My idea is my baby

Terrence Seamon schreibt in seinem Blog über seine Arbeit als Organisationsentwickler. Seine Beiträge spiegeln viel vom Arbeitsalltag und dem täglichen Wahnsinn. So auch seine Gedanken über Ideen. Dieses Thema liegt mir selbst sehr am Herzen.

Wie ist das denn wirklich mit neuen Ideen, die man am Arbeitsplatz hat? Wie ist das bei Ihnen? Ist es üblich, mit einer neuen noch nicht ganz ausgekochten Idee gleich rauszuplatzen und es anderen zu erzählen? Sprich das “neue baby” herumzuzeigen. Und davon auszugehen, dass die Kommentare in erster Linie anerkennend und weiterentwickelt sind.

Oder hüten Sie eine neue Idee “das Neugeborene” erst mal für sich. Schauen es nur selbst an, weil sie fürchten jemand könnte etwas häßliches und/oder vernichtendes sagen?

Eine weitere Angst ist häufig, die eigene Idee könnte von jemand anderem geklaut (sprich das baby entführt) werden. Und auch das ist ein Grund, wieso viele erst mal lieber alles für sich behalten.

Es kann natürlich auch sein, dass es inzwischen schon soweit ist, dass keiner mehr die Lust hat, sich Gedanken über neue Ideen zu machen (quasi babys in die Welt zu setzen). Denn wer meistens hört, dass das ja nicht funktionieren kann, keinen Sinn macht, zu teuer ist, eine blöde Idee ist usw. usw. der hat halt auch irgendwann keinen Bock mehr.

Um den kritischen Anmerkungen zum Text vorzugreifen: Natürlich hab ich hier eher extreme geschildert und mir ist auch klar, dass das von Mensch zu Mensch, von Branche zu Branche, von Firma zu Firma unterschiedlich ist. Mir geht es darum Tendenzen zu erkennen. Wenn Sie Ihren Arbeitsplatz auf einer Skala bewerten würden, bei der 10 für “hier geht es meinen babys gut” und 0 für “keine Überlebenschance für meine babys” steht, wo würden Sie auf der Skala Ihr Kreuzchen machen? Und zum zweiten, was sagt das aus?

  • Über Ihren Arbeitsplatz
  • über Ihre Abteilung
  • über Ihre Kollegen
  • über Ihren Chef
  • über Sie selbst?

Und zum dritten: Wenn Ihnen das Ergebnis Ihrer Überlegungen nicht gefällt, was können Sie tun, um das ganze zu verändern? Ich meine damit im wahrsten Sinne des Wortes “baby-steps”. Kleinigkeiten, vielleicht das Feedbackformat wieder einführen? Oder überhaupt die Kommunikationsmuster mal wieder genauer betrachten (auch die eigenen)?

Es gibt immer etwas was in unserer Macht liegt, was wir ändern können. Und wenn es nur die eigenen Gedanken sind.

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7 Kommentare zu “My idea is my baby”

  1. on 22 Sep 2005 at 8:40 pm Rüdiger Süß

    Hallo Alexandra,

    habe den Eintrag von Terrence Simon in Deinem Blog gelesen. Es stimmt schon, sehr oft hat man Ideen, und weiss nicht wie man damit umgehen soll. Es ist immer ein Abwägen, wieviel einem selbst die Idee bedeutet. Ist es nur eine Vorstelleung von einer Sache, die man gerne hätte oder im Laden kaufen möchte, oder stecken finanzielle Interessen dahinter, die Sache selbst zu vermarkten. Dann kommt man irgendwann nicht mehr umhin, es zu veröffentlichen. Oder will man nur Anerkennung.

    Ein weiteres Kreuz will ich auch für Ideen brechen, die andere für verrückt erklären. Klar, irgendwann traut man sich nicht mehr, eine Idee an den Mann zu bringen. Aber man kann doch daraus lernen. Wieso ist die letzt Idee auf soviel Misverständnis gestossen? Was muss ich diesesmal beachten oder vorher abklären?

    ABER: Habe ich die richtigen Leute angesprochen???
    DENN: Sehr oft gibt es Ideen, die klingen verrückt, werden aber dennoch umgesetzt.
    Ich muss ganz ehrlich sagen: Das ging mir genauso. Aber es gibt Leute da draussen, die sind genauso verrückt wie ich oder ein paar Kumpels von mir. Wer immer nur in seinem eigenen Saft schmort, wird diese nie ändern können. Dafür sind Blogs schon nützlich, in denen man Kontakte knüpfen kann. Hoffe, das hat dir etwas weitergeholfen.

    Viel Spass beim Ideen haben und vor allem verbreiten!!!

    Rüdiger von Ideentower
    http://www.ideentower.de

  2. on 23 Sep 2005 at 11:43 am Alexandra

    Hallo Rüdiger,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Deine Anregungen find ich sehr interessant. Und vor allem den Punkt “die richtigen Leute” anzusprechen macht für mich auch sehr viel Sinn. Von daher lohnt es sich unter diesen Gesichtspunkten mal im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis zu forschen, wer denn da auf einer Wellenlänge liegen würde.

    Für mich persönlich ist das auch nicht wirklich das Problem. Mir fällt es halt immer wieder in meiner Arbeit als Beraterin auf, wie schwer sich viele Leute inzwischen mit ihren eigenen Ideen tun.

    Alexandra Graßler

  3. on 23 Sep 2005 at 1:16 pm Max

    hi alexandra,

    bin selbst stark mit dem thema ideen-findung vorallem im marketing-bereich verbandelt und fühle mich von deinen fragestellungen auch stark angesprochen.

    wenn zb. open-source projekte sich mit dem teilen von ideen über geschlossene systeme hinwegsetzen (siehe wikipedia, linux,…) wird es immer wichtiger sich gegenseitig idee-fragmente (angst-frei) zuzuspielen. eine offener austausch mit kunden, kollegen, usw. stellt für mich die effektivste art dar, als im stillen kämmerchen was auszuhecken…

    mir wurde das am stärksten nicht in meinem berufsalltag sondern innerhalb eine impro-theater-kurs bewußt. denn als impro-schauspieler gilt die bühne als angstfreier raum. dh. wenn du im echten leben einem bär begegnest, läuft man am besten davon. wenn du ihm aber auf einer theaterbühne begegnest, kannst du ihn töten. diese furchtlosigkeit ermächtigt dich inputs von anderen zu akzeptieren (ja-sagen) und den input wieder als veränderten output an die anderen zurückzuspielen. so entstehen kreative, unterhaltsame impro-theaterstücke. mit gutem teamwork verläuft es ähnlich. leider ist zb. eine abteilung eines größeren konzerns alles andere als ein angstfreier räum….

    in der praxis liegt somit vieles der strikten geheimhaltung, was ein harter wettbewerb leider erfordert. ideen-klau bzw. wirtschaftsspionage im weiteren sinne ist in vielen branchen teil des geschäfts. dass uns gerade die angst davor blockiert gute ideen zu entwickeln, ist eine unschöne ironie an der sache…no hope, no fear - create idea

    max

  4. on 23 Sep 2005 at 2:20 pm Alexandra

    Hi Max,

    interessanter Hinweis mit dem Impro-Theater und dem Stichwort “angstfreier Raum”. Was mich ja gleich dahin bringt über eine positive Formulierung nachzudenken. Denn solange ich über angstfrei nachdenke, bin ich ja erst mal mit Angst assoziiert. Hm, vielleicht sowas wie “mutvoller Raum” ?!? Naja, ich weiß ist auch noch nicht das gelbe, doch da werd ich auf jeden Fall weiter dran rumüberlegen. Vielen Dank nochmal für den Anstoß!

    Alexandra

  5. on 24 Sep 2005 at 6:00 pm Martin

    Ich hatte früher häufig das Problem, daß ich meine Ideen voller Begeisterung an alle die damit zu tun hatten vorschlug. Meistens kam aber nichts dabei raus, sondern die Energie verpuffte im Nirwana.
    Seitdem ich folgende Strategien anwende klappt es eigentlich ganz gut:
    - Was ist die positive Absicht hinter meiner Idee?
    - Welche Menschen können von der Idee und (!) der Absicht provitieren?
    - Diese Menschen spreche ich dann erstmal in Bezug auf die Absicht an. Die Idee kommt dann später fast von alleine.
    - Mir geht’s drum, daß die Ideen umgesetzt werden, darum ist es mir auch egal, wer den Lohn dafür einheimst.

  6. on 24 Sep 2005 at 6:11 pm Alexandra

    Da denkt ja jemand gleich schon mal im Voraus ;-) Das mit der positiven Absicht ist natürlich ein guter Treiber, wenn man Mitstreiter finden will. Ein guter Hinweis, vielen Dank!

    Alexandra

  7. on 04 Dez 2005 at 7:52 am Terrence Seamon

    Hallo Alexandra

    Greetings from New Jersey in the USA. How nice to see that you have noticed my blog.

    Herzlichst,
    Terrence Seamon
    Organisationsentwicklung Guy

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