Armut und Not ist nicht das gleiche

madame-mitterand.jpgDas Titelzitat stammt von Danielle Mitterand, der Witwe des verstorbenen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Sie war diese Woche am Montag in Passau bei Menschen in Europa 2007 in der PNP Passau zu Gast.

Zusammen mit Frau Köhler und Frau Klausova diskutierten Sie, unter der wunderbaren Leitung von Alfred Biolek, zu verschiedensten aktuellen und persönlichen Themen.

Am meisten beeindruckt hat mich in der Runde Madame Mitterand. Sie ist trotz ihres hohen Alters immer noch sehr aktiv mit ihrer Stiftung zu Gange und engagiert sich weltweit. Sie erzählte von ihren Reisen in z. B. in das Amazonasgebiet und fand dort u.a. wirtschaftliche Verhältnisse von einem Bruttosozialprodukt von 0 vor. Doch die Menschen litten deswegen keine Not. Für unsere Verhältnisse ist das überhaupt nicht vorstellbar, nichts zu verdienen. Unsere automatische Schlussfolgerung ist, welche Not und welche Armut muss dort herrschen.

Weit gefehlt. Madame Mitterand berichtete von einem funktionierenden Sozialsystem, zufriedenen Menschen, die ihre Bedürfnisse im Tauschhandel erfüllen und keineswegs Not leiden, obwohl sie faktisch in materieller Armut leben. Im Gegenteil die Menschen fühlten sich reich.

Damit kam sie auch zum Kritikpunkt an den europäischen Systemen. Sie kritisierte, dass in Europa Geld das Zentrum der Welt ist. Und daran alles gemessen würde.

Im weiteren Verlauf gab es interessante Definitionen von Armut, die vor allem im westlichen Europa immer mehr um sich greifen. Und diese haben mich sehr nachdenklich gemacht:

Armut

  • = keine Teilhabe an Bildung
  • = keine Liebe zu erhalten
  • = geistig unterernährt zu sein
  • = durch Vernachlässigung
  • = seelischer Natur

Vor allem beim letzten Punkt waren sich alle drei Damen einig. Wir verarmen seelisch, sind immer weniger in der Lage funktionierende Beziehungen aufzubauen und setzen den gefühlten Reichtum direkt mit unserem Bankkonto in Verbindung.

fragezeichen.jpgWie geht es Ihnen damit? Fühlen Sie sich reich? Wenn nicht, an was liegt das? Mit was setzen Sie Ihren Wert in Verbindung?

Weitergefragt, geben Sie Ihren Reichtum weiter? Und damit meine ich jetzt alles außer Geld. Pflegen Sie Ihre Freundschaften und Beziehungen wirklich? Wenn nicht, was hält Sie davon ab?

Schenken Sie dem Gespräch das Sie gerade führen wirklich Ihre volle Aufmerksamkeit? Sind Sie anwesend oder abwesend?

Wie gehen Sie mit sich selbst um? Schenken Sie sich selbst liebevolle Aufmerksamkeit? Oder vernachlässigen Sie Ihre innersten Bedürfnisse?

Was können Sie jetzt in diesem Moment tun, um sich seelisch reich zu fühlen? Ihre Ideen dazu interessieren mich sehr. Lassen Sie uns teilhaben und schreiben einen Kommentar dazu.

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7 Replies to “Armut und Not ist nicht das gleiche”

  1. Hallo Alexandra!

    Es wundert mich nicht, dass ich den ersten Kommentar dazu schreibe, obwohl der Artikel schon über eine Woche online ist. Du stellst unbequeme Fragen. Das rührt an tiefen und wahren Wunden. Der waidwunde Mensch leckt die Wunden im Verborgenen und oberflächlich geht alles weiter wie gehabt. Irgendwann führt der Schmerz über die innere Armut zu einem Riss. Wahrscheinlich kennt jeder von uns die seelische Armut und vermeidet im Alltag, hinzuschauen.
    Interessant auch, dass solche Veranstaltungen nur regional stattfinden und auch nicht zur Prime-Time im Fernsehen laufen.
    Steuert unsere Gesellschaft auf einen Abgrund zu? Vielen Dank für den Denkanstoß, zwischen Armut und Not zu unterscheiden und die Brille abzusetzen: “Ich habe soundsoviel Einkommen, also bin ich nicht arm.”

    Liebe Grüße, Claudia

  2. Liebe Alexandra,
    Ich selber interessiere mich sehr für diese Thema und schreibe auch eine Jahresarbeit über “innerliches Arm und Reich” da ich es sehr schade finde dass so viele Leute ihre “Brille”, so wie Claudia schon sagte, nicht abziehen und einfach so tun als wäre dieses Thema nicht aktuel. Ich finde es toll, dass es noch Menschen gibt die sich dafür einsetzen und darauf aufmergsam machen.Ich selber lebe auch nicht in einer sehr guten finanziellen Situation, aber ich habe meine Freunde und ganz viel Liebe, aber wie geht es denen die kein Elternhaus, keine Freunde oder Liebe haben?! Ich sehe es genauso das Geld überbewertet wird.
    “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”
    (der kleine Prinz)

    Lieben Gruß Julia

  3. @Julia
    Vielen lieben Dank für deine Gedanken. Sich mit dem inneren Reichtum immer wieder auseinanderzusetzen finde ich eine ganz wichtige Aufgabe unserer Zeit. Und dazu gehören die Pflege der Kontakte zu Menschen die uns nahestehen ganz besonders.
    Alles Gute für dich.

  4. Pingback: Westerwelle holzt weiter in der Hartz-Debatte /// Linkes Weblog

  5. Hallo!
    hmm… ich schreibe gerade eine Arbeit zum Thema Armut, darin kommt auch das Thema seelische Armut vor.
    Einige Gedanken zu den gestellten Fragen.
    Ich denke, sehr sehr viele Menschen sind auf der Suche nach Heilung ihrer inneren Zerbrochenheit, seelischen Armut. Sie sehnen sich nach bedingungsloser Liebe und Angenommenheit.
    Ich persönlich habe meinen Wert im (dreieinigen) Gott gefunden. Er allein liebt JEDEN bedingungslos. Wenn jemand sich dieser Liebe entgegenstreckt, sich ihr öffnet, sie annimmt, erfährt er ihre heilende Wirkung. Durch ihn allein bin ich seelisch reich, unglaublich reich. Er gibt mir auch Glück, Glück das anhält, nicht wie Glück, das vielleicht kurze Zeit durch Geld bewirkt wird.
    Ein Vergleich dazu: Jeder Mensch hat eine Schatztruhe, die er möglichst zu füllen versucht, denn nur dann fühlt er sich glücklich. Doch bei vielen fehlt der Boden der Schatztruhe, bzw. er ist nicht stabil. Kaum haben sie etwas in die Schatztruhe “geschafft”, fällt es wieder unten ‘raus.
    Wenn der Mensch jedoch einen festen, bleibenden Boden hat, kann er sich in der Truhe Schätze ansammeln. Und auch wenn diese einmal vergehen, gestohlen werden o.ä. Der Boden bleibt.

    Mein “bleibender Boden” ist das Wissen, dass ich angenommen & geliebt bin, wie ich bin, von Gott und ich am Ende meines Lebens in Ewigkeit in seiner Gegenwart, wo die Liebe allein regiert, leben darf.
    Diesen “bleibenden” Boden wünsche ich JEDEM!!

    Und noch was Beziehungen leben angeht: Durch diese Liebe werde ich auch dazu befähigt. Das heisst, Gott lehrt mich immer mehr, die Menschen um mich so zu sehen, wie er mich sieht und mit ihnen so umzugehen, wie er mit mir umgeht.

    Ich könnte mir wirklich nichts seelisch reicher machendes vorstellen wie eine Leben mit Gott!!

    Lieben Gruss

  6. Die Seele der Menschen kann niemand erklären, aber eins sind wir alle einig: Die Seele kann arm werden.

    Darwinstheorie ist ein Dogma und wird wissenschaftlich nie bewiesen, dass das Leben zufällig durch Naturereignisse entstanden ist.

    Seele und Materie sind eng miteinander verbunden und durch logisches(auch wissenschaftliches) seelisches Denken wird man feststellen, dass es nur einen Schöpfer geben kann, der Selbst immer da gewesen ist, ihm nichts gleiches gibt, Allerbarmes, Barmherzig ist, gerecht und Alles Gutes für seine Schöpfung will.

    Gibt man die Seele ihre Befreiung von allen Schöpfungen und nur die größte Unterstützung durch den Einzigen, der über alles steht, dann wird sich die Seele frei und stark fühlen, dann kommt man zum seelischen Reichtum.

    MfG

  7. Pingback: Es gibt was zum Gewinnen – der WissensAgentur-Blog wird 6!

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