Bist du dir Freund oder Feind?

Bist du dir Freund oder Feind?Bildquelle:https://pixabay.com/de/gegens%C3%A4tze-daumen-positiv-negativ-489521/ pixabay

Mit welchem Menschen würdest du lieber Zeit verbringen:

F. klagt oft über all den Stress, den sie den ganzen Tag hat. Sie hat ständig das Gefühl nicht alles zu schaffen und ist unzufrieden mit sich. Eigentlich müsste sie doch viel mehr leisten können, doch sie stößt an ihre Grenzen. Innerlich denkt sie oft über sich “du bist einfach zu schlecht, du wirst das nie hinkriegen, schon wieder hast du einen Fehler gemacht, du bist einfach zu langsam, wieso kann ich nicht so fit sein wie die Kollegin? Ich werd immer eine Niete bleiben…”

oder

G. Steht ganz schön unter Strom. Er hat viele todos auf der Liste und das schlaucht schon manchmal. Doch er ist zuversichtlich, dass er es bewältigen wird. Auch wenn mal etwas schief geht, spricht er sich selbst gut zu und nutzt seine Fehler als Möglichkeit sich zu verbessern. Seine Messlatte ist er selbst und er freut sich, wenn Kolleginnen gute Erfolge erzielen. Im Inneren zweifelt auch er manchmal, doch so wie er einen Kumpel ermutigen würde, macht er das auch mit sich selbst. Seine Gedanken gehen dann in diese Richtung: “Komm schon, du schaffst das. Ist nicht so schlimm, dass das nicht gleich geklappt hat, das kann jedem passieren. Was gibt es für Möglichkeiten das ganze zu anders anzugehen? Einfach dran bleiben und nicht aufgeben!”

Was unterscheidet sie wirklich?

Die beiden fiktiven Personen stellen je ein Ende eines Spektrums dar. Ich bin mir sicher, dass du Frau F. Und Herrn G. In deinem Bekanntenkreis hast. Und ich bin auch sicher, dass dir eine Begegnung mit Herrn G mehr Energie und Freude bringt als mit Frau F.

Doch was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen den beiden? Es geht um die Selbstwahrnehmung, das ist klar. Doch was genau ist anders?

Es ist das urteilen. Frau F urteilt über sich negativ und zerstörerisch. Dieses letzte, extreme Wort ist ganz bewusst gewählt. Wir haben alle mal einen Tag an dem wir so mit uns reden. Das eine Mal ist auch nicht das Problem. Zerstörerisch wird es durch seine Regelmäßigkeit. Wenn es zu einer Gewohnheit wird, so über sich zu denken. Wenn es ganz normal und natürlich wird, dass diese negativen Urteile das erste sind, was uns über uns selbst einfällt.

Welche Wirkung hat Urteilen?

Die Zerstörung nimmt ihren Beginn beim Verschlechtern des Immunusystems. Das Stresshormon Cortisol steigt und verringert damit die Fähigkeit unseres Körpers uns gegen Erreger zu wehren. Der neue Zweig der Medizin, Psychoneuroimmunologie, zeigt diese Zusammenhänge ganz klar auf.

Sie zeigt auch auf, dass positive, wohlwollende und wertschätzende Gedanken uns dabei helfen können gesund zu werden bzw. zu bleiben. Um das klar zu stellen: Wir reden hier nicht über zwanghaftes positives Denken, sondern um einen achtsamen gedanklichen Umgang mit uns selbst.

Wie ich oben eingangs gefragt habe, wird wohl jeder Mensch die unterschiedliche Wirkung von Begegnungen mit anderen erfahren haben. Je nachdem wie die innere Haltung unseres des anderen war und damit spürbare Stimmung nach außen, hat das auf uns abgefärbt.

Das liegt an den sog. Spiegelneuronen, die dazu gedacht sind uns in andere einfühlen zu können. Den Neuronen ist es im Prinzip egal was sie spiegeln, sie geben einfach weiter, was in unserem Gegenüber gerade passiert.

Wenn wir jedoch selbst ständig negativ über uns urteilen, dann haben wir nichts übernommen, sondern alles hausgemacht. Das ist erstmal nur eine Feststellung und nicht schon wieder ein negatives Urteil, um hier gleich bremsend einzuwirken.

Es ist einfach eine Tatsache, dass der andauernde negative Gedankenbeschuss in uns selbst eine Wirkung hat und wir das selbst verursachen. Was dazu führt, dass auch wir es in der Hand haben, etwas daran zu ändern.

Bist du dir Freund oder Feind?

Vielen Menschen ist jedoch gar nicht bewusst, wie sie mit sich innerlich reden. Das bedeutet der erste Schritt ist ein Wahrnehmen dessen, was du mit dir machst. Bist du dir Freund oder Feind? Redest du dir gut zu und hast Mitgefühl mit dir selbst oder machst du dich innerlich fertig und lässt kein gutes Haar an dir?

Kannst du das auf Anhieb sagen? Erinnere dich doch mal an ein Erlebnis in letzter Zeit bei dem dir richtig was schief gegangen ist. Was für Gedanken fallen dir dabei als erstes ein? Was für eine Färbung haben diese Gedanken? Wie bist du dir selbst gegenüber dabei eingestellt?

Wie gehen wir mit anderen um?

Wenden wir uns für einen kurzen Moment einem anderen Menschen zu: Wenn dieses negative Erlebnis einem guten Freund oder Freundin passiert wäre, was würdest du zu ihm oder ihr sagen? Wie würdest du dich verhalten? Welche emotionale Färbung hätten deine Worte?

Sind wir jemandem wohlgesonnen, werden wir eher ermutigen und trösten. Denn unser Wunsch ist ja, dass es dem lieben Menschen besser geht. Er eine neue Perspektive bekommt, die ihm hilft mit dieser Situation besser umzugehen und sich auf zukünftige Erlebnisse dieser Art anders einstellen zu können.

Du hast es tatsächlich in der Hand oder besser im Kopf 😉

Daher nochmal die Frage: Bist du dir Freund oder Feind?

Deine Antwort auf diese Frage, hat weitreichende Folgen. Wer sich selbst Freund ist, strahlt dieses Wohlwollen aus. Das führt im sozialen Umfeld zu einer ganz anderen Bindung mit anderen. Wir verbringen gern Zeit mit Menschen die mit sich selbst im reinen sind, das tut uns gut. Siehe obiges Stichwort Spiegelneuronen.

Das bedeutet, dass eine Hinwendung zu dir selbst im Sinne von “Freund sein”, soviel mehr an Wirkung nach sich zieht. Es stärkt nicht nur dich selbst, sondern auch dein soziales Netz. Und dieses Netz wiederum ist ein wichtiger Faktor um in schwierigen Lebenssituationen nicht auszubrennen.

Nimm doch in der nächsten Zeit mal bewusst wahr, wie du innerlich mit dir sprichst. Und wenn du merkst, dass du dir selbst Feind bist, dann überlege, was du einem Freund in der gleichen Situation sagen würdest und genau das sagst du dann dir selbst.

Sieh das urteilen einfach als Gewohnheit. Sollte es im Moment noch der Reflex zum negativen Urteilen sein, lässt sich das mit der Zeit ändern.

Entscheide dich bewusst dafür, dir selbst Freund zu sein.

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Bist du echt oder spielst du eine Rolle?

Bist du echt oder spielst du eine Rolle-

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Wenn du durch deinen Tag gehst, begegnest du verschiedenen Menschen zu allen möglichen Gelegenheiten. Wer bekommt dich von welcher Seite zu sehen? Bei wem bist du stark, bei wem bist du wehleidig, bei wem bist du lieb?

Wir alle machen es ständig. Wir spielen Rollen, wir passen uns an. Es ist fast so, als ob es eine Fernbedienung in uns gibt, die automatisch auf einen anderen Kanal schaltet, so bald wir es mit anderen Menschen zu tun haben.

Manchmal geht das automatisch ohne das wir es wollen und manchmal schalten wir bewusst um. Es ist zu manchen Zeiten, als ob wir permanent auf Dienstreise sind und nie zuhause. Nie in uns wirklich zuhause. Beschäftigt damit nach außen jemand zu sein. Ganz verschiedene Jemande, je nachdem wer uns gegenübertritt.

Wer bist du?

Wir sind die Schauspieler in unserem Stück. Fatalerweise wird uns das oft nicht mal bewusst. Es ist so automatisiert, dass wir uns anpassen, wie ein Chamäleon seine Farbe wechselt.

Wer sind wir wirklich? Welche von diesen ganzen Rollen ist tatsächlich unsere eigene? Wissen wir noch, wie wir eigentlich sind? Gibt es das überhaupt dieses Echt-Sein? Diese viel beschriebene Authentizität?

Ich glaube ja und nein. Denn wir entwickeln uns in unserem Leben (im besten Falle) und unsere Echtheit ist nichts festgeschriebenes. Wir sind nicht mehr der Mensch, der wir noch vor 5 Jahren waren.

Wann bist du echt?

Doch es gibt ein Echtfühlen. So würde ich das zumindest beschreiben. Momente in denen man sich ganz in sich zuhause fühlt. Entspannt ist in der Gegenwart anderer Menschen. Seine mentalen Schutzschilde herunterlässt und nicht jedes Wort abwägt, bevor man es ausspricht.

Es sind diese kostbaren Momente, in denen man still sein kann ohne das Gefühl zu haben, andere unterhalten zu müssen. In denen man sich nichts dergleichen fragt, was mit einer Verpflichtung anderer gegenüber zu tun hat. Im puren Sein. Dort sind wir echt.

Diese Momente kann es in jedem Lebensbereich geben. Ob in der Arbeit, in der Partnerschaft, mit Freunden oder allein mit sich in der Natur. Und wir sollten sie bewusst suchen und sammeln diese Momente.

Anpassen ist teuer

Denn Rollen spielen laugt uns aus. Anpassen ist unfassbar erschöpfend. Es kostet soviel Kraft und wir merken es oft nicht mal, weil es so automatisiert ist.

Wir passen uns an, weil es einfacher zu sein scheint, weil es gewohnt ist, weil wir keinen Unfrieden riskieren wollen, weil wir uns nicht unwohl fühlen möchten, weil wir niemanden vor den Kopf stoßen wollen, weil wir so erzogen worden sind etc. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Die Rollen-Schmieden

Inzwischen kommt es mir oft vor, als ob es kollektive Erwartungen gibt, die wir zu erfüllen haben. Das erste Kollektiv ist dabei die Familie. In der wir schon ganz früh lernen, welche Rollen dort gespielt werden und was unsere eigene dabei ist.

Die Zeit in der Schule bringt uns bei, welche Rolle wir dort zu spielen haben oder wir erleben uns dabei, dass wir nicht fähig sind, eine Rolle einzunehmen mit der wir gut über die Runden kommen. Oder vielleicht sind wir auch “gebucht” auf die Rolle des ewigen Verlierers oder Rebellen oder hübsche Prinzessin, häßlicher Schwan.

Und so geht es voran im Leben. Wir setzen oft unsere Kindheitsrollen fort. Stellen sie nicht in Frage, weil wir sie vielleicht auch gar nicht sehen. Sie sind wie Kontaktlinsen durch die wir hindurch sehen und die dazu gemacht sind, dass wir sie nicht wahrnehmen.

Gibt es dich dann noch?

Doch was passiert mit uns, wenn wir unser Leben auf diese Art verbringen? Wenn wir nur Rollen spielen und uns anpassen? Welches Leben leben wir da überhaupt?

Interessanterweise sagen Menschen die in einen Burnout rutschen häufig, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind. Sie haben sich auf dem Weg verloren.

Auf dem Weg es anderen recht zu machen, alle Erwartungen zu erfüllen (die fremden und die eigenen), sich ständig anzupassen an die vermeintlichen Erfordernisse und sich stets selbst gepusht haben um es zu schaffen. Das ist das Gegenteil von Echtsein.

Wie ist dieses Echtsein?

Menschen die ihr Echtsein mehr leben als andere, haben die Verbindung zu ihrem inneren Kern. Diese Verbindung stellt in gewisserweise sicher, dass sie nicht über ihre Grenzen gehen und sich komplett erschöpfen. Sie haben sich selbst im Blick.

Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Im Gegenteil, es ist unabdingbar für unsere körperliche und seelische Gesundheit uns selbst im Blick zu haben. Unsere Echtheit zu spüren und nah mit ihr in Kontakt zu sein.

Welche Rollen spielst du?

Auf welche Rolle bist du programmiert? Was spielst du immer wieder im Theater deines Lebens? Mach dir mal darüber Gedanken in einer ruhigen Minute.

Denk über Situationen nach, die du immer wieder erlebst und schau dir von außen an, welche Rolle du dort gewohnt bist zu spielen. Schau wie ein Zuschauer auf dein Stück. Bei welchen Menschen spielst du welche Rollen? Wo passt du dich immer wieder an? Wann passiert das ganz automatisch? Wo entscheidest du dich bewusst?

Die Preisfrage: Wo bist du echt? Was davon bist du wirklich? Wie fühlst du dich in den Situationen? Was erschöpft dich? Was entfernt dich von dir? Was laugt dich aus?

Die Rolle meines Lebens

Seit dem ich denken kann, war ich auf die Rolle programmiert, dass ich immer irgendwie eine Antwort weiß, wenn andere ein Problem haben. Dass ich stark bin und andere unterstützen kann. Dass ich lustig bin und andere in eine bessere Stimmung bringen kann.

Das ist eine Rolle, die einem selbst unheimlich viel geben kann. Auch im Sinne von Macht, Ansehen und Kompetenz. Es ist allerdings auch gefährlich sich darauf zu abonnieren, denn es führt dazu, dass man so etwas wie der Kummerkasten der Nation wird. Dass man um Hilfe gebeten wird in allen möglichen Lebenslagen.

Ablehnen gehörte zu meiner Rolle nicht dazu. Denn diese Rolle macht abhängig. Von dem Gefühl wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Dem Gefühl eine Berechtigung im Leben zu haben. Nein zur Hilfestellung zu sagen, hätte Ablehnung bedeutet und das hätte meine Berechtigung in Frage gestellt.

Auf eine Rolle abonniert zu sein, hat jedoch massive Nachteile. In meinem Fall war es so, dass ich selbst nie um Hilfe gebeten habe. Diese Möglichkeit war in meiner Rolle nicht angelegt. Ich bin schlichtweg gar nicht auf diese Idee gekommen.

Was dazu geführt hat, dass ich mich selbst erschöpft habe. Mir selbst verwehrt habe gut für mich zu sorgen und um Hilfe zu bitten und anzunehmen, wenn ich sie gebraucht hätte.

Als mein Vater starb bin ich vollkommen zusammen geklappt und es hat Jahre gedauert, bis ich wieder richtig auf deine Beine kam.

Meine Schwester sagte damals zu mir: “Ich hätte nie gedacht, dass ich dich einmal schwach erlebe. Das schockiert mich total. Du warst immer die Starke.” Und dabei war ich mit Abstand die Jüngste in der Familie. Doch ich hatte diese Rolle der Starken früh angeboten bekommen und hatte angenommen. Über viele Jahre.

Es war ein steiniger Weg für mich zu lernen um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen, doch nur wer sich eingesteht, dass er nicht mehr echt ist im Leben, kann erkennen, was zu tun ist, um das zu ändern.

Wahrhaft leben

Echtsein erfordert Mut. Angepasst zu sein und eine Rolle zu spielen ist oft einfacher. Einfacher aus dem Grund, weil es weniger Widerspruch hervor ruft, weniger Gegenwind. Doch auf lange Sicht ist es für uns die schlechteste Wahl.

Wer aufhört eine Rolle zu spielen und anfängt immer öfter echt zu sein, wird mehrere Dinge erleben. Zum einen tatsächlich Widerstand und Unwohlsein, weil Ablehnung oft das erste Mittel der Wahl ist von anderen Menschen, wenn sich jemand beginnt echt zu zeigen. Das macht denjenigen Angst, die selbst noch nicht so weit sind.

Doch es passiert auf der anderen Seite, dass plötzlich Verbindungen entstehen und sich vertiefen, weil man plötzlich echt ist. Die Wahrheit ist, dass eine wirkliche Verbindung erst dann entstehen kann, wenn man echt ist und sich dadurch verletzlich zeigt. Das macht uns menschlich. Rollen machen uns unmenschlich.

Es kann wie ein Reinigungsprozess sein mit den Menschen um einen herum. Man wird zwangsläufig einige von ihnen verlieren, doch die Tiefe der Verbindung mit denen die bleiben wird umso stärker.

Sei dir selbst treu

Dich selbst zu verleugnen nur um Menschen in deinem Leben zu halten und zufrieden zustellen, wird zu großem Bedauern führen an deinem Lebensende. Das kann ich dir garantieren. Echt zu sein und wahrhaftig zu leben wird dagegen dein Leben bereichern und ihm Tiefe schenken.

Und glaub mir, du hast jedes Recht dazu echt zu sein in deinem Leben. Mach dich auf den Weg zu dir. Bewege dich in deine Richtung. Verbinde dich mit deinem Kern. Lebe dein Echtsein.

Kannst du gut Grenzen setzen?

Kannst du gut Grenzen setzenFällt es dir schwer nein zu sagen? Grenzen setzen ist ein heikler Punkt für dich? Sind die Leute gewöhnt, dass sie dich zu jederzeit alles fragen können und du dich um eine Antwort und Hilfe bemühst?

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Hilfe geben um jeden Preis?

Viele von uns wollen freundlich und hilfsbereit sein. Vor allem als wir unser Geschäft gestartet haben, war es oft unser Anliegen möglichst viel Unterstützung geben zu können. Hast du auch Aufträge angenommen, obwohl du eigentlich kein gutes Gefühl dabei hattest? Und ist dir dieser Auftrag in der einen oder anderen Art später auf die Füße gefallen?

Hast du dich runterhandeln lassen oder Sachen umsonst gemacht, weil es dir schwerfiel nein zu sagen? Wie hast du dich dabei gefühlt?

Wie ist das mit dem Grenzen ziehen bei dir?

Wenn wir es versäumen Grenzen zu setzen, wird unser ständiges Verfügbarsein zu einer Tatsache mit der andere Menschen rechnen. Es ist, als ob alle den Gartenzaun rund um unser Haus nicht beachten und einfach drüberlaufen und ins Haus kommen.

Immer öfter und zu allen Tages- und Nachtzeiten. Der Zaun wird mit der Zeit regelrecht in den Boden getreten, weil er so oft übergangen wurde.

Was macht das mit dir? Wenn es keinen Schutzraum mehr gibt, in dem du nur für dich sein kannst? Wenn du nicht zu Ruhe kommen kannst, weil immer noch jemand etwas von dir will?

Was passiert mit dir, wenn du keine Grenzen ziehst?

Wer das auf Dauer mit sich geschehen lässt, steuert mit astreiner Genauigkeit in einen burnout. Stets für andere da zu sein, mag uns lobenswert erscheinen, doch letztlich verbrauchen wir uns damit selbst. Wir verbrauchen unsere Energie, unsere Gesundheit, unser Denkvermögen, unsere Zufriedenheit.

Wer ständig für andere da ist, ist nie für sich selbst da. Macht keinen Sport mehr, isst nur das, was eben schnell verfügbar ist, kümmert sich nicht um seine Gesundheit und vernachlässigt sich selbst vollkommen.

Game over

Am Ende steht oft eine ähnliche Situation: Der eigene Körper zieht den Stecker. Nichts geht mehr. Was aber andere nicht unbedingt davon abhält, trotzdem darum zu bitten, etwas für sie zu tun. Und dann sogar in manchen Fällen noch Unverständnis dafür haben, dass man nun wirklich nicht in der Lage ist eine Leistung zu erbringen.

Was passiert als nächstes?

Sie suchen sich jemanden anderen. So einfach ist das. Man wird ausgetauscht. Krass gesagt, wenn bei einem Menschen nichts mehr zu holen ist, sucht man sich eben den nächsten. Denn eines muss dir klar sein: Mit dem Verhalten keine Grenzen zu setzen, ziehst du genau diesen Typ Mensch an, der dich nur aussaugt.

Wer keine Grenzen setzt, wird nicht respektiert

Wenn du dir in diesem Jahr selbst einen Gefallen tun willst, dann fang an Grenzen zu setzen. Bau deinen Zaun um dein Haus wieder auf und verteidige ihn. Lass nicht mehr zu, dass er übergangen wird.

Je mehr du das hinkriegst umso mehr wirst du erleben, dass du andere Menschen anziehst und als Kunden gewinnst. Du bist der Spiegel. Wenn du dich selbst respektierst, wirst du auch Kunden erreichen, die dich respektieren.

Wie geht es dir mit dem Grenzen ziehen? Wo fällt es dir schwer, deinen Gartenzaun aufrecht zu erhalten?

Wenn du Lust hast dich mehr darüber auszutauschen komm in unsere Facebook-Gruppe Business ohne Burnout

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Wandern heißt vollenden – Krümel im Bett Folge 10

Wandern heißt vollendenZur Zeit verweile ich wieder auf La Palma. Es ist ein wunderschönes Fleckchen auf unserer Erde und für jemanden der die Natur und die Berge liebt wie ich, ein absolutes Eldorado.

Doch ich wollte dir gar nicht so sehr vorschwärmen wie schön es hier ist, sondern Gedanken mit dir teilen, die mir heute während des Tages durch den Kopf gegangen sind.

La Palma ist eine Vulkaninsel und die schwarze Erde bildet einen starken Kontrast mit all dem Grünen, was es hier gibt. Wer einmal hier ist, sollte unbedingt in die Vulkanwelt eintauchen und wandern gehen in einer Mondlandschaft die allerlei skurile Felsformationen aufweist.

Hin heißt auch zurück

Als ich heute munter hinaufgeklettert bin auf einen dieser schwarzen Riesen, war mir zwischendurch nicht ganz wohl, denn ungefährlich ist das hier nicht. Man kraxelt durch Felsenvorsprünge neben denen es steil bergab geht. Da heißt es aufpassen wo man hinsteigt.

Gerade dahin geht hier auch kaum etwas. Jeden Berg, den man auf Serpentinen runterwandert, muss man irgendwo auch wieder hinauf, wenn man zu seinem Auto zurück will.

Ob einem jetzt grad der Sinn danach steht oder nicht. Ob man noch Kraft hat oder nicht. Ob man jetzt will oder nicht.

Genau das war der Gedanke, an dem ich heute wie ein Krümel im Bett hängengeblieben bin:

Wandern heißt vollenden.

In irgendeiner Art und Weise muss ich an meinen Ausgangspunkt zurück um wieder zu meinem Häuschen fahren zu können.

Mitten auf dem Weg stehen bleiben und keine Lust mehr haben, das funktioniert hier nicht. Wandern heißt vollenden.

Manchmal geht mir am Ende der Wanderung ganz schön die Puste aus. Vor allem, wenn das letzte Stück ein steiles ist und es nochmal alle Kräfte braucht um die Steigung zu erklimmen. Da werden die Pause öfter und länger. Doch trotzdem hab ich es bis jetzt immer wieder geschafft. Interessanterweise kann ich immer nochmal Kräfte mobilisieren, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie noch habe.

Und im wirklichen Leben?

Wie ist das so in unserem Leben? Wieviele Dinge und Projekte fangen wir an und beenden sie nicht? Verlieren die Lust und machen einfach nicht mehr weiter. Es reizt uns nicht mehr, wir kommen nicht voran, es stellt sich schwieriger dar, als gedacht.

Am liebsten wären wir schon weiter damit und können das Ende nicht sehen. Wir sind frustriert und sehen keinen Sinn mehr darin. Tja und so türmt sich ein unvollendetes Projekt auf dem anderen.

Nicht nur die sichtbaren Dinge, die wir angefangen haben, sondern auch alle gedanklichen Projekte, die wir gestartet haben für einen Businessplan, eine Buchidee, Basteln mit den Kindern, besondere Geschenke, die man mal machen könnte usw.

Verführen lassen wir uns gerne…

Unsere beschleunigte Welt verführt uns dazu, dem Neuen mehr Gewicht zu geben, als dem schon bereits angefangenen. Wir lassen uns einfangen von dem Reiz immer wieder etwas auszuprobieren, weil wir das Gefühl vom Anfangen so mögen. Es macht Spaß, beschwingt, gibt Energie und das gefällt uns.

Nach einer Weile hört dieses Gefühl jedoch ganz natürlicherweise auf. Genauso wie jede Verliebtheit geringer wird, einfach nur dadurch dass Zeit vergeht und ein Gewöhnungseffekt einsetzt.

Kein Mensch würde den Adrenalinrausch des Neuen auf Dauer aushalten.

Doch dann stehen wir da mit unseren angefangenen Projekten, Beziehungen und Ideen. Was nun?

Es nervt? Keine Ahnung wie es weitergehen soll? Der Reiz ist weg und jetzt ist es langweilig? Oh, dann lieber wieder schnell was Neues anfangen.

Ist es das, was wir wollen?

Und so vergeht unser Leben. Es besteht oft aus einer unendlichen Anzahl von Neuanfängen. Von denen selten welche beendet werden.

Sind wir denn zufrieden damit? Macht es uns wirklich glücklich, schon wieder etwas auf den Friedhof der unvollendeten Werke abzuladen? Nein. Es macht uns unglücklich, unzufrieden und raubt uns unsere Zuversicht.

Wie wir spätestens seit Dr. Zeigarnik wissen, sind all diese Projekte wie offene Schubladen an denen wir uns geistig anhauen, wenn wir zu schnell um die Ecke gehen.

Unfertige Projekte haben die Angewohnheit in unserem Kopf zu bleiben. Sie sind präsent und wollen uns daran erinnern, dass da noch etwas offen ist. Je älter wir werden, umso größer ist unser Schuttplatz an Unfertigem und das sind viele offene Schubladen…

Mach doch mal die Probe auf’s Exempel und starte eine Liste mit Dingen, Ideen und Projekten die du angefangen und nicht vollendet hast.

Seien es Geschäftsideen, Hobbies die du ausprobiert hast, Reisen die du unternehmen wolltest, Menschen, zu denen du Kontakt halten wolltest, Kunst oder Musik die du üben wolltest, grandiose Ideen in deiner Partnerschaft, die du verwirklichen wolltest, Bastelprojekte und alle anderen Dinge, die du gestartet hast und die es nie über den ersten Gang hinaus geschafft haben.

So eine Liste kann lang oder kurz sein, doch eines ist sie meistens: frustrierend

Vollenden ist out

Wieso fällt es uns nur so schwer Dinge zu vollenden?

Ich kann dir nur meine Gedanken dazu sagen: Oft geben wir auf, wenn die Anfangseuphorie verschwindet und sich ein Gefühl der Sinnlosigkeit einstellt.

Wieso sollte ich das noch weiterverfolgen? Es macht mir keine Freude mehr. Doch genau das kann eine Finte unseres Geistes sein, der nicht daran interessiert ist, seine Komfortzone zu verlassen.

Er gaukelt uns vor, dass wir uns für das falsche entschieden haben und doch lieber etwas Neues ausprobieren sollten, das macht doch gleich viel bessere Gefühle.

Denn das ist es, was unser Geist sucht. Er will Anregung, er will die guten Hormone spüren, wenn man so will 😉

Was kann ich tun um das zu ändern?

Jetzt kommt es drauf an, wer Herr im Haus ist. Das Marshmellow-Experiment von Walter Mischel hat hundertfach bewiesen, dass es zwei Reaktionsweisen gibt, die sich in der Langzeitwirkung kolossal unterscheiden:

Wer an der kurzzeitigen Bedürfnisbefriedigung interessiert ist, wird sich immer wieder gern von Neuem verführen lassen und Dinge nicht vollenden. Das führt auf lange Sicht zu Unzufriedenheit, weitaus weniger Erfolg im Leben und der Unfähigkeit sich durch schwierige Situationen wirklich hindurchzubeißen.

Wer es jedoch schafft, auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung zugunsten einer späteren Belohnung zu verzichten, der baut in sich die Fähigkeiten auf die es braucht, um Dinge zu vollenden, dranzubleiben wenn es schwierig wird, sich mit Frustrationen auseinanderzusetzen und weiterzumachen. So lang bis das Ziel erreicht ist.

Vollenden ist der beste Zustand

Das Ziel zu erreichen, zu vollenden, ist ein vollkommen anderes Gefühl als die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung. Es macht unglaublich zufrieden und froh, am Ziel angelangt zu sein. Wir spüren einen Stolz in uns, dass wir es tatsächlich gemeistert haben.

So wie ich heute dann auch verschwitzt, außer Puste und mit zitternden Beinen vor Anstrengung wieder an meinem Ausgangspunkt angelangt bin. Ich habe den Weg vollendet.

Was für ein wunderbares Gefühl. Das ist die Belohnung für’s Durchhalten. Für’s dranbleiben, für’s Verlassen der Komfortzone und für das Vollenden.

Dieses zutiefste Gefühl der Zufriedenheit gilt es wahrhaft zu spüren. Ich sitze dann oft 10 Minuten da, genieße die Aussicht und bin einfach stolz auf mich, dass ich es geschafft habe. Ich gehe nicht gleich wieder zur Tagesordnung über, sondern bade in dem Gefühl, dass ich mich überwunden habe und die Komfortzone wieder ein Stück erweitert habe.

Das waren die Gedanken, die mir heute beim Unterwegs sein durch den Kopf gingen. Wandern heißt vollenden.

Jetzt bist du dran:

  • Wie wäre es, wenn du dich auch dem Vollenden verschreibst?
  • Was würde sich dadurch in deinem Leben ändern?
  • Was wäre dir möglich?

Wandern heißt vollenden - wie oft machen wir Dinge wirklich fertig? Oder blockieren uns unsere "offenen Enden"?

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