Gerd Wenninger weiß wovon er spricht, nicht nur durch seinen Job als Therapeut, sondern aus ganz persönlicher Erfahrung. Durch was Stress in unserem Leben ausgelöst wird, wie wir ihm begegnen können und warum manche Menschen die Fähigkeit besitzen nicht auszubrennen, waren der Inhalt seines Vortrages am 28. Mai 2008 - organisiert durch den BdS in Passau. Dieser Artikel beruht auf meinen Mitschriften und eigenen Gedanken zum Thema.

Ein Merksatz, der uns allen immer bewusst sein sollte:

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht.

Auch wenn uns das nicht gefallen mag, werden wir nicht umhin können, es zu akzeptieren. Denn Stress wird durch viele verschiedene Situationen ausgelöst. Ob es nun die Überlastung im Beruf, Familie, Schicksalsschläge und andere Ereignisse ist, sicher ist, dass die Stressfaktoren in unserem Leben nicht weniger werden sondern im Gegenteil dabei sind sich zu vervielfachen. Da ist guter Rat teuer.

Um das wenig greifbare Wort “Stress” etwas näher zu beleuchten, erläuterte Gerd Wenninger die Abläufe die im Körper entstehen und durch die wir uns letztendlich gestresst fühlen.

Zum einen bedeutet Stress in erster Linie eine Aktivierung. Wir reagieren auf körperliche und emotionale Reize. Das Nervensystem fährt quasi hoch und aktiviert damit unser Hormonsystem, Blutdruck und einiges mehr. So, als ob wir im Auto sitzen und auf’s Gas treten. Das ist jetzt auch noch nicht schlimm, denn Aktivierung erhöht auch unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Problematisch wird es wenn eine Taktstörung vorliegt (= Stress) und wir zu viel Energie aufnehmen, die wir nicht verbrauchen bzw. abbauen und im gleichen Maße auch der Hormonspiegel nicht mehr absinkt.

Um im Bild des Autofahrens zu bleiben, bedeutet dass, das wir den Fuß nicht vom Gas nehmen, auch wenn wir schon längst von der Autobahn wieder runter sind und in uns in den engen Gassen einer Stadt befinden. Dass dabei nichts gescheites herauskommen kann und Gefahr praktisch schon in der Luft liegt, ist vollkommen klar. Und genauso geht es unserem Körper, wenn wir nicht lernen, diese Energie auch wieder abzubauen.

Unsere westliche Arbeitsphilosophie fördert leider genau dieses falsche Modell. Denn nur ein Angestellter der viel arbeitet, ist ein guter Angestellter. Keinen Stress zu haben, bringt uns ungläubige Blicke ein und das Image sich auf die faule Haut zu legen. Und sich bewusst gegen den Herdentrieb zu entscheiden und das eigene Gesundheitsempfinden als Maßstab zu nehmen, erfordert einiges an innerer Stärke.

Mehr als 60 % der Europäer klagen über Stress. Und dabei sprechen wir nicht von einem vorübergehenden Phänomen, sondern im Gegenteil von anhaltenden Situationen. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Lehrer, Pfarrer und Ärzte. Von letztgenannten sind statistisch 6-8 % suchtkrank. Wobei Alkoholismus eine große Rolle spielt. Das sind in Deutschland ca. 25.000 (!)

Die Zahl der Burnout-Erkrankten steigt sprunghaft an. Und das Fatale am Phänomen des Burnouts ist, dass es schleichend einsetzt und von den Betroffenen oftmals bis zum völligen Zusammenbruch verneint wird. Es lassen sich vier Phasen unterscheiden:

1. Phase - man brennt für den Job

Die Anfangseuphorie und das Engagement in neuen Aufgabengebieten kennt wohl jeder. Problematisch wird es, wenn das Brennen keinen Ausgleich mehr findet. Und der Job oder die Familiensituation (z.B. bei Pflegefällen) das gesamte Leben zu regieren beginnt. Der Mensch brennt innerlich ständig ohne Pause.

2. Phase - Antriebslosigkeit

Wenn die Anspannung nicht nachlässt und es keine Erholungsphase gibt, lassen die Kräfte irgendwann nach. Um im obigen Bild zu bleiben, irgendwann geht jedem Auto der Sprit aus, wenn man nicht zum Tanken fährt. Und es zeigen sich erste Schäden und Mängel, wenn der Kundendienst nicht regelmäßig gemacht wird. Was das übertragen auf den eigenen Körper bedeutet, ist wohl ziemlich selbst erklärend.

3. Phase - man steht neben sich

In dieser Phase zeigen sich bereits massive Suchtstörungen. Z.B. wird jetzt ungebremst getrunken. Es besteht jedoch keine Reflektion über das eigene Tun.

4. Phase - keinen Sinn mehr im Leben sehen

Hier sind wir dann am Endpunkt angekommen. Der endgültige Zusammenbruch. Der Mensch ist innerlich ausgebrannt. Nur noch die leere Hülle ist vorhanden. Keinerlei Motivation, Kraft mehr vorhanden und geschweige denn Sinnsuche möglich.

Was können wir also tun, um nicht in diesen Kreislauf zugeraten? Welche Gründe brauchen Menschen zum Ändern dieser Spirale? Der wichtigste Aspekt ist ein Bewusstwerden dessen was geschieht. Ein wirkliches Hinsehen, kein Wegschieben oder Verniedlichen. Das wird oftmals dadurch möglich, wenn der Leidensdruck groß genug geworden ist. Vielleicht durch eine besonders heikle Situation, in der wir das Gefühl hatten, nicht mehr HerrIn unserer Selbst sein, wenn uns plötzlich die Einschränkungen in unserem momentanen Leben bewusst werden. Häufig werden diese Situationen von außen ausgelöst, wenn sich Ehepartner beginnen zu trennen. Wer sich diesen Katastrophen stellt, hat eine Chance auszusteigen.

Wichtig ist dann, seine eigenen Abwehrstrategien zu kennen bzw. kennenzulernen. Denn der Mensch ist wohl am besten darin, sich selbst hinter’s Licht zu führen… Neues Verhalten bedingt auch neue Verhaltens-”Spuren”. Gewohnheiten haben nun mal einen großen Zug und Magnetismus. Und dagegen gilt es systematisch anzusteuern. Beginnen mit Kleinigkeiten, die im eigenen Lebensalltag geändert werden. Neue Gewohnheiten installieren. Den eigenen Lebensstil zu beleuchten. Stimmt das Verhältnis von Bewegung und Stillsitzen? Meist fehlt es gestressten Menschen genau an diesem Ausgleich. Und körperliche Bewegung ist jedoch das beste Mittel, um das Zuviel an aufgebauter Energie (wie oben beschrieben) wieder abzubauen.

Ein weiterer zentraler Hinweis ist das Entschleunigen. Wir leben in einer Welt die in jeder Sekunde unendlich viele Ablenkungen bietet. Und wir sind oft wie Glühwürmchen und wenden uns jederzeit dem nächsten Licht zu. Wieder zu lernen, die eigene Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern, bewusst wahrzunehmen, was man eigentlich gerade macht, Achtsamkeit üben und den Körper im Jetzt spüren, kann uns wieder zur Ruhe bringen.

Dazu passt eine angepasste Zeitplanung. Pausen tatsächlich zu machen und nicht zu verschieben, den Mittag als wahre Auszeit nutzen. Durcharbeiten hat noch in keinem Fall die Produktivität erhöht auch wenn wir uns das gern einreden wollen. Gerade dann passieren die größten Fehler, wenn wir meinen das noch “eben schnell” erledigen zu müssen. Wieder nach unserem eigenen Maßstab zu planen, zu agieren und nicht nur zu reagieren, macht uns wieder zu Herren über die eigene Zeit. Dass dafür oftmals unpopuläre Entscheidungen von Nöten sind, die nicht immer auf Gegenliebe stoßen werden, ist der Preis den wir (anfänglich) dafür zahlen werden.

Als letzten Punkt auf der Liste nannte Gerd Wenninger das Mentaltraining. Meditieren lernen, den eigenen Gedankenstrom nicht zum Bestimmer werden zu lassen, bringt uns die nötige Distanz um klare Entscheidungen zu treffen. Und gute Entscheidungen verringern das Stressempfinden in hohem Maße, weil wir die Dinge im Griff haben und nicht umgekehrt.

Doch was machen jetzt eigentlich Menschen anders, die offensichtlich mit dem Stress in ihrem Leben umgehen können ohne auszubrennen? Nun, bis zu einem gewissen Grad hängt das mit unserer genetischen Ausstattung zusammen. Mit ca. 30 % liegt es tatsächlich in unseren Genen, ob wir tendenziell eher gut oder schlecht mit Stress umgehen können. Davon unabhängig davon pflegen diese Menschen ihr soziales Netz regelmäßig und führen Gespräche über ihre belastenden Situationen. Dabei geht es weniger um den Lösungsbedarf sondern um die Entlastung die mit Kommunikation einhergeht. Zu wissen, dass man einfach mal reden kann, ist eine große Erleichterung. Und schafft zu dem Verständnisbrücken.

Fazit:
Zu lernen im eigenen Leben das Gleichgewicht zwischen Stressoren und Ressourcen zu halten ist unsere große Lebensaufgabe. Und das gelingt am besten, wenn wir immer wieder unser Leben aus der Distanz betrachten und ehrlich mit uns selbst sind. Den Kontakt mit dem/der PartnerIn und Freunden bewusst zu pflegen, denn ein funktionierendes soziales Netz ist eine wichtige Ressource, die durch nichts anderes zu ersetzen ist.

Was sind Ihre “Geheimtipps” im Umgang mit dem Stress in Ihrem Leben? Lassen Sie uns Ihre Antworten in einem Kommentar wissen. Jede Anregung ist hilfreich.

Bildquelle: flickr.com

Gedanken zu Ostern

uhr.jpgOstern ist für mich persönlich mit dem Tod meines Vaters verbunden. Es werden nun bald zwei Jahre, dass er gestorben ist.

Meine Gedanken gehen jetzt in diesen Feiertagen nach innen, wieder aufmerksam werden für das Wesentliche im Leben. Nachdenken darüber ob ich selbst in einem guten Kontakt mit mir bin und damit auch mit den Menschen die mir am nächsten stehen.

Und wie auch letztes Jahr habe ich von einer lieben Freundin einen wunderbaren Text bekommen, den ich gern mit Ihnen teilen möchte. Vielleicht nehmen Sie sich einfach einen Moment Zeit und lassen ihn auf sich wirken.

Das Pardoxe der Zeit

Das paradoxe unserer Zeit ist, dass wir höhere Gebäude aber kleinere Gemüte haben, breitere Autobahnen aber engere Sichtweisen. Wir geben mehr aus aber haben weniger, wir kaufen mehr aber erfreuen uns weniger daran. Wir haben größere Häuser aber kleinere Familien, mehr Annehmlichkeiten aber weniger Zeit. Wir haben mehr Grade aber weniger Sinn und mehr Probleme, mehr Medizin aber weniger Wohlbefinden.

Wir trinken zu viel, rauchen zu viel, geben zu gedankenlos Geld aus, lachen zu wenig, fahren zu schnell, werden zu wütend, bleiben zu lange wach, stehen zu müde auf, lesen zu wenig, schauen zu viel fern, und beten zu selten.

Wir haben unsere Besitztümer vervielfacht, aber unsere Werte reduziert. Wir reden zu viel, lieben zu selten und hassen zu oft.

Wir haben gelernt uns durchs Leben zu schlagen aber nicht gelernt ein Leben zu haben.

Wir haben dem Leben Jahre hinzugegeben aber nicht den Jahren das Leben. Wir haben den ganzen Weg zum Mond zurückgelegt, aber Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren um unseren Nachbarn kennen zu lernen.

Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht unser innerstes. Wir haben große Dinge getan, aber nicht bessere. Wir haben die Luft gereinigt, aber unsere Seele verschmutzt.

Wir haben das Atom in den Griff bekommen, aber nicht unsere Vorurteile. Wir schreiben mehr, aber lernen weniger. Wir planen mehr, aber erreichen weniger. Wir haben gelernt uns zu beeilen, aber nicht zu warten. Wir bauen immer mehr Computer, um immer mehr Informationen zu verwahren und so viele Kopien wie noch nie zu erstellen, aber wir kommunizieren immer weniger.

Das sind die Zeiten des schnellen Essens und der langsamen Verdauung, größerer Menschen und kleinerer Charakter, steilen Gewinnen und oberflächlichen Beziehungen. Es sind die Tage der zwei Einkommen aber mehr Scheidungen, schicken Häusern aber zerstörten Zufluchten.

Es sind die Tage von schnellen Ausflügen, Wegwerfwindeln und Wegwerfmoral, One Night Stands, übergewichtigen Körpern, und Pillen, die alles erledigen, vom aufheitern bis ruhigstellen, bis töten.

Es sind die Zeiten, in denen eine Menge im Schaufenster und nichts im Lager ist. Zeiten in denen Technologie diese Zeilen zu dir bringt und eine Zeit in der du entscheiden kannst sie entweder zu lesen oder schnell weiter zu springen.

.

Denk daran, mehr Zeit mit deinen Lieben zu verbringen, weil diese nicht für immer da sein warden.

Denk daran, ein paar liebe Worte zu dem zu sagen, der bewundernd zu dir aufschaut, weil diese kleine Person bald erwachsen sein wird und deine Seite verlässt.

Denk daran, jemandem der dir nahe steht zu umarmen, weil das der einzige Schatz ist, den du mit deinem Herzen geben kannst und der keinen Cent kostet.

Denk daran “Ich liebe dich” zu deinem Partner und deinen Lieben zu sagen, aber es vor allem auch zu meinen. Ein Kuss und eine Umarmung wird Schmerz lindern, wenn es aus deinem tiefen Innern kommt.

Denk daran, Hände zu halten und den Moment zu genießen, eines Tages wird diese Person nicht mehr da sein.

Nimm dir Zeit zu lieben, zu sprechen und die wundervollen Gedanken zu teilen.

Und denk immer daran:
Das Leben wird nicht an den Atemzügen gemessen sondern an den Momenten in denen es dir den Atem raubt.

Georg Carlin

.

Wer gern noch mehr lesen möchte: hier finden Sie den nachdenkenswerten Text vom letzten Jahr. Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Osterfest. Zeit, die Sie mit Ihren Lieben verbringen können und Frieden im Herzen.

buroklammern.jpgGegen das Multitasking wird ja inzwischen allerorts gewettert. Es bringt uns dazu weniger leistungsfähig zu sein, mehr Fehler zu machen, den inneren Stress signifikant zu erhöhen usw.

Gut, das hab ich soweit verstanden. Über was ich mir allerdings schon länger Gedanken mache, ist, WIESO versuchen wir eigentlich alles gleichzeitig zu machen? Ist es wirklich der Grund, weil wir zuviel zu tun haben? Ist also die Menge an Arbeit ausschlaggebend für unseren ständigen Kampf mit zuviel Aufgaben auf einmal?

Multitasking tritt ja vor allem dann auf, wenn wir nicht konzentriert an einer Sache dranbleiben (wollen…). Und das mit dem Wollen hängt auch am Gefühl, das beim Abarbeiten damit verbunden ist. Dadurch kann’s durchaus schon mal sein, dass was anderes interessanter ist und schwups hüpfen wir gedanklich zur nächsten Blume … ähm Aufgabe.

Eine Studie vom Attention Lab des University College London bringt einen wichtigen Gedanken dazu mit ins Spiel. Und dabei fange ich gleich mal mit dem leicht provokativem Fazit der Studienleiterin Nilli Lavie an:

“Ergebnis: Je schwieriger die Wörter, umso weniger ließen die Probanden sich ablenken.

Das Fazit der Studienleiterin Nilli Lavie sollten ineffiziente Multitasker verinnerlichen: »Wenn man sich leicht ablenken lässt, sollte man die Aufgabe anspruchsvoller machen.«

Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in der Zeit. Was bedeutet das nun für unser täglich Brot? Weniger werden die Aufgaben ja erst mal nicht werden, soviel ist sicher. Das ermüdende an der Fülle ist jedoch auch ihre Gleichförmigkeit, stupide Routine und Langeweile.

Denn wenn wir geistig nicht gefordert werden, bringt die Arbeit uns auch keine Energie. Und damit schließt sich der Kreis: Wer sich leicht ablenken lässt, sollte seine Aufgaben auf Anspruch überprüfen.

Dazu können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was würde denn passieren, wenn diese Aufgabe nicht erledigt würde? Sprich, ist sie wirklich in dieser Form sinnvoll und wichtig?
    .
  • Wenn Sie wirklich durchzuführen ist, dann ist die nächste Frage, ob sie sich nicht auf einem effizienteren Weg erledigen lässt. Sprich, welche Möglichkeiten gibt es sie auf andere Art schneller zu schaffen? Was kann ich weglassen?
    .
  • Ist diese Aufgaben überhaupt richtig bei Ihnen zugeordnet? Oder gehört sie möglicherweise in einen ganz anderen Bereich hinein bzw. andere Hierarchie?

Mit diesen Fragen können Sie Ihr tägliches Feld unter die Lupe nehmen und beginnen auszusondern. Denn meistens werden viele Abläufe einmal eingeführt und ewig durchgezogen.

Das ist die eine Seite der Medaille, alles was zu erledigen ist, mal wieder in Frage zu stellen um den Sinn dahinter zu prüfen. Die andere Seite ist die Geschichte mit dem Anspruch. Auf neudeutsch sagt man auch “Anreicherung“. Welche Möglichkeiten haben Sie um das was Sie gerade zu erledigen haben, anzureichern? Und damit auch mehr Konzentration zu erzeugen?

Wenn’s jetzt nicht gerade um heikle Themen geht, können Sie z. B.

  • Die Zeitkomponente mit hinein bringen. Nicht um noch mehr Druck zu erzeugen, sondern um Wege zu finden, diesen Job in einer bestimmten Zeit zu erledigen. Damit verlassen Sie auch das Perfektionsdenken und kommen eher zu einem “gut erledigt”-Denken.
    .
  • Eine weitere Methode ist zu überlegen, welche Aufgaben sich zusammenfassen lassen. Vielleicht auch mit einer anderen Struktur verknüpfen werden können. Lassen sich möglicherweise auch neue Tools wie Wikis oder ähnliches einsetzen.

Ein generell wichtiger Aspekt betrifft interne Abläufe, vor allem was den Informationsfluss betrifft. Die Aufgaben die zu erledigen sind, machen wir ja häufig für Kollegen oder den Chef. Und wenn wir den Sinn einer Aufgabe, die uns übertragen wurde, überhaupt nicht erkennen können, dann haben wir doch nicht wirklich Lust sie zu erledigen, oder?
Wie wäre es denn, wenn Sie bei solchen Punkten mal nachhaken und gemeinsam mit Kollege oder Chef überlegen, ob, zum einen die Aufgabe tatsächlich noch sinnvoll ist und zum anderen mit welchem Zweck sie überhaupt ihre Berechtigung hat.

Tatsache ist, dass wir zwar in einer Informationsflut ertrinken, jedoch das für uns relevante Wissen nicht bekommen. Und dann wird es auch für Mitarbeiter schwierig zu erkennen, wieso beispielsweise dieser Bericht denn nun wirklich sooo wichtig ist. Deshalb fragen Sie nach und lassen Sie sich Zusammenhänge erklären, wenn sie sich nicht von selbst zeigen.

Denn je mehr Sie über das “große Bildwissen, in das ihre Detailaufgabe eingebettet ist, umso eher werden Sie sich dafür auch interessieren. Und wer mehr Interesse hat, arbeitet automatisch konzentrierter. Das lässt sich nun mal nicht voneinander trennen.

Welche Möglichkeiten verwenden Sie um Ihre Aufgaben “anzureichern”? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Anregungen.

martin_seligman.jpg id=Der Glücks-Faktor, ein plakativer Titel mit überaus praktischer Umsetzung. Martin Seligman ist einer der Begründer der “Positiven Psychologie“. U. a. gemeinsam mit Mihaly Csikszentmihalyi, dem Glücksforscher schlechthin, ist er dem Gedanken nachgegangen, wie sich systematisch positive Zustände fördern lassen.

Es gibt z. B. grundlegende Unterschiede darin, wie Optimisten und Pessimisten denken. Genauer gesagt, wie sie positive und negative Ereignisse bewerten.

Wenn Ihnen beispielsweise eine Präsentation misslingt, wie denken Sie dann über sich? Jemand der eher optimistisch veranlagt ist, wird eine Erklärung finden, wieso gerade heute diese Präsentation nicht so gelungen ist. Z.B. weil nicht genügend Zeit zur Vorbereitung war, der Chef einen schlechten Tag hatte usw. Der Pessimist wird diese Situation eher verallgemeinern und Gedanken hegen wie: ich kann das halt nicht, ich bin dafür nicht geeignet.

Im Gegensatz dazu die Bewertung einer positiven Situation: Nehmen wir den gleichen Fall. Eine Präsentation ist besonders gut gelungen. Der Optimist wird nun eher in folgende Richtung denken: Ich kann einfach gut präsentieren. Der Pessimist wird dagegen eine Einzelerklärung finden wie z. B. naja, das war jetzt echt ein Glücksfall heute, für dieses Thema war ich gut vorbereitet.

Allein dieser Unterschied ermöglicht es sich sein persönliches Trainingslager im Kopf zu schaffen um zu lernen mehr Optimismus zu leben. Seligman empfiehlt, sich beim Denken genauer zu beobachten und ggf. einzugreifen. Sollten Sie merken, dass sich die Negativ-Spirale gedanklich in Gang setzt, dann fangen Sie an, mit sich selbst zu disputieren.

Um beim obigen Beispiel mit der Präsentation zu bleiben: Wenn Sie eher schlecht gelaufen ist und Sie über sich denken, dass Sie halt nicht präsentieren können, dann wäre ein gutes Argument: Wieso sollte ich das nicht können, heute war einfach jeder in schlechter Stimmung. oder die Technik hat halt heute versagt, oder ich hatte mich zuwenig vorbereitet usw.

Im Buch können Sie außerdem mit Hilfe von einfachen und doch ausgeklügelten Testfragen Ihre sog. Signaturstärken erkennen. Darunter versteht man die Bandbreite an persönlichen Stärken die einem positive Empfindungen verschaffen. Je öfter jemand seine eigenen Signaturstärken einsetzen kann um so erfüllter wird er sein Leben empfinden.

Das Buch bietet eine Fülle von sofort umsetzbaren Möglichkeiten und Seligman selbst hat eine erfrischende Art zu schreiben. Dadurch, dass er sich ebenfalls als Pessimisten empfindet der lernt optimistischer zu denken, wirkt das Gelesene überaus authentisch.

Für mich ein sehr wertvolles Lesefutter: Der Glücks-Faktor von Martin E.P. Seligman

Anita-Roddick.jpgDiese Frage wurde in einem Interview an eine der reichsten Frauen der Welt gestellt, Anita Roddick. Die Antworten von ihr haben mich überaus beeindruckt. Lesen Sie selbst, was Sie auf darauf sagte:

Die Wirtschaft ist die größte und mächtigste Institution in der Gesellschaft. Sie ist mächtiger als die Kirche, mächtiger als Regierungen. Wenn sie gänzlich ohne Moral auskommt, dann hilf uns Gott. Alles, was in der Wirtschaft geschieht, berührt das Leben von Millionen Menschen. Grund genug, ehrenhaft zu arbeiten.

Anita Roddick ist ein Mensch, der nie etwas nur hinnimmt. Sie sieht ihre Aufgabe darin, Dinge zu verändern und in Bewegung zu setzen. Selbst sieht sie sich in der Rolle als Außenseiterin und hat dazu eine interessante Definition:

Ein Außenseiter zu sein bedeutet, dass du nicht einfach akzeptierst, was man dir in der Schule beibringt, was du in der Presse liest, was die Politiker sagen. Außenseiter glauben an ihre eigenen Erfahrungen. Werte werden durch Erfahrungen geprägt und verändern sich mit ihnen.

Zur momentanen gesellschaftlichen Denke hat sie ebenfalls ein paar sehr klare Gedanken geäußert:

Im Moment ist dauernd die Rede von Profitmaximierung. Zum ersten Mal in der Geschichte erleben wir, dass ökonomisches Denken alle menschlichen Werte zu ersticken droht. Werte wie Freundlichkeit, Neugier, Fürsorge und Kreavität.

Und zum Thema Konsum:

Nicht der Konsum an sich ist falsch, sondern die Art, wie man konsumiert. Man hat die Wahl. Man kann konsumieren, ohne den Planeten auszubeuten, ohne anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Das ist möglich.

Anita Roddick ist mit dem Verkauf von Pflegeprodukten reich geworden, doch ihr Herzblut hängt an den Kampagnen die sie unterstützt. Von “Rettet die Wale” bis zur aktuellen Kampagne gegen häusliche Gewalt.

Das ganze Interview können Sie in der existenzielle nachlesen. Einem Magazin für selbständige Frauen, das 4x im Jahr erscheint.

Wie sehen Sie das mit der Moral im Geschäftsleben? Spielt dieses Thema für Sie eine Rolle? Ich finde es sehr interessant, diesen Fragen einmal ernsthaft nachzugehen. Vor allem genau dann, wenn man eigentlich keine Zeit dazu hat, weil man ja mit Geldverdienen beschäftigt ist.

Welche Werte entwickeln Sie mit Ihrer Arbeit?

Wer nun in der Massenartikelproduktion tätig ist, mag einwenden können, dass sich ja mit Kronkorken schwerlich Werte entwickeln lassen. Das ist vordergründig bestimmt richtig.

Jedoch haben Sie die Wahl, was Sie mit dem eingenommenen Geld machen. Selbstverständlich müssen Kosten getragen, Investitionen getätigt und Rücklagen gebildet werden.

Doch ließe sich nicht ein kleiner Teil dazu verwenden, in Ihrem Umkreis etwas zu bewegen? Und sei es eine Unterstützung um dem angrenzenden Spielplatz eine neue Schaukel zu finanzieren oder vielleicht einem Existenzgründer als Mentor zur Seite zu stehen oder oder oder….

Es geht nicht um den Riesenaufwand und die große finanzielle Zuwendung. Es geht darum im Kopf umzudenken. Die kleinen Dinge, die man tun kann, damit die Welt wieder ein wenig menschlicher wird. Dazu muss man nicht die Welt verbessern. Sondern es genügt, die eigene kleine Welt mal wieder mit anderen Augen zu betrachten.

Denn die tiefste Befriedigung liegt fast immer darin, etwas zu tun, das “Sinn macht”. Und Sinn machen hat etwas damit zu tun, einen Beitrag zu leisten. Und da wir nunmal nicht allein auf der Welt leben, ist unser Beitrag dann am sinnvollsten, wenn er auch andere unterstützt.

Wie sehen Sie das?

…über die ich ja schon des öfteren geschrieben habe, wie hier und hier. Diesmal ein Zitat von einem meiner Lieblingsdichter:

Wessen wir am meisten im Leben bedürfen, ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.

Ralph Waldo Emerson

Hm, merken Sie auch schon wie es zu picksen anfängt…? Denn einerseits sollen wir uns ja selbst motivieren und die intrinsische Art wär ja die einzige Möglichkeit für wahre Motivation.

Doch auf der anderen Seite, kennen Sie nicht auch das Gefühl jemandem gegenüberzustehen, der einem voller Vertrauen sagt: “Du kannst das.” Und davon absolut überzeugt ist, auch wenn man selbst Zweifel daran hat.

Und dieses Zutrauen ist dann fast wie ein Vorschuss auf das eigene Erleben des Schaffens. Sei es auch mit Rückschlägen und Frustrationen behaftet. Jeder Weg hat nunmal seine Steine und Steinchen.

Haben Sie so jemanden in Ihrer Nähe? Jemanden der Sie dazu bringt, das zu tun, wessen Sie fähig sind?

Sind Sie selbst so jemand? Geben Sie Menschen einen Vorschuss im Zutrauen auf ihre Fähigkeiten? Bringen Sie andere dazu, das zu tun, wessen sie fähig sind?

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass wir dann wachsen, wenn wir solchen Menschen begegnen und lernen selbst zu solchen Menschen zu werden.

Wie sehen Sie das? Machen Sie mir doch die Freude und schreiben mir Ihre Gedanken.

Grund für die lange Pause

Nach langer Zeit, es sind zwei Monate ins Land gegangen, schreibe ich heute meinen nächsten Beitrag. Der Grund für die lange Pause ist nicht nur der Sommerurlaub gewesen oder das neue Layout (an dieser Stelle vielen herzlichen Dank an Martin) sondern eher etwas, das nicht unbedingt ein so sehr öffentliches Thema ist.

Für mich waren die letzten Monate eine emotional sehr belastete Zeit durch den Tod meines Vaters. Ich hatte in verschiedenen Beiträgen schon darüber geschrieben.

Wieso ich das jetzt zu einem Thema in einem eher geschäftlich aufgebauten Blog mache? Das hat mehrere Gründe. Der erste ist ganz banal, hinter jedem Geschäft stecken Menschen und jeder Mensch wird in seinem Leben mit dem Tod konfrontiert werden. Der zweite Grund ist, dass ich in den letzten Wochen viel über mich, über Menschen in meinem Umfeld und das Gefühl der Ohnmacht gelernt habe, das Trauerarbeit mit sich bringt.

Und das hat mir ganz klar aufgezeigt, dass Trauer eine eigene Dynamik hat. Die verschiedenen Phasen des Trauerns können nicht verkürzt oder übersprungen werden. Der Körper zieht hier klar die Bremse.

Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross spricht von 5 verschiedenen Trauerphasen:

  • Nicht-wahrhaben-Wollen
  • Zorn
  • Verhandeln
  • Depression
  • Zustimmung

Jede dieser Phasen ist wichtig. Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, dass die Reihenfolge nicht unbedingt bei jedem Menschen die gleiche ist. Obwohl der Punkt Zustimmung den Abschluss bilden sollte, da man sonst in der Trauer quasi steckenbleibt.

Am schlimmsten war für mich die Phase des Zorns und des nicht-wahrhaben-wollens. Dieses Gefühl kam oft so unvermittelt hoch und hat sich auch häufig gegen meine Familie gerichtet, dass das schlechte Gewissen fast genauso schlimm war und ich völlig hilflos dazwischen.

Es war wie ein Ausblendenwollen. Wenn ich mich zurückziehe, einfach meine Arbeit weitermache, dann ist es fast so, als ob gar nichts passiert ist und alles ganz normal weiterläuft. Das ist natürlich eine Illusion und das Aufwachen daraus erfolgt nur langsam.

Ein Punkt, der sich für als überaus wichtig und heilsam erwiesen hat, war das Gespräch mit Menschen, die ähnliches erlebt haben. Die eigene Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht ein klein wenig teilen können mit dem Gefühl des Angenommenseins.

Der Verlust eines Elternteils bringt auch eine Neuverteilung im Familiensystem mit sich. Häufig mit veränderten Rollenbildern, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Es ist wie ein Mobile, in dem ein Anhängsel abgenommen wird. Es dauert eine ganze Zeit, bis sich wieder alles einpendelt und ins Gleichgewicht kommen kann. Es treten alte Verletzungen zum Vorschein und nicht ausgesprochenes macht sich breit.

All das braucht Zeit und Raum zum Verarbeiten. Menschen, die damit umgehen und den Schmerz eines anderen aushalten können.

Zum Abschluss möchte ich ein paar Gedanken zum Alltag in den Raum stellen:

  • Wie gehen Sie mit dem Thema Trauerarbeit in Ihrem Unternehmen um?
  • Kennen Sie mögliche Anlaufstellen wie Trauergruppen, Trauerbegleiter usw. die Sie weitergeben können?
  • Wie könnten Sie Ihre Mitarbeiter bei den rechtlichen Folgen und Fragen unterstützen, die mit jedem Todesfall auftreten?
  • Könnten Sie sich vorstellen, immer wieder einmal Informationsvorträge zu den Themen Erbschaftsregelungen, Patientenverfügung usw. anzubieten?

Für mich wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich für mich das Gefühl habe, im Reinen zu sein. Ans Grab zu gehen, schaffe ich im Moment immer noch nicht. Doch es geht aufwärts, Schritt für Schritt. Mit Achtsamkeit und bewusstem Leben. Und mit dem Gefühl, jemanden zu haben, der jetzt auf eine andere Art auf mich aufschaut. Meinen Weg begleitet und in mir ein Stück weiterlebt.

In diesem Sinne mache ich mit diesem Beitrag einen neuen Anfang und wünsche all meinen Lesern Zeit für das Wesentliche in Ihrem Leben.

Ein Zitat über ganzheitliche Führungskräfte:

Trompete können Sie nicht zögerlich spielen.

(Pater Theodore Hesburgh)

Da ist wohl was dran. Würde sich wahrscheinlich bei einer Trompete eher unfreiwillig komisch anhören, quitschend oder nach heißer Luft….

Wenn man nun diese Metapher auf den Unternehmensalltag als Führungskraft überträgt, dann lohnt es sich, über folgende Fragen nachzudenken:

  1. Bei welchen Entscheidungen verhalten Sie sich tendenziell eher zögerlich?
  2. Welche Auswirkungen hat das? Auf Sie selbst, auf Ihre Mitarbeiter, Ihre Kollegen, auf die Prozesse?
  3. Wie wäre der optimale Verlauf?
  4. Was fehlt Ihnen dazu?
  5. Was können Sie tun, um das fehlende zu erlernen, zu bekommen, auszufüllen?

Bis zu dieser Frage ist alles ziemlich logisch aufgebaut. Und in vielen Fällen lässt sich nun eine Veränderung erreichen, in dem das in den Antworten Erarbeitete sukzessive umgesetzt und gelebt wird.

Doch ebenso häufig ist der andere Fall, in dem wir genau wissen, was zu tun ist und es trotzdem nicht machen. Und hier wird es nun interessant. Um mit diesen Widersprüchen zu arbeiten, gibt es verschiedenste Herangehensweisen. Letztlich gipfeln alle darin, dass jedes Verhalten einen Sinn hat, wie unsinnig und unlogisch es uns auch im Bewusstsein erscheinen mag.

Ein Beispiel dazu aus meinem Dozentenleben: Ein wirklich cleverer Schüler wusste genau, wo es bei ihm hakte und lernen fiel ihm leicht. Doch irgendwie legte er sich ständig selbst Steine in den Weg. Im Betreuungsgespräch ergab sich dann der Grund dafür: Wenn er in diesen Fächern bessere Noten haben würde wie seine beiden Freunde würde das zu einer Spaltung führen, befürchtete er. Und damit war die Entscheidung sonnenklar: Die Zugehörigkeit zu seiner Peergroup war um einiges gewichtiger, als seine eigene Verbesserung. Mit diesem Wissen ließ sich nun an einer konkreten Lösung mit ihm arbeiten, seine Ziele zu erreichen und die Zugehörigkeit zu bewahren.

Eine kleine Randnotiz: Dieses Phänomen von zurückhaltendem „Wissen zeigen“ nach außen mit dem Hintergrund der Verlustangst von Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe lässt sich sehr, sehr häufig bei Jungen und Männern beobachten.

Das angeführte Beispiel illustriert sehr schön den Zusammenhang zwischen äußerem Verhalten und innerem Sinn. Um nun den eigenen Widersprüchen und den dahinterstehenden unbewussten Treibern auf die Spur zu kommen sind zwei Fragen ein guter Ansatz.

Vielleicht nehmen Sie dazu gleich eine konkrete Situation, dann können Sie für sich den größten Nutzen daraus ziehen. Also am besten ein eigenes Verhalten, das Ihnen eher im Weg steht und Ihnen trotzdem immer wieder „passiert“.

  • Was verhindert dieses Verhalten?
    Die Antwort zeigt Ihnen ein angestrebtes Ziel an.
  • Was ermöglicht mir dieses Verhalten?

Damit kommen Sie Ihrem inneren Grund auf die Spur. Lassen Sie sich mit der Beantwortung ruhig Zeit. Und konzentrieren Sie sich auf Ihre Körperempfindungen und Bilder die in Ihnen aufsteigen. Ihr Kopf darf ruhig mal ein Päuschen einlegen.

Egal, was als Antwort aufgetaucht ist, genau das hat für Sie einen höheren Stellenwert. Manchmal braucht man auch ein paar Anläufe, bis Antworten aufsteigen.

Wenn Sie nun Ihr Ziel von Frage 1 erreichen möchten, dann haben Sie dann die größten Chancen, wenn Sie sicherstellen, dass Ihr innerer Grund berücksichtigt wird.

Und sollten Sie merken, dass Sie immer wieder bei gleichen Themen hängenbleiben, dann haben Sie keine Scheu sich jemanden zur Unterstützung und Begleitung zu suchen. Häufig genügen bereits wenige Gespräche, um aus der eigenen Sackgasse herauszukommen. Ein guter Coach oder Therapeut ist in der Lage Ihnen den kleinen Schubs zu geben, der in die für Sie richtige Richtung führt. Laufen müssen Sie dann eh selbst. ;-)

Das Zitat mit dem dieser Beitrag begonnen hatte: Trompete können Sie nicht zögerlich spielen stammt aus dem Buch Visionäres Management von Gay Hendricks und Kate Ludeman.

Eine Inspirationsquelle und gute Zusammenfassung was ganzheitliche Führung bedeutet und welche Vorausetzungen und Möglichkeiten damit verknüpft sind.

Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der mit Führung betraut ist, denn es enthält für meine Begriffe, viele simple Wahrheiten, die doch so oft (leider) unter den Tisch fallen.

Diese tiefe Wahrheit wird u. a. im Zen-Buddhismus gelehrt. Was bedeutet das nun konkret?

Ich bin nicht meine Gefühle.

Vielleicht erläutert das am besten ein Beispiel:

Morgens klingelt der Wecker und Sie sind noch ganz verschlafen als Sie aufstehen. Sie trödeln im Bad und in der Küche herum. Dann fällt Ihnen ein, dass Sie den Bericht immer noch nicht fertig geschrieben haben. Ihre Laune sinkt. Sie suchen Ihre Sachen zusammen und gehen aus der Tür.

Während Sie im Auto sitzen, schießen Ihnen tausend Gedanken durch den Kopf. Der Stresspegel steigt. Sie machen sich innerlich Vorwürfe, dass Sie den Bericht aufgeschoben haben und ärgern sich gleichzeitig über den Autofahrer der vor Ihnen scheinbar dahinschleicht.

Endlich im Büro angekommen, will schon wieder der erste was von Ihnen. Sie schütten sich den Kaffee fast über die Unterlagen und das Telefon läutet bereits penetrant.

Sie haben jetzt schon die Nase voll vom Tag und merken wie der Ärgerpegel steigt und steigt.

Auch wenn dieses Beispiel natürlich überzeichnet dargestellt ist, kennen Sie möglicherweise ähnliche Situationen. Und wenn Sie ein wenig in Gedanken mitgegangen sind, dann haben Sie vielleicht als TrittbrettfahrerIn einen Anflug von diesem Ärger gespürt, der sich hier aufgebaut hat.

Die Auswirkungen auf den Körper sind enorm. Der Puls und der Herzschlag werden erhöht. Die gesamte Muskelanspannung verstärkt sich. Die Magensäure schaltet hoch und einiges mehr. Wie gehen Sie mit solchen Situationen um? Wie schaffen Sie es wieder runterzukommen?

Eine Möglichkeit die ich Ihnen in diesem Beitrag vorstellen möchte, hat mit dem o. g. Satz zu tun. Ich wiederhol ihn einfach nochmal:

Ich bin nicht meine Gefühle.

In der Psycho-Analyse wird im Menschen zwischen verschiedenen Ich-Zuständen unterschieden. In der Gestalttherapie kennt man beispielsweise den Unterschied zwischen einem Erwachsenen- und einem Kind-Ich.

Und genau da möchte ich hin. Wir haben ein sog. Ego das uns mit Gedanken und Gefühlen überflutet. Die ganzen Stimmen die man so im Kopf hat und die uns manchmal schelten, antreiben, Vorwürfe machen usw. Doch das SIND wir nicht. Wir sind weder unsere Gefühle, noch unsere Gedanken.

Wir erschaffen sie und nicht sie erschaffen und regieren uns. Diese einfache Wahrheit wird oft übersehen. Alles was wir denken und fühlen, können wir beeinflussen, denn WIR sind es, die denken und fühlen. Es gibt niemanden da draußen, der uns sagen kann: Fühl dich jetzt so und so.

Es ist einzig und allein jedes mal unsere Interpretation von erlebten Situationen, die die Gedanken und Gefühle erschafft. Dies alles läuft natürlich oft in Sekundenbruchteilen ab. Und manchmal merkt man es erst, wenn man schon mitten drin steckt.

Sie wissen jedoch genauso wie ich, das die meisten negativen Empfindungen uns empfindlich in unseren Handlungsmöglichkeiten einschränken. Souveränes Handeln ist im Ärger oder Stress fast nicht möglich. Damit verliert sich auch der Überblick über komplexe Zusammenhängen.

Angst beispielsweise schränkt tatsächlich oft das Blickfeld ein und erhöht damit die Zentrierung auf das Ängstigende. Die Folge davon ist ein unnatürliches Vergrößern der erlebten Sitation, quasi wie eine Lupe.

Was Sie nun konkret tun könnten, um um sich wieder zur Ruhe zu bringen, wäre einen kleinen Trick anzuwenden. Den Trick mit der Uhr.

Denn, wenn Sie Ihrem Ego die Oberhand überlassen, sind Sie nicht mehr im Hier und Jetzt. Sie verlassen sich quasi selbst. Lassen Sie uns das obige Beispiel aufgreifen:

…. merken wie der Ärgerpegel steigt und steigt. Als Sie dies wahrnehmen, schauen Sie bewusst auf die Uhr und sagen (oder denken):

Ich ärgere mich gerade sehr und es ist jetzt 9 Uhr 42.

Haben Sie evtl. mitgemacht? Wenn ja, dann haben Sie möglicherweise eine Veränderung in den Gedanken und Empfindungen gemerkt. Als nächsten Gedanken:

…. es ist jetzt 9 Uhr 42. Ich ärgere mich jetzt noch bis 9 Uhr 50 und dann hör ich damit auf.

Macht das für Sie Sinn? Mussten Sie vielleicht ein ganz klein wenig schmunzeln? Sich bewusst für ein negative Empfindung zu entscheiden, ist etwas, was so gut wie niemand freiwillig machen würde. Und genau das ist das Entscheidende dabei. Sie wählen Ihre Empfindung bewusst und genau dadurch haben Sie wieder alles besser im Griff.

Selbstverständlich können Sie sich jetzt auch für Gelassenheit, für Ruhe, für Souveränität entscheiden. Die Situation an sich, ist immer noch die Gleiche. Doch Sie haben jetzt den Stand- und Sichtpunkt geändert und Ihre Wahrnehmung ermöglicht Ihnen eine neue und bewusste (damit kraftvolle) Bewertung.

Wenn die Situation von Ihnen eine weitere interne Bearbeitung erfordert, d. h. Sie sind mit etwas konfrontiert, was Sie konkret durchdenken möchten, dann können Sie auch dazu die Uhrzeit nutzen.

In unserem Beispiel geht es vielleicht um eine sich wiederholende Situation, dass unangenehm empfundene Aufgaben häufig geschoben werden. Es belastet Sie immer wieder und Sie möchten der Sache auf den Grund gehen. Dann können Sie mit sich selbst einen Deal machen, in dem Sie konkret überlegen, wann Sie sich für dieses Thema Zeit nehmen möchten. Und dann nutzen Sie einfach die Uhrzeit, wie z.B.:

… und dann hör ich damit auf. Heute abend um 20 Uhr werde ich mich mit dem Thema “was kann ich tun, um mir unangenehme Aufgaben früher zu erledigen” beschäftigen.

An diesen Termin sollten man sich dann halten. Sonst wird es Sie wie einen Bumerang immer wieder und wieder einholen.

Bei dieser Technik gilt natürlich auch “Übung macht den Meister”. Und die Uhrzeit ist letztlich nur eine Krücke zum schnelleren bewussten Wahrnehmen. Probieren Sie es doch einfach mal für eine Woche aus. Sie werden vielleicht feststellen, dass Sie immer mehr ein Gefühl von Souveränität in Ihrem Leben, Umfeld und Handeln bekommen. Und wenn Sie auch nur eine Situation dadurch verändern können, ist es eine positive Situation mehr.

Lassen Sie sich auch immer wieder mal von einem Zitat inspirieren? Der Newsletter darüber gibt es ja inzwischen viele. Auch ich bekomme meine tägliche Ration ;-) von www.zitate.de

Allerdings war das Zitat von heute wieder eines dieser Krümel im Bett. Und es lässt mich irgendwie nicht los:

"Wir sind schon ein merkwürdiges Volk, wenn wir mit Freude Maschinen bedienen, aber jedes Lächeln gefriert, wenn es sich um die Bedienung von Menschen handelt. "
Roman Herzog (*1934), deutscher CDU-Politiker, Bundespräsident 1994-1999

Was denken Sie darüber?

Next »