TablettJetzt ist es da, das neue Jahr. Noch ganz blitzeblank, der zweite Tag bewegt sich leise vor sich hin. Die Zeit der Rückblicke ist vorbei und geht nahtlos in die Zeit der Vorausschauen über. Manch einem liegt das und manch einem weniger.

Eine sehr schöne Art sich auf’s neue Jahr einzustimmen habe ich vor einigen Jahren in dem Buch von Melody Beattie: Mehr Kraft zum Loslassen gefunden. Es geht dabei weniger um konkrete Ziele, die man sich stecken soll oder Projekte, die es umzusetzen gilt, sondern eher um eine interessante Art von Fragen.

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Es geht auch nicht darum, diese Antworten groß angelegt zu planen, sondern einfach schriftlich festzuhalten, was einen an dem heutigen Tag dazu einfällt. Vielleicht klingt das manchen nach esoterisch angehauchten Wunschlisten, das mag durchaus sein, doch es kommt ja immer darauf an, was man selbst daraus machen möchte.

Wenn Sie Lust haben das ganze jetzt gleich mal auszuprobieren, dann schnappen Sie sich was zu schreiben und horchen auf die Antworten, die Ihnen auf diese Fragen einfallen. Erstellen Sie eine spontane Liste von:

  • Welche Ereignisse sollen in Ihrem Jahr 2010 eintreten?
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  • Welche Eigenschaften wollen Sie erwerben?
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  • Welche Dinge möchten Sie gern bekommen?
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  • Welche Dinge möchten Sie gern tun?
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  • Welche Veränderungen sehnen Sie herbei? (sehr interessante Frage!)
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  • Welche Orte möchten Sie unbedingt besuchen?
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  • Welche Objekte möchten Sie gern sehen?

Vor allem Ihre Antworten auf die Frage nach den Veränderungen, die Sie herbeisehnen, zeigt Ihnen glasklar auf, wo Ihre Kraft gebunden ist. Was Sie innerlich am meisten beschäftigt und wo es sich lohnt, wirklich hinzusehen.

Es gibt einen zweiten Teil von Fragen, die in eine andere Richtung abzielen und richtig Kraft entwickeln können:

  • Welche Dinge möchten Sie 2010 bereitwillig loslassen?
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  • Welche Menschen möchten Sie bereitwillig loslassen?
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  • Welche Einstellungen möchten Sie bereitwillig loslassen?
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  • Welche Verhaltensweisen möchten Sie bereitwillig loslassen?

Sich dafür Zeit zu lassen und sich damit zu beschäftigen, kann Ihren Fokus für die nächste Zeit auf bestimmte Themen einstellen, die in Ihrem Leben gerade präsent sind. Die wichtige Formulierung “bereitwillig loslassen” zeigt auf, dass es dabei um ein gelöstes Loslassen geht. Eines, bei dem es nur wenig Bedauern gibt. Meist ist es weniger unsere Aufgabe Dinge oder Menschen loszulassen, sondern unseren Gedanken darüber eine neue Richtung zu geben.

Sich zu lösen kann häufig bedeuten, sich von anderen wieder sich selbst zuzuwenden. Damit geht meist ein Nachlassen des Drucks einher, den Sie innerlich verspüren. Loslassen heißt damit auch Anspannung zu lösen, die sich im Körper regelrecht manifestiert hat. Denn ein seelisches Festhalten ist zugleich ein körperliches Festhalten im Sinne von unwillkürlicher Muskelanspannung. Und diese zu lösen, kann auch Tränen nach sich ziehen. Und das darf alles sein. Denn Loslassen kann auch zulassen bedeuten. Ein Annehmen dessen, was gerade ist.

Gönnen Sie sich ein innerliches behutsames Lösen. Lassen Sie Ihre Anspannung mit jedem Moment ein wenig mehr los. Es war gut, dass sie da war und es ist gut, dass sie weniger werden darf. Ihre Kraft wird dadurch wachsen und Sie werden alles was es loszulassen gilt, immer besser bewältigen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gelöstes Jahr 2010!

Uhr by_Kurt-F-Domnik_pixelioWunderliches Wort, die Zeit vertreiben,
sie zu halten wäre das Problem…
(Rilke)

Bildquelle: @Kurt F. Domnik / pixelio.de

Heute möchte ich gern ein paar Gedanken mit Ihnen teilen, die nicht unbedingt eine praktische Umsetzung beinhalten. Doch das Thema begleitet mich seit den letzten Wochen und Monaten fast jeden Tag. Vielleicht kommt Ihnen daraus manches bekannt vor, vielleicht erleben Sie manches davon selbst in Ihren Tagen, vielleicht können Sie mit manchem daraus etwas anfangen, vielleicht hilft es Ihnen aus ähnlichen Dilemmata neue Gedanken zu fassen.

Unsere Zeit…

Von unserem Kuchen der Zeit beanspruchen viele Menschen ein Stück. Sie wird genommen, gefordert, erfleht, erbettelt. Was bleibt sind oft nur Krümel. Kein Stück mehr im Ganzen. Fragmente zurückgelassen nach dem Sturm auf’s Buffet. Und da sitzen wir nun, kratzen die Reste zusammen und versuchen davon satt zu werden.

Unsere innere Uhr tickt viel langsamer als der unerbittliche Zeiger im außen. Die Zeit beherrschen bedeutet auch, diese beiden Welten in Einklang zu bringen. Was es erfordert, Wege zu finden, um den Tag zu verlangsamen. Jede Minute die verstreicht, ist unwiederbringlich vorbei. Jeder Herzschlag bringt uns dem Ende ein Stück näher.

Diese Gedanken machen die Zeit zu einem Ungeheuer, das sich durch unser Leben frisst. Als Stellvertreterin schickt sie Termine, Besprechungen, Telefonate, zu erledigende Projekte. Sie ist gut im Delegieren, da könnten wir noch viel lernen.

Doch gibt es nicht auch Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint? Oft nur kurze Augenblicke, die uns den Reichtum der Ruhe schenken. Inseln im Alltag.

Das Paradox der Zeit ist in der Distanz begründet. Je weiter wir uns von ihr entfernen, umso schneller fließt sie durch uns hindurch. Je näher wir  ihr sind, umso langsamer und gemächlicher lässt sie unser Erleben erscheinen.

Wo passiert Zeit dann genau? Spürbar wird sie in flirrenden Gedanken, die sich wie wilde Affen von Baum zu Baum schwingen, wenn der äußere und innere Druck zunimmt.

Eine geschenkte Stunde hingegen manifestiert sich in einem Lächeln, einem tiefen Atemzug, einer wohligen Entspannung im gesamten Körper. Die Zeit festzuhalten gelingt oft in schreibenden Bildern. Erinnerungen, die durch wenige Worte wieder auferstehen. Ein Regen aus Momentaufnahmen, die uns hineinfallen lassen in ein früheres Ich.

Und die Zeit die noch kommt? Wie können wir ihr schon heute ein gutes Zuhause schaffen? In dem wir unser Erleben wieder auf den Moment ausrichten. Das Jetzt in uns orten und immer wieder zu diesen Koordinaten zurückkehren, wenn wir vom Kurs abgewichen sind und uns im Strudel der Zeiten anderer verheddert haben.

Denn nicht die Zeit verbraucht uns, sondern wir verbrauchen die Zeit. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Stopfen wir sie wie Junkfood in uns hinein ohne wahrzunehmen, was sie da in uns macht oder zelebrieren wir ein Mahl mit Kerzen und Wein?

Wahres Genießen lässt einen Moment zu einer kostbaren Ewigkeit werden. Das Leben bis zur Neige kosten und die Zeit ist unser, wenn wir wahrlich anwesend sind in unserem Sein.

Was ist Ihr Jahresmotto?

Das Dilemma mit den Vorsätzen ist ja inzwischen hinreichend bekannt. Sie haben häufig eine Halbwertszeit die dem Abklingen des Katers entspricht…. Daher habe ich mich schon seit einigen Jahren für einen anderen Ansatz entschieden.

Anfang Januar denke ich darüber nach, was ich die kommenden 365 Tage in meinen gedanklichen Fokus setzen möchte. Welches Thema ist mir ein Herzensthema, ist gerade dran und gibt mir das Gefühl, das nun dafür die richtige Zeit ist. Das wird zu meinem ganz persönlichen Jahresmotto. Um es auf seine Quintessenz zu konzentrieren, wird es mit einem einzigen Wort ausgedrückt.

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2008 war für mich das Jahr der Liebe. Das hört sich nun wahrscheinlich sehr pathetisch an. Mag sein. Und doch habe ich es genauso feierlich gemeint als ich dieses Motto Anfang Januar letzten Jahres festgehalten habe. Ich wollte die Augen offen halten und wahrnehmen was es dazu in meinem Leben bereits gibt und was ich dazu beitragen kann, dass sie sich vermehrt. Und wenn ich heute Resümee ziehe, dann kann ich sagen, dass ich unendlich reich beschenkt bin in Sachen Liebe.

Es gibt wunderbare Freunde in meinem Leben, die auch in schweren Zeiten zu mir stehen und denen ich vielleicht viel zu selten sage, wie wichtig sie mir sind. Was für ein Geschenk zu wissen, dass es Menschen gibt, zu denen man in jeder Situation und zu jeder Zeit kommen kann und ein offenes Ohr und eine tröstende Umarmung findet.
Wie können Sie Ihre Freunde wissen lassen, wie wertvoll sie Ihnen sind?

Wer Katzen hat weiß um die Seelenweisheit dieser Tiere. Und meine zwei Miezen sind dafür ein Paradebeispiel. Sie scheinen stets den siebten Sinn für meine Stimmungen zu haben und geben mir Kraft mit ihrer lebendigen Gegenwart.
Wenn Sie Tiere haben, welches kleine Ritual stärkt Ihre Verbindung zu Ihnen?

Mein größtes Geschenk des Jahres 2008 ist ein wunderbarer Mann, mit dem ich mich vom ersten Moment an verbunden fühlte. Ein stilles Glück, das mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.
Was lieben Sie besonders an Ihrem(r) Partner(in) und wie können Sie dies mitteilen?

Wer den Blick mal auf die Liebe in seinem Leben richtet, könnte entdecken, dass es davon viel mehr gibt, als vorher gedacht. Ein freundliches Lächeln, eine kleine Aufmerksamkeit, blühende Blumen, ein wunderbares Essen, ein nettes Kompliment, ehrliches Zuhören und und und….
Wieviel tragen wir dazu bei, dass sich diese liebevollen Momente in unserem Leben vermehren können?

Auch wenn es mancher vielleicht schon nicht mehr hören mag: Was wir aussäen wird zu uns zurückkehren.

Mit einem Jahresmotto kann es Ihnen gelingen, das von Ihnen gewählte Thema im Blick zu behalten. Sie können es schön ausgedruckt aufhängen, sich am Ende eines jeden Monats einen Reflexionstermin dafür setzen und sich Gedanken darüber machen, was Ihnen in diesem Monat gelungen ist zu Ihrem Thema und was Sie sich gut für den nächsten Monat vorstellen können.

Über was wir uns schriftlich Gedanken machen, bleibt besser in uns verankert. Und ein Motto soll ein hoch gespannter Bogen sein, der Ihr Jahr umrahmt. Kein Training das Sie durchlaufen sollen.

Eines meiner letzten Jahre war das Jahr der Gesundheit. Und da ich immer wieder mal – ganz entspannt – für mich über dieses Thema nachgedacht habe im Laufe der 365 Tage konnte ich auch viel mehr für mich erreichen als sonst. Seit dem habe ich z. B. ein Trampolin, da ich nun mal ein ziemlicher “Drinnen-Mensch” bin und keine Lust auf Joggen o.ä. habe. Wenn ich mich – wie man das ja oft so macht – unter Druck setze um jetzt auch wirklich mehr auf meine Gesundheit zu achten und dieses und jenes dazu zu tun, hätte ich ja schon keine Lust mehr gehabt. Durch das mehr spielerische Herangehen habe ich mich viel lieber mit Möglichkeiten dazu beschäftigt als sonst.

Was könnte Ihr Motto sein? Es ist alles erlaubt, was Ihnen am Herzen liegt. Vielleicht machen Sie uns die Freude und teilen Ihr Motto mit uns. Selbstverständlich darf es ruhig pathetisch sein :-) Für mich ist 2009 das Jahr der Fülle.

Weihnachten 2008 ist schon wieder vorbei. Die ganze Hektik und Vorbereitung liegen hinter uns. Komprimiertes Feiern, Essen, Besuche machen lässt manch einen mit einem eher unzufriedenen Gefühl zurück. Wie wär’s denn jetzt mit einem kleinen Gedankenspiel? Sie müssen nichts machen, sich nicht bewegen, keine großartigen Aufgaben lösen, keine Bange :-)

Alles was Sie brauchen ist ein wenig Muße und Ihr Erinnerungsvermögen. Lassen Sie uns einfach mal auf die Reise gehen.

Wenn Sie so auf das Jahr zurücksehen und es ein wenig Revue passieren lassen…

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  • …an welchem Ort waren Sie dieses Jahr, an dem es Ihnen besonders gut gefallen hat? (das mag ein Urlaubsort sein oder vielleicht auch eine Parkbank in einem wunderschönen Garten) …..und was hat Ihnen daran so gut gefallen? ….was könnten Sie tun, um dieses Erleben im nächsten Jahr wieder zu haben?
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  • …über welchen Gegenstand den Sie geschenkt bekommen haben oder sich selbst gekauft haben, konnten Sie sich dieses Jahr am allermeisten freuen? ….was genau ist es, was Ihnen daran Freude macht? ….wie könnten Sie das auf andere Gegenstände in Ihrem Haus übertragen? ….welche machen Ihnen überhaupt keine Freude und Sie sollten sie daher austauschen oder weggeben?
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  • welcher Mensch war in diesem Jahr Ihr größtes Geschenk? ….auf welchem Weg könnten Sie ihm/ihr das mitteilen? …
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  • was konnten Sie in diesem Jahr loslassen und hat Sie damit ein gutes Stück freier und leichter werden lassen? ….wie haben Sie das geschafft? ….was davon können Sie auf Ihr Leben übertragen?
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  • …was von dem was Sie in diesem Jahr gelernt haben, macht Ihnen die meiste Freude? …welches Wissen? …welche Fähigkeit? …was können Sie gutes damit für sich (und andere) bewirken?
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  • …für was sind Sie in diesem Jahr am meisten dankbar? …mit welchem kleinen Ritual könnten Sie diese Dankbarkeit für sich ausdrücken?
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  • über was konnten Sie dieses Jahr aus vollem Herzen lachen? …was genau hat Sie daran so amüsiert? …wie könnten Sie von diesen Momenten mehr in Ihr Leben bringen?
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  • welches Erlebnis hat Sie in diesem Jahr am meisten fasziniert? …
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  • …an welche Glücksmomente erinnern Sie sich? …was hat Sie in diesen Augenblicken so glücklich gemacht? …was können Sie tun, um diese Momente zu vermehren?
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  • durch wen/was haben Sie sich dieses Jahr geliebt gefühlt? …wie können Sie dieses Gefühl zurückgeben und damit aussäen, damit es wieder zu Ihnen zurückkehrt?

Das war nun der Anfang einer kleinen Erinnerungsreise. Welche Fragen fallen Ihnen noch ein? Vielleicht haben Sie ja jetzt auch Lust bekommen, eine kleine Jahresinventur zu machen. Alles was Sie dazu brauchen, finden Sie hier.

Lassen Sie es sich gutgehen, zwischen den Jahren. Und vielen lieben Dank für Ihre Treue. Wir lesen uns spätestens wieder 2009. Alles Gute für Sie!

Gerd Wenninger weiß wovon er spricht, nicht nur durch seinen Job als Therapeut, sondern aus ganz persönlicher Erfahrung. Durch was Stress in unserem Leben ausgelöst wird, wie wir ihm begegnen können und warum manche Menschen die Fähigkeit besitzen nicht auszubrennen, waren der Inhalt seines Vortrages am 28. Mai 2008 – organisiert durch den BdS in Passau. Dieser Artikel beruht auf meinen Mitschriften und eigenen Gedanken zum Thema.

Ein Merksatz, der uns allen immer bewusst sein sollte:

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht.

Auch wenn uns das nicht gefallen mag, werden wir nicht umhin können, es zu akzeptieren. Denn Stress wird durch viele verschiedene Situationen ausgelöst. Ob es nun die Überlastung im Beruf, Familie, Schicksalsschläge und andere Ereignisse ist, sicher ist, dass die Stressfaktoren in unserem Leben nicht weniger werden sondern im Gegenteil dabei sind sich zu vervielfachen. Da ist guter Rat teuer.

Um das wenig greifbare Wort “Stress” etwas näher zu beleuchten, erläuterte Gerd Wenninger die Abläufe die im Körper entstehen und durch die wir uns letztendlich gestresst fühlen.

Zum einen bedeutet Stress in erster Linie eine Aktivierung. Wir reagieren auf körperliche und emotionale Reize. Das Nervensystem fährt quasi hoch und aktiviert damit unser Hormonsystem, Blutdruck und einiges mehr. So, als ob wir im Auto sitzen und auf’s Gas treten. Das ist jetzt auch noch nicht schlimm, denn Aktivierung erhöht auch unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Problematisch wird es wenn eine Taktstörung vorliegt (= Stress) und wir zu viel Energie aufnehmen, die wir nicht verbrauchen bzw. abbauen und im gleichen Maße auch der Hormonspiegel nicht mehr absinkt.

Um im Bild des Autofahrens zu bleiben, bedeutet dass, das wir den Fuß nicht vom Gas nehmen, auch wenn wir schon längst von der Autobahn wieder runter sind und in uns in den engen Gassen einer Stadt befinden. Dass dabei nichts gescheites herauskommen kann und Gefahr praktisch schon in der Luft liegt, ist vollkommen klar. Und genauso geht es unserem Körper, wenn wir nicht lernen, diese Energie auch wieder abzubauen.

Unsere westliche Arbeitsphilosophie fördert leider genau dieses falsche Modell. Denn nur ein Angestellter der viel arbeitet, ist ein guter Angestellter. Keinen Stress zu haben, bringt uns ungläubige Blicke ein und das Image sich auf die faule Haut zu legen. Und sich bewusst gegen den Herdentrieb zu entscheiden und das eigene Gesundheitsempfinden als Maßstab zu nehmen, erfordert einiges an innerer Stärke.

Mehr als 60 % der Europäer klagen über Stress. Und dabei sprechen wir nicht von einem vorübergehenden Phänomen, sondern im Gegenteil von anhaltenden Situationen. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Lehrer, Pfarrer und Ärzte. Von letztgenannten sind statistisch 6-8 % suchtkrank. Wobei Alkoholismus eine große Rolle spielt. Das sind in Deutschland ca. 25.000 (!)

Die Zahl der Burnout-Erkrankten steigt sprunghaft an. Und das Fatale am Phänomen des Burnouts ist, dass es schleichend einsetzt und von den Betroffenen oftmals bis zum völligen Zusammenbruch verneint wird. Es lassen sich vier Phasen unterscheiden:

1. Phase – man brennt für den Job

Die Anfangseuphorie und das Engagement in neuen Aufgabengebieten kennt wohl jeder. Problematisch wird es, wenn das Brennen keinen Ausgleich mehr findet. Und der Job oder die Familiensituation (z.B. bei Pflegefällen) das gesamte Leben zu regieren beginnt. Der Mensch brennt innerlich ständig ohne Pause.

2. Phase – Antriebslosigkeit

Wenn die Anspannung nicht nachlässt und es keine Erholungsphase gibt, lassen die Kräfte irgendwann nach. Um im obigen Bild zu bleiben, irgendwann geht jedem Auto der Sprit aus, wenn man nicht zum Tanken fährt. Und es zeigen sich erste Schäden und Mängel, wenn der Kundendienst nicht regelmäßig gemacht wird. Was das übertragen auf den eigenen Körper bedeutet, ist wohl ziemlich selbst erklärend.

3. Phase – man steht neben sich

In dieser Phase zeigen sich bereits massive Suchtstörungen. Z.B. wird jetzt ungebremst getrunken. Es besteht jedoch keine Reflektion über das eigene Tun.

4. Phase – keinen Sinn mehr im Leben sehen

Hier sind wir dann am Endpunkt angekommen. Der endgültige Zusammenbruch. Der Mensch ist innerlich ausgebrannt. Nur noch die leere Hülle ist vorhanden. Keinerlei Motivation, Kraft mehr vorhanden und geschweige denn Sinnsuche möglich.

Was können wir also tun, um nicht in diesen Kreislauf zugeraten? Welche Gründe brauchen Menschen zum Ändern dieser Spirale? Der wichtigste Aspekt ist ein Bewusstwerden dessen was geschieht. Ein wirkliches Hinsehen, kein Wegschieben oder Verniedlichen. Das wird oftmals dadurch möglich, wenn der Leidensdruck groß genug geworden ist. Vielleicht durch eine besonders heikle Situation, in der wir das Gefühl hatten, nicht mehr HerrIn unserer Selbst sein, wenn uns plötzlich die Einschränkungen in unserem momentanen Leben bewusst werden. Häufig werden diese Situationen von außen ausgelöst, wenn sich Ehepartner beginnen zu trennen. Wer sich diesen Katastrophen stellt, hat eine Chance auszusteigen.

Wichtig ist dann, seine eigenen Abwehrstrategien zu kennen bzw. kennenzulernen. Denn der Mensch ist wohl am besten darin, sich selbst hinter’s Licht zu führen… Neues Verhalten bedingt auch neue Verhaltens-”Spuren”. Gewohnheiten haben nun mal einen großen Zug und Magnetismus. Und dagegen gilt es systematisch anzusteuern. Beginnen mit Kleinigkeiten, die im eigenen Lebensalltag geändert werden. Neue Gewohnheiten installieren. Den eigenen Lebensstil zu beleuchten. Stimmt das Verhältnis von Bewegung und Stillsitzen? Meist fehlt es gestressten Menschen genau an diesem Ausgleich. Und körperliche Bewegung ist jedoch das beste Mittel, um das Zuviel an aufgebauter Energie (wie oben beschrieben) wieder abzubauen.

Ein weiterer zentraler Hinweis ist das Entschleunigen. Wir leben in einer Welt die in jeder Sekunde unendlich viele Ablenkungen bietet. Und wir sind oft wie Glühwürmchen und wenden uns jederzeit dem nächsten Licht zu. Wieder zu lernen, die eigene Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern, bewusst wahrzunehmen, was man eigentlich gerade macht, Achtsamkeit üben und den Körper im Jetzt spüren, kann uns wieder zur Ruhe bringen.

Dazu passt eine angepasste Zeitplanung. Pausen tatsächlich zu machen und nicht zu verschieben, den Mittag als wahre Auszeit nutzen. Durcharbeiten hat noch in keinem Fall die Produktivität erhöht auch wenn wir uns das gern einreden wollen. Gerade dann passieren die größten Fehler, wenn wir meinen das noch “eben schnell” erledigen zu müssen. Wieder nach unserem eigenen Maßstab zu planen, zu agieren und nicht nur zu reagieren, macht uns wieder zu Herren über die eigene Zeit. Dass dafür oftmals unpopuläre Entscheidungen von Nöten sind, die nicht immer auf Gegenliebe stoßen werden, ist der Preis den wir (anfänglich) dafür zahlen werden.

Als letzten Punkt auf der Liste nannte Gerd Wenninger das Mentaltraining. Meditieren lernen, den eigenen Gedankenstrom nicht zum Bestimmer werden zu lassen, bringt uns die nötige Distanz um klare Entscheidungen zu treffen. Und gute Entscheidungen verringern das Stressempfinden in hohem Maße, weil wir die Dinge im Griff haben und nicht umgekehrt.

Doch was machen jetzt eigentlich Menschen anders, die offensichtlich mit dem Stress in ihrem Leben umgehen können ohne auszubrennen? Nun, bis zu einem gewissen Grad hängt das mit unserer genetischen Ausstattung zusammen. Mit ca. 30 % liegt es tatsächlich in unseren Genen, ob wir tendenziell eher gut oder schlecht mit Stress umgehen können. Davon unabhängig davon pflegen diese Menschen ihr soziales Netz regelmäßig und führen Gespräche über ihre belastenden Situationen. Dabei geht es weniger um den Lösungsbedarf sondern um die Entlastung die mit Kommunikation einhergeht. Zu wissen, dass man einfach mal reden kann, ist eine große Erleichterung. Und schafft zu dem Verständnisbrücken.

Fazit:
Zu lernen im eigenen Leben das Gleichgewicht zwischen Stressoren und Ressourcen zu halten ist unsere große Lebensaufgabe. Und das gelingt am besten, wenn wir immer wieder unser Leben aus der Distanz betrachten und ehrlich mit uns selbst sind. Den Kontakt mit dem/der PartnerIn und Freunden bewusst zu pflegen, denn ein funktionierendes soziales Netz ist eine wichtige Ressource, die durch nichts anderes zu ersetzen ist.

Was sind Ihre “Geheimtipps” im Umgang mit dem Stress in Ihrem Leben? Lassen Sie uns Ihre Antworten in einem Kommentar wissen. Jede Anregung ist hilfreich.

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Gedanken zu Ostern

uhr.jpgOstern ist für mich persönlich mit dem Tod meines Vaters verbunden. Es werden nun bald zwei Jahre, dass er gestorben ist.

Meine Gedanken gehen jetzt in diesen Feiertagen nach innen, wieder aufmerksam werden für das Wesentliche im Leben. Nachdenken darüber ob ich selbst in einem guten Kontakt mit mir bin und damit auch mit den Menschen die mir am nächsten stehen.

Und wie auch letztes Jahr habe ich von einer lieben Freundin einen wunderbaren Text bekommen, den ich gern mit Ihnen teilen möchte. Vielleicht nehmen Sie sich einfach einen Moment Zeit und lassen ihn auf sich wirken.

Das Pardoxe der Zeit

Das paradoxe unserer Zeit ist, dass wir höhere Gebäude aber kleinere Gemüte haben, breitere Autobahnen aber engere Sichtweisen. Wir geben mehr aus aber haben weniger, wir kaufen mehr aber erfreuen uns weniger daran. Wir haben größere Häuser aber kleinere Familien, mehr Annehmlichkeiten aber weniger Zeit. Wir haben mehr Grade aber weniger Sinn und mehr Probleme, mehr Medizin aber weniger Wohlbefinden.

Wir trinken zu viel, rauchen zu viel, geben zu gedankenlos Geld aus, lachen zu wenig, fahren zu schnell, werden zu wütend, bleiben zu lange wach, stehen zu müde auf, lesen zu wenig, schauen zu viel fern, und beten zu selten.

Wir haben unsere Besitztümer vervielfacht, aber unsere Werte reduziert. Wir reden zu viel, lieben zu selten und hassen zu oft.

Wir haben gelernt uns durchs Leben zu schlagen aber nicht gelernt ein Leben zu haben.

Wir haben dem Leben Jahre hinzugegeben aber nicht den Jahren das Leben. Wir haben den ganzen Weg zum Mond zurückgelegt, aber Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren um unseren Nachbarn kennen zu lernen.

Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht unser innerstes. Wir haben große Dinge getan, aber nicht bessere. Wir haben die Luft gereinigt, aber unsere Seele verschmutzt.

Wir haben das Atom in den Griff bekommen, aber nicht unsere Vorurteile. Wir schreiben mehr, aber lernen weniger. Wir planen mehr, aber erreichen weniger. Wir haben gelernt uns zu beeilen, aber nicht zu warten. Wir bauen immer mehr Computer, um immer mehr Informationen zu verwahren und so viele Kopien wie noch nie zu erstellen, aber wir kommunizieren immer weniger.

Das sind die Zeiten des schnellen Essens und der langsamen Verdauung, größerer Menschen und kleinerer Charakter, steilen Gewinnen und oberflächlichen Beziehungen. Es sind die Tage der zwei Einkommen aber mehr Scheidungen, schicken Häusern aber zerstörten Zufluchten.

Es sind die Tage von schnellen Ausflügen, Wegwerfwindeln und Wegwerfmoral, One Night Stands, übergewichtigen Körpern, und Pillen, die alles erledigen, vom aufheitern bis ruhigstellen, bis töten.

Es sind die Zeiten, in denen eine Menge im Schaufenster und nichts im Lager ist. Zeiten in denen Technologie diese Zeilen zu dir bringt und eine Zeit in der du entscheiden kannst sie entweder zu lesen oder schnell weiter zu springen.

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Denk daran, mehr Zeit mit deinen Lieben zu verbringen, weil diese nicht für immer da sein warden.

Denk daran, ein paar liebe Worte zu dem zu sagen, der bewundernd zu dir aufschaut, weil diese kleine Person bald erwachsen sein wird und deine Seite verlässt.

Denk daran, jemandem der dir nahe steht zu umarmen, weil das der einzige Schatz ist, den du mit deinem Herzen geben kannst und der keinen Cent kostet.

Denk daran “Ich liebe dich” zu deinem Partner und deinen Lieben zu sagen, aber es vor allem auch zu meinen. Ein Kuss und eine Umarmung wird Schmerz lindern, wenn es aus deinem tiefen Innern kommt.

Denk daran, Hände zu halten und den Moment zu genießen, eines Tages wird diese Person nicht mehr da sein.

Nimm dir Zeit zu lieben, zu sprechen und die wundervollen Gedanken zu teilen.

Und denk immer daran:
Das Leben wird nicht an den Atemzügen gemessen sondern an den Momenten in denen es dir den Atem raubt.

Georg Carlin

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Wer gern noch mehr lesen möchte: hier finden Sie den nachdenkenswerten Text vom letzten Jahr. Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Osterfest. Zeit, die Sie mit Ihren Lieben verbringen können und Frieden im Herzen.

buroklammern.jpgGegen das Multitasking wird ja inzwischen allerorts gewettert. Es bringt uns dazu weniger leistungsfähig zu sein, mehr Fehler zu machen, den inneren Stress signifikant zu erhöhen usw.

Gut, das hab ich soweit verstanden. Über was ich mir allerdings schon länger Gedanken mache, ist, WIESO versuchen wir eigentlich alles gleichzeitig zu machen? Ist es wirklich der Grund, weil wir zuviel zu tun haben? Ist also die Menge an Arbeit ausschlaggebend für unseren ständigen Kampf mit zuviel Aufgaben auf einmal?

Multitasking tritt ja vor allem dann auf, wenn wir nicht konzentriert an einer Sache dranbleiben (wollen…). Und das mit dem Wollen hängt auch am Gefühl, das beim Abarbeiten damit verbunden ist. Dadurch kann’s durchaus schon mal sein, dass was anderes interessanter ist und schwups hüpfen wir gedanklich zur nächsten Blume … ähm Aufgabe.

Eine Studie vom Attention Lab des University College London bringt einen wichtigen Gedanken dazu mit ins Spiel. Und dabei fange ich gleich mal mit dem leicht provokativem Fazit der Studienleiterin Nilli Lavie an:

“Ergebnis: Je schwieriger die Wörter, umso weniger ließen die Probanden sich ablenken.

Das Fazit der Studienleiterin Nilli Lavie sollten ineffiziente Multitasker verinnerlichen: »Wenn man sich leicht ablenken lässt, sollte man die Aufgabe anspruchsvoller machen.«

Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in der Zeit. Was bedeutet das nun für unser täglich Brot? Weniger werden die Aufgaben ja erst mal nicht werden, soviel ist sicher. Das ermüdende an der Fülle ist jedoch auch ihre Gleichförmigkeit, stupide Routine und Langeweile.

Denn wenn wir geistig nicht gefordert werden, bringt die Arbeit uns auch keine Energie. Und damit schließt sich der Kreis: Wer sich leicht ablenken lässt, sollte seine Aufgaben auf Anspruch überprüfen.

Dazu können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was würde denn passieren, wenn diese Aufgabe nicht erledigt würde? Sprich, ist sie wirklich in dieser Form sinnvoll und wichtig?
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  • Wenn Sie wirklich durchzuführen ist, dann ist die nächste Frage, ob sie sich nicht auf einem effizienteren Weg erledigen lässt. Sprich, welche Möglichkeiten gibt es sie auf andere Art schneller zu schaffen? Was kann ich weglassen?
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  • Ist diese Aufgaben überhaupt richtig bei Ihnen zugeordnet? Oder gehört sie möglicherweise in einen ganz anderen Bereich hinein bzw. andere Hierarchie?

Mit diesen Fragen können Sie Ihr tägliches Feld unter die Lupe nehmen und beginnen auszusondern. Denn meistens werden viele Abläufe einmal eingeführt und ewig durchgezogen.

Das ist die eine Seite der Medaille, alles was zu erledigen ist, mal wieder in Frage zu stellen um den Sinn dahinter zu prüfen. Die andere Seite ist die Geschichte mit dem Anspruch. Auf neudeutsch sagt man auch “Anreicherung“. Welche Möglichkeiten haben Sie um das was Sie gerade zu erledigen haben, anzureichern? Und damit auch mehr Konzentration zu erzeugen?

Wenn’s jetzt nicht gerade um heikle Themen geht, können Sie z. B.

  • Die Zeitkomponente mit hinein bringen. Nicht um noch mehr Druck zu erzeugen, sondern um Wege zu finden, diesen Job in einer bestimmten Zeit zu erledigen. Damit verlassen Sie auch das Perfektionsdenken und kommen eher zu einem “gut erledigt”-Denken.
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  • Eine weitere Methode ist zu überlegen, welche Aufgaben sich zusammenfassen lassen. Vielleicht auch mit einer anderen Struktur verknüpfen werden können. Lassen sich möglicherweise auch neue Tools wie Wikis oder ähnliches einsetzen.

Ein generell wichtiger Aspekt betrifft interne Abläufe, vor allem was den Informationsfluss betrifft. Die Aufgaben die zu erledigen sind, machen wir ja häufig für Kollegen oder den Chef. Und wenn wir den Sinn einer Aufgabe, die uns übertragen wurde, überhaupt nicht erkennen können, dann haben wir doch nicht wirklich Lust sie zu erledigen, oder?
Wie wäre es denn, wenn Sie bei solchen Punkten mal nachhaken und gemeinsam mit Kollege oder Chef überlegen, ob, zum einen die Aufgabe tatsächlich noch sinnvoll ist und zum anderen mit welchem Zweck sie überhaupt ihre Berechtigung hat.

Tatsache ist, dass wir zwar in einer Informationsflut ertrinken, jedoch das für uns relevante Wissen nicht bekommen. Und dann wird es auch für Mitarbeiter schwierig zu erkennen, wieso beispielsweise dieser Bericht denn nun wirklich sooo wichtig ist. Deshalb fragen Sie nach und lassen Sie sich Zusammenhänge erklären, wenn sie sich nicht von selbst zeigen.

Denn je mehr Sie über das “große Bildwissen, in das ihre Detailaufgabe eingebettet ist, umso eher werden Sie sich dafür auch interessieren. Und wer mehr Interesse hat, arbeitet automatisch konzentrierter. Das lässt sich nun mal nicht voneinander trennen.

Welche Möglichkeiten verwenden Sie um Ihre Aufgaben “anzureichern”? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Anregungen.

martin_seligman.jpg id=Der Glücks-Faktor, ein plakativer Titel mit überaus praktischer Umsetzung. Martin Seligman ist einer der Begründer der “Positiven Psychologie“. U. a. gemeinsam mit Mihaly Csikszentmihalyi, dem Glücksforscher schlechthin, ist er dem Gedanken nachgegangen, wie sich systematisch positive Zustände fördern lassen.

Es gibt z. B. grundlegende Unterschiede darin, wie Optimisten und Pessimisten denken. Genauer gesagt, wie sie positive und negative Ereignisse bewerten.

Wenn Ihnen beispielsweise eine Präsentation misslingt, wie denken Sie dann über sich? Jemand der eher optimistisch veranlagt ist, wird eine Erklärung finden, wieso gerade heute diese Präsentation nicht so gelungen ist. Z.B. weil nicht genügend Zeit zur Vorbereitung war, der Chef einen schlechten Tag hatte usw. Der Pessimist wird diese Situation eher verallgemeinern und Gedanken hegen wie: ich kann das halt nicht, ich bin dafür nicht geeignet.

Im Gegensatz dazu die Bewertung einer positiven Situation: Nehmen wir den gleichen Fall. Eine Präsentation ist besonders gut gelungen. Der Optimist wird nun eher in folgende Richtung denken: Ich kann einfach gut präsentieren. Der Pessimist wird dagegen eine Einzelerklärung finden wie z. B. naja, das war jetzt echt ein Glücksfall heute, für dieses Thema war ich gut vorbereitet.

Allein dieser Unterschied ermöglicht es sich sein persönliches Trainingslager im Kopf zu schaffen um zu lernen mehr Optimismus zu leben. Seligman empfiehlt, sich beim Denken genauer zu beobachten und ggf. einzugreifen. Sollten Sie merken, dass sich die Negativ-Spirale gedanklich in Gang setzt, dann fangen Sie an, mit sich selbst zu disputieren.

Um beim obigen Beispiel mit der Präsentation zu bleiben: Wenn Sie eher schlecht gelaufen ist und Sie über sich denken, dass Sie halt nicht präsentieren können, dann wäre ein gutes Argument: Wieso sollte ich das nicht können, heute war einfach jeder in schlechter Stimmung. oder die Technik hat halt heute versagt, oder ich hatte mich zuwenig vorbereitet usw.

Im Buch können Sie außerdem mit Hilfe von einfachen und doch ausgeklügelten Testfragen Ihre sog. Signaturstärken erkennen. Darunter versteht man die Bandbreite an persönlichen Stärken die einem positive Empfindungen verschaffen. Je öfter jemand seine eigenen Signaturstärken einsetzen kann um so erfüllter wird er sein Leben empfinden.

Das Buch bietet eine Fülle von sofort umsetzbaren Möglichkeiten und Seligman selbst hat eine erfrischende Art zu schreiben. Dadurch, dass er sich ebenfalls als Pessimisten empfindet der lernt optimistischer zu denken, wirkt das Gelesene überaus authentisch.

Für mich ein sehr wertvolles Lesefutter: Der Glücks-Faktor von Martin E.P. Seligman

Anita-Roddick.jpgDiese Frage wurde in einem Interview an eine der reichsten Frauen der Welt gestellt, Anita Roddick. Die Antworten von ihr haben mich überaus beeindruckt. Lesen Sie selbst, was Sie auf darauf sagte:

Die Wirtschaft ist die größte und mächtigste Institution in der Gesellschaft. Sie ist mächtiger als die Kirche, mächtiger als Regierungen. Wenn sie gänzlich ohne Moral auskommt, dann hilf uns Gott. Alles, was in der Wirtschaft geschieht, berührt das Leben von Millionen Menschen. Grund genug, ehrenhaft zu arbeiten.

Anita Roddick ist ein Mensch, der nie etwas nur hinnimmt. Sie sieht ihre Aufgabe darin, Dinge zu verändern und in Bewegung zu setzen. Selbst sieht sie sich in der Rolle als Außenseiterin und hat dazu eine interessante Definition:

Ein Außenseiter zu sein bedeutet, dass du nicht einfach akzeptierst, was man dir in der Schule beibringt, was du in der Presse liest, was die Politiker sagen. Außenseiter glauben an ihre eigenen Erfahrungen. Werte werden durch Erfahrungen geprägt und verändern sich mit ihnen.

Zur momentanen gesellschaftlichen Denke hat sie ebenfalls ein paar sehr klare Gedanken geäußert:

Im Moment ist dauernd die Rede von Profitmaximierung. Zum ersten Mal in der Geschichte erleben wir, dass ökonomisches Denken alle menschlichen Werte zu ersticken droht. Werte wie Freundlichkeit, Neugier, Fürsorge und Kreavität.

Und zum Thema Konsum:

Nicht der Konsum an sich ist falsch, sondern die Art, wie man konsumiert. Man hat die Wahl. Man kann konsumieren, ohne den Planeten auszubeuten, ohne anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Das ist möglich.

Anita Roddick ist mit dem Verkauf von Pflegeprodukten reich geworden, doch ihr Herzblut hängt an den Kampagnen die sie unterstützt. Von “Rettet die Wale” bis zur aktuellen Kampagne gegen häusliche Gewalt.

Das ganze Interview können Sie in der existenzielle nachlesen. Einem Magazin für selbständige Frauen, das 4x im Jahr erscheint.

Wie sehen Sie das mit der Moral im Geschäftsleben? Spielt dieses Thema für Sie eine Rolle? Ich finde es sehr interessant, diesen Fragen einmal ernsthaft nachzugehen. Vor allem genau dann, wenn man eigentlich keine Zeit dazu hat, weil man ja mit Geldverdienen beschäftigt ist.

Welche Werte entwickeln Sie mit Ihrer Arbeit?

Wer nun in der Massenartikelproduktion tätig ist, mag einwenden können, dass sich ja mit Kronkorken schwerlich Werte entwickeln lassen. Das ist vordergründig bestimmt richtig.

Jedoch haben Sie die Wahl, was Sie mit dem eingenommenen Geld machen. Selbstverständlich müssen Kosten getragen, Investitionen getätigt und Rücklagen gebildet werden.

Doch ließe sich nicht ein kleiner Teil dazu verwenden, in Ihrem Umkreis etwas zu bewegen? Und sei es eine Unterstützung um dem angrenzenden Spielplatz eine neue Schaukel zu finanzieren oder vielleicht einem Existenzgründer als Mentor zur Seite zu stehen oder oder oder….

Es geht nicht um den Riesenaufwand und die große finanzielle Zuwendung. Es geht darum im Kopf umzudenken. Die kleinen Dinge, die man tun kann, damit die Welt wieder ein wenig menschlicher wird. Dazu muss man nicht die Welt verbessern. Sondern es genügt, die eigene kleine Welt mal wieder mit anderen Augen zu betrachten.

Denn die tiefste Befriedigung liegt fast immer darin, etwas zu tun, das “Sinn macht”. Und Sinn machen hat etwas damit zu tun, einen Beitrag zu leisten. Und da wir nunmal nicht allein auf der Welt leben, ist unser Beitrag dann am sinnvollsten, wenn er auch andere unterstützt.

Wie sehen Sie das?

…über die ich ja schon des öfteren geschrieben habe, wie hier und hier. Diesmal ein Zitat von einem meiner Lieblingsdichter:

Wessen wir am meisten im Leben bedürfen, ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.

Ralph Waldo Emerson

Hm, merken Sie auch schon wie es zu picksen anfängt…? Denn einerseits sollen wir uns ja selbst motivieren und die intrinsische Art wär ja die einzige Möglichkeit für wahre Motivation.

Doch auf der anderen Seite, kennen Sie nicht auch das Gefühl jemandem gegenüberzustehen, der einem voller Vertrauen sagt: “Du kannst das.” Und davon absolut überzeugt ist, auch wenn man selbst Zweifel daran hat.

Und dieses Zutrauen ist dann fast wie ein Vorschuss auf das eigene Erleben des Schaffens. Sei es auch mit Rückschlägen und Frustrationen behaftet. Jeder Weg hat nunmal seine Steine und Steinchen.

Haben Sie so jemanden in Ihrer Nähe? Jemanden der Sie dazu bringt, das zu tun, wessen Sie fähig sind?

Sind Sie selbst so jemand? Geben Sie Menschen einen Vorschuss im Zutrauen auf ihre Fähigkeiten? Bringen Sie andere dazu, das zu tun, wessen sie fähig sind?

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass wir dann wachsen, wenn wir solchen Menschen begegnen und lernen selbst zu solchen Menschen zu werden.

Wie sehen Sie das? Machen Sie mir doch die Freude und schreiben mir Ihre Gedanken.

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