gefühlen nach, die dabei in Ihnen hochkommen. Auch wenn Sie vielleicht anfangs Schwierigkeiten haben sollten, Ihnen nichts rechtes einfallen mag, lesen Sie immer wieder die Frage “Wer bin ich…?”

Wenn Sie möchten können Sie auch Ihre Emotionen zu Papier bringen, die Sie zu fühlen beginnen. Machen Sie keinen riesigen Akt draus, sondern nehmen einfach alles an, was da ist.

Und wenn Sie dies einige Tage oder auch länger machen - die Autorinnen empfehlen abends mit dieser Frage einzuschlafen und gleich nach dem Aufwachen darüber zu schreiben - werden Sie merken, dass sich Ihre Antworten ändern. Sie gelangen Stück für Stück zu Ihrem Wesenskern.

Ihre ganz persönlichen Antworten auf diese Frage können Sie zu einem Überdenken Ihres Lebens führen, einem Nachspüren ob Sie das Leben führen was Ihnen gemäß ist - wie bereits oben erwähnt. Und wenn Sie wollen, können Sie beginnen, das was Ihnen fehlt behutsam zu integrieren, Ideen dazu zu entwickeln und das was Ihnen nicht entspricht langsam zu reduzieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie dem Leben - das Ihnen selbst entspricht - immer näher kommen.

kalender.jpgWer im letzten Jahr schon mit dabei war, kennt das Ritual bereits:

Die große Lebens-Inventur

Und zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, ist dafür eine gute Zeit. Sie finden hier die Anleitung dazu. Die Idee stammt von Vera F. Birkenbihl und ist für mich jedes Jahr wieder eine Bereicherung. Hier finden Sie den Beitrag dazu aus dem letzten Jahr.

Bildquelle: pixelio.de

Für wen diese Möglichkeit das Jahr zu beschließen, neu ist, dem kann ich nur empfehlen es einmal auszuprobieren. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe und lassen Sie mit Hilfe der Fragen das Jahr Revue passieren. Wertvolle Hinweise verbergen sich im Vergleich der jetzigen Ziele mit denen des vergangenen Jahres.

Was hat sich verändert, was ist gleich geblieben und wohin geht nun der Fokus?

Wer dieses Ritual seit einigen Jahren macht, wird interessante Strömungen feststellen. Manche Ziele haben sich wie von selbst erreichen lassen, manche haben sich direkt in Luft aufgelöst und manche sind unerreicht geblieben. Da es hier nicht um eine Abrechnung im Sinne einer Bilanz geht, sondern um ein Wahrnehmen dessen was IST, können Sie mit einem wohlwollenden Blick auf Ihr Jahr Veränderungen wie auch Stagnationen wichtige Erkenntnisse gewinnen.

Wenn Ihnen beispielsweise auffällt, dass Sie auch in diesem Jahr Ziel XY wieder nicht oder nur zu einem kleinen Teil erreicht haben, dann versuchen Sie doch einmal eine andere Reaktion darauf als sonst. In den meisten Fällen gefällt es uns nicht besonders, wenn wir etwas nicht erreicht haben, was wir uns vorgenommen haben und es macht sich schnell ein Gefühl des Versagens breit. Wie wäre es denn, wenn Sie sich dafür dankbar wären?

Hört sich verrückt an? Das stimmt. Doch probieren Sie es doch einmal aus. Dazu ein Beispiel, das sich als sehr aufschlussreich erwiesen hat:

Seit Jahren hadert jemand, den ich sehr gut kenne, mit ihrer Disziplinlosigkeit. Und damit meine ich z.B. die Tendenz, Dinge zwar anzufangen und dann nicht zu beenden oder Routinen schleifen zu lassen, häufig viel zu spät mit der Bearbeitung von Projekten anzufangen usw. Die Liste könnte noch eine ganze Weile fortgesetzet werden. Und daher ist dieses Thema meist auch bei der Jahresinventur dabei.

Dieses Jahr haben wir den Spieß einfach mal umgedreht und sie hat sich bei sich selbst für ihre Disziplinlosigkeit bedankt. Und das war das beste was sie machen konnte. Denn interessanterweise war ihr im nächsten Moment klar, dass sie dadurch ihre Freiheit und Eigenständigkeit bewahrt hat. Dieses Gefühl ist für sie sehr wichtig und elementar und es hat sich daher meistens durchgesetzt. Woher dieser tiefe Wunsch stammt lassen wir mal völlig außen vor. Denn es geht doch um HEUTE und Veränderungen die JETZT möglich sind.

Im Anschluss an diese Erkenntnis war klar, dass das Annehmen der Disziplinlosigkeit mit dem Wissen des Freiheitsschutzes, eine große Stärke ist und sie nun nicht mehr gegen sich selbst ankämpfen muss.

Denn eine Eigenschaft in uns zu überwinden suchen, heißt auch immer, sie nicht anzunehmen und ihre positive Absicht nicht wertzuschätzen. Und wir wissen doch, kein Mensch macht etwas umsonst.

Also machen Sie doch dieses Jahr eine Ausnahme und anstelle dessen, dass Sie sich für nicht erreichtes selbst schimpfen, sich als tendenzieller Looser fühlen, seien Sie sich dafür dankbar. Tauchen Sie in dieses Gefühl ein und lassen sich davon überraschen, was für Gedanken in Ihnen nach oben steigen.

Arbeiten Sie mit diesen Gedanken und betrachten Sie sie als Geschenk. Sie werden dadurch Ihren inneren Triebfedern und Werten näher kommen. Und wenn Sie diese klarer vor Augen haben und wissen, was das eigentliche Ziel dahinter ist, können Sie auch beginnen positive Veränderungen zu leben. Denn Sie werden niemals etwas gegen Ihr Innerstes durchsetzen. Machen Sie es dagegen zu Ihrem Verbündeten und seien Sie für Ihre innere Weisheit dankbar. Wenn Sie auch manches mal in einem seltsamen Gewand erscheinen mag.

Über Ihre Gedanken und Erfahrungen dazu freue ich mich und wünsche Ihnen viele wertvolle Erkenntnisse über sich selbst.

328304_golden_gate_fog.jpgDie Golden Gate Bridge übt auf viele Menschen eine große Anziehungskraft aus. Ein monumentales Bauwerk das San Franciso ein prägendes Gesicht verleiht.

Doch wussten Sie auch, dass im Schnitt alle 14 Tage ein Mensch von der Brücke in den Tod springt?

Und wussten Sie, dass von den Menschen, die vom Sprung durch Passanten abgehalten wurden, nur 6% noch einmal versuchten, sich das Leben zu nehmen?

Und nun kommt die Preisfrage: Wie oft glauben Sie, hat ein Passant jemanden angesprochen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei?

Die Antwort auf diese Frage kann der Filmemacher Eric Steel geben. Er hat mit seiner Crew ein Jahr lang die Golden Gate Bridge von morgens bis abends gefilmt. Dabei konnten sie innerhalb eines Jahres nur zweimal beobachten, dass ein Passant jemanden ansprach, der augenscheinlich nicht OK aussah. Zweimal innerhalb eines Jahres.

Damit sind wir wieder beim Thema Bowling Alone angelangt, über das ich in einem meiner letzten Beiträge geschrieben habe.

Keine Zeit zu haben, sein Gegenüber wirklich wahrzunehmen. Jemandem tatsächlich ins Gesicht sehen und zu fragen “Hey, ist alles in Ordnung?” wenn er offensichtlich nicht so aussieht. Wann haben Sie das das letzte Mal gemacht?

Wir haben oft eine große Scheu davor, uns in das Leben anderer einzumischen. So empfinden wir es zumindest häufig, wenn wir jemanden ansprechen sollten. Doch richtiger ist wahrscheinlich, dass wir eher Angst vor Zurückweisung oder einem blöden Spruch haben. Hm, kann passieren, das ist richtig.

Nur, wenn wir kein Risiko mehr eingehen, werden wir uns immer mehr isolieren und vereinsamen. Menschlichkeit hat mit Mut zu tun. Auf jemanden zugehen, sich zu interessieren, etwas geben und manchmal einfach nur dasein. Das ist nicht viel und doch nicht leicht.

Wenn Menschen sich verschließen, werden sie häufig mürrisch und abweisend. Das ist für das Gegenüber oft nicht nett und macht nicht wirklich Spaß. Daraus entwickeln sich schnell Vorurteile und Desinteresse.

Doch was wäre, wenn Sie als Vorgesetzter dies bei Mitarbeitern bemerken und die Menschen ansprechen würden. Sie einfach zu fragen: “Ich habe den Eindruck in Ihrem Leben ist im Moment eine ganze Menge los. Was kann ich für Sie tun?”

Oder unter Kollegen: “Ist alles in Ordnung mit Ihnen/dir? Ich hab das Gefühl, dass Sie/dich etwas seit längerem belastet. Wenn Sie/du einen Zuhörer brauchen/brauchst, mache ich das gern.”

Wenn Sie darauf einen ablehnenden Satz zu hören kriegen, seien Sie nicht beleidigt und beziehen das ganze auf sich. Es ist Ihnen bestimmt auch schon so ergangen, dass Sie in Situationen feststecken und auf Hilfsangebote erstmal mal abweisend reagieren.

Denn das ist die andere Seite der Medaille. Wir tun uns oftmals so schwer damit, Hilfe anzunehmen. Damit stehen wir in der Schuld des anderen, sind das nicht wert und vieles mehr geht uns da unbewusst durch den Sinn.

Was sollten wir nun daraus lernen, dass 94 % aller “Springer” von einem zweiten Versuch abgehalten werden können und das im Kleinen wie im Großen gilt?

Nun ich denke, es sind diese beiden Dinge:

  • Seien Sie aufmerksam für die Stimmungen anderer Menschen und sprechen Sie sie an, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt.
  • Lernen Sie selbst, Hilfe anzunehmen. Das wird Ihnen persönlich sehr gut tun und Ihre Gewissheit stärken, dass alles zu bewältigen ist, da Sie nicht allein sind.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Ich freue mich über jeden Kommentar.

Ein Weihnachtswunsch

Nun ist es bald vollbracht, das Jahr 2006. In meinem Leben war es geprägt von tiefen Einschnitten, persönlichen Verlusten und Neuordnungen. Gleichzeitig habe ich viel Kraft von Freunden, Bekannten und virtuellen Kontakten geschenkt bekommen.

Ich durfte viel neues lernen, an meinem Leben wachsen und meine Grenzen dadurch hinauszuschieben. Es ist tiefer geworden mein Leben, im Lachen wie im Weinen.

Ist es nicht das, was zu den wesentlichen Dingen zählt? Sich selbst auf einer immer tieferen Art und Weise zu begegnen? Zu lernen, immer mehr in sich zu ruhen und den eigenen Kraftort in sich zu finden?

Je mehr ich bei mir bin, je mehr kann ich für mich und andere da sein. Habe etwas zu geben, ohne dafür etwas bekommen zu müssen. Im Wort Gelassenheit steckt das Verb lassen. Dieser Aspekt ist ein sehr wesentlicher. Denn etwas zu lassen, bedeutet auch häufig loslassen, seinlassen und ruhenlassen.

In engen Zusammenhang damit stehen Erwartungen. Darin ist das warten verborgen. Wenn ich auf etwas warte, dann mache ich mich abhängig von außen. Denn nur wenn meine ErWARTungen erfüllt werden, bin ich zufrieden. Das zeigt sich oft an Weihnachten. Hier brechen häufig schwelende Konflikte auf, lang verschlossene Verletzungen machen sich Luft und die Emotionen wogen hoch.

Vielleicht kennen Sie das in der einen oder anderen Variante. Wie steht es denn mit Ihren Erwartungen? Welche davon könnten Sie gut lassen? Mit welchen Gedanken zieht am meisten Frieden in Ihr Herz ein?

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie ein friedvolles und gesegnetes Weihnachten erleben. Seien Sie sich Ihrer inneren Kraft bewusst und der Schöpfungsgabe die jeder von uns besitzt.

Vielleicht haben Sie auch Gelegenheit eine persönliche Rückschau zu halten. Hier finden Sie eine Möglichkeit zur Lebensinventur.

Schließen möchte ich mit Gedanken die mir selbst immer wieder Ruhe schenken und ich gern als meinen Weihnachtswunsch an Sie weitergeben möchte:

Bleib in deiner Mitte.
Spür dich selber,
komm immer wieder
in deine eigene Mitte
und lass die anderen dort,
wo sie sind,
und lasse sie so,
wie sie sind.

(Anselm Grün)

Beim Lesen des Buches Führen aus der Mitte von Barbara und Michael Fromm bin ich gerade auf eine hochinteressante Sammlung von Führungsregeln gestoßen.

Interessant finde ich dabei vor allem zwei Sachen: Zum einen sind diese Führungsregeln ein paar tausend Jahre alt (sie stammen aus der vedischen Hochkultur Indiens) und zum anderen sind sie heute mehr denn je gültig.

Vielleicht wollen Sie ja mal einen Blick darauf werfen:

  • Des Königs höchste Verpflichtung besteht den Göttern gegenüber. Als nächstes und gleich wichtiges folgt die Wahrheit; Wahrheit ist die höchste Zuflucht. Die ganze Welt ruht auf der Wahrheit.
  • Das Verhalten eines Königs sollte ohne jeden Tadel sein. Selbstbeherrschung, Demut, Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit sind wichtig für seinen Erfolg. Er sollte seinen Leidenschaften unter vollkommener Kontrolle haben.
  • Seine erste Pflicht besteht gegenüber seinem Volk. Er sollte sich stets um das Volk kümmern, ohne selbstgefällige Gedanken. Seine eigenen Wünsche und Begehren muss er denen seines Volkes unterordnen. Er sollte sein Volk behüten, wie eine Mutter ihr Kind behütet.
  • Ein König muss sich mit Leuten von gleichem Charakter, deren Eigenschaften edel und vortrefflich sind, umgeben. Der einzige Unterschied zwischen ihm und seinen Amtsträgern ist der weiße Schirm, der sein höheres Amt anzeigt.
  • Achte auf den Zustand des Königreiches. Alte und schäbige Anlagen sind ein Zeichen von Vernachlässigung. Verbessere die Zustände, um ein gutes Ansehen zu gewinnen.
  • Nichts, nicht einmal die geringste Handlung, kann von einem einzelnen Menschen erbracht werden. Er braucht Unterstützung.
  • Hege keine Bosheit in deinem Herzen - absolut keine.
  • Dharma (rechtes Handeln) ist das Losungswort eines Königs. Nichts ist mächtiger! In dem Ausmaß, wie du Dharma vernachlässigst, wird der Zerfall einsetzen.

Erlauben Sie mir diese Regeln, die für Könige (die damals höchsten Führungskräfte) geschrieben wurden, nur ein klein wenig umzuformulieren.

Und wenn Sie sie jetzt noch einmal lesen, dann machen Sie doch mal ein Experiment und sprechen die Zeilen laut aus. Halten Sie nach jedem Punkt kurz inne und spüren nach, was es in Ihnen auslöst:

  • Meine höchste Verpflichtung besteht in der Wahrheit; Wahrheit ist die höchste Zuflucht. Die ganze Welt ruht auf der Wahrheit.
  • Mein Verhalten sollte ohne jeden Tadel sein. Selbstbeherrschung, Demut, Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit sind wichtig für meinen Erfolg. Ich sollte meine Leidenschaften unter vollkommener Kontrolle haben.
  • Meine erste Pflicht besteht gegenüber meinen Mitarbeitern. Ich sollte mich stets um meine Mitarbeiter kümmern, ohne selbstgefällige Gedanken. Ich sollte meine Mitarbeiter behüten, wie eine Mutter ihr Kind behütet.
  • Ich muss mich mit Leuten von gleichem Charakter, deren Eigenschaften edel und vortrefflich sind, umgeben.
  • Ich achte auf den Zustand meines Unternehmens. Alte und schäbige Anlagen sind ein Zeichen von Vernachlässigung. Ich verbessere die Zustände, um ein gutes Ansehen zu gewinnen.
  • Nichts, nicht einmal die geringste Handlung, kann von einem einzelnen Menschen erbracht werden. Jeder braucht Unterstützung.
  • Ich hege keine Bosheit in meinem Herzen - absolut keine.
  • Dharma (rechtes Handeln) ist mein Losungswort. Nichts ist mächtiger! In dem Ausmaß, wie ich Dharma vernachlässige, wird der Zerfall einsetzen.

Wenn wir es schaffen, jeden Tag nur ein wenig mehr nach diesen alten Lehren unsere Unternehmen und damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen, würde das nicht viel Gutes hervorbringen? Was denken Sie darüber?

Grund für die lange Pause

Nach langer Zeit, es sind zwei Monate ins Land gegangen, schreibe ich heute meinen nächsten Beitrag. Der Grund für die lange Pause ist nicht nur der Sommerurlaub gewesen oder das neue Layout (an dieser Stelle vielen herzlichen Dank an Martin) sondern eher etwas, das nicht unbedingt ein so sehr öffentliches Thema ist.

Für mich waren die letzten Monate eine emotional sehr belastete Zeit durch den Tod meines Vaters. Ich hatte in verschiedenen Beiträgen schon darüber geschrieben.

Wieso ich das jetzt zu einem Thema in einem eher geschäftlich aufgebauten Blog mache? Das hat mehrere Gründe. Der erste ist ganz banal, hinter jedem Geschäft stecken Menschen und jeder Mensch wird in seinem Leben mit dem Tod konfrontiert werden. Der zweite Grund ist, dass ich in den letzten Wochen viel über mich, über Menschen in meinem Umfeld und das Gefühl der Ohnmacht gelernt habe, das Trauerarbeit mit sich bringt.

Und das hat mir ganz klar aufgezeigt, dass Trauer eine eigene Dynamik hat. Die verschiedenen Phasen des Trauerns können nicht verkürzt oder übersprungen werden. Der Körper zieht hier klar die Bremse.

Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross spricht von 5 verschiedenen Trauerphasen:

  • Nicht-wahrhaben-Wollen
  • Zorn
  • Verhandeln
  • Depression
  • Zustimmung

Jede dieser Phasen ist wichtig. Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, dass die Reihenfolge nicht unbedingt bei jedem Menschen die gleiche ist. Obwohl der Punkt Zustimmung den Abschluss bilden sollte, da man sonst in der Trauer quasi steckenbleibt.

Am schlimmsten war für mich die Phase des Zorns und des nicht-wahrhaben-wollens. Dieses Gefühl kam oft so unvermittelt hoch und hat sich auch häufig gegen meine Familie gerichtet, dass das schlechte Gewissen fast genauso schlimm war und ich völlig hilflos dazwischen.

Es war wie ein Ausblendenwollen. Wenn ich mich zurückziehe, einfach meine Arbeit weitermache, dann ist es fast so, als ob gar nichts passiert ist und alles ganz normal weiterläuft. Das ist natürlich eine Illusion und das Aufwachen daraus erfolgt nur langsam.

Ein Punkt, der sich für als überaus wichtig und heilsam erwiesen hat, war das Gespräch mit Menschen, die ähnliches erlebt haben. Die eigene Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht ein klein wenig teilen können mit dem Gefühl des Angenommenseins.

Der Verlust eines Elternteils bringt auch eine Neuverteilung im Familiensystem mit sich. Häufig mit veränderten Rollenbildern, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Es ist wie ein Mobile, in dem ein Anhängsel abgenommen wird. Es dauert eine ganze Zeit, bis sich wieder alles einpendelt und ins Gleichgewicht kommen kann. Es treten alte Verletzungen zum Vorschein und nicht ausgesprochenes macht sich breit.

All das braucht Zeit und Raum zum Verarbeiten. Menschen, die damit umgehen und den Schmerz eines anderen aushalten können.

Zum Abschluss möchte ich ein paar Gedanken zum Alltag in den Raum stellen:

  • Wie gehen Sie mit dem Thema Trauerarbeit in Ihrem Unternehmen um?
  • Kennen Sie mögliche Anlaufstellen wie Trauergruppen, Trauerbegleiter usw. die Sie weitergeben können?
  • Wie könnten Sie Ihre Mitarbeiter bei den rechtlichen Folgen und Fragen unterstützen, die mit jedem Todesfall auftreten?
  • Könnten Sie sich vorstellen, immer wieder einmal Informationsvorträge zu den Themen Erbschaftsregelungen, Patientenverfügung usw. anzubieten?

Für mich wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich für mich das Gefühl habe, im Reinen zu sein. Ans Grab zu gehen, schaffe ich im Moment immer noch nicht. Doch es geht aufwärts, Schritt für Schritt. Mit Achtsamkeit und bewusstem Leben. Und mit dem Gefühl, jemanden zu haben, der jetzt auf eine andere Art auf mich aufschaut. Meinen Weg begleitet und in mir ein Stück weiterlebt.

In diesem Sinne mache ich mit diesem Beitrag einen neuen Anfang und wünsche all meinen Lesern Zeit für das Wesentliche in Ihrem Leben.

Ein Leben ist vollendet.

In der nächsten Zeit wird mein Blog hier nur sporadisch gefüllt werden. Mein Vater ist am Palmsonntag verstorben. Sein Leben ist vollendet. Und auch wenn er schon sehr alt war, ist es doch immer zu früh.

Nun ist es für uns am schwersten, die bleiben müssen. Ich danke allen, die uns gute Gedanken und Kraft schicken. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Lieben noch lange, lange um sich haben.

Diese Frage kennen Sie vielleicht. Mir ist sie in verschiedensten Kontexten, Büchern und Seminaren schon begegnet. Und heute ist möglicherweise genau der richtige Tag, um sich ernsthaft damit zu beschäftigen:

Welche Projekte würden Sie, aus heutiger Sicht, nicht mehr beginnen?

Vervollständigen Sie dazu doch ganz spontan mal folgende Sätze:

  1. Nicht mehr knüpfen würde ich den Kontakt zu ……
  2. Nicht mehr übernehmen würde ich das Amt/die Verpflichtung…..
  3. Den Kauf, den ich sofort rückgängig machen würde, wäre…..
  4. Keinesfalls würde ich mehr …… organisieren.
  5. Ich wäre nicht mehr zuständig für……
  6. Keinesfalls würde ich mich mehr um …… kümmern.
  7. ….

Wie geht es Ihnen jetzt nach den Fragen? Über was denken Sie am meisten nach? Möglicherweise haben Sie ja mit leichtem Erschrecken festgestellt, dass Ihnen einiges dazu eingefallen ist. Wenn ja, dann stehen Sie damit nicht allein da.

Es ist ein Zeichen unserer schnellen Zeit, dass wir oft gar keinen Überblick mehr über unsere ganzen Projekte, Verpflichtungen, Zusagen usw. haben. Wir sagen oft schneller "ja" zu etwas, als wir gucken können. Der Druck, vieles geregelt zu kriegen, nimmt immer noch zu. Doch es muss nicht unbedingt negativ sein, viel zu schaffen und einige Projekte am Start zu haben. Das wichtigste ist dabei das Bauchgefühl. Sich wohlzufühlen und einen innerlich guten Stand zu haben, ist die beste Voraussetzung alle Dinge mit Achtsamkeit und der erforderlichen Konzentration zu erledigen.

Für manches ist das vielleicht schwer fassbar, wieso auch im Geschäftsleben das Nachspüren seinen Platz haben sollte. Lassen Sie mich dazu eine kleine Metapher aufbauen:

Alle Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, jeder Termin, jede Vorbereitung, Erledigungen aller Art, jeder Mensch mit dem Sie zu tun haben und was es sonst noch so alles gibt, ist mit Ihnen verbunden. Nehmen Sie das doch einmal wörtlich: Alle diese Dinge, sind an Sie angebunden, wie mit einem unsichtbaren Faden.

Wenn Sie nun an sich herunterblicken, wieviele Fäden sehen Sie da? 10, 20, 30 …. 80? Und wenn Sie sich diese Fäden genauer ansehen:

  • sind das dünne oder dicke?
  • welche Farben haben Sie?
  • sehen Sie alt aus oder neu?
  • gibt es irgendwo Knoten?
  • welche ziehen Sie in eine Richtung?
  • werden Sie eingeschnürt?
  • ….

Hier gibt es bestimmt schon einige interessante Antworten. Suchen Sie sich die auffallendsten aus und gehen Sie doch den Fäden mal nach. Schauen Sie welche Dinge damit verbunden sind. Vielleicht entscheiden Sie ja bereits hier spontan, dass Sie manche Fäden lieber abschneiden wollen, möglicherweise auch ein paar gleichartige zusammenknoten, weitergeben an jemanden anderen usw.

Denken Sie daran, dass alles, was Sie da mit Dingen und Menschen verbindet, auch Ihre Energie bindet. Je mehr Fäden an Ihnen dranhängen umso mehr Energie ist damit verknüpft. Meist leider damit auch weg. Denn vieles zieht uns Energie ab. Läuft durch den Faden wie ein silbriger Strom.

Lenken Sie doch einmal Ihren Blick als nächstes darauf, welche Fäden Ihnen Energie rauben und von welchen Ihnen möglicherweise Energie zuströmt, Sie auftanken können, Sie etwas bekommen. Hält es sich die Waage oder gibt es ein Ungleichgewicht? Was könnten Sie im positiven Sinne daran ändern?

Mit diesen Gedankenwegen können Sie gern noch einmal die Ausgangsfrage aufgreifen:

Welche Projekte würden Sie, aus heutiger Sicht, nicht mehr beginnen?

Und dann treffen Sie Entscheidungen. Erst einmal nur im Kopf. Und testen Sie mal, wie Sie mit diesen Entscheidungen leben würden. Was hätte sich zum Guten verändert?

Zu allerletzt möchte ich ein letztes Bild zu unserer Metapher hinzufügen:

Wie sieht es mit den Fäden aus, die Sie mit den wichtigsten Menschen in Ihrem Leben verbinden? Sind das stabile Verbindungen oder sehen die Fäden sehr mitgenommen und ausgefranst aus? Falls das der Fall sein sollte, dann fangen Sie dort an, wieder anzuknüpfen. Schaffen Sie wohltuende Bindungen, senden Sie Energie und Sie werden viel zurückbekommen.

Seien Sie achtsam mit sich. Und überlegen vielleicht beim nächsten Mal, bevor Sie eine weitere Verpflichtung eingehen, ob Sie sich diesen Faden wirklich anknüpfen möchten.

Es war hier die letzten Tage wieder ruhiger in meinem Blog. Der Grund ist leider ein trauriger. Mein Vater war gerade mal 14 Tage daheim und langsam haben alle bei uns wieder angefangen durchzuatmen. Letzten Freitag hatte er nun einen weiteren sehr schweren Schlaganfall.

Erst wenn keine Kommunikation mehr möglich ist, fällt einem auf, was man jemandem noch unbedingt sagen wollte. Vor Weihnachten hatte ich dazu schon mal etwas geschrieben

Wenn manches nicht ausgesprochen wird, dann liegt das manchmal an einer gewissen Scheu, die man mit sich herumträgt. Vielleicht nimmt einen der andere nicht ernst oder tut sich schwer es zu nehmen, was man ihm sagen möchte. Man selbst fühlt sich vielleicht in diesem Moment sehr verletzbar, weil man sich dem anderen so sehr öffnet. Doch glauben Sie mir, es gibt tatsächlich einen Zeitpunkt, an dem ist es nicht mehr möglich jemandem etwas wichtiges zu sagen.

Einfache Dinge wie z. B. du bist der beste Papa, den ich haben konnte. Oder mein Liebster, ich danke dir für die Stunden, in denen du mich gehalten hast im Weinen. Oder danke Mama, dass du mir soviel Liebe schenkst.

Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, wie schlimm wir manchmal mit den Menschen reden, die uns am nächsten stehen? Wir würden nicht mal mit unseren Freunden so umgehen. Natürlich ist man manchmal zornig, hat einen miesen Tag an dem alles schief zu laufen scheint. Und es gibt Tage, da sch… man auf positives Denken und Konsorten (wenn Sie mir diesen Ausdruck verzeihen). Das ist alles wahr. Doch es gibt Grenzen. Grenzen die wir nicht sorglos ständig überschreiten sollten. Halten Sie inne, wenn Sie merken, dass Sie zu sehr in Fahrt sind. Nehmen Sie innerlich Abstand von Emotionen die gerade am Überkochen sind.

Wir sind oft dermaßen gefangen in unserem Alltagsleben. Alles scheint so maßlos wichtig zu sein. Das noch erledigen, dies noch anleiern, jenes noch machen. Doch wir können uns immer wieder daran erinnern:

Im Augenblick der Geburt beginnt unser Sterben.

Und die Zeit dazwischen ist begrenzt. Unsere Wahl wie wir mit ihr umgehen, wird die Qualität unseres Lebens bestimmen. Und um nun auf den Titel für diesen Beitrag zurückzukommen “Der einzigartige Schatz, der Sie sind…” möchte ich Ihnen noch ein paar Gedanken aus dem sehr weisen Buch Das alltäglich Genie mitgeben, das ich gerade lese:

“Sie wurden mit einem einzigartigen Schatz geboren. Dieser Schatz ist Ihre besondere Sichtweise und der spezielle Charakter, den Sie allein mit Leben erfüllen. Dieser Schatz ist das, was Ihre Freunde am meisten vermissen werden, wenn sie später einmal gegangen sind. Nie in der Geschichte hat jemand das Leben genau so gesehen wie Sie; niemand lebte sein Leben jemals so wie Sie, niemand hatte jemals Ihren spezifischen Einfluss auf alles, was Sie umgibt.

So sicher wie Sie durch Ihre Fingerabdrücke Spuren Ihrer Anwesenheit hinterlassen, hinterlassen Sie durch Ihre Wirkung einen Abdruck in der Erfahrung anderer, wohin Sie auch gehen.

Achten Sie auf das gleiche gewisse Etwas auch bei Ihren Freunden und Liebsten. Denken Sie an den Verlust, wenn jemand für immer gegangen ist. Wie würden Sie diesen Jemand ersetzen? Es gibt immerhin mehr als 5 Milliarden Menschen, aus denen Sie wählen können - und Sie können keinen finden, der genauso gut wäre? Wenn nicht, was ist dann diese einzigartige Qualität, die verlorengeht, wenn jemand von uns geht? Versuchen Sie, diese Qualität in jedem Ihrer Liebsten und Freunde zu erspüren.”

Und dann sollten Sie Ihnen das sagen. Das ist das was ich Ihnen heute mitgeben möchte.

Heute hab ich mal wieder meine Wissenskassette geguckt. Ja, ich bin so altmodisch und nehm noch auf Video auf ;-) Und nachdem bei mir der Fernseher oft zwei Wochen lang nur als Blumenständer dient, hab ich mal wieder ‘ne Runde länger geschaut.

Heute bin ich mit meinen Gedanken bei den Beiträgen von Prof. Vossenkuhl (LMU München) hängen geblieben. Er ist seines Zeichens Professor für Philosophie und spricht in den Sendungen über Ethik.

In einer der Sendungen ging es um die Grundbegriffe von Ethik. Ich hab mich mit diesem Thema ehrlich gesagt, noch nie so wirklich auseinander gesetzt. Doch irgendwie konnte ich mich dem ganzen nicht entziehen. Prof. Vossenkuhl sprach von Grundbegriffen wie Vertrauen. Dass Vertrauen die Basis eines gesicherten Zusammenlebens einer Gesellschaft ist. Wenn es fehlt und Mißtrauen die Oberhand gewinnt, verliert die Gemeinschaft ihren Zusammenhalt und die Möglichkeit des sicheren Lebens.

So im Vorbeigehen nickt man das ganze einfach mal ab, würde ich sagen. Doch lassen Sie uns doch einen Moment dabei verweilen.

Wussten Sie, dass Soziologen in Deutschland Jahr für Jahr mahnen und versuchen darauf aufmerksam zu machen, dass das Vertrauen der Deutschen immer mehr abnimmt?

Nicht nur das Vertrauen in andere, in die Politik, in den Arbeitgeber, in das Rechtssystem usw., sondern auch das Vertrauen in sich selbst. Und das ist eine wirklich tragische Entwicklung, deren Folgen sich immer mehr zeigen. Wer weniger auf selbst vertraut, baut im gleichen Maß Ängste auf. Denn wenn ich mir selbst weniger zutraue, dann verliere ich damit selbsterhaltende Fähigkeiten und habe den Klippen im Leben weniger entgegenzusetzen. Dadurch werde ich mich hilfloser und ohnmächtiger fühlen. Nicht umsonst stehen die psychosomatischen und psychischen Erkrankungen inzwischen ganz oben, wenn es um Gründe für Arbeitsunfähigkeit geht.

 Die Entstehung einer solchen negativen Spirale ist meist ein ganz schleichender Prozess. Und das macht das ganze so schwierig und oft wenig greifbar. Wichtig ist es, immer einmal wieder innezuhalten und sich selbst beim Denken zuzusehen und vor allem zuzuhören.

Achten Sie doch einmal darauf, wie Sie innerlich mit sich selbst sprechen. Besonders in den Situationen, in denen Ihnen vielleicht ein Fehler passiert, in denen Sie kritisiert werden, in denen Sie sich unsicher fühlen, in denen Sie sich klein gegenüber anderen fühlen. Was für Sätze oder Bruchstücke gehen Ihnen da durch den Kopf? Beschimpfen Sie sich möglicherweise innerlich als Volltrottel, blöde Kuh oder Versager? Gehen Ihnen solche Sätze durch den Kopf wie Immer passiert das mir. Ich stell mich an wie der letzte Depp. Ich lern das nie.

Und jetzt fragen Sie sich doch mal, ob Sie so auch mit Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin sprechen würden. Ist die Reaktion die Sie da innerlich haben, wirklich der Situation angemessen? Würden Sie anderen diese Dinge an den Kopf werfen?

Wenn Ihnen das alles sehr bekannt vorkommt, dann gewöhnen Sie sich doch bewusst an, sich selbst in diesen Situationen innerlich Mut zuzusprechen. Testen Sie verschiedene Sätze für sich aus, bis Sie etwas finden, was stimmig ist. Vielleicht so etwas wie: Ich krieg das hin. Es wird alles gut werden. Beim nächsten Mal wird’s besser.

Sie mögen das evtl. banal finden. Da haben Sie völlig recht, das ist es. Es sind einfache Dinge, Dinge die Sie tun können, um wieder mehr Vertrauen in sich zu finden. Und es ist so wichtig Vertrauen in sich selbst zu haben. Denn das heißt ja schlussendlich Selbstvertrauen. Und daraus wächst unsere innere Sicherheit, dass wir mit Leben klar kommen werden. Der unmittelbare Lohn sind weniger Ängste und mehr innere Ruhe.

Und nachdem ich diesen Beitrag ja mit Ethik im Unternehmen überschrieben habe, möchte ich mit einigen Fragen schließen, die sich auch an Führungskräfte wenden:

  • Wie steht es mit dem Vertrauen, das Sie in Ihre Mitarbeiter setzen?
  • Was tun Sie, damit Vertrauen in Ihrer Arbeitsumgebung gefördert wird?
  • Wie steht’s mit Ihrem eigenen Selbstvertrauen?
  • Vertrauen Ihnen Ihre Mitarbeiter?

Den Schlußsatz überlasse ich einem weitaus weiseren Menschen als ich es bin:

Zwei Dinge verleihen der Seele am meisten Kraft:
Vertrauen auf die Wahrheit
und
Vertrauen auf sich selbst.
Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr - 65 n. Chr.), römischer Politiker, Rhetor, Philosoph und Schriftsteller

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