Noch vor 20 Jahren verbrachten die Leute pro Tag durchschnittlich 33 Minuten am [Essens]Tisch im Kreise ihrer Lieben. Heute ist diese Zeitspanne auf 14 Minuten und 27 Sekunden geschrumpft. (John Naish – Genug)

Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen: Wir verbringen heute nur noch durchschnittlich 14 Minuten gemeinsam beim Essen mit den Menschen die uns am wichtigsten sind.

Doch zählen nicht die Stunden, die wir mit Familie und Freunden gemeinsam essen, mit zu den schönsten in unserem Leben? Essen zu teilen, miteinander zu reden, zu lachen. Sind nicht einige unserer schönsten Kindheitserinnerungen mit leckerem Essen verknüpft sitzend am Küchentisch mit lieben Menschen? Oder bei Freunden eingeladen zu sein und dort mitessen zu können?

Essen gehört nun mal zu unseren elementaren Lebensbedürfnissen. Essen hält Leib und Seele zusammen heißt es. Doch für mich ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: eben das gemeinsame Essen. Und dazu gehört nicht nur die reine “Nahrungsaufnahme” sondern auch das gesellige Beisammensein.

Oder ist es wirklich so erstrebenswert abends allein in einem Lokal zu sitzen und zu essen, wohingegen im restlichen Lokal Menschen gemeinsam speisen? Oder in einer Familie jeder dann den Kühlschrank plündert, wann er grad Hunger hat und es keinen Zeitpunkt mehr gibt, an dem die Familie wirklich zusammenkommt?

Dass das alles mit unseren rigiden Zeitplänen nicht so einfach ist, ist auch klar. Doch wie ein früherer Mathelehrer immer gesagt hat: “Von einfach hat auch keiner was gesagt.”

Der Wille zur Veränderung zählt. Und das Argument mit “ich hab keine Zeit” ist ein klarer Hinweis auf die Prioritätensetzung. Denn in Wirklichkeit geht dieser Satz noch weiter und heißt komplett “ich habe keine Zeit DAFÜR” und noch anders übersetzt heißt das noch wirklicher: “ich will keine Zeit dafür haben, weil mir anderes wichtiger ist”.

Dass ich für diese Interpretation nicht unbedingt geliebt werde, ist mir auch klar. Doch seien wir mal ehrlich: Was geht auf einmal alles, wenn wir wissen, wir haben noch zwei Arbeitstage und dann geht’s in den Urlaub? Schon komisch, was wir in der kurzen Zeit alles gebacken kriegen, was vorher immer nicht zu schaffen war. Oder wenn die Lieblingsmannschaft Fußball spielt, werden plötzlich keine Überstunden gemacht wie sonst. Hm, was soll uns also diese Werbesendung sagen?

Wie wäre es denn mal, das mal zum Thema zu machen? In der Familie, in der Partnerschaft, im Freundeskreis? Wie lässt sich dieses wunderbare, verbindende, uns gut tuende Ritual des gemeinsamen Essens wieder aufleben lassen? Welche Abende sind z.B. dafür ab sofort heilig? Wie lässt sich das im Freundeskreis umsetzen? Vielleicht mit einem festen Abend im Monat? Ich bin mir sicher, dass es hunderte von Möglichkeiten gibt, die ohne viel Aufwand dazu beitragen, dass das gemeinsame Essen wieder zu einem regelmäßigen Bestandteil in unserem Leben werden kann.

Wir sind ein Teil der Gemeinschaft die wir dadurch immer wieder bestärken. Damit stärken wir uns, denn wir bestärken  die Verbindungen, derer wir in unserem Leben unbedingt bedürfen. Es ist eine Illusion, niemanden zu brauchen. Niemand ist eine Insel und umso wichtiger ist es für uns, Gemeinschaft in unserem Leben zu pflegen.

Und wenn’s dann auch noch gut schmeckt, um so besser :-) Wie halten Sie es in Ihrem Leben mit dem gemeinsamen Essen?

Bildquelle: Microsoft online

„Jeder ist ein Haus mit vier Räumen – ein körperlicher, ein geistiger, ein emotionaler und ein spiritueller Raum. Die meisten von uns leben die ganze Zeit in einem Raum, aber wenn wir nicht jeden Tag in jeden Raum gehen, und sei es nur, um ihn zu lüften, bleiben wir unvollständige Menschen.”

Dieses indianische Sprichwort zitiert Rumer Godden in ihrer Biographie. Eine wunderschöne Metapher, die sehr zum Nachdenken anregt.

Lassen Sie uns doch dazu ein Bild malen: In vielen Leben nimmt die Arbeit sehr viel Raum ein. Wir betätigen uns viel mehr geistig als körperlich. Ein wenig Sport zum Ausgleich, falls Zeit dafür bleibt, doch häufig eben nicht. Der geistige Überhang verdrängt nicht nur körperliche Tätigkeiten sondern die stete Analyse verhindert zudem den Zugang zu unserem Fühlen. Wir sind zu sehr im Kopf und zu wenig im Herz. Und wer nun nicht in einer religiösen Tradition aufgewachsen ist und das Praktizieren dieser beibehalten hat oder für sich einen Zugang zu spirituellem Gedankengut gefunden hat, wird Spiritualität nicht unbedingt als Lebensbestandteil ansehen.

Wie sieht nun so ein Haus aus? Nach unseren obigen Gedanken hat es ein riesengroßes Büro, das nicht nur die untere Etage einnimmt, sondern auch den größten Teil des Obergeschosses, dort oben gibt es dann noch eine winzige Küche um uns zu versorgen, im kleinen Wohnzimmer steht ein klappriges Sofa und das Schlafzimmer ist grad mal so groß wie das Bett. Können Sie sich das vorstellen? Im Prinzip ist das fast so, als ob wir über unserer Firma, in der wir beschäftigt sind, ein Wohnklo mit Küche und Bett haben.

Natürlich verbringen wir im Alltag den größten Teil unserer Zeit, wenn wir Vollzeit beschäftigt sind, an unserem Arbeitsplatz. Doch wieso nehmen wir uns nicht öfter mal mittags die Zeit wirklich rauszugehen, uns ins Grüne zu setzen oder vielleicht sogar in eine in der Nähe liegende Kirche und schalten tatsächlich um von geistigem Dauerlauf auf die Verbindung mit etwas größerem als wir sind?

Oder gehen nach Arbeitsende noch zum Schwimmen oder in die Sauna? Nicht um dort auch wieder Höchstleistungen zu bringen, sondern um auf Körperwahrnehmung umzuschalten. Damit durchbrechen wir auch völlig unnötige und uns peinigende Dauerschleifen von Gedanken über nicht gut gelaufene Aktionen des Tages.

Je öfter wir diese kurzen Umschaltungen vornehmen, also zumindest in jeden Raum gehen um dort zu lüften, wie es in den Zeilen oben heißt, umso mehr trägt uns dieser Ausgleich in allen Bereichen unseres Lebens. Wir nehmen uns immer mehr wirklich wahr, auch im Arbeitsleben. Spüren viel früher, wenn wir angespannt sind, können gegensteuern und damit Stressfaktoren reduzieren. Die Gespräche die wir führen, wenn wir immer mehr alle Räume in uns bewohnen, werden weitaus wahrhaftiger und intensiver, da wir da sein können, mitfühlen können und wollen.

Zeichnen Sie doch mal spontan das Haus mit den vier Räumen, wie es Ihrem momentanen Leben entspricht.

Wie groß sind die einzelnen Räume? Wie gefällt Ihnen Ihr Bild? Wenn Sie gern “umbauen” möchten, was für Ideen haben Sie für ein Neugestaltung? Was für Gegenstände können Sie z. B. im geistigen Büro unterbringen, die Sie an Ihre anderen Räume erinnern und animiert auch in diesen zu wohnen? Und wie können Sie Räume, die viel zu klein sind vergrößern? Auf welches Mobiliar können Sie dafür in anderen, sehr großen Räumen verzichten und dadurch verkleinern?

Über alle Ideen dazu freu ich mich sehr! Schreiben Sie mir doch was Ihnen einfällt, denn auch ich bin für jeden hilfreichen Gedanken dankbar, der es leichter macht, nicht nur in den Räumen die wir sind, zu lüften, sondern auch wirklich zu leben.

Denn außer Frage steht, dass ein Leben, in dem wir alle Räume wirklich bewohnen, von Gelassenheit und innerer Ruhe getragen wird.

Bildquelle: laynecom

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert?

Sie finden, unter den ganzen immer wieder herum liegenden Papieren, einen Gutschein für einen Kinofilm den Sie sich eigentlich unbedingt ansehen wollten. Doch beim Blick auf das Datum sehen Sie enttäuscht, dass die Frist bereits vor 4 Wochen abgelaufen ist. Die Freude über den Fund des Gutscheins wandelt sich in Enttäuschung und die leise Selbstanklage, wie unachtsam man doch wieder mal war.

Sie nehmen sich fest vor, beim nächsten Gutschein besser aufzupassen und ihn keineswegs verfallen zu lassen. 14 Tage später, beim nächsten Durchsuchen Ihrer Sachen, fällt Ihnen ein Restaurantgutschein in die Hände (dort wollten Sie wirklich gern mal zum Essen hingehen), der – leider – ebenfalls bereits letzte Woche abgelaufen ist…

Wieso passiert uns dass immer wieder? Die Marketingprofessorinnen Suzanne B. Shu und Ayelte Gneezy haben in einer Studie dazu interessante Erkenntnisse gewonnen (Quelle: Psychologie heute August 2010) und zeigen darin auf, dass Aufschieben uns Vergnügen kosten kann. Dass wir Unangenehmes aufschieben ist nun nichts neues, doch dass wir auch Positives aufschieben (und dadurch versäumen können) eröffnet einen weiteren wichtigen Blickwinkel.

Der signifikante Unterschied der sich aus der Studie ergab, ob Gutscheine eingelöst wurden oder verfielen, hängt mit der Frist zusammen, die uns bleibt um unser Vergnügen wahrzumachen. Je weiter das Ablaufdatum in der Zukunft lag umso häufiger verfiel der Gutschein. Je kürzer die Frist war umso eher wurde der Gutschein eingelöst.

Das gibt uns einen klaren Hinweis darauf, dass wir oft völlig überschätzen, wie viel Zeit wir noch haben. Denn wir denken, wenn der Gutschein erst in 3 Monaten abläuft, können wir das ja auch noch später machen. Wir warten auf den idealen Zeitpunkt. Doch der kommt bekanntlich selten.

Diese Erkenntnis lässt sich durchaus auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Wie oft verschieben wir Pläne, wie Reisen die wir gern machen möchten, Besuche bei Freunden, die wir schon lang nicht mehr gesehen haben, das Buch endlich zu lesen, auf das wir uns schon lange freuen, mit den Kindern ein Picknick zu machen, ein Wochenende mal nur zu zweit zu verbringen, diese hochinteressante Weiterbildung zu besuchen….

Wir denken immer, dafür haben wir doch noch soviel Zeit. Doch so kann man ein ganzes Leben verbringen. Um am Ende festzustellen, dass man zwar viel schönes vor hatte, doch irgendwie ist die Zeit inzwischen dafür abgelaufen.

Was raten nun die Studienleiterinnen? Sie empfehlen uns, Gutscheine möglichst sofort einzulösen und nicht damit zu warten. Oder als weiteren Trick, sich selbst einen Termin dafür zu setzen als quasi idealen Zeitpunkt.

Man könnte daraus nun den Schluss ziehen, dass wir uns einem hedonistischen Lebensstils hingeben sollen. Alles nur noch auf Vergnügen ausrichten. Doch dem ist mitnichten so.

Meine ganz persönliche Quintessenz aus dieser Studie ist der klare Hinweis auf unsere so wichtige Achtsamkeit und das Bewusstsein der verstreichenden Zeit. Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir noch haben für dieses oder jenes. Und uns sollte wirklich klar werden, dass wir nur eine begrenzte Anzahl von möglichen Erlebnissen, Aktivitäten, Menschen, Gesprächen u. ä. sinnvoll in unser Leben hinein packen können.

Und ob wir nun etwas aus dem reichhaltigen Angebot an Möglichkeiten umsetzen hängt mit unserer Fähigkeit der Auswahl und Entscheidung zusammen. Zu viel schönes was man machen könnte, lähmt einen schon aufgrund der unglaublichen Vielzahl an Optionen. Und wer sich nicht entscheiden kann, macht dann oft gar nichts. Glücklich fühlt sich jemand mit dieser “Nicht-Entscheidung” selten und die Zeit ist trotzdem verstrichen. Wir verhungern innerlich damit wie Buridans Esel zwischen seinen Heuhaufen.

Interessant ist das ganze schon irgendwie. Denn dadurch dass wir uns gegen keine der Alternativen entscheiden wollen, die uns zur Verfügung stehen, entscheiden wir uns auch für keine der Möglichkeiten. Die Furcht vor Verlust durch eine Ent-Scheidung ist anscheinend größer wie das gedachte Vergnügen, das uns eine gewählte Aktivität zu geben vermag.

Oder ein weiterer Gedankenansatz ist auch verbreitet: Wenn ich mir das Schöne jetzt schon gönne, dann ist es ja vorbei. Das führt manches mal dazu, dass wir uns besondere Leckerbissen so lange aufheben, bis sie verdorben sind. Und das macht nun wirklich soviel Sinn wie ein selbstgebohrtes Loch im Knie, um das mal etwas drastisch auszudrücken.

Die Frage die sich dadurch aufdrängt: Was lassen Sie “verderben” durch unachtsames Aufschieben?

Die Zeit vergeht nämlich so oder so. Und ist es daher nicht höchste Eisenbahn mal wieder einen genaueren Blick auf unser tägliches Leben zu werfen, durch die Brille der Achtsamkeit? Welche kleinen Freuden können Sie sich diese Woche gönnen? Wem können Sie diese Woche eine kleine Freude machen? (Die auf Sie zurückstrahlen wird, denn anderen Freude zu machen, altruistisch zu sein tut uns nämlich besonders gut.) Es geht dabei nicht um die großen Würfe, sondern um die Kleinigkeiten, das Eintauchen in den Moment, die aneinandergereiht unser Leben ergeben.

Lassen Sie uns teilhaben an Ihren Gedanken dazu. Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Ein Nachruf

Gestern vor einer Woche ist Lisa, mein geliebtes Katzenmädchen, gestorben. Nach über 17 wundervollen Jahren hat sie diese Erde verlassen. Es war eine so schwere Entscheidung. Zu entscheiden, sie einschläfern zu lassen und ihr Leben damit zu beenden. Was für eine Qual. Die Gedanken ob es wirklich das richtige ist. Es als Erlösung für sie zu sehen, da sie seit längerem unheilbar und schwer nierenkrank war, seit fast 14 Tagen nichts mehr fressen wollte und die Medikamentengabe jeden Morgen ein Kampf war. Ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie jeden Tag weniger wurde. Sie wog am Ende noch grad mal 2 kg, jede Rippe war sichtbar und spürbar.

Sie schlief die letzten 14 Tage bei mir im Bett. Immer ganz nah an mich gekuschelt. Ist unzählige Male in der Nacht auf ihr Kisterl gelaufen, hat literweise Wasser trinken müssen und kam dann wieder zurück zu mir ins Bett. Hat Wärme und Nähe gesucht, mich mit ihren klugen, wachen Augen angesehen, wissend. Gott, was ist die Liebe manchmal für ein Fluch. Sie bindet uns an Wesen und lässt uns leiden, weil wir ihnen nicht helfen können. Weinen um sie und um uns selbst.

Und wie lange verschließt man die Augen vor dem Unvermeidlichen. Will es einfach nicht wahrhaben. Es nicht als Möglichkeit im Kopf haben. Wie kann man nur Richter sein und entscheiden ein Leben zu nehmen? Was ist das nur für eine riesige, nicht fassbare Verantwortung.

Es gibt auf dieser Straße kein Zurück. Es ist unwiederbringlich. Kein Miauen mehr, das mich begrüßt, wenn ich nach Hause komme. Kein darauf warten, dass ich sie endlich hochnehme und ihr erzähle, wie mein Tag war, kein Kuscheln mehr auf der Couch und gemeinsames Einschlummern. Kein Angestupstwerden mehr, wenn ich traurig war, kein Schnurren mehr beim Streicheln ihres so unglaubliches weichen Fells.

Kein Beobachten mehr, wenn sie draußen im Garten umherstromert, die Ohren aufgestellt und das eine gespaltene besonders zu hören scheint. Keine Miezekatze mehr, die den Lieblingsplatz in der warmen Sonne annektiert hat und ihn wie selbstverständlich für sich beansprucht. Wieviele unzählige Zeilen am PC und auf Papier sind mit ihr auf dem Schoß entstanden. Sie war immer da. Über 17 Jahre lang. In jeder Wohnung, in jedem Haus. Hat alles mitgemacht mit ihrem Frauchen.

Als ich damals eine zweite Katze gesucht hatte, hab ich mich auf den Weg ins Tierheim gemacht. Nachdem schon einige Versuche fehlgeschlagen waren, eine Gefährtin für Tracy, meine erste Katze zu finden, dachte ich mir, es muss einen anderen Weg geben. Und ich hab es einfach umgekehrt, mich in den Katzenkäfig ganz still in ein Eckchen gesetzt und mich aussuchen lassen. Und da war sie, erst ganz zurückhaltend und scheu, saß sie auf der anderen Seite, etwas abseits von den anderen und sah mich einfach nur an.

Ihr Blick hat mich kaum losgelassen und sie beobachtete mich sehr genau. Die anderen Katzen kamen und gingen in meine Nähe, um dann wieder weiterzuziehen. Und dann gab es diesen Moment. Sie entschied sich und kam langsam auf mich zu. Setzte sich an meine Seite und schaute mich an. Ich durfte sie streicheln und sie kuschelte sich förmlich in meine Hand. In diesen Momenten ist ihr endgültig mein Herz zugeflogen. Sie blieb bei mir und so hab ich sie in ihr neues Zuhause mitgenommen. Sie war noch ein ganz kleines und junges Kätzchen und hatte doch schon eine Leidensgeschichte hinter sich. Der Vorbesitzer war wohl einer der wenig tierlieben Sorte, denn ich bekam sie völlig abgemagert und mit gebrochenen Rippen (durch einen Tritt….).

In ihrem neuen Heim war sie bei jedem Türklingeln sofort hinter der Couch verschwunden und sobald sie eine Männerstimme nur hörte geriet sie in Panik. Es dauerte lange, bis sie diese spontane Angst etwas verlor und es war so berührend, wie sehr sie mir von Anfang an vertraute. Ja, so fing unsere gemeinsame Geschichte an. Sie führte uns in verschiedenste Landkreise rund um Passau und unterschiedlichste Lebenssituationen. Fast schien es so, als ob meine Miezemaus Lisa mit ihrer Gefährtin Tracy die einzigen Fixpunkte in meinem Leben waren.

Tracy, die Katze die ich damals schon hatte als ich Lisa aus dem Tierheim holte, ist 2006 gestorben, kurz nach meinem Vater. Und vor allem zu dieser Zeit wäre ich ohne mein Katzenmädchen völlig untergegangen. Doch so gab es noch ein Wesen, um das ich mich zu kümmern hatte und die immer zu spüren schien, wie wichtig ihre Nähe war. Die in dieser Zeit kaum von meiner Seite wich wenn ich daheim war, die ich stundenlang bei mir auf dem Arm und auf dem Schoß hatte. So ging auch diese schwere Zeit vorüber und sie hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran, mich im Leben gehalten zu haben.

Sie war jeden Tag wieder eine lebendige Quelle und ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war. Was für ein Glück ich doch hatte. Die Zeit mit ihr ist mir so kostbar und die letzten Stunden haben wir miteinander gewacht.

Ich hatte das Glück eine sehr liebe Tierärztin zu finden, die zu uns nach Hause kam. Als es dann soweit war, ist sie auf meinem Arm gestorben. Hat sich an meinen Hals geschmiegt und ich hielt sie, spürte ihre Nase, hörte sie leise atmen und dann immer leiser werden. Meine Tränen strömten über mein Gesicht und ich hatte das Gefühl, mein Herz bricht ein weiteres Mal.

Ich hielt sie fast eine Stunde noch in meinem Arm bis ich spürte, dass auch ihre Seele gegangen war. In diesem Moment fühlte ich eine große Ruhe in mich einziehen und ich konnte sie endlich loslassen.

Sie war gegangen und es war ein so unendlich großes Geschenk sie in meinem Leben gehabt zu haben.

Die Inspiration zum heutigen Text habe ich in einem Büchlein von Anselm Grün gefunden:

Wenn Sorgen über die Zukunft deinen Tag beschweren, wende dich bewusst dem Heute zu. Heute entscheidet es sich, ob du lebst oder nicht, ob du da bist oder nicht, ob du dich auf den Menschen vor dir einlässt oder nicht, ob du etwas anpackst oder nicht.

Das Heute gut zu bewältigen – das ist die eigentliche Herausforderung für das Leben.

Fundstelle: Jeder Tag ein Weg zum Glück – Anselm Grün

Bildquelle: Microsoft Online

In Zeiten wie diesen, in denen die Medien von Katastrophenszenarien nur so überquellen, ist es gar nicht so einfach, sich davon nicht anstecken zu lassen. Und da der Mensch (leider) evolutionär eher auf die Vermeidung von Negativszenarien geeicht ist, als auf das Erreichen von positiven Ergebnissen, kann es durchaus sein, dass sich die Sorgen mehr ausbreiten, als man sich das wünschen würde.

Und sobald negative Gedankenschleifen die Oberhand gewinnen, wird der Aktionsradius oft gleichermaßen weniger. Je mehr Befürchtungen, je mehr Ängste, umso größer wird die Erstarrung. Es scheint manchesmal fast so zu sein, als ob die Gedanken uns denken und nicht wir unsere Gedanken. Verrückte Welt, möchte man meinen.

Was mir in dem obigen Zitat so gut gefallen hat, ist der Hinweis auf die mögliche Lösung: Sich auf das Heute zu konzentrieren. Der heutige Tag ist eine Einheit die ich bewältigen kann. Meine nächsten 8 Stunden kann ich füllen mit anstehenden Aktivitäten, mit sinnhaftem Tun. In dem Wissen, dass ich heute etwas tun kann. Denn zwischen alles und nichts gibt es ETWAS. Etwas, das ich tun kann. Heute. Und für die nächsten Stunden zählt nur das Heute. Das Heute kann ich gestalten, in die Hand nehmen, wahrnehmen. Leben.

Wer es immer wieder schafft, mit seinen Gedanken ins Heute zurückzukehren, wird auch die Kraft spüren, die damit verbunden ist. Denn die gefühlte Hilflosigkeit, die sich in uns bei sorgenvollen Gedanken breit macht, lässt uns kraftlos werden. Oft im wahrsten Sinne auch körperlich.

Die Kraft des Heute dagegen ermöglicht uns einen nächsten Schritt zu gehen. Einen Schritt nach vorne. Aus unserer Kraft heraus. Und in unsere Kraft hinein. Das Erfahren, diesen Schritt zu gehen, zieht auch die Möglichkeit eines weiteren nach sich. Erfolg gebiert Erfolg. Das gilt auch in diesem Fall.

Und egal wie oft wir in unser angstgetriebenes Denken zurückfallen, wir können uns jederzeit wieder dem Heute zuwenden. In jeder Sekunde. Immer wieder. Es genügt, das Heute zu überschauen. Wenn Sorgen kommen, nehmen wir sie wahr und lassen sie in dem Wissen ziehen, dass wir sie am besten bewältigen, wenn wir uns wieder dem Heute widmen. Sorgen sind nun mal der Natur nach Gedankenkonstrukte von möglichen Ereignissen. Die nur in unserem Kopf bereits geschehen sind. Jedoch nicht in der Wirklichkeit.

Sorgen wegzuschieben, ist oft viel schwerer, als sie quasi einfach dasein zu lassen und sich weiter dem Heute zu widmen. Denn wie schon die einfachste Psychologie lehrt: das gegen das ich mich wehre, wird sich vervielfachen. Es geht auch nicht darum Sorgen zu verniedlichen, unter dem Motto ach so schlimm wird es schon nicht werden. Auch das verstärkt die Schleife häufig.

Eine Möglichkeit ist eher der Gedanke: ‘Ja ich fühle im Moment diese Sorge und jetzt konzentriere ich mich wieder auf mein Heute.’

Dazu passen die 10 Gebote der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII – Seine Lebensregeln.

Und mit diesen tröstlichen Gedanken möchte ich Ihnen alle Kraft für Ihr Heute wünschen.

  1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
    .
  2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.
    .
  3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin – nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.
    .
  4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
    .
  5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.
    .
  6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.
    .
  7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.
    .
  8. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
    .
  9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.
    .
  10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Wenn Sie gern noch mehr inspirierende Gedankenanstöße lesen möchten, dann finden Sie in dem Buch von Anselm Grün – Jeder Tag ein Weg zum Glück – viele Anregungen. Ein kleines Büchlein, das sich auch wunderbar als Geschenk eignet. So hat es z. B. seinen Weg zu mir gefunden und ich habe mich sehr darüber gefreut.