Uhr by_Kurt-F-Domnik_pixelioWunderliches Wort, die Zeit vertreiben,
sie zu halten wäre das Problem…
(Rilke)

Bildquelle: @Kurt F. Domnik / pixelio.de

Heute möchte ich gern ein paar Gedanken mit Ihnen teilen, die nicht unbedingt eine praktische Umsetzung beinhalten. Doch das Thema begleitet mich seit den letzten Wochen und Monaten fast jeden Tag. Vielleicht kommt Ihnen daraus manches bekannt vor, vielleicht erleben Sie manches davon selbst in Ihren Tagen, vielleicht können Sie mit manchem daraus etwas anfangen, vielleicht hilft es Ihnen aus ähnlichen Dilemmata neue Gedanken zu fassen.

Unsere Zeit…

Von unserem Kuchen der Zeit beanspruchen viele Menschen ein Stück. Sie wird genommen, gefordert, erfleht, erbettelt. Was bleibt sind oft nur Krümel. Kein Stück mehr im Ganzen. Fragmente zurückgelassen nach dem Sturm auf’s Buffet. Und da sitzen wir nun, kratzen die Reste zusammen und versuchen davon satt zu werden.

Unsere innere Uhr tickt viel langsamer als der unerbittliche Zeiger im außen. Die Zeit beherrschen bedeutet auch, diese beiden Welten in Einklang zu bringen. Was es erfordert, Wege zu finden, um den Tag zu verlangsamen. Jede Minute die verstreicht, ist unwiederbringlich vorbei. Jeder Herzschlag bringt uns dem Ende ein Stück näher.

Diese Gedanken machen die Zeit zu einem Ungeheuer, das sich durch unser Leben frisst. Als Stellvertreterin schickt sie Termine, Besprechungen, Telefonate, zu erledigende Projekte. Sie ist gut im Delegieren, da könnten wir noch viel lernen.

Doch gibt es nicht auch Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint? Oft nur kurze Augenblicke, die uns den Reichtum der Ruhe schenken. Inseln im Alltag.

Das Paradox der Zeit ist in der Distanz begründet. Je weiter wir uns von ihr entfernen, umso schneller fließt sie durch uns hindurch. Je näher wir  ihr sind, umso langsamer und gemächlicher lässt sie unser Erleben erscheinen.

Wo passiert Zeit dann genau? Spürbar wird sie in flirrenden Gedanken, die sich wie wilde Affen von Baum zu Baum schwingen, wenn der äußere und innere Druck zunimmt.

Eine geschenkte Stunde hingegen manifestiert sich in einem Lächeln, einem tiefen Atemzug, einer wohligen Entspannung im gesamten Körper. Die Zeit festzuhalten gelingt oft in schreibenden Bildern. Erinnerungen, die durch wenige Worte wieder auferstehen. Ein Regen aus Momentaufnahmen, die uns hineinfallen lassen in ein früheres Ich.

Und die Zeit die noch kommt? Wie können wir ihr schon heute ein gutes Zuhause schaffen? In dem wir unser Erleben wieder auf den Moment ausrichten. Das Jetzt in uns orten und immer wieder zu diesen Koordinaten zurückkehren, wenn wir vom Kurs abgewichen sind und uns im Strudel der Zeiten anderer verheddert haben.

Denn nicht die Zeit verbraucht uns, sondern wir verbrauchen die Zeit. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Stopfen wir sie wie Junkfood in uns hinein ohne wahrzunehmen, was sie da in uns macht oder zelebrieren wir ein Mahl mit Kerzen und Wein?

Wahres Genießen lässt einen Moment zu einer kostbaren Ewigkeit werden. Das Leben bis zur Neige kosten und die Zeit ist unser, wenn wir wahrlich anwesend sind in unserem Sein.

Ein Satz der sich mir beim Lesen wie so nebenbei eingeprägt hat, und mich seit dem nicht mehr loslässt, steht heute am Anfang dieses Beitrags:

…in westlichen Ländern scheint das Gegenteil von reden, warten zu sein…

Quelle: Robert Levine – Eine Landkarte der Zeit

Das war die Aussage eines Japaners, den Levine in seinem (übrigens überaus lesenswerten) Buch zitiert. Wie schon im Titel anklingt, ist dies wieder einer der Krümel die mich gedanklich picksen. Das Gegenteil von reden ist warten… Hm, warten darauf, dass ich endlich wieder die Möglichkeit bekomme, etwas zu sagen. Warten darauf, dass der andere endlich fertig ist und ich aus dem Gespräch gehen kann. Warten darauf, dass ich ihm aber gleich mal ganz deutlich erklären kann, wieso meine Meinung stimmt…

Bildquelle: Microsoft online

Seit diesem Gedankenkrümel achte ich mal wieder bewusst darauf, wie die Gespräche, die ich so jeden Tag führe, wirklich verlaufen. Haben Sie Lust eine kleine Rückschau gleich mitzumachen?

Wenn Sie die Gespräche von heute noch einmal Revue passieren lassen. Bei welchen…

  • …haben Sie wirklich zugehört?

Und damit meine ich zuhören im wahrsten Sinne. Nicht bereits im Kopf die Antwort zu formulieren und es kaum erwarten zu können, sie dem Gegenüber um die Ohren zu hauen. Nein, sondern wirklich zugehört. Gehört was der andere gesagt hat. Innegehalten und überlegt, ob Sie es wirklich verstanden haben. Sich Gedanken darüber gemacht, um was dem Gegenüber gerade wirklich geht.

  • …waren Sie an der Meinung des anderen tatsächlich interessiert?

Auch das mag sich etwas seltsam anhören. Doch mal ehrlich, wie oft führen wir Gespräche, damit wir dem anderen endlich mal sagen können, wie wir das sehen. Und es interessiert uns in dem Moment herzlich wenig, was der andere für eine Meinung hat. Nehmen wir uns denn überhaupt die Zeit dazu, die Argumente und Ansichten anderer wirklich wahrzunehmen? Oder sind wir nicht schon längst beim nächsten Meeting und wollen hier nur schnell unseren Senf dazu abgeben? Möglicherweise in der Illusion, dass wir ja tendenziell doch meistens recht haben.

  • …haben Sie Fragen gestellt?

Wer keine Fragen stellt, hat alles verstanden und weiß genau wovon der andere redet.” Das ist jetzt mal eine ganz provokative Ansicht meinerseits. Und nicht damit hier die Illusion aufkommt, dass ich die absolute Kommunikationskünstlerin wäre. Weit gefehlt, da hab ich noch viel Potential :-) Denn mir geht auch manches Mal der Gaul durch und ich hänge der vermeintlichen Ansicht an, dass ich ja sowieso völlig klar habe, was mein Gesprächspartner sagen will.

Doch wie wäre es, wenn wir das nächste Mal nachfragen. Einfach mal nur mit der Formulierung: “Wie genau haben Sie das gemeint?” Diese simple Frage dient der Informationssammlung und kann uns davor bewahren etwas als gegeben anzunehmen, das möglicherweise noch gar nicht wirklich klar ist. Desweiteren wird dem Gesprächspartner damit Interesse signalisiert. Und was das bedeutet, ist wohl jedem klar. Denn welches Gespräch werden Sie lieber fortsetzen wollen: eines in dem Sie das Gefühl haben, der andere nimmt gar nicht wirklich wahr was wir sagen und will nur seine Meinung kundtun oder mein Gegenüber fragt mich etwas zu dem was ich gesagt habe und hilft mir dadurch vielleicht sogar noch besser klar zu formulieren. Die Antwort darauf erübrigt sich wohl.

  • …haben Sie Pausen gemacht?

Ja, auch das gehört zu wohltuenden Gesprächen. Die Pausen. In unserer schnelllebigen Zeit inzwischen verpöhnt und doch sehnen sich viele Menschen nach einem Innehalten. In der Musik ist die Pause ein elementares Stilmittel. Nach dem Ende eines furiosen Satzes in der klassischen Musik steht die Pause. Um den Rausch der Töne nachhallen zu lassen, zur Ruhe zu kommen und sich bereit zu machen für ein folgendes Adagio.

Doch wie sieht es nun dabei in unseren Gesprächen mit Pausen aus? Wie geht es Ihnen dabei, wenn Ihr Gegenüber schweigt? Haben Sie schon fast den Drang, etwas füllendes zu sagen, damit die ungewohnte Stille ein Ende nimmt? Oder können Sie das eben Gehörte gut nachschwingen, auf sich wirken lassen, einen Moment darüber nachsinnen und dann erst zu sprechen? Sollte Ihnen das schwer fallen, dann machen Sie doch die nächsten 14 Tage ein Wahrnehmungsexperiment und probieren Sie mal statt sofort loszulegen, eine kurze Pause im Gespräch aufkommen zu lassen. Sie werden vielleicht ganz  erstaunt feststellen, dass damit augenblicklich mehr Ruhe in eine Konversation einfließt.

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Eine der wohl simpelsten Methoden Gespräche zu visulisieren hat George Pennington entwickelt. Er setzt Aussagen mit ! gleich, Fragen mit ? und Pausen mit _ Wenn Sie nun die nächsten Mal in Meetings bei Gesprächen dabei sind, machen Sie doch mal den Test und skizzieren mit. Die meisten Gespräche bestehen laut Pennington aus Aussagen.

Das heißt also, wir hauen uns gegenseitig unsere Meinung um die Ohren, reden geradezu perfekt aneinandervorbei und sind dann auch noch angenervt, weil wenig gescheites dabei herauskommt. Sollte Ihre Skizze etwa so aussehen: ! ! ! ? ! ! _! ! Dann wissen Sie ja Bescheid… Viel gesagt und nix passiert…

Dass wir jeden Tag reden, heißt also noch lange nicht, dass wir gute Gespräche führen. Gute Gespräche hinterlassen eher anregende Gedanken als einen schalen Nachgeschmack. Gute Gespräche hinterlassen eher Aufbruchsstimmung als das Gefühl des Scheiterns. Gute Gespräche erweitern unsere gedankliche Welt und schränken sie nicht ein.

Was können Sie im nächsten Gespräch von diesen Gedanken gleich nutzen? Wie wäre es mal wieder auf das wahre Zuhören zu achten? Vielleicht öfter mal wieder eine Frage zu stellen oder eine Pause im Gespräch zuzulassen? Experimentieren Sie einfach. Und gerne lese ich Ihre Ansichten dazu in einem Kommentar.

Was ist Ihr Jahresmotto?

Das Dilemma mit den Vorsätzen ist ja inzwischen hinreichend bekannt. Sie haben häufig eine Halbwertszeit die dem Abklingen des Katers entspricht…. Daher habe ich mich schon seit einigen Jahren für einen anderen Ansatz entschieden.

Anfang Januar denke ich darüber nach, was ich die kommenden 365 Tage in meinen gedanklichen Fokus setzen möchte. Welches Thema ist mir ein Herzensthema, ist gerade dran und gibt mir das Gefühl, das nun dafür die richtige Zeit ist. Das wird zu meinem ganz persönlichen Jahresmotto. Um es auf seine Quintessenz zu konzentrieren, wird es mit einem einzigen Wort ausgedrückt.

Bildquelle: Microsoft Online

2008 war für mich das Jahr der Liebe. Das hört sich nun wahrscheinlich sehr pathetisch an. Mag sein. Und doch habe ich es genauso feierlich gemeint als ich dieses Motto Anfang Januar letzten Jahres festgehalten habe. Ich wollte die Augen offen halten und wahrnehmen was es dazu in meinem Leben bereits gibt und was ich dazu beitragen kann, dass sie sich vermehrt. Und wenn ich heute Resümee ziehe, dann kann ich sagen, dass ich unendlich reich beschenkt bin in Sachen Liebe.

Es gibt wunderbare Freunde in meinem Leben, die auch in schweren Zeiten zu mir stehen und denen ich vielleicht viel zu selten sage, wie wichtig sie mir sind. Was für ein Geschenk zu wissen, dass es Menschen gibt, zu denen man in jeder Situation und zu jeder Zeit kommen kann und ein offenes Ohr und eine tröstende Umarmung findet.
Wie können Sie Ihre Freunde wissen lassen, wie wertvoll sie Ihnen sind?

Wer Katzen hat weiß um die Seelenweisheit dieser Tiere. Und meine zwei Miezen sind dafür ein Paradebeispiel. Sie scheinen stets den siebten Sinn für meine Stimmungen zu haben und geben mir Kraft mit ihrer lebendigen Gegenwart.
Wenn Sie Tiere haben, welches kleine Ritual stärkt Ihre Verbindung zu Ihnen?

Mein größtes Geschenk des Jahres 2008 ist ein wunderbarer Mann, mit dem ich mich vom ersten Moment an verbunden fühlte. Ein stilles Glück, das mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.
Was lieben Sie besonders an Ihrem(r) Partner(in) und wie können Sie dies mitteilen?

Wer den Blick mal auf die Liebe in seinem Leben richtet, könnte entdecken, dass es davon viel mehr gibt, als vorher gedacht. Ein freundliches Lächeln, eine kleine Aufmerksamkeit, blühende Blumen, ein wunderbares Essen, ein nettes Kompliment, ehrliches Zuhören und und und….
Wieviel tragen wir dazu bei, dass sich diese liebevollen Momente in unserem Leben vermehren können?

Auch wenn es mancher vielleicht schon nicht mehr hören mag: Was wir aussäen wird zu uns zurückkehren.

Mit einem Jahresmotto kann es Ihnen gelingen, das von Ihnen gewählte Thema im Blick zu behalten. Sie können es schön ausgedruckt aufhängen, sich am Ende eines jeden Monats einen Reflexionstermin dafür setzen und sich Gedanken darüber machen, was Ihnen in diesem Monat gelungen ist zu Ihrem Thema und was Sie sich gut für den nächsten Monat vorstellen können.

Über was wir uns schriftlich Gedanken machen, bleibt besser in uns verankert. Und ein Motto soll ein hoch gespannter Bogen sein, der Ihr Jahr umrahmt. Kein Training das Sie durchlaufen sollen.

Eines meiner letzten Jahre war das Jahr der Gesundheit. Und da ich immer wieder mal – ganz entspannt – für mich über dieses Thema nachgedacht habe im Laufe der 365 Tage konnte ich auch viel mehr für mich erreichen als sonst. Seit dem habe ich z. B. ein Trampolin, da ich nun mal ein ziemlicher “Drinnen-Mensch” bin und keine Lust auf Joggen o.ä. habe. Wenn ich mich – wie man das ja oft so macht – unter Druck setze um jetzt auch wirklich mehr auf meine Gesundheit zu achten und dieses und jenes dazu zu tun, hätte ich ja schon keine Lust mehr gehabt. Durch das mehr spielerische Herangehen habe ich mich viel lieber mit Möglichkeiten dazu beschäftigt als sonst.

Was könnte Ihr Motto sein? Es ist alles erlaubt, was Ihnen am Herzen liegt. Vielleicht machen Sie uns die Freude und teilen Ihr Motto mit uns. Selbstverständlich darf es ruhig pathetisch sein :-) Für mich ist 2009 das Jahr der Fülle.

Die Inspiration zum heutigen Text habe ich in einem Büchlein von Anselm Grün gefunden:

Wenn Sorgen über die Zukunft deinen Tag beschweren, wende dich bewusst dem Heute zu. Heute entscheidet es sich, ob du lebst oder nicht, ob du da bist oder nicht, ob du dich auf den Menschen vor dir einlässt oder nicht, ob du etwas anpackst oder nicht.

Das Heute gut zu bewältigen – das ist die eigentliche Herausforderung für das Leben.

Fundstelle: Jeder Tag ein Weg zum Glück – Anselm Grün

Bildquelle: Microsoft Online

In Zeiten wie diesen, in denen die Medien von Katastrophenszenarien nur so überquellen, ist es gar nicht so einfach, sich davon nicht anstecken zu lassen. Und da der Mensch (leider) evolutionär eher auf die Vermeidung von Negativszenarien geeicht ist, als auf das Erreichen von positiven Ergebnissen, kann es durchaus sein, dass sich die Sorgen mehr ausbreiten, als man sich das wünschen würde.

Und sobald negative Gedankenschleifen die Oberhand gewinnen, wird der Aktionsradius oft gleichermaßen weniger. Je mehr Befürchtungen, je mehr Ängste, umso größer wird die Erstarrung. Es scheint manchesmal fast so zu sein, als ob die Gedanken uns denken und nicht wir unsere Gedanken. Verrückte Welt, möchte man meinen.

Was mir in dem obigen Zitat so gut gefallen hat, ist der Hinweis auf die mögliche Lösung: Sich auf das Heute zu konzentrieren. Der heutige Tag ist eine Einheit die ich bewältigen kann. Meine nächsten 8 Stunden kann ich füllen mit anstehenden Aktivitäten, mit sinnhaftem Tun. In dem Wissen, dass ich heute etwas tun kann. Denn zwischen alles und nichts gibt es ETWAS. Etwas, das ich tun kann. Heute. Und für die nächsten Stunden zählt nur das Heute. Das Heute kann ich gestalten, in die Hand nehmen, wahrnehmen. Leben.

Wer es immer wieder schafft, mit seinen Gedanken ins Heute zurückzukehren, wird auch die Kraft spüren, die damit verbunden ist. Denn die gefühlte Hilflosigkeit, die sich in uns bei sorgenvollen Gedanken breit macht, lässt uns kraftlos werden. Oft im wahrsten Sinne auch körperlich.

Die Kraft des Heute dagegen ermöglicht uns einen nächsten Schritt zu gehen. Einen Schritt nach vorne. Aus unserer Kraft heraus. Und in unsere Kraft hinein. Das Erfahren, diesen Schritt zu gehen, zieht auch die Möglichkeit eines weiteren nach sich. Erfolg gebiert Erfolg. Das gilt auch in diesem Fall.

Und egal wie oft wir in unser angstgetriebenes Denken zurückfallen, wir können uns jederzeit wieder dem Heute zuwenden. In jeder Sekunde. Immer wieder. Es genügt, das Heute zu überschauen. Wenn Sorgen kommen, nehmen wir sie wahr und lassen sie in dem Wissen ziehen, dass wir sie am besten bewältigen, wenn wir uns wieder dem Heute widmen. Sorgen sind nun mal der Natur nach Gedankenkonstrukte von möglichen Ereignissen. Die nur in unserem Kopf bereits geschehen sind. Jedoch nicht in der Wirklichkeit.

Sorgen wegzuschieben, ist oft viel schwerer, als sie quasi einfach dasein zu lassen und sich weiter dem Heute zu widmen. Denn wie schon die einfachste Psychologie lehrt: das gegen das ich mich wehre, wird sich vervielfachen. Es geht auch nicht darum Sorgen zu verniedlichen, unter dem Motto ach so schlimm wird es schon nicht werden. Auch das verstärkt die Schleife häufig.

Eine Möglichkeit ist eher der Gedanke: ‘Ja ich fühle im Moment diese Sorge und jetzt konzentriere ich mich wieder auf mein Heute.’

Dazu passen die 10 Gebote der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII – Seine Lebensregeln.

Und mit diesen tröstlichen Gedanken möchte ich Ihnen alle Kraft für Ihr Heute wünschen.

  1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
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  2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.
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  3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin – nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.
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  4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
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  5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.
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  6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.
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  7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.
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  8. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
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  9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.
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  10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Wenn Sie gern noch mehr inspirierende Gedankenanstöße lesen möchten, dann finden Sie in dem Buch von Anselm Grün – Jeder Tag ein Weg zum Glück – viele Anregungen. Ein kleines Büchlein, das sich auch wunderbar als Geschenk eignet. So hat es z. B. seinen Weg zu mir gefunden und ich habe mich sehr darüber gefreut.

Die Zeit, die am Ende des Lebens als wesentlich und erfüllt dasteht, ist nur die, die wir intensiv erlebt haben. Viele Zeitperioden, die eher mechanisch wiederholend dahingingen, schrumpfen zusammen, sind nicht mehr erinnerbar und versinken damit in die Nichtexistenz. Was zählt, was bleibt, sind die bewusst, gegenwärtig gelebten und erlebten Augenblicke des Lebens. Wenn wir uns fragen, wie viel Zeit des Lebens wir wirklich [in diesem Sinne] gelebt haben, wird uns das möglicherweise tief erschüttern.

Fundstelle: Jeder Tag ist kostbar – Daniela Tausch-Flammer und Lis Bickel

Bildquelle: Microsoft

Ich weiß nicht wie es Ihnen mit diesen Zeilen geht. Doch mich haben sie regelrecht eingefangen und ich denke darauf herum. Wie viel Zeit erleben wir wirklich intensiv? Und was heißt schon ‘intensiv’? Das Bertelsmann Wörterbuch sagt dazu folgendes:

intensiv: lat. intensus „heftig, stark, gespannt, aufmerksam”, zu intendere „nach etwas streben, sich bemühen, (an ein Ziel) zu gelangen suchen”

Schon das erste Wort “heftig” ist ein deutlicher Hinweis auf eine hohe Beteiligung des inneren Empfindens. Wenn etwas heftig ist, dann macht es etwas mit uns, bewegt uns im wahrsten Sinne und verankert uns im Jetzt. Interessant finde ich auch die Weiterleitung zu “nach etwas streben”. Wenn wir also intensiv leben und erleben, streben wir nach etwas. Ohne jetzt gleich einen Leistungsgedanken mit dem Begriff “streben” verbinden zu wollen, ist es doch interessant, dass eine “Strebe” auch ein Bauteil ist, eine Stütze.

Und ist es nicht genau das, was uns in unserem Alltag, der sich so oft zu wiederholen scheint, fehlt? Eine Stütze, eine Leitlinie, ein Beteiligtsein und nicht nur anwesend sein? Wenn Sie allein einen Blick auf die vergangenen knapp sechs Monate dieses Jahres werfen, wieviel Zeit davon haben Sie wirklich intensiv gelebt? An was können Sie sich erinnern? Welche Wegmarken können Sie ausmachen? Oder verschwimmt alles zu einer grauen einheitlichen Suppe aus aufstehen, in die Arbeit gehen, seinen Job machen, wieder heim kommen, familiäre Angelegenheiten regeln, essen, schlafen gehen und wieder von vorne?

In Gesprächen werde ich an dieser Stelle fast regelmäßig gelyncht, ob meiner Fragen… Und es spielt keine Rolle, ob das Menschen sind, die Kinder haben oder welche die keine haben, dafür einen anstrengenden Job oder oder oder… Es geht immer ein Aufschrei durch die Runde, der meist in Aussagen gipfelt wie “ich bin halt nun mal darin eingebunden”, “was soll ich denn machen, ich habe ja keine Wahl”, “ich kann mir kein Kürzertreten leisten”, “das ist halt im Moment so, da kann ich auch nicht einfach so raus”, “wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich auch anders” usw. usw. usw. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Und doch lasse ich meist nicht locker. Denn mich interessiert, was Menschen wirklich als wesentlich in ihrem Leben empfinden. Wann sie sich selbst wahrhaftig spüren, mit sich selbst im reinen sind und das Leben in sich pulsieren spüren. Dadurch dass wir in unserer Zeit fast keinen Zugang zum Tod haben, ihn aus unserem Leben ausklammern und uns auch nicht mit unserem (so sicheren) Ende beschäftigen wollen, fehlt uns ein wichtiger Bestandteil, der uns unserem eigenen Leben näher bringen würde. Die Gewissheit, dass alles endlich ist. Und das ist eines der ganz wenigen sicheren Dinge in unserem Leben, dass es endlich ist – ein Ende haben wird. Und was wir bis zu diesem Ende aus unserem Leben machen, geben wir viel zu oft in andere Hände.

Unsere Wertigkeit hängt viel zu oft von dem Erfolg ab, der durch die Augen anderer definiert wird. Wir kümmern uns um das Wohlergehen unserer Lieben und vergessen dabei viel zu häufig unser eigenes. Und wissen oft überhaupt nicht mehr, was uns selbst wirklich gut tut, durch was wir uns ganz für uns selbst lebendig fühlen.

Mit welchem Gefühl möchten Sie diese Welt verlassen? Eine schwere Frage, ich weiß. Doch nichtsdestotrotz liegt darin die Antwort für ein als wesentlich erlebtes Leben. Führen Sie das Leben das “Ihnen gemäß” ist?

Die Autorinnen aus dem o.g. Buch Jeder Tag ist kostbar empfehlen, sich behutsam mit einfachen Gedankenübungen diesem Thema zu nähern. Und eine dieser kleinen Übungen, die sehr viel Kraft empfalten kann ist eine einfache Frage. Eine Frage die Sie – am besten schriftlich – beantworten. Spontan und immer wieder. Ein paar Tage oder sogar Wochen hintereinander.

An dieser Stelle möchte ich Sie einladen, sich etwas zum Schreiben zu nehmen und diese Frage gleich jetzt beginnen zu beantworten:

Wer bin ich….?

Halten Sie fest, was Ihnen dazu einfällt. Ohne zu zensieren, kritisieren oder etwas besonderes schreiben zu wollen. Lassen Sie Ihre Gedanken einfach über Ihren Stift auf’s Papier fließen. Lesen Sie was vor Ihnen entsteht und spüren Sie den Gefühlen nach, die dabei in Ihnen hochkommen. Auch wenn Sie vielleicht anfangs Schwierigkeiten haben sollten, Ihnen nichts rechtes einfallen mag, lesen Sie immer wieder die Frage “Wer bin ich…?”

Wenn Sie möchten können Sie auch Ihre Emotionen zu Papier bringen, die Sie zu fühlen beginnen. Machen Sie keinen riesigen Akt draus, sondern nehmen einfach alles an, was da ist.

Und wenn Sie dies einige Tage oder auch länger machen – die Autorinnen empfehlen abends mit dieser Frage einzuschlafen und gleich nach dem Aufwachen darüber zu schreiben – werden Sie merken, dass sich Ihre Antworten ändern. Sie gelangen Stück für Stück zu Ihrem Wesenskern.

Ihre ganz persönlichen Antworten auf diese Frage können Sie zu einem Überdenken Ihres Lebens führen, einem Nachspüren ob Sie das Leben führen was Ihnen gemäß ist – wie bereits oben erwähnt. Und wenn Sie wollen, können Sie beginnen, das was Ihnen fehlt behutsam zu integrieren, Ideen dazu zu entwickeln und das was Ihnen nicht entspricht langsam zu reduzieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie dem Leben – das Ihnen selbst entspricht – immer näher kommen.

Gerd Wenninger weiß wovon er spricht, nicht nur durch seinen Job als Therapeut, sondern aus ganz persönlicher Erfahrung. Durch was Stress in unserem Leben ausgelöst wird, wie wir ihm begegnen können und warum manche Menschen die Fähigkeit besitzen nicht auszubrennen, waren der Inhalt seines Vortrages am 28. Mai 2008 – organisiert durch den BdS in Passau. Dieser Artikel beruht auf meinen Mitschriften und eigenen Gedanken zum Thema.

Ein Merksatz, der uns allen immer bewusst sein sollte:

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht.

Auch wenn uns das nicht gefallen mag, werden wir nicht umhin können, es zu akzeptieren. Denn Stress wird durch viele verschiedene Situationen ausgelöst. Ob es nun die Überlastung im Beruf, Familie, Schicksalsschläge und andere Ereignisse ist, sicher ist, dass die Stressfaktoren in unserem Leben nicht weniger werden sondern im Gegenteil dabei sind sich zu vervielfachen. Da ist guter Rat teuer.

Um das wenig greifbare Wort “Stress” etwas näher zu beleuchten, erläuterte Gerd Wenninger die Abläufe die im Körper entstehen und durch die wir uns letztendlich gestresst fühlen.

Zum einen bedeutet Stress in erster Linie eine Aktivierung. Wir reagieren auf körperliche und emotionale Reize. Das Nervensystem fährt quasi hoch und aktiviert damit unser Hormonsystem, Blutdruck und einiges mehr. So, als ob wir im Auto sitzen und auf’s Gas treten. Das ist jetzt auch noch nicht schlimm, denn Aktivierung erhöht auch unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Problematisch wird es wenn eine Taktstörung vorliegt (= Stress) und wir zu viel Energie aufnehmen, die wir nicht verbrauchen bzw. abbauen und im gleichen Maße auch der Hormonspiegel nicht mehr absinkt.

Um im Bild des Autofahrens zu bleiben, bedeutet dass, das wir den Fuß nicht vom Gas nehmen, auch wenn wir schon längst von der Autobahn wieder runter sind und in uns in den engen Gassen einer Stadt befinden. Dass dabei nichts gescheites herauskommen kann und Gefahr praktisch schon in der Luft liegt, ist vollkommen klar. Und genauso geht es unserem Körper, wenn wir nicht lernen, diese Energie auch wieder abzubauen.

Unsere westliche Arbeitsphilosophie fördert leider genau dieses falsche Modell. Denn nur ein Angestellter der viel arbeitet, ist ein guter Angestellter. Keinen Stress zu haben, bringt uns ungläubige Blicke ein und das Image sich auf die faule Haut zu legen. Und sich bewusst gegen den Herdentrieb zu entscheiden und das eigene Gesundheitsempfinden als Maßstab zu nehmen, erfordert einiges an innerer Stärke.

Mehr als 60 % der Europäer klagen über Stress. Und dabei sprechen wir nicht von einem vorübergehenden Phänomen, sondern im Gegenteil von anhaltenden Situationen. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Lehrer, Pfarrer und Ärzte. Von letztgenannten sind statistisch 6-8 % suchtkrank. Wobei Alkoholismus eine große Rolle spielt. Das sind in Deutschland ca. 25.000 (!)

Die Zahl der Burnout-Erkrankten steigt sprunghaft an. Und das Fatale am Phänomen des Burnouts ist, dass es schleichend einsetzt und von den Betroffenen oftmals bis zum völligen Zusammenbruch verneint wird. Es lassen sich vier Phasen unterscheiden:

1. Phase – man brennt für den Job

Die Anfangseuphorie und das Engagement in neuen Aufgabengebieten kennt wohl jeder. Problematisch wird es, wenn das Brennen keinen Ausgleich mehr findet. Und der Job oder die Familiensituation (z.B. bei Pflegefällen) das gesamte Leben zu regieren beginnt. Der Mensch brennt innerlich ständig ohne Pause.

2. Phase – Antriebslosigkeit

Wenn die Anspannung nicht nachlässt und es keine Erholungsphase gibt, lassen die Kräfte irgendwann nach. Um im obigen Bild zu bleiben, irgendwann geht jedem Auto der Sprit aus, wenn man nicht zum Tanken fährt. Und es zeigen sich erste Schäden und Mängel, wenn der Kundendienst nicht regelmäßig gemacht wird. Was das übertragen auf den eigenen Körper bedeutet, ist wohl ziemlich selbst erklärend.

3. Phase – man steht neben sich

In dieser Phase zeigen sich bereits massive Suchtstörungen. Z.B. wird jetzt ungebremst getrunken. Es besteht jedoch keine Reflektion über das eigene Tun.

4. Phase – keinen Sinn mehr im Leben sehen

Hier sind wir dann am Endpunkt angekommen. Der endgültige Zusammenbruch. Der Mensch ist innerlich ausgebrannt. Nur noch die leere Hülle ist vorhanden. Keinerlei Motivation, Kraft mehr vorhanden und geschweige denn Sinnsuche möglich.

Was können wir also tun, um nicht in diesen Kreislauf zugeraten? Welche Gründe brauchen Menschen zum Ändern dieser Spirale? Der wichtigste Aspekt ist ein Bewusstwerden dessen was geschieht. Ein wirkliches Hinsehen, kein Wegschieben oder Verniedlichen. Das wird oftmals dadurch möglich, wenn der Leidensdruck groß genug geworden ist. Vielleicht durch eine besonders heikle Situation, in der wir das Gefühl hatten, nicht mehr HerrIn unserer Selbst sein, wenn uns plötzlich die Einschränkungen in unserem momentanen Leben bewusst werden. Häufig werden diese Situationen von außen ausgelöst, wenn sich Ehepartner beginnen zu trennen. Wer sich diesen Katastrophen stellt, hat eine Chance auszusteigen.

Wichtig ist dann, seine eigenen Abwehrstrategien zu kennen bzw. kennenzulernen. Denn der Mensch ist wohl am besten darin, sich selbst hinter’s Licht zu führen… Neues Verhalten bedingt auch neue Verhaltens-”Spuren”. Gewohnheiten haben nun mal einen großen Zug und Magnetismus. Und dagegen gilt es systematisch anzusteuern. Beginnen mit Kleinigkeiten, die im eigenen Lebensalltag geändert werden. Neue Gewohnheiten installieren. Den eigenen Lebensstil zu beleuchten. Stimmt das Verhältnis von Bewegung und Stillsitzen? Meist fehlt es gestressten Menschen genau an diesem Ausgleich. Und körperliche Bewegung ist jedoch das beste Mittel, um das Zuviel an aufgebauter Energie (wie oben beschrieben) wieder abzubauen.

Ein weiterer zentraler Hinweis ist das Entschleunigen. Wir leben in einer Welt die in jeder Sekunde unendlich viele Ablenkungen bietet. Und wir sind oft wie Glühwürmchen und wenden uns jederzeit dem nächsten Licht zu. Wieder zu lernen, die eigene Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern, bewusst wahrzunehmen, was man eigentlich gerade macht, Achtsamkeit üben und den Körper im Jetzt spüren, kann uns wieder zur Ruhe bringen.

Dazu passt eine angepasste Zeitplanung. Pausen tatsächlich zu machen und nicht zu verschieben, den Mittag als wahre Auszeit nutzen. Durcharbeiten hat noch in keinem Fall die Produktivität erhöht auch wenn wir uns das gern einreden wollen. Gerade dann passieren die größten Fehler, wenn wir meinen das noch “eben schnell” erledigen zu müssen. Wieder nach unserem eigenen Maßstab zu planen, zu agieren und nicht nur zu reagieren, macht uns wieder zu Herren über die eigene Zeit. Dass dafür oftmals unpopuläre Entscheidungen von Nöten sind, die nicht immer auf Gegenliebe stoßen werden, ist der Preis den wir (anfänglich) dafür zahlen werden.

Als letzten Punkt auf der Liste nannte Gerd Wenninger das Mentaltraining. Meditieren lernen, den eigenen Gedankenstrom nicht zum Bestimmer werden zu lassen, bringt uns die nötige Distanz um klare Entscheidungen zu treffen. Und gute Entscheidungen verringern das Stressempfinden in hohem Maße, weil wir die Dinge im Griff haben und nicht umgekehrt.

Doch was machen jetzt eigentlich Menschen anders, die offensichtlich mit dem Stress in ihrem Leben umgehen können ohne auszubrennen? Nun, bis zu einem gewissen Grad hängt das mit unserer genetischen Ausstattung zusammen. Mit ca. 30 % liegt es tatsächlich in unseren Genen, ob wir tendenziell eher gut oder schlecht mit Stress umgehen können. Davon unabhängig davon pflegen diese Menschen ihr soziales Netz regelmäßig und führen Gespräche über ihre belastenden Situationen. Dabei geht es weniger um den Lösungsbedarf sondern um die Entlastung die mit Kommunikation einhergeht. Zu wissen, dass man einfach mal reden kann, ist eine große Erleichterung. Und schafft zu dem Verständnisbrücken.

Fazit:
Zu lernen im eigenen Leben das Gleichgewicht zwischen Stressoren und Ressourcen zu halten ist unsere große Lebensaufgabe. Und das gelingt am besten, wenn wir immer wieder unser Leben aus der Distanz betrachten und ehrlich mit uns selbst sind. Den Kontakt mit dem/der PartnerIn und Freunden bewusst zu pflegen, denn ein funktionierendes soziales Netz ist eine wichtige Ressource, die durch nichts anderes zu ersetzen ist.

Was sind Ihre “Geheimtipps” im Umgang mit dem Stress in Ihrem Leben? Lassen Sie uns Ihre Antworten in einem Kommentar wissen. Jede Anregung ist hilfreich.

Bildquelle: Dejan Milosavljevic -flickr.com

Wie voll ist Ihre Schale…?

brunnen.jpgDas Sinnbild der Schale ist der Kern der Psychopädie. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Lebens- und Seelenschulung um mit sich selbst und anderen liebevoll umgehen zu lernen. Vom Entwickler Dr. Derbolowsky ist diese Richtung der praktischen Psychologie im christlichen Glauben verankert.

Doch auch wer mit dem kirchlichen Gedankengut nicht besonders konform geht, wird mit dem Bild der drei Schalen etwas anfangen können.

Bildquelle: evang. Kirche Hardheim.

Lassen Sie uns das Bild durchgehen:

  • Die oberste Schale wird auch die “Ich-Schale” genannt. Und nur wenn diese Schale gut mit Wasser gefüllt ist, kann sie überlaufen in
  • die Du-Schale. Diese steht für alle anderen Menschen, mit denen ich in Kontakt trete, Beziehungen pflege und begegne.
  • Die unterste Schale, steht für die Welt (für Gott oder jeden anderen Begriff, den man dafür einsetzen möchte).

Wenn Sie einen Moment innehalten und in sich hinein spüren und horchen:

Wie steht es mit meiner Ich-Schale? Ist sie gut gefüllt? Oder steht das Wasser grad mal bis zur Hälfte? Oder ist sie gar so gut wie ausgetrocknet? Welches Bild taucht in Ihnen dazu auf?

Sollten Sie mit Erschrecken feststellen, dass nicht genügend Wasser vorhanden ist, damit es überlaufen kann, stehen Sie damit beileibe nicht alleine da. Wir kennen mit Sicherheit alle das Gefühl des Ausgelaugtseins. Zuviele Menschen, die etwas von uns wollen, Projekte die erledigt und Termine die eingehalten werden sollen – alles Situationen die unser Wasser verbrauchen.

Unsere Lösungsstrategie besteht nun leider viel zu oft darin uns noch mehr anzustrengen um alles gebacken zu bekommen. Die Erlaubnis, sich rauszunehmen, zurückzuziehen, sich um das Füllen der eigenen Schale zu kümmern, geben wir uns viel zu selten.

Das Ergebnis ist häufig die völlige ErSCHÖPFung. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich dahinter wortwörtlich ein “ausgeschöpft sein” verbirgt? Nichts mehr da, was es zu schöpfen gäbe. Die Schale ist leer.

So, und nun stehen wir vor dem Dilemma, dass es ja da unsere Aufgaben gibt, sich andere Menschen auf uns verlassen und wir dafür alles mögliche zu tun haben. Doch was soll denn nun überlaufen in die “Du-Schale” wenn wir unsere eigene bereits erschöpft haben?

Was tun? Nun, wenn wir den optimalen Fall durchspielen: Erinnern Sie sich doch einmal an Situationen, Tage, Momente in denen Sie gefühlt haben, wie Sie überfließen vor Energie, Freude und Lebenslust. Holen Sie sich die Bilder und Erinnerungen ganz nah heran und tauchen Sie darin ein. Tauchen Sie in Ihre überfließenden Ich-Schale ein.

Wie geht es Ihnen damit? Könnte es sein, dass Sie in diesem Empfinden alles, was ansteht mit einer inneren Kraft und Freude erledigen können? Auch gut unterscheiden können, wann der Punkt erreicht ist, auch einmal nein zu sagen?

Sehen Sie und genau diese Fähigkeiten stehen uns nicht mehr zur Verfügung, wenn wir uns verbrauchen. Dann haben auch die Menschen in unserer Umgebung nichts mehr von uns, da die Laune gleichzeitig mit dem Wasserstand in den Keller geht.

Wir wissen das alles, haben es in verschiedenster Form schon gehört, gelesen… Doch wieso passiert es immer wieder, dass wir nicht gut für uns selbst sorgen?

Vielleicht kann uns dazu ein sehr krasses Beispiel aus dem Katastrophenschutz behilflich sein, um besser zu verstehen, dass es nichts, aber auch gar nichts, mit Egoismus zu tun hat:

Im Fall eines möglichen Flugzeugabsturzes werden die Eltern eindringlichst dazu aufgefordert, erst sich selbst die Atemschutzmasken anzulegen und erst danach ihren Kindern. Erst gut für sich selbst sorgen, damit ich bestmöglichst für andere sorgen kann.

Wissen Sie noch, dass unser Leben endlich ist? Und Sie haben jeden Tag, jede Stunde, jede Minuten die Möglichkeit sich für das Füllen Ihrer Schale zu entscheiden. In dem Wissen, dass Sie dann auch gut für andere sorgen können.

Holen Sie sich doch immer wieder das Bild Ihrer Schale und fragen Sie den Wasserstand regelmäßig ab. Denn je früher wir lernen gegenzusteuern, zu lernen, welche Situationen uns besonders erschöpfen und welche uns besonders auffüllen, können wir umso besser für uns sorgen.

In diesem Sinne, seien Sie sorgsam mit sich und schöpfen Sie aus dem Vollen. Wenn Sie uns dazu Ihre ganz persönlichen Ideen und Anregungen mitgeben möchten, freuen wir uns darauf, sie zu lesen.

madame-mitterand.jpgDas Titelzitat stammt von Danielle Mitterand, der Witwe des verstorbenen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Sie war diese Woche am Montag in Passau bei Menschen in Europa 2007 in der PNP Passau zu Gast.

Zusammen mit Frau Köhler und Frau Klausova diskutierten Sie, unter der wunderbaren Leitung von Alfred Biolek, zu verschiedensten aktuellen und persönlichen Themen.

Am meisten beeindruckt hat mich in der Runde Madame Mitterand. Sie ist trotz ihres hohen Alters immer noch sehr aktiv mit ihrer Stiftung zu Gange und engagiert sich weltweit. Sie erzählte von ihren Reisen in z. B. in das Amazonasgebiet und fand dort u.a. wirtschaftliche Verhältnisse von einem Bruttosozialprodukt von 0 vor. Doch die Menschen litten deswegen keine Not. Für unsere Verhältnisse ist das überhaupt nicht vorstellbar, nichts zu verdienen. Unsere automatische Schlussfolgerung ist, welche Not und welche Armut muss dort herrschen.

Weit gefehlt. Madame Mitterand berichtete von einem funktionierenden Sozialsystem, zufriedenen Menschen, die ihre Bedürfnisse im Tauschhandel erfüllen und keineswegs Not leiden, obwohl sie faktisch in materieller Armut leben. Im Gegenteil die Menschen fühlten sich reich.

Damit kam sie auch zum Kritikpunkt an den europäischen Systemen. Sie kritisierte, dass in Europa Geld das Zentrum der Welt ist. Und daran alles gemessen würde.

Im weiteren Verlauf gab es interessante Definitionen von Armut, die vor allem im westlichen Europa immer mehr um sich greifen. Und diese haben mich sehr nachdenklich gemacht:

Armut

  • = keine Teilhabe an Bildung
  • = keine Liebe zu erhalten
  • = geistig unterernährt zu sein
  • = durch Vernachlässigung
  • = seelischer Natur

Vor allem beim letzten Punkt waren sich alle drei Damen einig. Wir verarmen seelisch, sind immer weniger in der Lage funktionierende Beziehungen aufzubauen und setzen den gefühlten Reichtum direkt mit unserem Bankkonto in Verbindung.

fragezeichen.jpgWie geht es Ihnen damit? Fühlen Sie sich reich? Wenn nicht, an was liegt das? Mit was setzen Sie Ihren Wert in Verbindung?

Weitergefragt, geben Sie Ihren Reichtum weiter? Und damit meine ich jetzt alles außer Geld. Pflegen Sie Ihre Freundschaften und Beziehungen wirklich? Wenn nicht, was hält Sie davon ab?

Schenken Sie dem Gespräch das Sie gerade führen wirklich Ihre volle Aufmerksamkeit? Sind Sie anwesend oder abwesend?

Wie gehen Sie mit sich selbst um? Schenken Sie sich selbst liebevolle Aufmerksamkeit? Oder vernachlässigen Sie Ihre innersten Bedürfnisse?

Was können Sie jetzt in diesem Moment tun, um sich seelisch reich zu fühlen? Ihre Ideen dazu interessieren mich sehr. Lassen Sie uns teilhaben und schreiben einen Kommentar dazu.

328304_golden_gate_fog.jpgDie Golden Gate Bridge übt auf viele Menschen eine große Anziehungskraft aus. Ein monumentales Bauwerk das San Franciso ein prägendes Gesicht verleiht.

Doch wussten Sie auch, dass im Schnitt alle 14 Tage ein Mensch von der Brücke in den Tod springt?

Und wussten Sie, dass von den Menschen, die vom Sprung durch Passanten abgehalten wurden, nur 6% noch einmal versuchten, sich das Leben zu nehmen?

Und nun kommt die Preisfrage: Wie oft glauben Sie, hat ein Passant jemanden angesprochen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei?

Die Antwort auf diese Frage kann der Filmemacher Eric Steel geben. Er hat mit seiner Crew ein Jahr lang die Golden Gate Bridge von morgens bis abends gefilmt. Dabei konnten sie innerhalb eines Jahres nur zweimal beobachten, dass ein Passant jemanden ansprach, der augenscheinlich nicht OK aussah. Zweimal innerhalb eines Jahres.

Damit sind wir wieder beim Thema Bowling Alone angelangt, über das ich in einem meiner letzten Beiträge geschrieben habe.

Keine Zeit zu haben, sein Gegenüber wirklich wahrzunehmen. Jemandem tatsächlich ins Gesicht sehen und zu fragen “Hey, ist alles in Ordnung?” wenn er offensichtlich nicht so aussieht. Wann haben Sie das das letzte Mal gemacht?

Wir haben oft eine große Scheu davor, uns in das Leben anderer einzumischen. So empfinden wir es zumindest häufig, wenn wir jemanden ansprechen sollten. Doch richtiger ist wahrscheinlich, dass wir eher Angst vor Zurückweisung oder einem blöden Spruch haben. Hm, kann passieren, das ist richtig.

Nur, wenn wir kein Risiko mehr eingehen, werden wir uns immer mehr isolieren und vereinsamen. Menschlichkeit hat mit Mut zu tun. Auf jemanden zugehen, sich zu interessieren, etwas geben und manchmal einfach nur dasein. Das ist nicht viel und doch nicht leicht.

Wenn Menschen sich verschließen, werden sie häufig mürrisch und abweisend. Das ist für das Gegenüber oft nicht nett und macht nicht wirklich Spaß. Daraus entwickeln sich schnell Vorurteile und Desinteresse.

Doch was wäre, wenn Sie als Vorgesetzter dies bei Mitarbeitern bemerken und die Menschen ansprechen würden. Sie einfach zu fragen: “Ich habe den Eindruck in Ihrem Leben ist im Moment eine ganze Menge los. Was kann ich für Sie tun?”

Oder unter Kollegen: “Ist alles in Ordnung mit Ihnen/dir? Ich hab das Gefühl, dass Sie/dich etwas seit längerem belastet. Wenn Sie/du einen Zuhörer brauchen/brauchst, mache ich das gern.”

Wenn Sie darauf einen ablehnenden Satz zu hören kriegen, seien Sie nicht beleidigt und beziehen das ganze auf sich. Es ist Ihnen bestimmt auch schon so ergangen, dass Sie in Situationen feststecken und auf Hilfsangebote erstmal mal abweisend reagieren.

Denn das ist die andere Seite der Medaille. Wir tun uns oftmals so schwer damit, Hilfe anzunehmen. Damit stehen wir in der Schuld des anderen, sind das nicht wert und vieles mehr geht uns da unbewusst durch den Sinn.

Was sollten wir nun daraus lernen, dass 94 % aller “Springer” von einem zweiten Versuch abgehalten werden können und das im Kleinen wie im Großen gilt?

Nun ich denke, es sind diese beiden Dinge:

  • Seien Sie aufmerksam für die Stimmungen anderer Menschen und sprechen Sie sie an, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt.
  • Lernen Sie selbst, Hilfe anzunehmen. Das wird Ihnen persönlich sehr gut tun und Ihre Gewissheit stärken, dass alles zu bewältigen ist, da Sie nicht allein sind.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Ich freue mich über jeden Kommentar.

Ein Weihnachtswunsch

Nun ist es bald vollbracht, das Jahr 2006. In meinem Leben war es geprägt von tiefen Einschnitten, persönlichen Verlusten und Neuordnungen. Gleichzeitig habe ich viel Kraft von Freunden, Bekannten und virtuellen Kontakten geschenkt bekommen.

Ich durfte viel neues lernen, an meinem Leben wachsen und meine Grenzen dadurch hinauszuschieben. Es ist tiefer geworden mein Leben, im Lachen wie im Weinen.

Ist es nicht das, was zu den wesentlichen Dingen zählt? Sich selbst auf einer immer tieferen Art und Weise zu begegnen? Zu lernen, immer mehr in sich zu ruhen und den eigenen Kraftort in sich zu finden?

Je mehr ich bei mir bin, je mehr kann ich für mich und andere da sein. Habe etwas zu geben, ohne dafür etwas bekommen zu müssen. Im Wort Gelassenheit steckt das Verb lassen. Dieser Aspekt ist ein sehr wesentlicher. Denn etwas zu lassen, bedeutet auch häufig loslassen, seinlassen und ruhenlassen.

In engen Zusammenhang damit stehen Erwartungen. Darin ist das warten verborgen. Wenn ich auf etwas warte, dann mache ich mich abhängig von außen. Denn nur wenn meine ErWARTungen erfüllt werden, bin ich zufrieden. Das zeigt sich oft an Weihnachten. Hier brechen häufig schwelende Konflikte auf, lang verschlossene Verletzungen machen sich Luft und die Emotionen wogen hoch.

Vielleicht kennen Sie das in der einen oder anderen Variante. Wie steht es denn mit Ihren Erwartungen? Welche davon könnten Sie gut lassen? Mit welchen Gedanken zieht am meisten Frieden in Ihr Herz ein?

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie ein friedvolles und gesegnetes Weihnachten erleben. Seien Sie sich Ihrer inneren Kraft bewusst und der Schöpfungsgabe die jeder von uns besitzt.

Vielleicht haben Sie auch Gelegenheit eine persönliche Rückschau zu halten. Hier finden Sie eine Möglichkeit zur Lebensinventur.

Schließen möchte ich mit Gedanken die mir selbst immer wieder Ruhe schenken und ich gern als meinen Weihnachtswunsch an Sie weitergeben möchte:

Bleib in deiner Mitte.
Spür dich selber,
komm immer wieder
in deine eigene Mitte
und lass die anderen dort,
wo sie sind,
und lasse sie so,
wie sie sind.

(Anselm Grün)

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